UEFA Youth League Spielbericht und Analyse: RSC Anderlecht U19 – FC Barcelona Juvenil A

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Der Gegner, gegen den die Jugend des FC Barcelona in der vergangenen Saison im Achtelfinale ausschied, stand dieses Jahr im Viertelfinale der UEFA Youth League bereit: der RSC Anderlecht. Doch erneut mussten sich die Katalanen gegen die Gegner aus Belgien geschlagen geben. 2:0 stand es am Ende nach einem ereignisarmen, doch niveauvollen Spiel.

Zuallererst: Wie erreichten die beiden Vereine das Viertelfinale? Als Gruppenerster hatte die Juvenil A des FC Barcelona das Heimrecht gegen Midtjylland. Der dänische Kandidat wurde mit 3:1 geschlagen. Anderlecht bekam dagegen Dinamo Zagreb zugelost und musste gegen die Kroaten eine 0:2-Niederlage hinnehmen. Ein Ausscheiden bedeutete dies jedoch nicht. Aufgrund eines Formfehlers, bei dem ein Spieler unberechtigterweise eingesetzt wurde, wurde Anderlecht der Sieg zugesprochen. Der Begünstigte wollte auf die Teilnahme im Viertelfinale verzichten, sodass Zagreb, der sportliche Sieger, weiter im Turnier verbleibt. Die UEFA ließ jedoch nicht mit sich reden und so kam die Wiederbegegnung des Vorjahres zustande.

Im Vergleich zum Viertelfinale stellte Gabri seine Mannschaft auf 4 Positionen um. Den gesperrten Montes auf der Rechtsverteidigerposition musste Sergi Palencia aus der Barça B ersetzen, der für den Wettbewerb noch nicht zu alt ist. Ansonsten gab es keine Alternative im eigentlichen Kader der Juvenil A. In der Innenverteidigung startete Arnau, während Adrià Vilanova dafür auf die Bank musste. Der verletzte Linksverteidiger Cucu wurde durch Enric ersetzt, während im Mittelfeld Oriol Busquets spielte und für ihn Théo vorerst auf die Bank musste. Der Angriff blieb unverändert.

Hier die Aufstellungen beider Mannschaften im Überblick:

Aufstellung RSC Anderlecht U19: Svilen, Faes, Amrani, Bourard, Azevedo-Janelas (71‘ Amuzu), de Medina, Sowah, Mangala, van der Heyden (54‘ Silinou), Bernier, Vancamp (90‘ Petit)

Aufstellung FC Barcelona Juvenil A: Andreu, Palencia, Arnau, Juanma, Enric, Aleñà, Ferrán (80’ Marc Río), Busquets (56’ Théo), Paik (64’ Carles Pérez), Mújica, Lee

Wenige Highlights auf beiden Seiten

https://www.youtube.com/watch?v=3hMyAgtw7nM

Wer sich die Highlights angesehen hat, wird sich fragen, ob die erste Halbzeit nicht fehlt. Tut sie aber nicht. Bis auf die Aktion, in der Andreu aus seinem Tor kam und eine Aktion entschärfte, ist auf keiner Seite etwas Gefährliches passiert. Die Jugend von Anderlecht kam etwas besser in das Spiel hinein, doch spätestens nach 15 Minuten hatte die Juvenil des FC Barcelona alles unter Kontrolle. Doch Kontrolle allein bringt wenig, wenn man selbst keine gefährliche Situation starten kann. Dies wusste auch Gabri und stellte sein Team für die zweite Halbzeit neu ein, sodass die Katalanen mit viel Schwung und deutlich offensiver aus der Kabine kamen. Eine Doppelchance vereitelte, nachdem der Torwart schon geschlagen war, jeweils der Junior-David-Luiz namens Faes. Exzellent erkannte er die Situation und positionierte sich für den Nachschuss Barças perfekt, um das Tor zu verhindern.

Schwebte ein Treffer für die Blaugranas eben noch in der Luft, kam er plötzlich auf der anderen Seite zustande. Viel zu frei konnte Vancamp nach einem Eckball die Kugel aus kürzester Distanz mit der Brust hinter die Linie drücken (53‘). Schwer auszumachen, wer hierbei die Hauptschuld trug. Kapitän Juanma sah sich gleich zwei Gegenspielern gegenüber, sodass er den Torschützen nicht verfolgen konnte. So nahe vor dem eigenen Tor kann man allerdings auch nicht die Verantwortung des Torwart Andreu ausklammern. Danach war von dem anfänglichen Aufwind Barças nur noch wenig zu spüren und auch die eingewechselten Théo und Carles Pérez änderten daran nicht viel. Letztendlich kam noch Marc Río als zusätzlicher Stürmer ins Spiel, hatte jedoch keine wichtige Aktion in seinen 10 Minuten. Einen Konter im 2-gegen-1 gegen die weit aufgerückten La-Masia-Akteure verwandelte Bernier zum 2:0 und damit dem Endergebnis (88‘).

Herangehensweise der Katalanen zu vorsichtig

Natürlich gibt es wenig daran auszusetzen, dass man mit einer völlig neu strukturierten Viererkette in der Verteidigung erst einmal auf Sicherheit spielt, um sich kein Gegentor zu fangen. Das machte der FC Barcelona am Anfang gut und überstand die erste Druckphase Anderlechts. Danach gehörte jedoch Barça das Spiel (59% Ballbesitz), doch sie machten daraus herzlich wenig. Die beiden Außenverteidiger waren offensiv viel zu wenig eingebunden. Oft bewegten sie sich kaum viel weiter nach vorne als bis zur Mittellinie und boten somit auch keine Anspielstation in der Offensive. Palencia hatte eher mal einen offensiven Lauf, wurde von seinen Mitspielern aber konsequent ignoriert. Mitschuld daran hatte, neben der Tatsache, dass sie in der Mannschaft tatsächlich fremd sind, womöglich die zentrale Ausrichtung der beiden koreanischen Flügelstürmer Paik (rechts) und Lee (links). Zusammen brachte das völlig verwaiste Flügel, die es Anderlecht zu einfach machten, das Zentrum abzudecken und damit das komplette Offensivspiel Barcelonas zu unterbinden.

Des Weiteren zog sich der FC Barcelona bei gegnerischem Ballbesitz meist sehr weit zurück. Bis auf Zentralstürmer Mújica standen alle Spieler im und um den Strafraum hinter dem Ball. Damit war zwar verbunden, dass Anderlecht selbst keinen Platz fand, um für Gefahr zu sorgen, jedoch verpufften die Konter der Katalanen damit auch im Nu und waren kein relevanter Faktor für das Spiel. Besser wäre es wohl gewesen, deutlich früher zu einem Pressing anzusetzen, um den Ballgewinn nutzen zu können. Doch von einem solchen Ansatz war praktisch nichts zu sehen.

Eine besondere Auffälligkeit hatten erneut die Eckbälle des FC Barcelona. Wie schon in den vergangenen Spielen zu sehen war, orientierten sich praktisch alle Spieler am kurzen Pfosten und ließen den Rest des Strafraums völlig frei. Doch anstatt dies zu nutzen, indem sich ein Spieler plötzlich absetzt und freie Bahn hätte, wie es in der Gruppenphase zu beobachten war, landeten in dieser Partie alle Bälle in der Spielertraube und blieben dabei durchgängig harmlos.

Kompaktes Anderlecht mit Glück zur Führung

Die Jugend des RSC Anderlecht bot dem FC Barcelona schon deutlich früher Parole und presste die Spieler etwa ab Höhe der Mittellinie. Aufgrund der mangelnden Flügelbesetzung war es den Belgiern eine Leichtigkeit, die eigene Hälfte kompakt zu besetzen und den Katalanen den Zugriff auf diese zu verwehren. Barça selbst blieb nur die Möglichkeit, den Ball wieder hintenrum über die Verteidiger zu spielen und war somit weit von der Gefahrenzone entfernt. Gelang dem FC Barcelona jedoch ein Spielzug in der gegnerischen Hälfte, entgegnete Anderlecht dem mit großer Härte und scheute keine Fouls am Gegner, um deren Spielfluss zu unterbinden. Somit hatten sich die Mannschaften in der ersten Hälfte gegenseitig im Griff und ließen nichts anbrennen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte brachte Barça mit viel Schwung den Gegner an den Rande eines Gegentores, kassierte jedoch wie oben beschrieben selbst eines. Das ermöglichte Anderlecht nun natürlich, sich noch weiter zurückzuziehen und nur noch auf Konter zu bauen. Sie boten den Katalanen nun etwas mehr Raum in Richtung des eigenen Sechszehners und verdichteten sich erst weiter hinten. Eine besondere Rolle in der zweiten Halbzeit übernahm Linksverteidiger Enric, der nun seine offensiven Qualitäten zeigen konnte. Nicht nur einmal gelang ihm dank guter Läufe der Durchbruch durch die gegnerische Abwehr; dann allerdings blieb der entscheidende Moment aus.

Aleñà als Leitwolf, Lee und Paik uneingewöhnt, aber kämpferisch

Der auffälligste Mann an diesem Abend war sicher Mittelfeldmann Carles Aleñà. Der Mann, der schon für die Herren nominiert wurde, jedoch nicht zum Einsatz kam, war überall auf dem Platz zu finden. Mit seiner Omnipräsenz und energischen Art versuchte er sich immer anzubieten und suchte gleichfalls ständig Wege, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Wenn einer richtig überzeugen konnte, dann Aleñà. Sein Mittelfeldpartner Oriol Busquets war offensiv weitgehend wertlos, während der defensivere Ferrán nicht schlecht spielte, aber unscheinbar blieb. Die Einwechslung Théos für Busquets war eine klare Steigerung, da der Franzose offensiv deutlich mehr bieten konnte.

An der Abwehrkette gibt es aus Sicht der Verteidigung wenig auszusetzen. Das offensive Nichtvorhandensein in der ersten Hälfte und die Umstellung Enrics wurden schon oben beschrieben.

Großes Interesse vonseiten der Fans besteht an den lange Zeit gesperrten Koreanern Seung-Ho Paik und Seung-Woo Lee, die auf den Flügeln starteten. Dort waren sie jedoch seltener zu finden. Oft ließen sie sich zurückfallen oder boten sich zentraler an, was sie selbst zwar weniger isolierte, dem taktischen Gefüge aber nicht besonders gut tat. Sowohl Lee als auch Paik zeigten sich technisch sehr gut, ja fast schon exzellent. Oft suchten sie das Dribbling, um einen Gegner zu überwinden, dies jedoch etwas zu häufig und nicht immer erfolgreich. Allgemein war ihre Entscheidungsfindung noch sehr ausbaufähig, was jedoch kein Vorwurf sein kann, da sie erst seit so kurzer Zeit mit der Mannschaft spielen dürfen. Ähnliches gibt es ja bei Arda Turan und Aleix Vidal in der ersten Mannschaft zu beobachten. Sobald die beiden in das Konstrukt integriert sind, können sie eine echte Waffe werden. Ihr Einsatz war an diesem Abend auf jeden Fall mehr als vorbildlich. Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch Mújica im Sturmzentrum, der fast völlig isoliert wurde und keinen großen Beitrag zum Spiel leisten konnte.

Damit schied der FC Barcelona also in der dritten Ausgabe der UEFA Youth League etwas unglücklich, aber auch nicht völlig unverdient aus. Hoffen wir gespannt, dass die kommende Jugendmannschaft es wieder besser macht.

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