Vilanovas Zugeständnis

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Isco und Illaramendi, Götze und Thiago Alcántara – nicht, dass es Real Madrid und der FC Bayern München nötig hätten, haben sie sich diese herausragenden Spieler dennoch einverleibt und damit ihr ohnehin starkes Kollektiv weiter aufgewertet. Der FC Barcelona hält mit der Verpflichtung von Neymar und einem Innenverteidiger, der nicht den Namen Thiago Silva trägt, dagegen. Für viele Culés Grund genug, mit Unbehagen in die neue Saison zu blicken, vermuten sie die wahren Hintergründe für das steigerungswürdige Abschneiden in der vergangenen Saison weder im Sturm noch in der Innenverteidigung. Nicht nur die Mannschaft spielte unter ihren Möglichkeiten, auch die Leitungsorgane blieben hinter den Erwartungen zurück.

Für Vilanova kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Auf der gestrigen Pressekonferenz gab er zu verstehen, dass die Saisonabschlussanalyse bestimmte Missstände zutage förderte, die es nun zu beseitigen gilt. Er richtete eine wichtige Botschaft an die Journalisten, die in der Pressehektik rund um die Themen Guardiola, Thiago und Silva fast unterging. Dieser eine Satz war die wahre Quintessenz der gestrigen Pressekonferenz, ein fruchtbarer Boden für die Hoffnung nach besseren Zeiten.

Ich habe mich mit meinem Team in den letzten zwei Wochen der vergangenen Saison zusammengesetzt, um die Performance zu rekapitulieren. Wir sind überzeugt, dass wir uns verbessern müssen. […] Ich kenne Rubi seit Jahren, er wird für mein Team sehr wichtig sein. In der Vergangenheit habe ich viel Zeit damit verbracht, die Gegner zu analysieren. Mit Rubi werde ich in der Lage sein, mehr Zeit mit der Mannschaft zu verbringen

Dieser Satz klingt nicht unbedingt nach einer revolutionären Erkenntnis, er klingt fast beliebig und wurde auch von der Presselandschaft mit wenig Interesse zur Kenntnis genommen. Dabei wird übersehen, dass sich hinter diesem Einzeiler ein weitreichendes Zugeständnis verbirgt. Tito Vilanova musste viel Zeit für die Analyse der Gegner entbehren und konnte nicht immer bei der Mannschaft sein. Er konnte nicht sehen, wie sich die Mannschaft im Training anstellt und bekam nur aus dritter Hand mit, was im Training vorgefallen war. Er konnte nicht beobachten, wie die Spieler trainiert haben, welche sich besonders aufgedrängt haben und bei welchen Spielern das Anstrengungsniveau hinter den Erwartungen zurückblieb. Jordi Roura war sein Sprachrohr, er gab seine Anweisungen weiter und berichtete ihm vom Training, begleitet von natürlichen Informationsfärbungen, die sich stets aus dem Einsatz eines Kommunikationsmittlers ergeben.

Nicht nur das stellt ein Problem dar. Nuancen in der Körpersprache der Spieler konnten nicht aufgenommen werden. Der unmittelbare Draht zu den Spielern fehlte und mit ihm in gewisser Weise die Legitimation von Entscheidungen in den einschlägigen Partien. Letztlich baut der Einsatz vor der Videoleinwand anstatt auf dem Trainingsplatz auch eine gewisse Distanz zwischen dem Trainer und den Spielern auf.

Die Liste der psychologischen und tatsächlichen Implikationen, die aus einer mangelnden Präsenz des Trainers herrühren und welche das Verhältnis zu den Spielern negativ beeinflussen, könnte vermutlich noch lange fortgeführt werden. Wichtig ist, zu erkennen, dass Titos Analysetätigkeit ein wichtiger Faktor für den Verlauf der letzten Saison gewesen sein könnte. In welchem Umfang diese Tätigkeit seine eigentliche Aufgabe als Trainer beeinträchtigte, kann nur schwer abgeschätzt werden. Die Tatsache allerdings, dass Vilanova dieses Thema zur Sprache bringt und in Gestalt von ‚Rubi‘ einen weiteren Analysten einstellt, gibt einen vagen Hinweis darauf, dass Vilanova in diesem Bereich ein besonders gewichtiges Problem verortet hat.

Die Einstellung von ‚Rubi‘ ist gewiss nicht die Lösung aller Probleme. In unserem Forum und auf der Startseite aber wurden die Probleme nach dem Ausscheiden gegen die Bayern hinreichend systematisiert. Es waren ihrer so viele, dass man im Rahmen der Diskussion nur mit der Schulter zucken konnte. Keiner war in der Lage, das schlechte Abschneiden gegen große Mannschaften auf einen Punkt zu konzentrieren. Hier wirkten viele Faktoren kumuliert, und jeder war der Überzeugung, dass der eigentliche Grund tiefschichtig und nicht auf dem Platz zu erkennen war, dass jener Grund einen Vernichtungsprozess in Gang setzte.

‚Rubi‘ wird nicht alle Probleme lösen, aber vielleicht wird die verbesserte Arbeitsteilung der Leitungsorgane trotzdem Wunder wirken.

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