Vorschau AC Milan – FC Barcelona

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Wir sind noch weit vom Champions League-Finale entfernt, doch bereits morgen könnte ein denkwürdiges Ereignis unseren Puls hochjagen und uns in den Bann ziehen. AC Milan gegen den FC Barcelona – das verspricht mehr als ein übliches Viertelfinale. Es geht um Hochgenuss.

Von Raphael Lugowski

Angesprochen auf den Wunschgegner für das Viertelfinale entgegnete Pep Guardiola überraschend, es sei die Mannschaft aus Mailand, die er unbedingt vermeiden wolle, in der er die größte Hürde für das Weiterkommen sieht. Vielleicht hätte er diese Worte nicht aussprechen dürfen, vielleicht hätte das Schicksal dann einen Bogen um diese beiden traditionsreichen Vereine gemacht. Es ging ein Raunen durch den Saal, als die Neuauflage der Vorrundenbegegnung verkündet wurde, und nicht wenige dürften vor dem Fernseher zusammengezuckt sein, überwältigt von den sie in diesem Moment heimsuchenden Empfindungen. „Soll man sich freuen oder soll man vor Angst erstarren“, dürften sich die Anhänger beider Lager gedacht haben und dabei vielleicht den entscheidenden Aspekt in den Hintergrund gerückt haben: Es ist richtig, dass am Ende eine Mannschaft den Wettbewerb verlassen wird. Bis es jedoch so weit ist, werden wir Festspiele erleben, die von der Größe und dem Spektakel her jenen im großen Rom in nichts nachstehen werden.

Nur ein offensiver Außenverteidiger

Natürlich überwiegt diesseits der Fußballwelt der Glaube und die Hoffnung, dass der FC Barcelona diejenige Mannschaft sein wird, die nach Abpfiff der Partie Gratulationen vom Gegner in Empfang nimmt. Dass dieses Unterfangen nicht ganz einfach wird, haben bereits die beiden Vorrundenspiele angedeutet. Das Spiel gegen Arsenal London hat die Spielstärke und das Potenzial des AC Milan dann vollends zum Ausdruck gebracht. Diese Mannschaft ist mit allen Wassern gewaschen und wird dem FC Barcelona das gesamte Können abverlangen, womöglich mehr noch als Real Madrid. Zwar werden die Italiener ohne ihren Weltklasse-Verteidiger Thiago Silva das Spiel in Angriff nehmen müssen, was allerdings nur bedingt Veranlassung zur Freude gibt. Denn auch der FC Barcelona muss in diesem Spiel auf Erfolgssäulen verzichten und ohne etatmäßigen offensiven Außenverteidiger aufwarten. Der Ausfall von Abidal und Adriano trifft die Katalanen schwerer als gedacht. Ohne Adriano stellte sich das Spiel in La Liga am Samstag Abend als sehr flügellahm und durchschaubar dar. Dies wird zwar morgen mit der Rückkehr von Alves in die Startformation ein wenig anders aussehen. Ein Äquivalent auf der linken Seite wird aber weiterhin fehlen.

Messi zur Auflösung eines Dilemmas?

Puyol wird voraussichtlich wieder auf links rücken und es wird wohl wieder so sein, dass er durch seine überwiegend defensive Ausrichtung den Raum zwischen ihm und dem linken Flügelspieler maximiert und so ein kleines Vakuum schafft. Damit würde der Flügelstürmer in der Luft hängen und dem Gegner würden Möglichkeiten eröffnet,  in diese Lücke zu spielen. Natürlich könnte sich Iniesta dorthin orientieren und als Mittler in Erscheinung treten. Dies hätte aber zur Folge, dass er im Zentrum fehlen und von Xavi isoliert werden würde – ein nicht tragbares Ergebnis. Es wird darauf ankommen, wie gut es Pep Guardiola gelingt, bei Puyol zumindest in Ansätzen die Bedeutung einer tiefen Stellung zu vermitteln. Wenn auch von links Gefahr ausgeht, muss der Gegner seine Ressourcen auf dem Platz besser diversifizieren. Andererseits liegt hierin unter Umstände auch eine Chance. Wenn der Gegner im Zentrum konzentriert steht und die linke Seite relativ vernachlässigt, könnte sich Messi Dank seiner uneingeschränkten Freiheiten dort hinbegeben und AC Milan überrumpeln bzw. ihre Grundordnung zu Fall bringen. Man könnte so aus der Not eine Tugend machen.

Ibrahimovic stören

Wie auch immer dieses Dilemma aufgelöst wird, verbleiben noch zahlreiche weitere Punkte, die Guardiola bei seiner gedanklichen Vorbereitung abzuhandeln hat. Einer davon ist, wie man Ibrahimovic in den Griff bekommt. Die Besonderheit dieses Spieler liegt darin, dass er in der Lage ist, den Ball wie kaum ein anderer zu kontrollieren und zu behaupten. Wenn also der FC Barcelona zum Pressing ansetzt, könnte es sein, dass sich Ibrahimovic auf Höhe der Mittellinie zurückzieht und angespielt wird. Dank seiner außergewöhnlichen Fertigkeiten könnte er so bewirken, dass seine Mitspieler aufrücken und das katalanische Pressing umgehen können. Umso wichtiger wird es sein, Ibrahimovic bereits bei der Ballannahme zu stören und die Passwege zu ihm zuzustellen. Aufgrund seiner ungeheuren Präsenz wird der ehemalige Spieler in Diensten des FC Barcelona in unmittelbarer Strafraumnähe auch stets bestrebt sein, mehrere Defensivposten an sich zu binden und so Freiräume für seine Mitspieler zu schaffen. Die offensive Durchschlagkraft des AC Milan steht und fällt mit der Leistung dieses Spielers.

Offener Schlagabtausch?

Abschließend ist noch die Frage zu erörtern, was für ein Spiel morgen erwartet werden kann. Aufschlussreich ist diesbezüglich das Rückspiel in der Vorrundenphase, das der FC Barcelona mit 3:2 für sich entscheiden konnte. Dieses Ergebnis verdeutlicht noch einmal die Gefahr, die von dem Gegner ausgeht. Es war ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten, wobei die Katalanen spielerisch mehr überzeugen konnten und auch beim Chancenverhältnis im Vorteil waren. Warum entwickelte sich ein offener Schlagabtausch? Der AC Milan ist eine Mannschaft, die über ausgezeichnete Spieler in der Offensive verfügt. Es herrschen sehr gute Bedingungen für die Vorführung eines gepflegten Angriffsfußballs. Es entspricht ihrem Spielernaturell, anzugreifen und durch ihre Klasse zum Erfolg zu kommen. An diesem Standpunkt wird sich auch morgen kaum etwas ändern. Das bedeutet für den FC Barcelona, dass in der Defensive eine nummerisch kritische Situation und Räume für schnelle Gegenangriffe entstehen. Aus diesem Szenario leitete sich das typische Muster im Hinspiel ab. Die Genialität und die Intelligenz im Vortragen der Angriffe könnte morgen den entscheidenden Unterschied ausmachen. Auf geht’s Blaugrana. Visca el Barca!

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