Was hat ‚Lucho‘ vor? – Die Abwehrkette

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Im ersten Teil unserer voraussichtlich dreiteiligen Serie befassten wir uns mit der Offensive und dem Mittelfeld. Genauer gesagt damit, wie diese zwei Komponenten des Spiels unter Lucho aussehen könnten. Nun möchten wir die Defensive etwas genauer unter die Lupe nehmen. Mit der Neuverpflichtung Jérémy Mathieu und einem potenziellen Transfer von Juan Cuadrado ins Camp Nou gibt es hierbei einige spannende Faktoren, die es zu beleuchten gilt.

Jérémy Mathieu – Barça und die teure Vielseitigkeit

Nicht etwa Marquinhos ist der Name der langersehnten Neuverpflichtung auf der Position des Innenverteidigers, sondern Jérémy Mathieu. Einige Culés haben bei der Bekanntgabe des Transfers die Nase gerümpft – wohl zu Recht. Das vielerorts eingekehrte Unbehagen gründet aber keineswegs auf der Personalie Mathieus selbst, sondern vielmehr auf der Ablösesumme. Sind zwanzig Millionen Euro für einen bald 31-Jährigen vom FC Valencia wohl etwas mehr als die Notwendigkeit, verunsichert vor allem die Tatsache, dass der Franzose gar kein gelernter Innenverteidiger ist, sondern erneut ein umgeschulter. Doch was ist heutzutage schon ein gelernter Innenverteidiger? Sergio Ramos, man muss es als Culé mit Wehmut zugeben, einer der besten seines Faches, war lange Zeit Außenverteidiger. Puyol begann seine Karriere auf so ziemlich jeder Position, nur nicht auf der des Innenverteidigers, auf welcher er später allerdings zu einem der besten seiner Zeit heranwuchs. Klar, Ersterer war bei seiner Umschulung noch eher jung, Puyol war sogar noch grüner hinter den Ohren. Trotzdem: Mathieu hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er als Innenverteidiger agieren kann, auch wenn seine Heimat wohl auf der linken Verteidigungsposition ist. Doch genau dieser Faktor kann Barça zur Waffe werden.

Abidal, gefeierter Held und ein Linksverteidiger, der auch in der Innenverteidigung eine mehr als gute Figur abgab, wurde anfangs auch alles andere als mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Es wäre vermessen, Mathieu mit einer großen Barça-Legende zu vergleichen, das will auch niemand tun. Es geht einzig und allein um den Spieltypus – denn hier ähneln sie einander sehr. Beide sind Linksfüße und schnell, Mathieu liegt hierbei sogar noch deutlich vor Abidal. Außerdem ist er größer und kann somit bei der Verteidigung von Standards sehr nützlich werden.

Des Weiteren eröffnet die Verpflichtung von Mathieu ungeahnte Möglichkeiten für eine bis dato nur unter Guardiola gewagte Abwehrformation – die Dreierkette. Mit ihm auf links, Piqué oder Bartra in der Mitte und Montoya auf der rechten Seite bzw. auch mit Piqué und Bartra neben ihm, könnte Barça es gegen tiefstehende Gegner durchaus ab und an probieren. Gewiss läuft man damit Gefahr, ins offene Messer, sprich in Konter zu laufen, aber als taktische Möglichkeit beispielsweise im Rückstand ist die Dreierkette eine durchaus beachtenswerte Option.

Die hybride Viererkette

Die weitaus gängigere Variante wird trotz der zuvor angesprochenen Möglichkeit voraussichtlich die Viererkette sein. Hierbei wäre auch eine potenzielle Cuadrado-Verpflichtung eine weitere Option, die zur absoluten Waffe werden könnte.

Die aktuell in den Medien kursierenden Konzepte wirken zwar auf den ersten Blick vom Kader her beeindruckend, dennoch wird eine wichtige Komponente im modernen Fußball fast gänzlich missachtet – das Flügelspiel. Aufmerksame Leser von Barcawelt.de denken sich nun teilweise wahrscheinlich: „Das wurde aber auch im letzten Artikel weitgehend außer Acht gelassen.“ – Stimmt, weil die Flügelwaffen in Zukunft hauptsächlich aus der Abwehr kommen könnten. Mit Jordi Alba, einem ungelernten Linksaußen auf der Position des linken Verteidigers, hat Barça einen äußerst offensivstarken Mann – damit einher geht aber ein Verlust an Stabilität in der Defensive. Stabilität, die es seit Éric Abidal auf dieser Seite nicht mehr gab. Pep Guardiola setzte, im Gegensatz zu seinen Nachfolgern Tito Vilanova – möge er in Frieden ruhen – und Tata Martino auf eine Asymmetrie in der Außenverteidigung. Mit Alves hatte man einen Freigeist auf rechts und mit Abidal einen abgebrühten Stabilisator auf links. Jordi Alba wird diesen nie abgeben. Dani Alves auf rechts hat seine beste Zeit hinter sich, gibt defensiv kaum Stabilität und erzeugt offensiv auch eher wenig Gefahr im Vergleich zu vergangenen Tagen. Offensive Gefahr würde ein Cuadrado mit Sicherheit mitbringen, defensiv stabilisieren würde er allerdings wohl kaum. Er ist zwar äußerst stark im Pressing, aber er agiert einfach zu offensiv, um hinten immer eiskalt zur Stelle zu sein, wenn es ums Ausputzen geht. Ähnlichkeiten mit Alba sind durchaus zu erkennen, wenngleich Cuadrado tendenziell sogar noch offensiver agiert. Man hätte also wieder keine Asymmetrie. Ist das schlecht? – Nicht unbedingt.

Drei Faktoren sind entscheidend, damit dieses Konzept aufgehen kann. Die Innenverteidiger, die Doppelsechs und die penible Abwechslung der Außenverteidiger, wenn es ums Angreifen geht. Mit Mathieu hat man auf der linken Innenverteidiger-Position nun endlich einen Linksfuß, dem sich durch sein Schussbein ein Passweg mehr eröffnet. Der präzise Ball auf der linken Seite als auch das Rausrücken wird erleichtert, falls Alba zu weit vorne positioniert ist, um einen Angriff abzufangen. Mit Bartra und Piqué hat man auf rechts ebenfalls gute Möglichkeiten bezüglich des Rausrückens – beide sind nämlich bekanntermaßen rechtsfüßig.

Der zweite Faktor ist die Doppelsechs, gebildet von Busquets und Mascherano. Ohne sie wäre das Konzept einer hybriden Viererabwehr bei Weitem riskanter. Unter Bedrängnis können beide entweder nach hinten rücken oder sich aufteilen – einer attackiert, der Andere verschiebt nach hinten. Sofern das Verschieben gut klappt, steht der hybriden Viererkette nichts mehr im Wege.

Anzumerken ist hierbei noch, dass auch Dani Alves die Rolle von Cuadrado übernehmen könnte, sofern dieser nicht verpflichtet werden kann. Cuadrado wäre aufgrund seiner Spritzigkeit und Offensivstärke zwar die bessere Wahl, in Form kann allerdings auch Alves in dieser Abwehrformation ohne Probleme bestehen. Wer weiß, vielleicht würde es ihn sogar entlasten, wenn er defensiv etwas mehr Freiheiten hätte.

Wenn wir schon beim Thema Neuverpflichtungen sind: Marquinhos würde als rechter Innenverteidiger vielleicht sogar noch etwas besser in dieses System passen als Bartra und Piqué, aber das nur am Rande.

Damit sind wir nun auch schon wieder am Ende des zweiten Teiles angelangt. In Teil Drei wird die Torhüterposition genauer unter die Lupe genommen. Nach den Abgängen von Víctor Valdés und José Manuel Pinto gibt es dort schließlich einiges zu besprechen.

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