• Geburtsdatum: 13.04.1983
  • Geburtsort: Viluco, Chile
  • Nationalmannschaft: Chile
  • Größe: 184 cm
  • Position: Tor
  • Bildquelle: YOSHIKAZU TSUNO/AFP/Getty Images

Karriere

VereinZeitraum
Colo Colo 2002-2006
Real Sociedad 2006-2014
FC Barcelona seit 2014

Claudio Bravo verbrachte acht Jahre in Europa, bevor er im Jahr 2014 vom FC Barcelona verpflichtet wurde. Erst nach und nach erarbeitete sich der Südamerikaner Anerkennung und wurde über die Landesgrenzen Chiles und Spaniens bekannt. Hauptsächlich verantwortlich dafür sind seine Verdienste für die chilenische Nationalmannschaft, die er mittlerweile als Kapitän und Rekordspieler anführt. Vor allem während der Weltmeisterschaft 2014 wurde er der breiten Masse ein Begriff. Beim FC Barcelona angekommen, stellte Claudio Bravo prompt einen neuen Vereinsrekord auf.

Ein langer Weg bis zum FC Barcelona

Die Karriere von Claudio Andrés Bravo Muñoz begann bereits in sehr jungen Jahren. Anfänglich versuchte sich der Chilene noch als Feldspieler - zuerst als Stürmer, danach Verteidiger - doch sehr schnell fand er seine Berufung im Hüten des Tores. In seiner Jugend führte sein Weg schließlich zum chilenischen Traditionsverein Colo-Colo. Aufgrund von Wachstumsproblemen drohte seine Karriere ein jähes Ende zu nehmen, doch dank der Behandlung von Julio Rodríguez - einem seiner Mentoren - wurde dieses Horrorszenario glücklicherweise abgewendet.

Seine Profikarriere sollte schlussendlich im Jahr 2002 seinen Ausgangspunkt nehmen: Der damals erst 19-jährige Claudio Bravo debütierte für seinen Jugendverein Colo-Colo und wurde schlagartig zum Stammtorhüter des Erstligisten. Nur zwei Jahre danach - während der Copa América 2004 - durfte er bereits sein Debüt für die chilenische Nationalmannschaft feiern. Im Jahr 2006 durfte er seinen größten Erfolg mit Colo-Colo feiern, als er maßgeblich am Gewinn der Apertura-Meisterschaft beteiligt war. Dank zwei gehaltener Elfmeter wurde er der Finalheld dieses Wettbewerbs - es sollte ein schönes Abschiedsgeschenk werden.

Mit dem Wechsel zum spanischen Erstligisten Real Sociedad wurde das Jahr 2006 endgültig zu einem sehr prägenden in der Karriere des Chilenen. Dort durfte er am 7. Spieltag seiner Premieren-Saison gegen RCD Mallorca debütieren und blieb ohne Gegentor (0:0). Trotz regelmäßiger Einsätze konnte er seinem Team nicht zum Klassenerhalt verhelfen, weshalb man ab der Saison 2007/08 in der Segunda División um den Wiederaufstieg kämpfen musste. Zu dieser Zeit wurde er bereits Kapitän im Nationalteam Chiles.

Nach einer Spielzeit als Ersatzkeeper (Real Sociedad verpasste den Aufstieg) sollte schließlich sein Durchbruch bei den Basken erfolgen. Mit den wenigsten Gegentoren in der Saison 2008/09 eroberte er zuerst die 'Trofeo Zamora', nur um wenig später zum Torhüter der Saison gewählt zu werden. Der Wiederaufstieg in die Primera División wurde trotz alledem erst in der Spielzeit 2009/10 erreicht.

Nach der Weltmeisterschaft 2010, bei der Claudio Bravo als Stammtorhüter agierte und mit Chile im Achtelfinale gegen Brasilien ausschied, folgte schließlich der Auftakt in der Primera División. Höhepunkt dieser Spielzeit war der 2:1-Erfolg über den FC Barcelona am 30. April 2011. Der Chilene bestritt alle 38 Partien und konnte in neun dieser seinen Kasten sauber halten. Real Sociedad beendete die Saison auf Tabellenplatz 15. Bei der anschließenden Copa América musste man sich im Viertelfinale gegen Venezuela geschlagen geben. Claudio Bravo bestritt drei von vier Partien.

Nachdem man in der darauf folgenden Spielzeit im gesicherten Mittelfeld der Tabelle landete, absolvierte man eine furiose Saison 2012/13. Höhepunkte waren ein 3:2-Sieg über den FC Barcelona und ein offensives 5:2-Feuerwerk im Estadio Mestalla bei Valencia CF. Claudio Bravo konnte die Saison mit den Basken schließlich als Viertplatzierter abschließen. 2013/14 konnte man wiederholt einen Heimsieg gegen Barça (3:1) feiern und schloss als Tabellensiebter ab.

Bei der Weltmeisterschaft 2014 führte Claudio Bravo seine Chilenen als Kapitän bis ins Achtelfinale. Trotz einer attraktiven und furiosen Spielweise musste man sich abermals gegen Brasilien (Elfmeterschießen) aus dem Turnier verabschieden. Dank seiner herausragenden Leistungen der vergangenen Jahre und während der Weltmeisterschaft 2014 hatte er schließlich ein Angebot des FC Barcelona vorliegen. Nach langen Spekulationen wurde der Transfer schließlich am 25. Juni 2014 offiziell.

Bei den Katalanen angekommen, brach Claudio Bravo prompt einen Vereinsrekord, indem er vom Saisonstart weg 754 Minuten ohne Gegentor blieb. Damit übertraf er den Rekord von Pedro María Artola, der zu Beginn der Spielzeit 1977/78 für 560 Minuten ohne Gegentreffer verbuchen konnte. Es sollte sich auszahlen: Am Ende sicherte sich der FC Barcelona vor Real Madrid die Meisterschaft. Claudio Bravo war der Mannschaft dabei stets ein sicherer Rückhalt und bekam in der Liga - anders als in der Champions League und der Copa del Rey - den Vorzug vor Marc-André ter Stegen, mit dessen Hilfe die Mannschaft später noch das Triple perfekt machte.

Spielweise: Blitzartige Reflexe und stark mit dem Ball am Fuß

Claudio Bravo zeichnet vor allem seine rege Beteiligung am Spiel seiner eigenen Mannschaft aus. Bereits in seiner Jugendzeit bei Colo-Colo arbeitete er sehr intensiv an seinen Fußballfähigkeiten. Sowohl bei Chile als auch bei Barça kommen ihm diese Fähigkeiten sehr zugute. In der Nationalmannschaft fungiert er sehr häufig als zentraler Anspielpartner beim Aufbauspiel - dabei positioniert er sich teilweise zehn Meter vor dem eigenen Strafraum und imitiert einen 'Libero'. Wer eine solch zentrale Rolle im Aufbauspiel einer Mannschaft übernehmen kann, muss zwangsläufig große spielerische Qualitäten aufweisen - auch bei Claudio Bravo ist dies definitiv der Fall.

Darüber hinaus kann der Südamerikaner mit seinen starken Reflexen auf der Linie und seiner Sicherheit bei hohen Bällen überzeugen. Vor allem Ersteres stellt - neben seinen spielerischen Attributen - einen seiner ganz zentralen Vorzüge dar. Der Chilene ist wieselflink und in Bruchteilen einer Sekunde in allen Ecken des Gehäuses. Bei hohen Bällen bedient sich Claudio Bravo dagegen vor allem seiner Antizipation, denn obwohl er nicht übermäßig groß für einen Torhüter ist, agiert er bei solchen äußerst souverän.

Außerdem besticht der Südamerikaner durch sein starkes Nervenkostüm und seine Mentalität. Immer wieder konnte sich Claudio Bravo im Laufe seiner Karriere gegen direkte Konkurrenten durchsetzen und als fixe Nummer eins etablieren. War dies einmal der Fall, kam eine weitere Qualität des Torhüters zum Vorschein: die Konstanz. Gerade dieses Attribut unterscheidet die Fußballelite vom Rest der Welt und Claudio Bravo kann diese Eigenschaft nachweislich sein Eigen nennen.

Auch keinen Anlass zur Kritik gibt sein Verhalten in Eins-gegen-eins-Situationen: Vor allem dank seiner großen Erfahrung weiß er, wie er sich zu verhalten hat, um den größtmöglichen Erfolg in diesen brenzligen Situationen zu verbuchen. Abschließend kann man noch seine lautstarken Anweisungen an seine Teamkollegen erwähnen, mit denen er seinen Vordermännern, und damit auch dem gesamten Team, viel Sicherheit verleiht. Claudio Bravo ist also durch und durch ein moderner und aktiv spielender Torhüter, der das Torhüterprofil des FC Barcelona in Perfektion erfüllt. Lediglich seine Defizite beim Herauslaufen aus seinem Gehäuse - im Zuge dessen er in manchen Situationen einfach zu zögerlich agiert - und beim Spielen von langen Bällen können als Schwächen durchgehen.

„Mit dem Ball am Fuß ist er unglaublich“

Dass so viel Klasse die Anerkennung wichtiger Fußballgrößen mit sich bringt, versteht sich von selbst. Es folgen Komplimente an den Torhüter, die er sich auf der Zunge zergehen lassen kann.

Roy Hodgson - Trainer der englischen Nationalmannschaft - nach einem 2:0-Triumph der Chilenen über England im November 2013: „Ich glaube, das war die beste Demonstration an fußballerischer Klasse und Passsicherheit, die ich je von einem Torhüter gesehen habe.“

Jordi Alba: „Mit dem Ball am Fuß ist er unglaublich.“

Vicente del Bosque: „Claudio Bravo ist ein Torhüter erster Klasse.“

Roberto Navajas, Ex-Torwarttrainer von Claudio Bravo bei Real Sociedad: „Er ist ein sehr ruhiger, konkurrenzfähiger Torhüter, der es beherrscht, den Rhythmus von Spielen zu bestimmen. [...] Vor allem seine Besonnenheit sticht hervor.“

Claudio Bravo: „Ich denke immer, dass ich spielen werde“

Claudio Bravo bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wechsel zum FC Barcelona: „Ich habe noch nie für ein Team gespielt, bei dem ich immer wusste, erster Torhüter zu sein.“

Der Chilene im Interview mit 'Rac1': „Ich denke immer, dass ich spielen werde.“

Sonstiges

Abseits seiner Profikarriere ist der Chilene bekannt für seine Heimatverbundenheit und Unterstützung vieler gemeinnütziger Projekte. Zum Beispiel ließ er im Jahr 2010 Kindern des vom Tsunami stark betroffenen Ortes Iloca über 100 Fußballtrikots und Fußbälle zukommen. Im Jahr 2013 überreichte er jedem der 33 geretteten Minenarbeiter - sie alle mussten 70 Tage verschüttet unter der Erdoberfläche verbringen - personalisierte Trikots mit allen Unterschriften seiner Mitspieler bei Real Sociedad.