Brennpunkte | Bezugspunkt Braithwaite: Warum nicht häufiger mit echter Neun?

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Nach Barcelonas 4:0 bei Dynamo Kiew blicken wir in unseren Brennpunkten auf Ronald Koemans funktionierende Rotation und die Leistungen von Óscar Mingueza und Martin Braithwaite – denn gerade Letzterer zeigte auf, wie wichtig ein echter Mittelstürmer sein kann.

Koemans funktionierende Rotation

Ronald Koeman setzte beim Spiel bei Dynamo Kiew auf Rotation – es machte sich bezahlt. Der Niederländer schonte Stammspieler wie Lionel Messi und Frenkie de Jong komplett und andere wie Jordi Alba und Antoine Griezmann teilweise – trotzdem sprang ein deutlicher und letztlich lockerer Sieg heraus, bei dem einige Akteure wichtige Spielpraxis sammeln konnten. Allen voran natürlich Carles Aleñá, Francisco Trincão, besonders aber Debütant Óscar Mingueza sowie Martin Braithwaite, deren Rollen in den gesonderten Brennpunkten beleuchtet werden.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis: In Messis Absenz zeigte die Mannschaft, dass sie trotzdem leistungsfähig sein und erfolgreich spielen kann. Koeman lobte seine Mannen für ihren Auftritt und befand, das Team habe „eine Menge Energie investiert“ und „das Bild vermittelt, welches wir vermitteln wollen. Alle Spieler waren hungrig“. 

Die Leistung der Mannschaft stimmte im Kollektiv, auch wenn die erste Halbzeit natürlich noch bieder war und der Motor hier stotterte – kein Wunder, wenn derlei viele Bankspieler auf einmal zum Einsatz kommen und viele Stützen fehlen. Denn so fehlt es natürlich auch an Automatismen. Doch ein 4:0 in der Fremde mit einer B-Elf einfahren – viel besser konnte es eigentlich kaum laufen. Koemans Rotation, sie ging in der ukrainischen Hauptstadt voll auf.

Óscar Mingueza empfiehlt sich

Ein Spieler machte am meisten auf sich aufmerksam – nachhaltig sogar. Aushilfs-Verteidiger Óscar Mingueza gab ein routiniertes und souveränes Profi-Debüt, auch wenn er natürlich – wie der gesamte Abwehrverbund der Blaugrana – nicht sonderlich viel geprüft wurde.

 

Doch in zwei Szenen fiel der Nachwuchsverteidiger besonders positiv auf, denn zweimal rettete er bärenstark per Tackling und verdiente sich so aufgrund seines aufmerksamen Auftritts die Barçawelt-Note 8 (hier geht’s zu Minguezas Spielerkritik). Gut möglich daher, dass Mingueza auch am Sonntag im Liga-Heimspiel gegen Osasuna zum Einsatz kommt, Koeman hat dies nämlich direkt nach dem Spiel auf der Pressekonferenz bereits angedeutet.

Zwar ist Ronald Araújo wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, nachdem er zuletzt nur individuelle Übungen absolvierte, er dürfte jedoch noch ein paar Tage Zeit benötigen, um wieder zur vollen Spielfitness zurückzufinden. „Wir müssen schauen, dass Araújo in physisch gutem Zustand ist“, hatte Koeman schon vor dem Kiew-Spiel erklärt. Minguezas abgeklärte Performance verschafft Koeman und Araújo also etwas Zeit – denn eines will der FC Barcelona dringend vermeiden: Eine Folgeverletzung Araújos, weil dieser zu früh wieder ins Lineup beordert wurde. Mit seiner Leistung in Kiew hat sich Mingueza auf jeden Fall für einen weiteren Auftritt neben Partner Clément Lenglet gegen Osasuna empfohlen.

 

Braithwaite: Warum nicht öfter mit echter Neun?

Ein weiterer Akteur, der sich für mehr Einsatzzeit empfohlen hat, war Martin Braithwaite. Zwar lief die Partie im ersten Durchgang komplett an ihm vorbei, doch nach der Pause sah man, wie sehr ein echter Mittelstürmer – der auch als solcher spielt und denkt – der Mannschaft helfen kann.

Beim 2:0 sah man Braithwaites Torriecher bereits, als er nach einer Ecke die Situation antizipierte und Minguezas Kopfball-Verlängerung am langen Pfosten in echter Mittelstürmermanier über die Linie bugsierte – nachdem er sich zuvor stark vom Gegenspieler gelöst hatte. Auch beim Elfmeter vor dem 3:0 kam er im Fünfmeterraum frei zum Ball, sein Kopfball wurde zwar vom Torhüter entschärft, allerdings holte er dabei den Strafstoß heraus, den er anschließend selbst verwandelte. Auch hier fiel er durch starkes Freilaufverhalten und eine echte Mittelstürmer-Positionierung positiv auf.

All dies ging Barcelona in den Spielen der bisherigen Saison viel zu oft ab. Ein Referenzpunkt im Strafraum-Zentrum, der die Innenverteidiger bindet und beschäftigt und auch Abnehmer von Hereingaben oder Pässen im Herzen der gegnerischen Defensive ist. Und der so für Torgefahr sorgt. Gerade gegen kleinere Kaliber vom Typus Dynamo Kiew sollte Ronald Koeman darüber nachdenken, Braithwaite häufiger zu bringen. Vielleicht gar von Anfang an, oder eben ihn früher einzuwechseln – und nicht erst nach der 82. Minute, wie dies bisher fast immer der Fall war. Ein echter Mittelstürmer tut jeder Mannschaft gut, auch und gerade dem sonst Mittelstürmer-losen Barça.

 

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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