Brennpunkte | Defensive Orientierungslosigkeit und ein in allen Belangen überfordertes Barça

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Gegen Paris Saint-Germain stieß der FC Barcelona deutlich an seine Grenzen. Die Offensive war harmlos und die Defensive ohne Orientierung. PSG zeigte der Blaugrana derweil, wie Fußball im Camp Nou auszusehen hat. Die Brennpunkte.

Barça ohne Chancen

Koeman entschied sich wieder für ein 4-3-3-System und anders als in den vergangenen Wochen zudem gegen eine Dreierkette im Spielaufbau. Messi und Griezmann hielten zwar nicht stur an ihren Positionen fest, sondern bewegten sich frei über den Platz, Chancen entstanden daraus aber kaum welche. Das lag insbesondere am zahnlosen und schwachen Mittelfeld und folglich der schlechten Einbindung der Offensivspieler. Lionel Messi rückte deshalb schon früh in der Partie immer mal wieder ins Mittelfeld, um von dort aus Szenen einzuleiten.

Das gelang dem Kapitän jedoch nicht. Der Argentinier hatte zum Abpfiff nur 66 Ballaktionen und steht damit zumindest für das Angriffsspiel sinnbildlich für diesen Auftritt der Blaugrana. Auch die restlichen offensiven Mitspieler blieben abermals blass und tauchten völlig unter. Das Mittelfeld um Pedri, Sergi Busquets und Frenkie de Jong suchte man vergebens, Antoine Griezmann und Ousmane Dembélé hatten in diesen 90 Minuten andere Sorgen. Dass Clément Lenglet, Gerard Piqué und Jordi Alba die meisten Ballkontakte im Barça-Spiel hatten, zeigt eindrücklich die Harmlosigkeit der Koeman-Elf in diesem Viertelfinal-Hinspiel.

Es war wieder ein Kollektivversagen, keine Seltenheit unter der Führung Koemans. Zeigten die vergangenen Wochen noch einen sportlichen Aufwärtstrend, kam dieser gegen den französischen Meister völlig zum Stehen. Nun also steht Barça sowohl in der Copa del Rey als auch in der Champions League in den anstehenden Rückspielen mit dem Rücken zur Wand. Die zweite titellose Saison in Folge droht.

Die Blaugrana schaffte es im eigenen Stadion nicht, das Spiel gegen die Pariser an sich zu reißen. Tempo, Mut sowie die nötige Physis – all diese Eigenschaften fehlten Barça in diesem Champions-League-Duell. Die Hausherren vergaßen in ihrer (anfälligen) Defensivarbeit das Angriffsspiel völlig. Abgesehen vom Elfmeter gaben die Hausherren lediglich drei Schüsse auf das Tor von Keylor Navas ab.

 

Fehlende Orientierung im Abwehrverhalten

Barça agierte in der Offensive harm- und planlos und zeigte ein ähnliches Gesicht auch in der Arbeit gegen den Ball. Die Spieler nahmen das auf dem Platz auch wahr: Nur wenige Sekunden vor dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleichstreffer suchte Sergi Busquets vehement und verzweifelt nach Unterstützung im Mittelfeld (32.). Einige Minuten später wurde Gerard Piqué während einer Unterbrechung lauter und forderte mehr von seinen Mitspielern, es kam zur Diskussion mit Griezmann (39.).

Die Koeman-Elf trat den Gästen entweder in einem 4-4-2 gegenüber, in dem Messi beim Anlaufen Unterstützung aus dem Mittelfeld bekam, oder sogar in einem 5-4-1, dann zog sich die Blaugrana meist in die eigene Hälfte zurück und schaute gespannt auf die nächsten Aktionen der Franzosen. Dies wurde Barça zum Verhängnis, denn die Mannschaft von Mauricio Pochettino war gnadenlos und überspielte das Mittelfeld mühelos mit langen Bällen auf die Außen.

Die Flügelspieler Antoine Griezmann und Ousmane Dembélé nahmen Schlüsselrollen in der Defensive ein und waren damit überfordert. Jordi Alba und Sergiño Dest folgten den einrückenden Kylian Mbappe und Moise Kean (nach Kräften) auf Schritt und Tritt, deshalb kam es auf den Außenbahnen zu Eins-gegen-Eins-Duellen zwischen Dembélé und Landsmann Layvin Kurzawa sowie Griezmann und Florenzi.

Beim ersten Gegentor spielte Marquinhos den Ball von hinten heraus, Dembélé verlor seinen Gegenspieler Kurzawa aus den Augen, der mit seinem Direktpass ins Zentrum einen Anteil am zwischenzeitlichen Remis trug (32.). Das zweite Gegentor ähnelte dem ersten, nur waren die Seiten vertauscht. Wieder wurden Alba und Dest von den Flügeln weggezogen, Griezmann musste Florenzi bewachen, der einen Pass von Leandro Paredes erhielt und anschließend über Umwege Mbappé fand, der zur Führung traf (65.). Die Hilflosigkeit der Hausherren wurde bei Gegentor Nummer drei (70.) sowie vier (85.) deutlich. 

 

PSG als Gradmesser

Im ersten Durchgang war es noch ein Spiel auf Augenhöhe, in den zweiten 45 Minuten kippte dies dann – und PSG zeigte der Blaugrana, wie eine Mannschaft im Camp Nou zu spielen hat und woran sich Koeman, Messi und Co. orientieren können.

Die Außenverteidiger standen hoch, sorgten für Unordnung und schafften Tiefe sowie Breite. Der Strafraum war gefüllt mit den drei Angreifern und den nachrückenden Mitspielern. Sie erkannten die Schwachstellen Barças und nutzten diese aus. Die Gäste zeigten eben jene Eigenschaften, die die Blaugrana durchgehend vermissen ließ: Tempo, Mut sowie die nötige Physis, gerade im Mittefeld, im Herzen des Spiels, wo de Jong, Pedri und Busquets immer wieder deutlich der Schneid abgekauft wurde, weil Paredes, Verratti und Gueye bissiger, giftiger und handlungsschneller agierten.

„Sie haben vor allem in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass sie eine komplettere Mannschaft haben als wir. Wir müssen das akzeptieren und uns weiter verbessern“, erklärte Koeman nach der Partie, der im Rückspiel nun Lösungen für das nahezu Unmögliche finden muss.

Mit einer derartigen Leichtigkeit und Durchschlagskraft kamen die Gäste daher, der dominante Auftritt von Kylian Mbappé zeigte dies eindrucksvoll – zum Leidwesen aller Culés. Barça war gegen diese Pochettino-Einheit auf allen Ebenen überfordert sowie chancenlos. Einmal mehr ein klarer Fingerzeig, dass Barcelona von Europas Elite ein ganzes Stück entfernt ist und die Mannschaft mitten im Umbruch steckt.

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