Brennpunkte | Koeman überrascht mit angepasstem System

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Der FC Barcelona gewann knapp, aber verdient mit 1:0 gegen die UD Levante. Vor allem ein Systemwechsel, die Aktivposten Frenkie de Jong und Lionel Messi sowie die neue Rolle von Sergio Busquets kristallisierten sich heraus. Die Brennpunkte zum Sieg gegen Levante. 

Koemans Systemumstellung

Einige Culés dürften sich vor Beginn der Partie über die Startaufstellung der Blaugrana gewundert haben. Schließlich setzte Ronald Koeman – wie schon bei der Niederlage gegen den FC Cádiz – auf drei nominelle Zehner in der Startaufstellung. Namentlich Antoine Griezmann, Lionel Messi und Philippe Coutinho, die sich zuletzt in Andalusien gegenseitig Räume wegnahmen und sich ständig auf den Füßen standen. Doch Koeman wusste zu überraschen. Der Niederländer passte sein System in Halbzeit eins dem Gegner an, was nicht negativ zu bewerten ist.

Einen in der Regel hoch stehenden und aggressiv pressenden Gegner galt es zu überraschen, was dem ehemaligen Bondscoach gelang, indem er phasenweise auf ein 4-3-3 setzte, mit Sergio Busquets als einziger Sechser. Frenkie de Jong und Coutinho agierten vor dem Katalanen, während Martin Braithwaite überraschenderweise auf dem linken Flügel agierte. Messi begann als falscher Neuner, während Griezmann rechts von ihm spielte und dort und seine Rolle um einiges zentraler interpretierte, als Braithwaite dies tat.  

Levante hatte dabei vor allem mit Messis Rolle als falsche Neun zu kämpfen, so deutete er seine Rolle auf eine von ihm von früher gekannten Art und Weise. Da der Argentinier sich ein ums andere Mal tief fallen lässt, stellt zwar nichts Neues in dieser Saison dar, doch dass dann Griezmann und Braithwaite in die Mitte ziehen, um die Doppel-Neun zu geben, ist etwas Neues unter Ronald Koeman als Trainer. Der ein oder andere Fan dürfte sich dennoch bei diesem Positionsspiel an frühere Zeiten erinnert haben, als Pedro und David Villa diese Rolle rund um Messi übernahmen. 

Diese taktische Ausrichtung überraschte Levante dermaßen, dass sie im ersten Durchgang zum Mittelfeldpressing wechseln mussten, welches Barça keine allzu großen Probleme bereitete. Ein vermutlich in der Halbzeit von Paco López entworfener Matchplan gegen dieses 4-3-3 der Katalanen dürfte schnell hinfällig gewesen sein, denn zur Halbzeit stellte Koeman das System wieder um – Barça kam nach der Pause im gewohnten 4-2-3-1 aus der Kabine. Braithwaite gab den Neuner mit Griezmann dahinter, während Coutinho und Messi außen agierten, dabei aber ein ums andere Mal ins Zentrum zogen, ohne sich jedoch dabei in die Quere zu kommen. Eine Systemrotation, die vor allem zwei Spielern am Sonntagabend zu Gute kam.

Levante bekommt Messi und de Jong nicht zu greifen

Lionel Messi und Frenkie de Jong zeigten sich als die beiden großen Gewinner des Überraschungseffekts. Im 4-3-3 zeigte sich vor allem der junge Niederländer als der große Gewinner (Barçawelt-Note 9). Diese Formation erlaubte ihm, offensiver zu agieren, als er es sonst tat; schließlich fungierte er als rechter Achter, lebte diese Rolle stets offensiv aus.

Mit de Jong hatte der FC Barcelona vor allem im Spiel gegen den Ball eine Offensivkraft mehr auf dem Platz, so stand er häufig auf einer Linie mit Coutinho, wenn nicht sogar höher. Auch in Halbzeit zwei, als de Jong als linker Sechser auftrat, war er ab und zu Initiator vom Anlaufen Barças, das beste Beispiel stellte die 55. Minute dar, als de Jong intensiv Torwart Aitor Fernández und die beiden Innenverteidiger anlief. Die UD Levante sah sich damit im Regelfall überfordert, konnte diese Mittelfeldpräsenz kaum spielerisch überwinden. 

Doch auch im Spiel mit dem Ball wusste de Jong von seiner neuen Position Gebrauch zu machen. Der Blondschopf legte eine unglaubliche Dynamik an den Tag, transportierte ein ums andere Mal das Spielgerät zwischen den gegnerischen Ketten, um somit Räume für die Mitspieler zu schaffen.

Neben de Jong überzeugte auch Messi – vor allem in Durchgang zwei, seine Spielweise als falsche Neun in der ersten Hälfte wurde bereits beleuchtet. Als sich Levante gerade auf diese Rolle Messis eingestellt hatte, kam es zum Systemwechsel und La Pulga fungierte von nun an auf halbrechter Position im 4-2-3-1. Die Hintermannschaft der Gäste bekam den Argentinier einfach nicht zu fassen, was zur Folge hatte, dass er innerhalb der 90 Minuten an 15 Schüssen direkt beteiligt war, 12 davon gab er selbst ab. Kein Spieler in LaLiga konnte in der aktuellen Saison diesen Wert bisher übertreffen.

 

Defensive Stabilität durch neue Rollen

Dass der FC Barcelona gegen die Truppe von Paco López keinen Gegentreffer kassierte, darf wohl auch auf Koemans taktische Ausrichtung zurückgeführt werden. Es ist schon bekannt, dass das 4-3-3 die Granotas überraschte. Dies lag aber nicht nur an den offensiven Veränderungen der Blaugrana, sondern auch an der Defensive. Nominell war die Startelfberufung der einzelnen Spieler zunächst keine Überraschung, doch vor allem die Funktion von Sergio Busquets, die er in der ersten Hälfte übernahm, sorgte für neue Ausrichtungen.

Barças Nummer 5 begann alleine auf der Sechs, formte jedoch mit Ronald Araújo und Clément Lenglet ab und zu gar eine Dreierkette, um für Absicherungen gegen Konter zu sorgen oder sich zwischen die beiden fallen zu lassen, um das Spiel von hinten heraus zu gestalten, ohne dabei Anspielstationen in unmittelbarer Nähe einbüßen zu müssen. Frenkie de Jong begründete diese Entscheidung nach dem Spiel wie folgt: „Wir haben mehr Druck von Levante erwartet, deswegen hat Busquets in der ersten Halbzeit als Sechser gespielt und ich als Achter – und es hat gut funktioniert.“

Diese Umstellung erlaubte nicht nur Jordi Alba und Sergiño Dest, höher zu stehen, um damit das Spiel breiter zu machen, sondern sorgte auch dafür, dass Levantes Pressingbemühungen nicht von Erfolg gekrönt wurden. Als die Gäste aus Valencia ihr Pressing zum zweiten Durchgang in die Mittelfeldregionen verlagert haben, wurde Busquets – jetzt auf der Doppelsechs – von Pedri ersetzt, der für offensiven Schwung aus dem Zentrum heraus sorgen sollte. Die Arbeit von Busquets war damit getan und Levante blieb im zweiten Durchgang ungefährlich – lediglich einen Torschuss konnten sie in den zweiten 45 Minuten verbuchen. Es bleibt festzuhalten, dass bei diesem Arbeitssieg Koemans taktische Experimente sich als äußerst aufschlussreich zeigten. 

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