Brennpunkte | Mangelnde Chancenverwertung, fehlendes Flügelspiel und de Jongs neue Rolle

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Bei dem enttäuschenden 1:1 gegen Deportivo Alavés hatte der FC Barcelona vor allem eine schwache Chancenverwertung zu beklagen, aber auch ein mangelhaftes Spiel über die Flügel. Derweil wusste Frenkie de Jong zum zweiten Mal in veränderter Rolle zu gefallen. Die Brennpunkte zum Spiel.

Mangelnde Chancenverwertung

Bereits in der Champions League gegen Juventus vergab die Blaugrana eine Reihe hochkarätiger Torchancen beziehungsweise vertändelte diese leichtfertig vor dem Tor. Trotz guter Leistung in Turin musste sich Barça dennoch glücklich schätzen, den Sieg eingefahren zu haben, da der Alten Dame gleich drei Treffer Álvaro Moratas wegen knapper Abseitsstellungen aberkannt wurden – so rächte sich die mangelnde Chancenverwertung nicht, ganz im Gegensatz zum nun unbefriedigenden 1:1 bei Deportivo Alavés. 

Zwar kam Antoine Griezmann, der wie gegen Juventus erneut im Sturmzentrum agieren durfte, endlich zu seinem ersten Pflichtspieltor in der laufenden Saison, doch die Nichtbesetzung der Mittelstürmerposition mit einer klassischen Nummer Neun kommt auf negative Weise mehr und mehr zum tragen. Koeman gab nach dem Spiel zu Protokoll, dass ihn die Leistung „besorgt habe“. „Es geht darum, vor dem Tor erfolgreicher zu sein. Das ist uns gegen Juventus und auch heute passiert.“

Nachdem der viel gescholtene und in Teilen sicher auch zurecht kritisierte Luis Suárez im Sommer vom Hof gejagt wurde, spielen die Katalanen ohne echten Mittelstürmer, und diese Tore fehlen aktuell offenkundig. Suárez kam letzte Saison immerhin noch auf 16 Saisontore in La Liga, bei Atlético Madrid hat er in fünf Spielen bisher vier Mal getroffen.

Koeman bemängelte nach dem Abpfiff aber auch die fehlende Kaltschnäuzigkeit: „Wenn man Chancen herausspielt und nur eine versenkt, ist das nicht gut. Der Ertrag ist nicht gut genug.“ Vielleicht hätte man sich von dem drittbesten Torschützen der Vereinsgeschichte – ohne einen adäquaten Ersatz zu verpflichten – nicht so voreilig trennen sollen.

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De Jong als Innenverteidiger

Wie schon gegen Juventus beorderte Ronald Koeman Frenkie de Jong in der zweiten Halbzeit für den bereits Gelb-vorbelasteten Clément Lenglet in die Innenverteidigung, um dort für einen geordneten Spielaufbau zu sorgen. De Jong machte auf dieser bei Barça für ihn eher ungewohnten Position wie schon wenige Tage zuvor in Turin eine gute Figur und hatte das Spiel noch mehr vor sich als auf der Doppelsechs neben Busquets, wo sich beide auch von der Spielanlage zu ähnlich sind.

Gerade gegen derart tiefstehende Gegner, wie sie Barça in dieser Saison sicher noch häufiger zu Gesicht bekommen wird, kann das Rezept, einen sehr spielstarken Innenverteidiger aufzubieten, um die Ketten des Gegners zu überspielen, eine Option sein. Insbesondere, da Koeman de Jong nicht als alleinigen, spielgestaltenden Sechser aufstellt und nach wie vor auf Busquets setzt, statt neben de Jong einen offensiv ausgerichteten Achter wie Puig aufzustellen, dürften wir den jungen Niederländer in Zukunft womöglich noch häufiger in der Innenverteidigung erleben.  

Fehlendes Flügelspiel

Die Gastgeber aus Vitoria verteidigten das ganze Spiel über ausschließlich tief in der eigenen Hälfte und machten die Räume für Barça sehr eng, gerade durch das Zentrum fanden die Katalanen nur sehr selten Lösungen – vor allem in der ersten Halbzeit kam die Blaugrana kaum zu gefährlichen Abschlüssen. Erst nach dem Platzverweis von Jota vermochte es Barça, wirklichen Druck auf die Gastgeber zu erzeugen, scheiterte jedoch mehrfach am glänzenden Pacheco im Tor von Alavés.

Trotz der zahlreichen Torchancen, die Barça gegen Ende erzwang, war das Offensivspiel der Katalanen viel zu sehr auf Kombinationen durch das Zentrum angelegt. Lionel Messi und Pedri versuchten es immer wieder durch die Mitte, und auch der eingewechselte Francisco Trincão hielt nur selten die Position auf dem rechten Flügel und zog mit seinen Dribblings stets nach innen, um zum Abschluss zu kommen oder die Kugel erneut in die Mitte abzulegen, vorzugsweise auf Messi und Pedri.

Alavés machte das Zentrum in seinem 4-1-4-1-System dicht und ließ bis zum Platzverweis kaum etwas zu, da Barça wie schon in der vergangenen Spielzeit viel zu selten versuchte, über die Flügel eine tief verteidigende Defensivreihe auszuhebeln, obwohl man mit Ansu Fati, Ousmane Dembélé oder Trincão auf den offensiven Flügeln und auch auf den Außenverteidigerpositionen mit Jordi Alba und Sergiño Dest eigentlich über das nötige Tempo verfügt, um genau diese Defizite anzugehen. Nach den letzten beiden Spielen in der kommenden Woche wird Koeman in der Länderspielpause sicher an offensiven Lösungen arbeiten, denn der 57-Jährige gab gestern selbst zu: „Wir müssen vor dem Tor besser abschneiden.“

 

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