Brennpunkte | Überspieltes Barça in Defensive und Offensive schwach

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Der FC Barcelona hat sich mit einer Heimniederlage gegen Celta Vigo endgültig aus dem Meisterschaftsrennen in La Liga verabschiedet. Maßgeblichen Anteil daran hatte eine schwache Rückwärtsbewegung und eine nur aus Lionel Messi bestehende Offensive. Darüber hinaus wirken einige Spieler überspielt. Unsere Brennpunkte.

Barças schwache Rückwärtsbewegung

20:4 Schüsse, 63 Prozent Ballbesitz und 729 zu 416 gespielte Pässe. Der sehr oberflächliche Blick auf die Statistiken lässt vermuten, dass der FC Barcelona im Heimspiel gegen Celta Vigo sehr dominant auftrat und letzten Endes durch Pech und eigenes Unvermögen dennoch 1:2 verlor. Etwas Inhalt steckt zwar in dieser Aussage, aber die gesamte Wahrheit bildet es keinesfalls ab. 

Betrachtet man alleine nur die Schüsse, die letztendlich auch aufs Tor gingen, schreiben die Statistiker beiden Teams jeweils vier zu. Über die Leistung der Katalanen sagt das zwar nur wenig aus, es ist jedoch symptomatisch für die schlechte Rückwärtsbewegung der Blaugrana. 

Gefühlt hatte Celta Vigo zwar sehr wenige Angriffe, jedoch waren die meisten Angriffe, die es dann über die Mittellinie schafften, direkt gefährlich oder führten sogar zum Tor. Grund dafür war die extrem schwache Rückwärtsbewegung des FC Barcelona. Diese ist insbesondere auf drei Gründe zurückzuführen. 

Grund eins ist das schlechte und langsame Umschalten von Offensive auf Defensive. Funktioniert das Gegenpressing direkt in Ballnähe nicht und der Gegner kann die erste Pressingwelle überspielen, bekommt Barça kaum mehr Zugriff auf den Gegner und dieser hat im Mittelfeld extrem viel Freiraum. Es dauert einfach zu lange, bis die Katalanen bei erfolglosem Gegenpressing wieder in Grundordnung gegen den Ball agieren können. 

Grund zwei ist in gewisser Weise auch der Taktik von Trainer Ronald Koeman geschuldet: Im 3-1-4-2-System bildete Ousmane Dembélé quasi in der Defensive den rechten Verteidiger – und der Franzose ist nicht gerade für qualitativ hochwertige Abwehrarbeit bekannt. Das bewies er auch gegen Celta Vigo und so musste Ronald Araújo einige Male recht früh aus der Dreierkette herausrücken und offenbarte große Räume hinter seinem Rücken. 

Last but not least fehlt es den Abwehrspielern in der Dreierkette schlicht und ergreifend an Qualität, insbesondere aber an Geschwindigkeit. Bei einer Dreierkette ist es wichtig, dass die rechten und linken Halbraumverteidiger auch mal ein Sprintduell führen und gewinnen können. Dies ist aktuell nicht der Fall – dazu kommt die anhaltende Formkrise von Clément Lenglet. Alles in allem kassierte Barça erneut zwei Gegentore, zumindest beim ersten Treffer Santi Minas wurde es dem Celta-Angreifer viel zu leicht gemacht – nicht zum ersten Mal in dieser Saison oder gar in den letzten Spielen. Die Gegentore gegen Levante lassen grüßen.

Barça-Offensive ohne Messi harmlos 

20 Tore und drei Assists in 31 Liga-Spielen – davon einige extrem wichtige Tore und am Wochenende auch wieder ein entscheidendes Tor in Richtung Meisterschaft. Das sind die Statistiken von Luis Suárez für Atlético Madrid. Der ehemals kongeniale Partner von Lionel Messi fehlt Barça an allen Ecken und Enden und würde darüber hinaus auch wunderbar in das derzeit praktizierte System mit zwei Spitzen passen. 

In Abwesenheit von Suárez hat zwar Antoine Griezmann durchaus das ein oder andere Tor gemacht, jedoch ist er schlicht und ergreifend kein Abschlussspieler im letzten Drittel. Mit dieser Konsequenz lastet die gesamte Verantwortung in der Offensive wieder einmal auf Lionel Messi. Dies ist zwar prinzipiell nichts Neues, jedoch zeigen die letzten Wochen besonders, dass er alleine derzeit einfach nicht reicht. 

Während der beste Fußballer der Welt in der stärksten Saisonphase Unterstützung von einem extrem stark aufspielenden Pedri und einem beflügelten Dembélé erhielt, ist er derzeit auf sich alleine gestellt. Im Idealfall legt Messi seine eigenen Tore auf – doch auch der kleine Argentinier ist nur ein Mensch und stößt hier an Grenzen. 

Pedri spielt derzeit zwar meist noch ordentlich, wirkt seit Wochen aber ausgelaugt und überspielt – was aufgrund seines Alters auch kein Vorwurf, sondern eine zu erwartende Entwicklung ist. Dembélé kann Messi derzeit nicht die Unterstützung geben, da er in seiner Rolle als rechter Wing-Back einfach zu weit vom geschehen in der Spitze entfernt ist und auch zu viel Defensivarbeit verrichten muss, um La Pulga richtig entlasten zu können. 

Und dazu gesellt sich mit Griezmann ein Spieler, der an guten Tagen dem Team enorm hilft, jedoch zu häufig auch weniger gute Tage hat und oftmals abtaucht. Unterm Strich hat die Offensive abgesehen von Messi derzeit nicht viel zu bieten.

 

Pedri überspielt – Koeman sieht keine Alternative 

Wie bereits erwähnt, wirkt Pedri derzeit überspielt und kann dem Spiel der Katalanen nicht mehr seinen Stempel aufdrücken. Dennoch steht er jede Woche in der Startformation der Katalanen. Dies zeigt offensichtlich, dass Koeman keine Alternativen zum spanischen Shootingstar sieht respektive ihnen nicht genug vertraut. Damit sich Pedri jedoch bestmöglich entwickeln kann, sind Pausen unentbehrlich. 

Und die Pausen wird Pedri auch noch in der nächsten Saison brauchen – denn dann ist er gerade einmal 19 Jahre alt. Koeman sollte also (insofern er Coach bleibt) unbedingt Alternativen fordern bzw. die Spieler, die er im Kader hat, mehr einsetzen. 

Neben Pedri wirken nämlich auch weitere Spieler überspielt. Auch einem Jordi Alba, einem Lenglet und sogar einem Sergio Busquets hätte hier und da mal ein Spiel Pause gut getan. Damit den Katalanen im Saisonendspurt künftig nicht nochmal die Puste ausgeht, sollte man in der nächsten Saison frühzeitig mehr Alternativen aufbauen und diese bei der hohen Anzahl an Spielen auch einsetzen.

In einem ideal zusammengestellten Kader könnte man beispielsweise auch Messi ein Spiel Pause gönnen, ohne bereits vorher zu wissen, dass der FC Barcelona dann keine Punkte holt. Die Alternativen in dieser eng getakteten, besonderen Corona-Spielzeit, sie waren schlicht nicht wirklich gegeben. Weil Koeman Riqui Puig, Miralem Pjanic und Co. nicht genug vertraut hat, und weil Barças Kader nicht optimal zusammengestellt war. Beides muss sich nächste Saison ändern, wenn Barça nicht wieder im Saisonendspurt die Luft ausgehen soll.

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