Brennpunkte | Unerklärliche Fehler der Dreierkette kosten gegen Granada Punkte

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Bei der Heimniederlage gegen den FC Granada gelang es dem FC Barcelona nicht häufig genug, die Verteidigung der Gäste in Bedrängnis zu bringen. Sergio Busquets überragte zwar in einem sonst uninspirierten Mittelfeld, die Stellungsfehler in der Dreierkette sorgten jedoch für zwei äußerst schmerzhafte Gegentore. Die Brennpunkte. 

Gute Leistung Barcelonas reißt ab

Im Nachholspiel gegen den FC Granada verpasste es der FC Barcelona, an die Tabellenspitze der La Liga zu stürmen. Dabei erarbeiteten die Katalanen sich nach der Führung in der 23. Minute durchaus Gelegenheiten, um früh für eine Vorentscheidung zu sorgen; spielerisch fand man gegen die Andalusier auch die nötigen Mittel. So zog der FC Barcelona gegen tief stehende Gäste von Beginn an ein streckenweise unwiderstehliches Kurzpassspiel auf, das die Spieler Barças bis zum gegnerischen Strafraum kombinieren ließ. Somit entgingen die Akteure der Blaugrana dem Pressing Granadas, bei denen in der Regel der ballnächste Spieler sofort mit voller Explosivität auf den ballführenden Barça-Spieler in hohem Tempo anlief. 

In der Anfangsphase schien die Mannschaft von Ronald Koeman deswegen zunächst die eigene Ballsicherheit demonstrieren zu wollen, indem viele Rück- und Querpässe gespielt wurden, um so zu zeigen, dass man trotz dieses Mittelfeldpressings Granadas einen kühlen Kopf bewahrt und sich nicht von der eigenen Spielidee entfernt. Als der FC Barcelona jene Sicherheit ausstrahlte, begannen die Spieler der Blaugrana, mehr Vertikalität in das Spielgeschehen zu bekommen. Schnell wurden temporeiche Passstafetten aufgezogen und Zweikämpfe, so gut es ging, gemieden. Die destruktive Spielweise des Teams von Diego Martinez sollte so nicht das Spiel der Gastgeber negativ beeinflussen.

Was Handlungsschnelligkeit gegen einen so tief stehenden und nur auf das Verteidigen fixierten Gegner bewirken kann, zeigten Antoine Griezmann und Lionel Messi eindrucksvoll nach 23 Spielminuten. Nachdem Messi Griezmann anspielte, stieß er sofort im Vollsprint aus der Tiefe in den Sechszehner hinein, was für alle vier Spieler in Rot auf dem engen Raum um die beiden herum viel zu schnell ging, wodurch niemand auch nur ansatzweise überhaupt in ein Duell mit La Pulga kam.

Vor dem folgenden Torerfolg löste sich auch Antoine Griezmann aus dem Geflecht aus Gegenspielern heraus, indem auch er die Situation frühzeitig erkannte und seine technischen Fertigkeiten ideal mit seiner Gedankenschnelle in diesem Moment kombinierte. All das ging zu schnell für die Hintermannschaft aus dem Süden Spaniens.

Im ersten Durchgang machte Barça alles richtig, Granada wirkte chancenlos – wohl kaum jemand hätte in den ersten 45 Minuten den Andalusiern überhaupt einen Punktgewinn zugetraut, so ball- und selbstsicher traten Messi und Co. hier auf. An diese Leistung konnte man nur am Ende nicht mehr anknüpfen – warum, das wissen wohl nur die Spieler in Blau und Rot selbst. 

Busquets als Dirigent in einem sonst ideenlosen Mittelfeld 

Dass das Spielgerät seinen Weg überhaupt in das letzte Drittel fand, lag am Donnerstagabend vor allem an Sergio Busquets. Schnell wurde er zum Dirigenten im Mittelfeld und teilweise auch einzigem Mittelfeldakteur in den zentralen Regionen des Spielfeldes.

Die Spielidee Koemans war klar: Busquets sollte mit dem Ball am Fuß so viele Anspielmöglichkeiten wie nur möglich nach vorne haben. Aus diesem Grund zog es auch Ilaix Moriba und Frenkie de Jong häufig nach außen. Sie sollten in des Gegners Hälfte die komplette Breite des Feldes ausnutzen; von ihrem Durchsetzungsvermögen konnten sie an diesem Abend jedoch nur wenig Gebrauch machen, da Granadas Verteidigungslinien sich eher auf das Zentrum fokussierten. 

Barças Nummer 5 suchte immer wieder mit Schnittstellenpässen den direkten Weg in die Spitze, wo sich durch das variable Positionsspiel der Blaugrana unterschiedlichste Abnehmer befanden; in der Regel waren es Griezmann und Messi, die diese Bälle dann auch festmachten.

Mit diesen vertikalen Schnittstellenpässen überwand Busquets sofort die erste Reihe der Andalusier. Zu den 123 angekommen Pässen und damit einer Passquote von 90 Prozent kommen beim 32-Jährigen neun lange Bälle hinzu, welche allesamt den Weg zum Mitspieler fanden.

Granada bekam Busquets einfach nicht in den Griff – auch nicht, wenn die Offensivspieler rund um Roberto Soldado ihn unter Druck setzten. Dann schirmte Busquets denn Ball meist so gut ab und drehte sich Richtung eigenes Tor, dass er entweder einen Verteidiger anspielen konnte oder clever ein Foul zog. Der 32-Jährige lieferte gegen Granada in der Schaltzentrale eine vorzügliche Leistung ab – leider konnten seine Mitspieler nicht annähernd daran anknüpfen.

Stellungsfehler der Dreierkette werden von Granada bestraft

Dass der FC Granada letztendlich mit drei Punkten im Gepäck nach Hause reiste, lag vor allem an der gnadenlosen Bestrafung der Stellungsfehler von Barças Hintermannschaft. In der ersten Halbzeit zogen die Andalusier auf ihrer rechten Angriffsseite Samuel Umtiti aus der Kette heraus, um dann zu versuchen, ihn mit einem hohen Ball über jene Seite zu überspielen. Als der Franzose jedoch zweimal blitzschnell auf diese Situationen reagierte und die anschließenden Laufduelle für sich entschied, unterließen es die Männer von Diego Martinez. Doch sie merkten, dass die Dreierkette nicht die von Koeman gewünschte Sicherheit ausstrahlen würde.

Bei der Entstehung zum zwischenzeitlichen Ausgleich zog Luis Suárez Samuel Umtiti aus der Kette, schirmte den Ball gegen den Innenverteidiger ab und drehte sich um diesen herum, wodurch eine zwei gegen drei Situation im vollen Tempo entstand. Dass der eigentlich zu ungenau gespielte Pass dann noch Oscar Mingueza zum Stockfehler zwang, zeigt, wie überfordert der junge Katalane stellvertretend für die komplette Hintermannschaft mit der Situation war, auch wenn Sergi Roberto, Gerard Piqué und auch der 21-Jährige selbst umgehend den Rückwärtsgang einlegten. 

Als Jorge Molina nach 79 Minuten völlig unbedrängt zum Kopfball hochstieg, demonstrierten Gerard Piqué und Samuel Umtiti, wie eine nicht aufeinander eingespielte Dreierkette aussieht. Während Barças Nummer 3 kurz per Schulterblick den Laufweg Molinas beobachtete und trotzdem nicht darauf reagierte, machte Umtiti keine Anstalten, den riesigen Raum zwischen ihm und Piqué zu schließen – obwohl er einen freien Blick auf Molina hatte.

Zwei Stellungsfehler in einer Situation, die womöglich einer eingespielten Dreierkette in dieser Form nicht unterlaufen wären. Doch eingespielt sind Piqué und Umtiti schon lange nicht mehr. Ersterer hat in dieser Saison 19 Partien absolviert, Letzterer 15. Zusammen standen sie nur höchstselten auf dem Platz – natürlich gerade aufgrund der Verletzungsprobleme, die beide lange plagten.

Von Youngster Mingueza kann man in seiner ersten Profisaison überhaupt auch nicht erwarten, dass er jede Partie fehlerfrei bestreitet. Gegen Granada erlaubten sich aber gleich alle drei Innenverteidiger Aussetzer, die im Titelkampf nun einmal doppelt bitter sind – und gegen die Andalusier postwendend bestraft wurden.

 

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