Brennpunkte vs. Cádiz: Koemans unausgegorene Startelf, fehlende Leader und Barças Berechenbarkeit

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Gegen den den FC Cádiz hagelte es eine enttäuschende Niederlage für den FC Barcelona. Die Katalanen agierten sehr ausrechenbar und kein Spieler war bereit, die Leaderrolle zu übernehmen. Auch Koemans Startelf und sein Coaching werfen Fragen auf: Unsere Brennpunkte. 

Koemans fragwürdige Entscheidungen 

Nachdem Barça in der Champions League gegen Ferencváros Budapest vor allem durch viel Breite im letzten Drittel gepaart mit einem hohen Tempo im Offensivspiel überzeugte, ließ Ronald Koeman zu Beginn des Gastspiels der Blaugrana beim FC Cádiz sämtliche Offensivspieler mit eben diesen Eigenschaften auf der Bank. 

Ein Ousmane Dembélé beispielsweise wird sich fragen, was er in Budapest noch alles hätte machen müssen, um erneut das Vertrauen seines Trainers zu bekommen. Statt dem französischen Hochgeschwindigkeitsfußballer stand Philippe Coutinho in der Anfangsformation und sorgte dafür, dass der FC Barcelona auch in diesem Spiel ein altbekanntes Problem hatte: Die drei offensiven Spieler hinter Stoßstürmer Martin Braithwaite standen sich gegenseitig auf den Füßen und hatten darüber hinaus nur selten Optionen, die Tiefe zu bespielen. 

Warum sich Koeman nicht traute, erneut auf Dembélé zu setzen, bleibt sein Geheimnis. Was man dem ehemaligen Nationalcoach der Niederlande zugute halten muss: Er gestand sich seinen Fehler direkt in der Halbzeit ein und ersetzte Coutinho durch Dembélé – leider ohne den entsprechenden Erfolg, da auch der Franzose an diesem Abend sehr schwach agierte (Barçawelt-Note 2).

Ebenfalls überraschend: Nach Spielschluss gab Koeman sogar zu, dass ihm dieses Problem bewusst ist: „Wir müssen das Feld breiter machen.

Wir wissen, dass jeder sich auf die Mitte konzentriert, deswegen brauchen wir Spieler auf den Flügeln.“ Umso verwunderlicher seine Entscheidungen hinsichtlich der Startelf.

Zusätzlich muss auch über das Verhalten des Niederländers an der Seitenlinie gesprochen werden. Klar, Koeman war noch nie ein Lautsprecher und ist auch nicht gerade bekannt durch ein aktives Coaching im Stile eines Jürgen Klopps oder eines Pep Guardiolas. Allerdings sollte sich Koeman definitiv Gedanken über die Auswirkungen seiner Ausstrahlung machen. 

Insbesondere in der ersten Hälfte saß der Coach der Katalanen meist regungslos in seinem Sitz – einige TV-Bilder fingen ihn auch dabei ein, dass er die Hände über dem Kopf zusammenschlug oder ratlos auf den Boden blickte. Und eben diese Ratlosigkeit strahlt Koeman in diesen Momenten aus. 

Wie seine Spieler dieses Verhalten beeinflusst, werden wir nie erfahren. Allerdings wird oftmals davon gesprochen, dass eine Mannschaft das Spiegelbild ihres Trainers auf dem Platz ist, und das war teilweise definitiv der Fall. Die Körpersprache der Barça-Spieler schlug oftmals in eine ähnliche Kerbe. Blick zum Boden, Abwinken und fragende Blicke – auch die Spieler wirkten nicht wirklich so, als hätten sie einen klaren Plan für dieses Spiel. 

 

Der fehlende Leader 

Wenn es beim FC Barcelona läuft und die Mannschaft in Führung geht, ist alles wunderbar und das Team kann sich sogar in einen Rausch spielen. Läuft es allerdings nicht, sprich die Katalanen erzielen kein frühes Führungstor oder geraten gar in Rückstand, merkt man, wie labil die Mannschaft derzeit ist. 

Es fehlen Leader, die in den schwierigen Momenten Verantwortung übernehmen, die Mannschaft aufwecken und selber mit bestem Beispiel voran gehen. Spieler wie beispielsweise ein Thomas Müller beim FC Bayern München – Spieler, die in solchen Momenten ihre Mitspieler besser machen. 

Sinnbildlich für diese Problematik steht mit Lionel Messi der Kapitän des Teams. Läuft es bei La Pulga nicht, geht sein Kopf zu Boden und er wirkt gefühlt um nochmals fünf Zentimeter kleiner. Messi wird dann statisch, gelangweilt und planlos, teilweise sogar faul und desinteressiert – jedenfalls in Momenten, wo er nicht selbst zum Dribbling ansetzt. Auch wenn Messi mit dieser Körpersprache schon die genialsten Aktionen initiiert hat – er sollte sich auch Gedanken um seine Ausstrahlung auf den Rest der Mannschaft machen. 

Denn: Die Mitspieler gewinnen nicht gerade an Selbstvertrauen, wenn der Kapitän planlos wirkt. Und als Leader und Vereinslegende muss Messi seine Rolle verstehen und an sich arbeiten – andernfalls wird er nicht in der Lage sein, die Mannschaft durch diese schwierige Zeit zu führen. 

Allerdings, und da muss man den kleinen Argentinier auch in Schutz nehmen: Er hat keinen anderen Spieler um sich herum, der auch nur annähernd Verantwortung übernimmt: Griezmann, Busquets und Alba sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, de Jong und Lenglet sind noch nicht so weit und ter Stegen ist vom Spielbetrieb meist zu weit entfernt. Und Gerard Piqué fehlt nunmal verletzt.

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Barça will mit dem Kopf durch die Wand 

„Der stand heute schon in der Zeitung“ – diesen Satz hört man im Amateurfußball des Öfteren, wenn ein Pass allen Beteiligten schon klar war, bevor er gespielt wurde. Und dieser Satz hätte auch beim Gastspiel des FC Barcelona in Andalusien zahlreich fallen können. Zu ausrechenbar, zu offensichtlich agierten die Katalanen beim FC Cádiz. 

In Halbzeit eins beispielsweise war immer wieder zu beobachten, wie verschiedene Spieler der Blaugrana den Doppelpass mit Lionel Messi im Strafraum spielen wollten – und das war gefühlt allen Spielern der Gastgeber bereits bewusst, bevor der Pass gespielt wurde. Und entsprechend konnte man sich darauf einstellen und in der Regel völlig unaufgeregt klären. 

Auch in vielen weiteren Situation waren die Aktionen Barças dickköpfig und unbedacht. Sergiño Dest beispielsweise suchte oftmals das Dribbling – was prinzipiell eine gute Eigenschaft ist, allerdings begannen die meisten Aktionen des US-Amerikaners aus dem Stand heraus und völlig ohne Tempo – auch, weil er von Lionel Messi auf rechts völlig alleine gelassen wurde. Entsprechend niedrig war auch die Erfolgsrate, wobei man dem Youngster hier keine Vorwürfe machen kann. Zu gering war die Unterstützung seiner Mitspieler auf seiner rechten Außenbahn. 

Neben Dest wollte auch Messi sehr sehr oft auf dem direkten Weg zum Tor, obwohl dort bereits gefühlt zehn gelbe Beine waren. Auch wenn Messi schon das ein oder andere Unmögliche in seiner Karriere möglich gemacht hat – in diesem Spiel war das Resultat seiner Aktionen meist entweder ein Ballverlust (satte 29 davon hatte er, ein unglaublich schlechter Wert) oder im positiven Fall ein Freistoß. 

Ein weiteres Beispiel dafür: Die Blaugrana suchte oft den Abschluss aus der zweiten Reihe – auch hier wieder grundsätzlich keine schlechte Eigenschaft, allerdings in dieser Partie viel mehr ein Zeichen von Einfallslosigkeit. Die Abschlüsse waren in der Regel überhaupt nicht gut vorbereitet und wurden meist unter Druck abgefeuert. Aus diesem Grund wurden die meisten Schüsse geblockt und kein einziger Schuss war nur halbwegs gefährlich. 

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