Brennpunkte | War Messis Aufstellung im Supercopa-Finale ein Fehler?

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Der Spielaufbau der Katalanen ließ im Supercopa-Finale gegen Athletic Bilbao zu wünschen übrig, doch die Innenverteidigung machte gegen die Basken ein solides Spiel. Lionel Messis Leistung lässt einen daran zweifeln, ob ein Startelfeinsatz die richtige Entscheidung war. Die Brennpunkte.

Innenverteidigung mit solider Abwehrleistung

Trotz der drei kassierten Treffer spulte die Innenverteidigung, bestehend aus den nominellen Innenverteidigern Ronald Araujo und Clément Lenglet sowie dem abkippenden Sechser Sergio Busquets, eine starke Abwehrleistung ab – was die Statistiken belegen: sechs abgefangene Pässe, acht klärende Aktionen, nur vier Fouls und elf (!) gewonnene Kopfballduelle.

In den Zweikämpfen konnten der Uruguayer und der Franzose ebenfalls überzeugen. Sie gewannen 70 Prozent ihrer direkten Duelle, während Busquets in dieser Kategorie etwas abfiel. Der Routinier ging nur bei einem seiner vier Zweikampfversuche als Sieger hervor. Dies lag auch daran, dass der 32-Jährige als Vorstopper gegen die Konter von Bilbao agierte – dabei hatte er vor allem gegen die quirligen und temporeichen Iñaki Williams und Iker Muniain das Nachsehen.

Ein weiterer Beweis für die gute Leistung der Innenverteidigung war der in vorderster Front fehlende Impact vom bereits erwähnten Williams. Der Stürmer der Basken hatte, bis auf sein Traumtor in der Verlängerung, nur zwei Schüsse, die aber das Tor von Barça-Keeper Marc-André ter Stegen verfehlten. Das Privatduell gegen Ronald Araujo ging an den 21-jährigen Innenverteidiger, der die Laufduelle gegen den fünf Jahre älteren Williams souverän gewann – mit einer Ausnahme, als er ihm im zweiten Durchgang eine Gelegenheit auf dem Präsentierteller servierte

Spielaufbau kränkelt wieder an Problemen

In den Brennpunkten zum Ligaspiel gegen den FC Granada lobten wir noch den intelligenten Spielaufbau und die Idee von Koeman, Sergio Busquets in die Innenverteidigung abkippen zu lassen – doch im Supercopa-Finale kann man den Spielaufbau leider nur kritisieren.

Vor allem in der ersten Halbzeit ist dem Team von Trainer Ronald Koeman kaum etwas gegen das massive 4-4-2-System der Leones eingefallen. Oftmals wirkten die beiden Mittelfeldakteure Frenkie de Jong und Pedri viel zu statisch, sie bewegten sich nicht gut und waren deshalb nicht das erhoffte Bindeglied zwischen der Verteidigung und dem Angriff. Beim Field-Interview nach dem Spiel sprach Trainer Koeman genau dies an: „Wir haben zu viele Bälle verloren und kamen kaum in das Drittel des Gegners.“

Das einzig starke Element im Spielaufbau der Katalanen waren die guten Spielverlagerungen auf die jeweils ballferne Seite. Diese Verlagerungen kreierten Räume, was man bei der 1:0-Führung deutlich erkennen konnte: Der Angriff wurde von rechts aufgebaut, Messi spielte eine schnelle Verlagerung auf den einlaufenden Alba, der dadurch viel Platz für seine Vorlage in die Mitte hatte. 

Auch nach der Halbzeitpause konnte sich das Team von Trainer Koeman kaum gute Chancen herausspielen. Auch wenn Messi, de Jong und Pedri sich nun mehr bewegten, Bälle aus der Tiefe holten und sie sich zum Tor vom Athletic Club aufdrehen konnten, fehlte dem Spiel von Barça eines: Passschärfe. Durch die geringe Passschärfe wirkte der Spielaufbau der Blaugrana langsam, lethargisch und undynamisch. Auch deshalb ist es den Basken gelungen, 16 Pässe der Katalanen abzufangen. Es bleibt zu hoffen, dass der ausbaufähige Spielaufbau im Supercopa-Finale die Ausnahme bleibt. 

 

War Messis Aufstellung ein Fehler?

„Messi weiß, wann er fit ist. Er sagte, er kann spielen und er hat sein Bestes gegeben.“ Dies sagte Ronald Koeman direkt nach Abpfiff auf die Frage, ob es sinnvoll war, La Pulga von Beginn an spielen zu lassen. Allerdings muss man sich fragen, ob ein Einsatz des Argentiniers in der Startelf wirklich so sinnvoll war. Die Aussage des Ex-Bondscoachs wirkt wie eine Ausrede – ein sechsmaliger Weltfußballer möchte natürlich immer spielen, sobald er die Freigabe der Ärzte bekommt.

Auf dem Feld wirkte Barças Kapitän alles andere als topfit. Bis auf den Pre-Assist beim 1:0 von Griezmann und seinen Freistoß in der 52. Minute, der das Tor nur knapp verfehlte, strahlte Messis Präsenz nie eine Gefahr für das Tor von Unaí Símon aus. Ansonsten wurde La Pulga eigentlich gut von seinem Team eingebunden – er verzeichnete 104 Ballaktionen, doch null Torschussvorlagen und Schüsse aufs Tor sind einfach zu wenig und bescheren dem 33-Jährigen die Barçawelt-Note 3.

Die Löwen von Neu-Trainer Marcelino machten ihrem Rufnamen dazu alle Ehre und jagten den Argentinier förmlich über den Platz, ganze acht Fouls musste La Pulga dabei einstecken. Gepaart mit der schlechten Leistung ist es verständlich, dass sich bei Messi allmählich der Frust aufstaute – die Entladung darf dennoch niemals zu einer Tätlichkeit führen, auch wenn es die erste in seiner Barça-Karriere war. Für seine Verhältnisse blieb Messi gegen die Basken nahezu unsichtbar und hatte kaum Einfluss auf die Partie – ein Einsatz von Beginn an kam für den Superstar wohl zu früh.

Den sechsmaligen Weltfußballer als Edeljoker auf der Bank zu haben und ihn gegen müde Basken einzuwechseln, hätte in diesem Supercopa-Finale das Zünglein an der Waage sein können. Koeman entschied sich anders, sein Schachzug ging im Nachhinein nicht auf. Vielmehr noch muss er nun einige Spiele auf seinen Kapitän verzichten, denn die bevorstehende Sperre wird für die Copa del Rey und die Liga gelten.

 

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