Ein Rohdiamant als vierte Option: Todibos Chance im Schatten der Etablierten

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Wunschtransfer Matthijs de Ligt erteilte dem FC Barcelona im Sommer bekanntlich eine Absage. Doch der spanische Meister hat eine vielversprechende Alternative im Kader, die das Potential besitzt, den Niederländer vergessen zu machen und die von de Ligts Wechsel zu Juventus Turin so richtig profitieren kann: Jean-Clair Todibo.

Der Wunschkandidat sagte ab – kann das vielleicht doch ein kleiner Segen für Barça sein?

Lange galt der FC Barcelona als Favorit auf die Verpflichtung des niederländischen Supertalents Matthijs de Ligt. Mit dem ehemaligen Kapitän Ajax Amsterdams war in diesem Sommer ein Spieler auf dem Markt, der ohne Zweifel das Potential hat, einer der besten Innenverteidiger der Welt zu werden, wenn er nicht gegenwärtig sogar bereits zu diesem Kreis gezählt werden kann. Das Ende der Transfersaga ist bekannt: Der hochveranlagte Niederländer schloss sich dem italienischen Rekordmeister Juventus Turin an.

Barças Transferziel sagte den Katalanen ab – und so lösten die Verantwortlichen die Lücke in der Innenverteidigung durch eine hausinterne Lösung, die, soviel sei vorweggenommen, ebenfalls eine Menge Potential zu bieten hat.

Todibo als Nummer vier

Jean-Clair Todibo rückte als vierter Innenverteidiger hinter Gerard Piqué, Samuel Umtiti und Clément Lenglet in der Rangordnung auf. Der Franzose war erst im Januar 2019 vom FC Toulouse für eine kleine Entschädigung nach Katalonien gewechselt, nach nur zehn Partien in Frankreich galt er direkt als große Abwehrhoffnung für die Zukunft – da sein Jugendvertrag im Sommer auslief und er sich weigerte, einen neuen Kontrakt bei Toulouse zu unterzeichen, schlug Barça zu.

Todibo musste sich bei seinem neuen Verein und in der neuen Liga erst akklimatisieren, schließlich konnte er kaum Erfahrung oder Spielpraxis auf Profiniveau vorweisen, so dermaßen steil war sein Aufstieg über Nacht. Folglich reichte es unter Ernesto Valverde dann im ersten halben Jahr bei Barça lediglich zu zwei Ligaeinsätzen am Ende der Spielzeit, als der Ligatitel bereits eingetütet war. Dennoch ist das Potential des Teenagers unübersehbar. 

Das Potential zum Weltklassespieler

Klar ist, Todibo bringt alles mit, was es für eine vielversprechende Karriere als Innenverteidiger braucht. Er ist 1,89 Meter groß, hat eine für sein Alter beeindruckende Physis, ist schnell, gut im Zweikampf, kopfballstark und auch die Übersicht in der Spieleröffnung zählt zu seinen Stärken. Noch dazu kommt eine für einen Spieler seiner Größe beeindruckende technische Beschlagenheit – nicht die schlechteste Vorraussetzung für einen Innenverteidiger, der sich beim FC Barcelona durchsetzen möchte.

Ein Vergleich mit Matthijs de Ligt ist selbstverständlich gewagt. Der Niederländer war gesetzter Innenverteidiger und Kapitän bei Ajax Amsterdam, dem niederländischen Meister, Pokalsieger und Champions-League-Halbfinalisten. Noch dazu ist de Ligt Nationalspieler seines Landes und auch in der Elftal eine feste Größe im Defensivverbund – und kann dadurch schon eine Menge Erfahrung auf hohem internationalen Level vorweisen; etwas, was Todibo natürlich noch komplett fehlt.

Dennoch kann man Todibo zutrauen, bei Barça mit der Zeit die Rolle anzunehmen, die eigentlich für den Oranje-Star vorgesehen war. Das Potential, ein herausragender Innenverteidiger zu werden, bringt der Franzose in jedem Fall mit. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aktuell hat Todibo mit Gerard Piqué, Samuel Umtiti und Clement Lenglet drei Kontrahenten, die in der Rangordnung klar vor ihm stehen. Der vierte Mann in der Innenverteidigung zu sein verheißt nicht gerade viele Einsatzminuten.

Plötzliche Einsatzchance gegen Sevilla

Doch plötzlich – so schnell kann’s im Fußball manchmal gehen – bekam der 19-Jährige schon am achten Spieltag seine Chance. Lenglets Sperre und Umtitis Fußverletzung führten dazu, dass Todibo schon gegen den FC Sevilla einspringen musste.

„Er ist jetzt beinahe ein Jahr bei uns, er hat Qualität und körperliche Stärke, er ist bereit. Er hat eine gute Vorbereitung gespielt, er hat auf seine Chance gewartet – und nun kann er seinen Wert zeigen“, lobte Lenglet seinen Landsmann zuvor in einem Interview. 73 Minuten hielt der Youngster beim 4:0 gegen die Andalusier dann durch, ehe er von Krämpfen und Erschöpfung geplagt ausgewechselt wurde [hier geht’s zu Todibos Einzelkritik]. Die Matchfitness, sie geht Todibo merklich noch ab, kein Wunder bei so wenig Einsatzzeit.

Doch schon beim nächsten Ligaspiel bei der SD Eibar wird der Franzose aller Voraussicht nach erneut im Abwehrverbund stehen, da diesmal Piqué gesperrt fehlen wird. „Wir erhoffen uns viel von ihm, er hat viel Potential, aber er hat auch noch viel Luft nach oben“, sagte Valverde nach dem 4:0 gegen Sevilla über den 19-Jährigen, dem man anmerkte, dass er ein Rohdiamant ist, mit Betonung auf roh.

Generell ist es keine einfache Situation für einen jungen, aufstrebenden Spieler, nur die vierte Wahl zu sein und beinahe wöchentlich nicht dem Kader anzugehören. Nicht umsonst galt auch die Aussicht auf weniger Spielzeit als Grund für die Absage de Ligts an den FC Barcelona. Geduldig auf seine Chance zu warten ist die Grundvoraussetzung, und sobald man diese bekommt, gilt es, das Bestmögliche daraus zu machen und von den etablierten Kräften zu lernen.

Schafft Todibo all das, steht ihm eine große Zukunft bevor – dann könnte der Name Matthijs de Ligt nur noch ein Schatten der Vergangenheit sein, der einmal im Camp Nou herumschwirrte. Und der FC Barcelona könnte sogar eine ganze Stange Geld gespart haben.

 

Lucas Gröning / Alex Truica

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