Ideenlos und schlecht organisiert – Barças schwacher Auftritt beim BVB in der Analyse

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Speziell aufgrund ihrer kompakten Defensive und dem guten Vertikalspiel war bereits vor der Partie klar, dass Borussia Dortmund dem FC Barcelona weh tun kann. Eigentlich über die gesamte Partie hinweg hatte Barça Probleme mit dem Pressing der Schwarz-Gelben und konnten nur wenige Chancen aus dem Spiel kreieren. Eine taktische Analyse zum ersten Gruppenspiel in der Champions League.

Dortmunds kompaktes 4-4-2 – Barça mit Problemen

Die Idee von Lucien Favre war es, mit einem kompakten 4-4-2 das Zentrum zu verschließen und den FC Barcelona nach außen zu drängen. In Abwesenheit von Lionel Messi agierten Antoine Griezmann und Ansu Fati auf den Außenbahnen. Speziell Erstgenannter ist eher dafür bekannt, zwischen den Linien zu agieren und nur selten über die Außenbahn für Gefahr zu sorgen.

Probleme gegen BVB Pressing

Dortmund presst stark und geschlossen im Zentrum – lässt Barça auf außen und zwischen den Linien Platz . Doch die Katalanen schlagen daraus keinen Profit.

Aus diesem Grund konnte sich der BVB primär darauf konzentrieren das Zentrum zu verschließen und die Außenbahnen etwas offener zu halten, denn Barcelona war schlicht nicht in der Lage, aus diesen Räumen Kapital zu schlagen. Dabei presste der BVB aus seinem 4-4-2 heraus die beiden Innenverteidiger Lenglet und Piqué. Hier positionierten sich Reus und Paco Alcacer gerne etwas versetzt zueinander. Oft war es der Spanier, der als erster ins Pressing überging und den Ballführenden unter Druck setzte.

Ständigen Kontakt hielten dabei die beiden Stürmer mit der Mittelfeldreihe der Schwarz-Gelben. Der Grund: man versuchte einen Käfig um Busquets, Arthur und de Jong herum zu spannen, um den verfügbaren Raum zu verringern, sie sofort unter Druck zu setzen und das Aufbauspiel so unterbinden zu können.

Speziell Sergio Busquets kam aus diesem Grund kaum wirklich zur Geltung. Der Kapitän befand sich stets im Deckungsschatten der beiden Stürmer. Deshalb schaffte es das Dreieck Lenglet, Piqué und Busquets nur selten den BVB in Bewegung zu bringen.

Auch Arthur und de Jong hatten ihre Probleme mit der starken Verteidigungsarbeit des Teams von Lucien Favre. Typisch für den Schweizer verfolgten seine Spieler nur selten den Gegner mannorientiert. Vielmehr ging es darum, die Positionen zu halten und so die verfügbaren Räume für den Gegner zu verschließen. Erst wenn de Jong oder Arthur mal den Ball erhielten, zog sich der BVB-Block zusammen und presste die beiden Mittelfeldakteure frühzeitig.

Besonders Probleme bereitete Barça die Tatsache, dass ihr eigenes Spiel in Ballbesitz zu unstrukturiert war, um das Pressing des BVBs vor echte Herausforderungen zu stellen. Vereinzelt spielte man sich über die Außenverteidiger nach vorne, um dann diagonal vom Flügel ins Zentrum zu gelangen. Allerdings waren diese Aktionen oft nicht passend eingebunden und es fehlte an Anspielstationen im Zentrum.

Erst nach 20 Minuten konnten die Katalanen das Spiel dann besser kontrollieren. De Jong bewegte sich häufig höher, was zur Folge hatte, dass der BVB die Abstände zwischen Stürmer und Mittelfeldlinie nicht mehr so eng halten konnte. Aufgrund der tiefen Position von Sancho fand Arthur links immer mal wieder Raum. Alles in allem fehlte es dann doch wieder an den Verbindungen, um aus dem Mitteldrittel heraus den Übergang ins letzte Drittel erfolgreich zu gestalten und sich Chancen zu erspielen.

Allerdings schaffte es Barça nur bis zur Pause etwas Kontrolle über das Spiel zu gewinnen, nichtsdestotrotz hatte der BVB auch in dieser Phase die besseren Chancen.

Viele Fragezeichen im Offensivspiel – woran Ernesto Valverde arbeiten muss

Über die ganze Partie hinweg konnte sich der FC Barcelona keine nennenswerte Chance erspielen. Die Expected Goals der Partie sprechen hier Bände.

Das Team von Ernesto Valverde agierte sehr unkoordiniert. Die Bewegungen waren selten aufeinander abgestimmt und die Offensivideen sollte man nicht wirklich Ideen nennen. Vereinzelt ließen sich Kombinationen im Dreieck am Flügel erkennen. Jedoch fehlt es Frenkie de Jong wie auch Arthur an der nötigen Dynamik, um diese Aktionen mit vertikalen Läufen zu unterstützen oder Räume zu öffnen.

Offensive HZ 1

Barcelona offenbarte mit dem Ball eine schlechte Struktur im Positionsspiel: De Jong und Griezmann stehen sich zu sehr auf den Füßen (grauer Kreis), links ist der Halbraum derweil unbesetzt (gelber Kreis). 

Speziell nach der Auswechslung von Jordi Alba und dem Seitentausch von Fati und Griezmann zeigten sich immer wieder ähnliche strukturellen Probleme. Zum einen waren die Räume zwischen den Linien nur unzureichend besetzt. Zum anderen verhinderte die zu flache Positionierung der Barça-Akteure eine effektive Ballzirkulation und schnelle Seitenwechsel.

Griezmann und de Jong besetzten beide eigentlich den rechten Halbraum, standen sich aber so mehrmals gegenseitig auf den Füßen (grauer Raum). Darüber hinaus fühlt sich keiner der beiden Akteure sonderlich wohl in dieser Position. Der Franzose genießt es eher im Zentrum zu agieren, während Frenkies Stärken vor allem mit Blick zum Tor zur Geltung kommen. 

Des Weiteren stimmten die Abstände zwischen den einzelnen Linien der Katalanen nicht. Piqué gelang es nur selten, einen seiner Mitspieler im Halbraum anzuspielen. Das lag auch daran, dass weder Sergi Roberto noch Busquets Verbindungen nach vorne herstellten. Insbesondere Busquets war zwischen den beiden Stürmern des BVBs gefangen.

Auf der linken Seite bot sich ein etwas anderes Bild. Hier positionierte sich Ansu Fati breit, während Semedo eher tiefer blieb, um eine weitere Absicherung gegen Konter zu sein. Allerdings führte die doppelte Besetzung der Außenbahn dazu, dass niemand den Halbraum zwischen den Linien besetzte. Arthur musste sich die Bälle tiefer abholen, da Busquets nicht am Spiel teilnahm und die beiden IV zu eng beieinanderstanden. 

Diesbezüglich wäre ein Abkippen von Busquets zwischen die beiden IV sicherlich interessant gewesen. Alles in allem gelang es den Katalanen selten, zwischen die Linien zu gelangen, und wenn, dann war der BVB sofort zur Stelle.

Griezmann und Messi – passt das?

Nach wenigen gespielten Minuten in der zweiten Halbzeit nahm Ernesto Valverde seine beiden letzten Wechsel vor, nachdem bereits Sergi Roberto für den verletzten Jordi Alba in Halbzeit 1 aufs Feld geschickt wurde. Lionel Messi ersetzte Ansu Fati und Ivan Rakitic kam für Sergio Busquets.

Fortan übernahm de Jong die Rolle von Busquets vor der Abwehr, während Rakitic als rechter Achter Messi unterstützen sollte.

Im Spiel mit dem Ball hatte dies zur Folge, dass nun zwar die Aufteilung im rechten Halbraum besser passte – Rakitic stieß nur weiter nach vorne, wenn Messi rechts die Breite gab. Jedoch hatte Barça nun mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Denn mit dem Argentinier auf rechts und Griezmann als linkem Flügelspieler fehlte es dem FC Barcelona regelmäßig an der nötigen Breite, um den BVB auseinander zu ziehen.

 Probleme HZ 2

Die Messi-Griezmann Problematik: Semedo bleibt tief stehen, Griezmann rückt ein, die Außenbahn ist verweist (grauer Kreis) – der BVB kann geschlossen nach rechts (gelber Kreis) verschieben und da stark pressen.

Die Grafik zeigt sehr schön, wie Semedo eher tiefer blieb, aufgrund von der Torgefahr, die Jadon Sancho ausstrahlte, während Antoine Griezmann in den Halbraum einrückte. Folglich besetzte niemand die linke Außenbahn (blauer Raum). Wenn Barça die rechte Seite überlud, konnte der BVB weit auf diese Seite schieben ohne sich sorgen machen zu müssen, dass diese Räume von den Katalanen effektiv genutzt werden könnten.

Alles in allem stellt sich hier die Frage, wie Ernesto Valverde Griezmann und Messi einbinden will, wenn beide gleichzeitig auf dem Platz stehen. Die Rolle des Neuzugangs von Atlético wurde während des Spiels mehrmals geändert – ohne Effekt. Zumeist driftete er in ungefährlichen Räumen herum, abgeschnitten von den Offensivaktionen. 

Weder Messi noch Griezmann können dem FC Barcelona die nötige Breite im Spiel geben und schnelle Dribblings von der Seitenlinie starten. An diesem Punkt in seiner Karriere ist Messi wohl besser im Zentrum aufgehoben – Griezmann leider aber auch. Das richtige System für diese beiden Akteure zu finden, wird die große Herausforderung für Ernesto Valverde in den nächsten Monaten.

Gegenpressing? Fehlanzeige – Barças Probleme mit der Konterabsicherung

Gegen den BVB ist es entscheidend, auf die schnellen Konter vorbereitet zu sein. Der FC Barcelona schaffte es an diesem Abend so gut wie gar nicht, nach Ballverlust schnell umzuschalten und Dortmunds Schnellangriffe bereits im Keim zu ersticken.

Dies lag insbesondere an der schlechten Struktur in Ballbesitz. Zu Beginn vieler Angriffe positionierten sich die zentralen Mittelfeldspieler zu oft auf einer Linie was die Zirkulation und Angriffsvorbereitung erschwerte, jedoch stießen Arthur wie auch Rakitic im Laufe eines Angriffs immer weiter nach vorne. Dementsprechend offenbarte Valverdes Team riesige Löcher neben de Jong.

Vereinzelt konnte der Niederländer noch durch geschicktes Herausrücken brenzlige Situationen unterbinden, allerdings stand auch er in Halbzeit 2 gegen das Dortmunder Tempo auf verlorenem Posten. Barça fehlte neben der richtigen Organisation auch einfach die Intensität im Gegenpressing. Nur selten konnte man beobachten wie die Achter oder Offensivspieler wirklich aggressiv versuchten den Ball zurückzuerobern.

Dazu kamen noch die Probleme gegen den Ball. Der FC Barcelona verteidigte aufgrund von Messi und Suárez oft nur zu acht plus Torhüter. Jedoch waren auch hier die Mechanismen nicht klar und man sah des Öfteren falsche Rausrückbewegungen, die dem BVB Pässe hinter die Abwehr ermöglichten. Nicht ohne Grund hatte Borussia Dortmund das klare Chancenplus in dieser Partie und Barça kann sich über einen gewonnenen Punkt dank Marc-André ter Stegen freuen.

Fazit

In einer unterhaltsamen Partie entblößte das Team von Lucien Favre die Schwächen des FC Barcelonas. Insbesondere das Gegenpressing muss sich verbessern, um in der CL nicht regelmäßig ausgekontert zu werden. Darüber hinaus stimmt die Organisation im Offensivspiel kaum. Fehlende Mechanismen, wenig Ideen und schlechte Positionierungen bereiten Suárez, Griezmann & Co. Probleme.

Es wird des Weiteren spannend zu beobachten sein, wie Valverde in Zukunft aufstellen wird. Es braucht Ideen, wie Griezmann und Messi zusammenpassen können, ohne die Breite im Spiel komplett aufzugeben. Und auch Frenkie de Jongs Rolle sollte überdacht werden. In Halbzeit zwei machte der Niederländer ein wirklich starkes Spiel als Sechser, dank seiner Übersicht, Ruhe und seiner hohen Spielintelligenz. Doch wird Valverde wirklich Sergio Busquets dafür auf die Bank setzen?

 

Ein Gastbeitrag von Tobias Hahn, Gründer von Thefalsefullback. Thefalsefullback bietet Taktikanalysen zur Bundesliga und zu den internationalen Ligen, und stellt zudem Spieler, Teams und Trainer vor. Außerdem werden die nächsten taktischen Trends erläutert sowie Fußballtrainern ein Mehrwert durch Trainingsartikel angeboten. Wenn ihr mehr über das Thema Taktik wissen wollt oder gar Fußballtrainer seid, dann schaut doch mal auf der Seite vorbei: http://thefalsefullback.de.

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