Moral, Kampfgeist und Siegeswille bis zur letzten Sekunde und ein wackeliger Samuel Umtiti

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In einer nervenaufreibenden Achterbahnfahrt im Pokalspiel beim FC Granada geriet Barcelona trotz eines guten Auftritts nach zwei Fehlern von Samuel Umtiti in Rückstand. Die Blaugrana bewies jedoch Moral und Siegeswille – und zeigte damit auf, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Die Brennpunkte.

Moral bis zur letzten Sekunde

Bis zur 88. Minute stand es 0:2 auf der Anzeigetafel – ein Spielstand, der dem Geschehen auf dem Platz nicht gerecht wurde. Barça war in Granada von Anfang an die überlegene Mannschaft, drückte pausenlos auf das Tor, schoss und köpfte und griff an und versuchte alles – alleine, das Tor wollte nicht fallen. 36 Abschlüsse hatte Barça am Ende, davon 20 aufs Tor, das ist der Höchstwert seit der Saison 2013/14.

Obwohl Barcelona gut 80 Prozent Ballbesitz hatte und Granada sich hinten nur einigelte, ging der Gastgeber nach zwei individuellen Fehlern überraschend in Führung und baute den Vorsprung sogar aus (33. und 47.). Die Moral bei Barça stimmte, doch das Spielglück hatte die Blaugrana nicht auf ihrer Seite. Dreimal trafen die verzweifelt anrennenden Katalanen das Aluminium, es schien wie verhext an diesem Abend in Andalusien. 

Und doch gab Barça zu keiner Sekunde auf, selbst nach Ousmane Dembélés Lattenkracher kurz vor dem Ende, der eigentlich das tragische Schicksal endgültig besiegeln sollte, glaubte das Team von Ronald Koeman noch an sich – und schaffte letztlich doch noch das Unmögliche. „Wir haben eine Siegermentalität, wir geben alles bis zur letzten Minute“, erklärte Matchwinner Antoine Griezmann nach dem Spiel, der die Aufholjagd durch sein (zugegeben etwas glückliches) Tor zum 1:2 in der 88. Minute endgültig möglich machte.

Besonders angetan war natürlich Ronald Koeman ob dieser Willensleistung seines Teams. „Diese Mentalität zu zeigen war unglaublich. Das kann ein Moment sein, in dem die Mannschaft an sich glaubt und Charakter entwickelt. Spiele wie diese, das Überstehen von K.o.-Runden, hilft dir mannschaftsintern und gibt dir Kraft“, so der Niederländer.

In der Tat kann dieser Sieg einen positiven Effekt auf das Team haben. Selbstvertrauen holt man sich durch Erfolgserlebnisse und Siege – dass Barcelona trotz aussichtslosen 0:2 kurz vor Schluss weiter bis zum Schlusspfiff an sich glaubte, zeigt den Charakter dieses Teams auf. Siegermentalität ist wahrlich etwas, was man der Blaugrana in den letzten Jahren eher selten bescheinigte. Sie ist auch und gerade Koemans Verdienst.

Gefahrlosigkeit bei Standards

Bei der schwachen Chancenverwertung und der langen Spielzeit ohne Glück vor dem Tor spiegelte sich das Unvermögen in einer Statistik besonders wider: Die Gefahrlosigkeit bei Standards. Ganze 18 Ecken hatte die Koeman-Elf, auf der Gegenseite hatte Gastgeber Granada nicht eine. Wenn es aus dem Spiel heraus nichts gelingen will, können Standards durchaus Abhilfe schaffen. Bei Barça dagegen ging die Schludrigkeit in der Chancenverwertung auch mit den schwachen Standards einher.

Egal wer zur Eckfahne marschierte, sei es Messi, Pedri oder auch Dembélé, das Spielgerät kam anschließend zu häufig mit zu wenig Kraft und/oder Präzision in den Sechzehner geflogen und stellte so für den Gastgeber kein Problem dar. Auch Barcelonas kontinuierlich kurz ausgeführte Ecken sollte die Mannschaft samt Trainerteam allmählich mal überdenken, da sie schlicht nicht zielführend sind und viel zu selten überhaupt für Gefahr sorgen. Meist nimmt sich Barça damit eher die Chance, überhaupt den Ball in den Strafraum zu bringen.

Darüber hinaus kontrollierte Schlussmann Aarón Escandell den Raum vor seinem Gehäuse und gab – zumindest bis zur Schlussphase – eine gute Figur ab. Der Ersatz von Rui Silva glänzte zudem bei Freistößen von Messi aus kurzer Distanz. La Pulga trat mehrfach an den ruhenden Ball heran, scheiterte jedoch entweder am Torhüter, an der aufgestellten Mauer oder an sich selbst. Es war nicht das erste Mal in den vergangenen Monaten, dass man ins Grübeln kam, ob Messi inzwischen etwas von seiner Treffsicherheit bei Freistößen eingebüßt hat – auch wenn er zuletzt zweimal per ruhendem Ball traf.

 

Wackeliger Samuel Umtiti

Einer, der zumindest an seiner Spielfitness eingebüßt hat, war Samuel Umtiti während seiner langen Verletzungspause. Seit Anfang Dezember 2020 ist der Franzose wieder zurück im Spielbetrieb und machte in Granada sein siebtes Spiel nach seiner Rückkehr. Doch der 27-Jährige tat sich äußerst schwer, wirkte fehleranfällig und verschuldete beide Gegentreffern (Barçawelt-Note 1).

Beim ersten Gegentor bekam der Linksfuß auf Höhe des Strafraums nahe der eigenen Grundlinie den Ball zugespielt und entschied sich für die spielerische Lösung statt eines Befreiungsschlages. Mit dieser Fehlentscheidung leitete er den Rückstand unfreiwillig ein.

Beim zweiten Gegentor dagegen war die gesamte Mannschaft weit aufgerückt. Umtiti wurde in dieser Szene zum Leidtragenden, hielt in der Rückwärtsbewegung einen Sicherheitsabstand zu Roberto Soldado, machte dann bei Reaktion und Drehung um die eigene Achse einen sehr ungelenken und schläfrigen Eindruck und kam so gar nicht ins Eins-gegen-Eins. Anschließend verlor die Nummer 23 auch noch das Laufduell gegen den acht Jahre älteren Routinier deutlich. Nach 64 Minuten war Schluss für den Franzosen, der augenscheinlich noch mehr Zeit bis zur alten Form benötigt.

Es war ein weiteres Kapitel über die Fehleranfälligkeit der Verteidiger in der laufenden Saison. Weil die Transferperiode bekanntlich vorbei ist, muss Koeman bis Saisonende mit dem vorhandenen Personal auskommen. Nach zuletzt getroffenen Aussagen des Cheftrainers steht aber eine Verstärkung für die neue Saison schon fest: Wunschspieler Eric García von Manchester City kehrt zurück. Und auch Gerard Piqué arbeitet fleißig am Comeback, steht sogar schon wieder auf dem Trainingsplatz.

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