Pfiffe für Memphis Depay: Barça brilliert bei Fan-Rückkehr in Stuttgart

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Der FC Barcelona besiegt unter den Augen der lautstarken Zuschauer den VfB Stuttgart nach starker Leistung klar. Die Stimmung war prächtig, vor allem Memphis Depay und Antoine Griezmann sorgen für spektakuläre Momente. Gerade Memphis polarisierte in Stuttgart.

Aus der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart berichtet Benjamin König

18:59 Uhr. Der FC Barcelona, angeführt von Gerard Piqué, betritt unter tosendem Applaus die Mercedes-Benz Arena zu Stuttgart. 25.000 Menschen beschlossen, Barça bei einem Testspiel mit nicht allzu großem Stellenwert gegen den VfB Stuttgart zu sehen. Die Katalanen reisten dabei fast mit Bestbesetzung an, weswegen die Stimmung prächtig blieb, obwohl sich der Anstoß um eine Stunde verzögert hatte. Die Katalanen waren im Stau gestanden. 

Tolle Stimmung: VfB-Fans freuen sich auf den FC Barcelona

60 Minuten nach geplantem Spielbeginn macht sich Antoine Griezmann dann mit höchstkonzentrierter Miene auf den Weg zum Mittelkreis. Der Anpfiff erfolgt wenige Augenblicke später. Das Stadion bebt und die Vorfreude des Publikums verwandelt sich in lautstarke Unterstützung. Die erstaunlich gute Stimmung passt so gar nicht zu einem Testspiel, bei dem auf Seiten des VfB fast nur Jugendspieler in der Startelf stehen. Über die Rolle des FC Barcelonas ist man sich zunächst unklar – die eine Hälfte des Publikums beklatscht die ersten Ballkontakte von Frenkie de Jong und dessen Kollegen, die andere Hälfte stimmt schon mal zum Pfeifkonzert an.

Sportlich gesehen kommen die Zuschauer jedoch schnell auf ihre Kosten. Barça tritt in Bad Cannstatt äußerst fokussiert und zielstrebig auf, die aus der Not entstandene Elf der Stuttgarter wird früh angelaufen und in Zweikämpfe verwickelt. Es ist Fußball auf hohem Niveau, ohne dass es in den Anfangsminuten zu zwingenden Torraumszenen kommt.

Doch die Gäste aus der Mittelmeermetropole bleiben geduldig und vertrauen weiter auf die eigenen Stärken. Der erst 16-jährige Mittelfeldspieler Gavi verlagert etliche Male das Spiel, Frenkie de Jong dreht immer wieder auf, um Raumgewinne zu erzielen, Gerard Piqué vermeidet mit genialem Stellungsspiel lange Sprintduelle gegen Youngster Manuel Polster, Memphis Depay agiert sehr variabel im Positionsspiel und Yusuf Demir bittet den gestandenen Bundesligaspieler Marc-Oliver Kempf ein ums andere Mal zum Tänzchen. Neue sowie alte Erkenntnisse für Ronald Koeman, dessen erste Garde den Spielverlauf in den Anfangsminuten fast allein bestimmt.

Memphis Depay polarisiert und brilliert

Seit der elften Minute begleitet das Stuttgarter Publikum zudem sämtliche Aktionen von Neuzugang Memphis mit einem Pfeifkonzert, der Niederländer ging im Strafraum der Schwaben zu Boden – der Pfiff des Unparteiischen bleib aus, doch das Publikum nimmt dem Barça-Star den Faller übel.

Nach 21 Minuten werden die 25.000 Zuschauer vor Ort Augenzeugen einer traumhaften holländischen Kooperation, die in Idee und Ausführung seinesgleichen sucht. De Jong überspielt mit einem millimetergenauen Ball die komplette schwäbische Hintermannschaft, Memphis Depay verarbeitet den Ball so, dass sogar die ihm weniger wohlgesonnenen VfB-Fans im Stadion ihm Respekt zollen müssen. Die Masse staunt und reagiert doch so grundverschieden auf dieses Traumtor. Pfiffe, Applaus und Jubel. All diese Reaktionen zeigen, dass Barças Spieler es schaffen, die in die Stadien zurückkehrenden Zuschauer zu emotionalisieren und in ihren Bann zu ziehen.

Auch Ronald Koeman zeigte sich angetan von diesem sehenswerten Treffer und dem Spiel seines Landsmanns: „Es war ein großartiges Tor. Er hat insgesamt eine großartige Partie gespielt. Er ist schnell und hat gut mit Antoine Griezmann kombiniert. Ich bin sehr froh, da wir genau diese Spieler mögen, die nach Barcelona kommen wollen, um ihre Qualitäten zu zeigen.“ 

Yusuf Demir nach Debüttor: „Ein unglaubliches Gefühl“

Qualitativ hochwertiger Fußball wird von den Katalanen auch anschließend zelebriert. Das von Koeman angesprochene Zusammenspiel von Depay und Griezmann bringt nach 36 Minuten den zweiten Treffer des Abends auf den Weg. Torschütze ist am Ende Yusuf Demir, der in der Schwabenmetropole auf seinen ersten Torerfolg im Dress der Blaugrana kommt. „Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl. Ich hoffe, dass ich so weitermachen kann und viele weitere Tore schießen kann“, gibt der erst 18-Jährige im Interview nach dem Spiel von sich.

Nach dem Seitenwechsel treten die Spieler mit dem roten Brustring mutiger auf und schaffen es, selbst Chancen zu kreieren; ohne einen etablierten Goalgetter im Spieltagskader sieht sich Neto jedoch nur selten einer wirklichen Gefahr ausgesetzt.

 

Barça profitiert von individuellen Unterschieden

Es bleibt aber das Spiel der Ballkünstler, denn auch beim VfB Stuttgart versucht vor allem der quirlige deutsche U-21-Europameister Mateo Klimowicz Akzente zu setzen, seine Abschlussschwäche hindert ihn jedoch an klaren Torchancen. Beim FC Barcelona hat derweil Sergi Roberto auf der Rechtsverteidigerposition mit dem wirbelnden Manuel Polster, der aus dem Zentrum auf die Außenbahn geholt wurde, zu kämpfen. Sprintduelle auf dieser Seite werden vom Stuttgarter Anhang regelrecht herbeigesehnt.

Für Euphorie sorgen nach 60 Minuten jedoch wieder die Gäste aus Katalonien. Die Wechsel von Sergio Busquets, Jordi Alba und Riqui Puig verändern die Dynamik des Spiels, wovon auch Sergi Roberto – nun im Mittelfeld angesiedelt – profitiert. Vor allem Puig zeigt sich im Spiel nach vorne mutig, auch wenn er in nun etwas rustikaler werdenden Zweikämpfen häufig das Nachsehen hat. In der 73. Minute gelingt ihm der Treffer zum 3:0, womit der ergebnistechnische Ausgang der Begegnung nun klar ist.

20.45 Uhr. Der Schlusspfiff ertönt und die Menge applaudiert stehend. Es überwiegt die Freude auf (fast) allen Seiten. Bei der Fan-Rückkehr in Baden-Württembergs Landeshauptstadt hielt das Team von Pellegrino Matarazzo mit Spielern, von denen einige noch nie im Profikader standen, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten gut dagegen, während die Stammkräfte des FC Barcelona mit vertikalem Angriffsfußball für Vorfreude bei den Culés auf die noch anstehenden Testspiele gegen RB Salzburg und Juventus Turin sowie den Saisonstart sorgen. Nun geht es darum, die erzeugte Euphorie bis zum ersten Spieltag La Ligas aufrecht zu erhalten. 

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