Wie Victor Fonts „Sí al futur“-Projekt Barça verändern soll

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‚Si al futur‘, zu deutsch ‚Ja zur Zukunft‘, so heißt das von Barça-Präsidentschaftsanwärter Victor Font geführte Projekt, mit dem er den FC Barcelona reformieren will. Neben der Stärkung von La Masia und einer Veränderung des Führungssystems steht auch eine Traineranstellung Xavis ganz oben auf der Liste. Wir stellen euch das Projekt genauer vor.

Über das Projekt

Eine Gruppe von Mitgliedern des FC Barcelona rund um Victor Font ist zusammengekommen, um an dem ‚Sí al futur‚ genannten Projekt zu arbeiten. Einem Projekt, das das neue Barça aufbauen soll – ein Barça der Zukunft, einer Zukunft nach Lionel Messi. Das Ziel des Projektes ist es, dem Wohle des Vereins zu dienen und nicht bloß dessen Führungsriege. Langfristig soll das Projekt somit das gegenwärtige Modell des Klubs verändern und bis 2030 ein stabileres, ein neues und besseres Barcelona aufbauen.

Die Rückkehr zu den Wurzeln: La Masia

Das Sí al futur-Projekt basiert auf dem Glauben, dass die beste Methode, mit der der FC Barcelona wieder an die Spitze zurückkehren kann, die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln ist. Konkret die Rückkehr zur Jugendakademie La Masia, Heimat von Legenden wie Lionel Messi, Andrés Iniesta, Xavi Hernández. Es ist Barças Jugendakademie, die in der Vergangenheit die vielversprechendsten Fußballer des Vereins geformt hat.

„Sie [Real Madrid] kaufen Superstars, wir

[Barcelona] machen sie!“, sagte Ex-Präsident Joan Laporta einst. In den vergangenen Jahren entfernte sich der Verein jedoch mehr und mehr von der einst anvisierten Transferpolitik. Der Großteil der Regentschaft von Josep Maria Bartomeu war geprägt von ‚Galactico‘-Verpflichtungen wie dem Transfer von Philippe Coutinho (140 Millionen Euro), der ironischerweise bei Barça gescheitert ist. Es gibt kein Vertrauen mehr in die Spieler aus La Masia und es ist genau das, was Victor Font verändern will. Er glaubt, dass es die Spieler aus der Akademie sind, die ihr Herz für den Verein geben und dass sie prädestiniert dafür sind, Barças sportliche Zukunft zu gestalten.

Xavi Hernández als Barça-Trainer

Der Traum eines jedes Culers: Xavi Hernández‘ Rückkehr ins Camp Nou, und damit die Fortsetzung einer Linie, in der bisher Pep Guardiola und Johan Cruyff stehen. Nun ja, dieser Tag könnte bald kommen. Xavi begann bereits seine Trainerkarriere bei Al Sadd und ein zukünftiges Engagement bei Barça scheint nicht ausgeschlossen. Der ehemalige Mittelfeldregisseur gab zu Protokol, dass er eine mindestens zweijährige Erfahrung als Trainer benötigt, bevor er eine Anstellung beim FC Barcelona in Erwägung ziehen kann, was perfekt passen würde, denn Victor Font plant in zwei Jahren Präsident zu werden.

„Ich hoffe, Xavi wird das sportliche Projekt des FC Barcelona anführen“, erklärt Victor Font jüngst. Der Präsidentschaftsanwärter gilt als großer Bewunderer des einstigen Mittelfeldspielers und er glaubt, in ihm den richtigen Mann gefunden zu haben, um Barcelona wieder auf die Siegerstraße zu bringen. Er weiß, dass Xavi mit der Tradition des Vereins vertraut ist und er hofft, dass der Rekordspieler die spielerischen Ideen von Cruyff annehmen und diese vielleicht sogar weiterentwickeln wird.

Xavi ist umgekehrt auch ein großer Bewunderer von Font. In der Show ‚El Club de la Mitjanit‘ von Catalunya Radio sagte Xavi: „Ich denke, er [Font] ist gut vorbereitet und ein guter Kandidat. Die Socios würden gut daran tun, ihn für die nächsten Wahlen im Auge zu behalten. Ich denke er wäre eine passende Wahl, um das Schiff in sichere Fahrwasser zu führen.“ 

Xavi startete bereits seinen Weg als zukünftiger Trainer der Katalanen und es stellt sich nicht die Frage ‚ob‘, sondern ‚wann‘ er die sportliche Leitung über die erste Mannschaft übernimmt. Xavi und Font an der Spitze des Klubs kann und wird womöglich ein Erfolgsgarant sein.

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Ein elektronisches Wahlsystem

Font plädiert für eine stärkere Nutzung der Software (sie ist bereits zur Nutzung für den Klub programmiert), die die Wahl des Präsidenten 2021 über ein elektronisches System möglich macht. „Es ist ein Schlüssel in der Transformation des Management-Models an das wir glauben. Es macht keinen Sinn, dass ein Klub wie Barça mit 140.000 Mitgliedern und einer großen demokratischen Tradition diese demokratische Gestaltungsmöglichkeit nicht ausnutzt, außer im Bezug zur Wahl, die alle sechs Jahre stattfindet.“

Sí al futur hat die Intention, die elektonische Wahl auch in anderen Bereichen einzusetzen. Natürlich bei den Präsidentschaftswahlen, aber auch in einigen symbolischen Aspekten, beispielsweise beim Design der Trikots und des Wappens. Font sagt: „Der Nutzen von elektronischer Software bedeutet nicht, dass die Führungsriege ihre Kompetenzen verliert, sondern viel eher, dass sie verstärkt auf die Meinung der Mitglieder hört, bevor sie irgendwelche Entscheidungen trifft.“

Seine Vorstellung der Nutzung von Technologie beinhaltet also, dass mehr Menschen ihre Meinung kundtun können, sodass man herausfinden kann, was die Mitglieder des Klubs wirklich wollen.

Eine neue Form der Führung

Eine der wichtigsten Änderungen, die Font im Verein implementieren will, ist ein komplett neues und überarbeitetes Führungsmodell. Font strebt eine Führungsriege an, die aus einem Komitee aus Spezialisten besteht. „Es ist nicht länger förderlich für ein großes Unternehmen, von einer Gruppe von Freunden gemanaged zu werden. Stattdessen brauchen wir ein Komitee bestehend aus kompetenten Individuen, die zum einen über besondere Fähigkeiten verfügen und zum anderen Erfahrung in der Sportindustrie haben“, sagte Font.

Die Idee des Präsidentschaftsanwärters ist es, ein separates Komitee von Beratern zu installieren, das aus Mitgliedern des FC Barcelona besteht, die den Verein beraten, Vorschläge entwickeln und ihre Meinung zu schwierigen Fragen rund um den Klub abgeben, sodass zufriedenstellende Lösungen erarbeitet werden können. Das steht im Gegensatz zu dem bisherigen, traditionellen Modell des Vereins, in dem die Führungsriege alle wichtigen Entscheidungen ohne den Input der Mitglieder trifft.

Das Konzept beinhaltet das angesprochene Wahlsystem, das sich auf Schlüsselentscheidungen fokussiert, nicht auf das Tagesgeschäft. Fonts Ziel ist es also, dass die Mitglieder sehr stark in die wichtigen Entscheidungen des Klubs involviert werden.

Ein neues Geschäftsmodell

Vermutlich die innovativste Idee, die Font hat. „Niemand hat eine magische Formel entwickelt… bis jetzt“, sagte Font.

Im Sommer 2018 lehnte Antoine Griezmann einen Transfer zum FC Barcelona ab, Gerard Piqué wiederum produzierte die dazugehörige Dokumentation. Victor Font wiederum dachte, dies sei eine extrem kreative Idee.

Er hat das Gefühl, Barça verschwendete die „beste Fußballgeneration aller Zeiten“ dazu, auf aufschlussreiche, exklusive Inhalte während der letzten Dekade zu verzichten. Er glaubt, dass Inhalte extrem wichtig seien und dass kreativer, innovativer und exklusiver Inhalt dazu benutzt werden kann, hohe Einnahmen für den Klub zu erwirtschaften.

„Ein Klub kann kreative Inhalte produzieren, sodass Menschen auf der ganzen Welt dazu bereit wären, fünf Euro pro Jahr in Form eines Abonnements für diese exklusiven Inhalte zu bezahlen. Es geht darum, proaktiv zu sein, die Initiative zu ergreifen und zu schauen, wie der Klub profitieren kann. Das ist die Art von Innovation, die Technologie dir erlaubt. Das exponentielle Wachstumspotenzial kommt direkt vom Konsumenten, denn du hast 400 oder 500 Millionen Fans auf der ganzen Welt. Wenn du denen Inhalte für fünf Euro pro Jahr verkaufst, sind das 2,5 Milliarden Euro an Einnahmen pro Jahr, nur von den Fans,“ so der Präsidentschaftsanwärter.

Um Fonts Idee zusammenzufassen: Er will das traditionelle Geschäftsmodell beibehalten und zugleich multimediale Formate produzieren, die extrem mächtige Werkzeuge und in gewisser Weise game changing tools sein können.

Més que un club

Wer wäre besser dafür geeignet den Klub zu führen, als jene Barcelona-Legenden, die für den Klub stehen? Font hat das verstanden: Ehemalige Spieler wie Víctor Valdés, Carles Puyol, Xavi Hernández um nur ein paar zu nennen, sind Personen, die den FC Barcelona in und auswendig kennen, die die Fans verstehen und die Tradition sowie die Kultur des Klubs in ihrem Herzen tragen. Es sind Personen, die sich wirklich um das Wohl des Klubs sorgen, die sehen wollen, dass der Klub sich positiv entwickelt – und das nicht nur in finanzieller Hinsicht.

Die beste Wahl

Das Leben ohne Messi wird mit Sicherheit kein einfaches – es wird schwer. Der Verlust des besten Spielers in der Geschichte des Fußballs, und vielleicht auch des ikonischsten, wird Barcelona in sportlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht hart treffen. Darüber hinaus hat die Führungsriege des Klubs durch eine exzessiv hohe Anzahl an Geldleihen eine Menge Schulden gemacht, sodass die finanzielle Stabilität des Klubs momentan nicht gesichert ist.

Die Post-Messi-Ära wird kommen, das ist unausweichlich. Es wird die größte Herausforderung, die der FC Barcelona jemals zu bewältigen hat. Niemand weiß was passieren wird, aber Victor Font ist mit aller Wahrscheinlichkeit die größte Chance, die wir haben, diesen Wandel zu vollziehen und eine neue Dynastie zu beginnen – vielleicht eine bessere als die jetzige.

 

Dieser Artikel ist ein übersetzter Gastbeitrag von Malhar und Teil einer Kollaboration mit Barça Universal, einer englischsprachigen Website, die sich mit dem FC Barcelona auseinandersetzt. Angefangen hat Barça Universal als reiner Twitter-Nachrichtenaccount, hier versorgt Barça Universal seine Follower auch heute noch mit allen wichtigen Infos rund um den Klub. Auch auf Instagram ist die Seite inzwischen aktiv.

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