Brennpunkte | Starkes Umschaltspiel, taktische Flexibilität und ein harmonierender Sturm

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Der FC Barcelona agierte gegen Borussia Dortmund taktisch variabel und nutzte die BVB-Probleme im Spielaufbau für ein brandgefährliches Umschaltspiel. Auch die immer besser werdende Harmonie von Messi, Suárez und Griezmann sorgte letztendlich für einen komfortablen Heimsieg – auch wenn Barça am Ende zu passiv auftrat. Die Brennpunkte zum Spiel. 

BVB zaghaft – Barças starkes Spiel gegen den Ball

Dortmunds Unvermögen war an diesem Abend Barcelonas Glück. In gewisser Weise kann man jedenfalls von Glück sprechen, dass BVB-Coach Lucien Favre nicht den Mut hatte, im Camp Nou offensiver zu beginnen und Jadon Sancho von Anfang an aufzustellen. Denn wie man später (siehe Brennpunkt zwei) sah, hatte die katalanische Defensive insbesondere mit der Handlungs- und Dribbelschnelligkeit des jungen Engländers große Probleme. Doch Favre entschied sich für eine Startaufstellung mit vier etatmäßigen Außenverteidigern; eine zaghafte, gar ängstliche Herangehensweise, die Ernesto Valverdes Team in die Karten spielte.

Die Blaugrana agierte im ersten Durchgang aufmerksam gegen den Ball, der BVB hatte große Probleme in der Spieleröffnung und hatte immer wieder eklatante Fehlpässe und Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. Und nahezu jede Umschaltaktion Barças, insbesondere wenn Lionel Messi seine Füße im Spiel hatte, wurde zumindest gefährlich. Bestes Beispiel ist dabei der 2:0-Treffer Messis – nach einem katastrophalen Hummels-Pass ins Mittelfeld und der Balleroberung Frenkie de Jongs spielte La Pulga einen schnellen Doppelpass mit Sturmpartner Luis Suárez und vollstreckte dann eiskalt. 

Sollte dies wirklich der Plan von Ernesto Valverde gewesen sein, verdient dieser sich auch ein Extralob für die Aufstellung von Ivan Rakitic. Gegen den Ball präsentierte sich der Kroate gewohnt wertvoll und konnte durch seine Laufstärke zahlreiche Löcher zulaufen, die der BVB dann nicht bespielen konnte. Bei einer Aufstellung Arthurs hätte der FC Barcelona wohl mehr Ballbesitz gehabt, dafür ein geringeres Maß an defensiver Kompaktheit. 

Passive Spielweise nach dem 3:0 

Die Statistiken zeigen allerdings, dass der Sieg nicht derart überzeugend war, wie es das Ergebnis vermuten lässt. Denn Barcelonas taktische Herangehensweise hatte auch Schattenseiten. Insbesondere zum Ende der Partie überließ Barça dem BVB oftmals den Ball und gab dem deutschen Vizemeister so die Möglichkeit, das Spiel in Ruhe aufzubauen. Insgesamt hatten die Katalanen nur 46 Prozent Ballbesitz und spielten 112 Pässe weniger als die Dortmunder (Barça: 599, BVB: 711 Pässe).

Sicherlich war das auch dem Spielstand geschuldet, in Halbzeit eins hatte Barça noch 55 Prozent des Balles und war aktiv im Gegenpressing, nach dem 3:0 durch Griezmann in der 67. Minute nahm der spanische Meister den Fuß vom Gas und gestattete dem Gegner mehr Ballbesitz – sodass die Borussen im zweiten Durchgang satte 64 Prozent an Ballbesitz anhäuften. Hier war Barcelona also zu passiv, tat nur noch das Nötigste und lud den BVB letztlich unnötig zu Chancen ein.

Bezeichnend für die reserviertere Herangehensweise war der Treffer der Gäste: Júnior Firpo gewährte Sancho beim 3:1-Anschlusstreffer genügend Raum, sodass sich dieser den Ball zurechtlegen und trocken abschließen konnte. Nach Sanchos Anschlusstor in Minute 77 hatte der Bundesligist nichts mehr zu verlieren; spielte (aus ihrer Sicht: endlich) nach vorne, während Barça nur verteidigte – kaum auszumalen, wie die Endphase verlaufen wäre, hätte Marc-André ter Stegen Sanchos Schuss kurze Zeit später nicht an die Latte gelenkt. Die Katalanen verfielen besonders in den letzten 20 Minuten in alte Verhaltensmuster nach Führungen, die man unter Valverde allzu häufig sieht.

 

MSG harmonieren erstmals

Entscheidend im Umschaltspiel der Katalanen war natürlich Messi, der ein Tor selbst erzielte, die beiden weiteren mit Zuckerpässen vorbereitete und auch sonst nahezu immer entscheidend beteiligt war, wenn es gefährlich wurde. Es war aber auch zu sehen, dass die Abstimmung zwischen Suárez, Messi und Griezmann immer harmonischer wird. Die drei Superstars hatte bei allen Toren ihre Füße im Spiel und zeigten auch darüber hinaus einige ansprechende Kombinationen. 

Was vielleicht nur eine Randbemerkung wert ist, jedoch große Auswirkungen haben kann, ist der Torjubel zwischen Messi und Griezmann beim 3:0 des Franzosen. Die beiden lagen sich freudestrahlend in den Armen und man merkte ihnen an, dass ihnen das Zusammenspiel richtig Spaß macht und der Treffer gewissermaßen auch eine Erleichterung darstellte.

Da es zuletzt des Öfteren Gerüchte um ein nicht optimales Verhältnis zwischen Messi und Griezmann gab und Letzterer auch offen zugab, dass ihm derzeit das Selbstvertrauen fehlt, dürfte die offensichtliche Unterstützung des Argentiniers dem 120-Millionen-Mann richtig gut tun. In dieser Verfassung sind ‘MSG’ eine Bedrohnung für jede Defensive.

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