Brennpunkte | Vidal als Stoßstürmer und Valverdes fragwürdige Entscheidungen

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Bei der mageren Nullnummer gegen Slavia Prag zeigte der FC Barcelona erneut eine erschreckend schwache Leistung. Weder Vidals Stürmerrolle noch die Systemumstellung brachten den erhofften Ertrag. Auch die Aufstellung Griezmanns auf dem linken Flügel überraschte zahlreiche Fans – wie auch weitere fragwürdige Entscheidungen Ernesto Valverdes. Unsere Brennpunkte zum Spiel. 

Arturo Vidals kuriose Stürmerrolle

Dass Arturo Vidal torgefährlich ist und durch seine Spielweise für Chaos in der gegnerischen Abwehr sorgen kann, ist kein Geheimnis. Dies dachte sich wohl auch Barça-Coach Ernesto Valverde und stellte ihn nach dem verletzungsbedingten Ausfall des Stammneuners Luis Suaréz neben beziehungsweise hinter Lionel Messi ins Sturmzentrum. 

Was genau Valverdes Plan war, ist nicht klar. Jedoch spielten der Chilene und der Argentinier gegen Slavia Prag eine Art Doppelspitze. Insbesondere in den ersten 60. Minuten besetzten die beiden abwechselnd und in einigen Situation sogar doppelt das Sturmzentrum. Vidal war in seiner neuen Rolle zwar bemüht, war viel unterwegs und kämpfte auch in gewohnter Manier, allerdings konnte er sich nicht wirklich effektiv ins Offensivspiel einbringen. 

Ein Grund hierfür ist sicherlich die hohe Positionierung Vidals – bislang war der Krieger insbesondere dann torgefährlich, wenn er aus seiner Rolle im Mittelfeld heraus vertikale Läufe in die Tiefe startete, was eben aufgrund seiner hohen Positionierung gegen die Tschechen nicht möglich war.

Ein weiterer Grund sind die fehlenden Mittelstürmerqualitäten Vidals – der Routinier ist schlicht und ergreifend kein Spielertyp, der sich mit dem Rücken zum Tor anspielen lässt, sich in den Gegner lehnt und den Ball festmacht. Außerdem ist es auch nicht in Vidals Natur, den Ball zu haben, zwei Gegenspieler zu umdribbeln und den finalen Pass zu spielen. Als verkappter Mittelstürmer musste er aber naturgemäß all diese Attribute an den Tag legen – mit mäßigem Erfolg. Ein kreativer Versuch Valverdes, der aber nicht funktionierte. Retrospektiv wäre es wohl die bessere Wahl gewesen, Griezmann als Neuner aufzustellen.

Fehlende Tiefenstaffelung in Barças 4-2-3-1 

Die eben bereits angesprochene Rolle Arturo Vidals zog zwangsläufig auch eine kleine Systemumstellung nach sich. Gegen Slavia Prag agierte der FC Barcelona in einem 4-2-3-1-System, welches durch die hohe Positionierung Vidals phasenweise auch als 4-2-4-System interpretiert wurde. Frenkie de Jong und Sergio Busquets bildeten dabei eine Art Doppelsechs, wobei letzterer den defensiveren Part übernahm. 

Das Offensivspiel der Katalanen lief dann meist so ab, dass sich Busquets und/oder de Jong zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen ließen und die Außenverteidiger bis zur Abseitslinie hoch schoben. Entsprechend rückten die Flügelstürmer Griezmann und Dembélé nach innen, blieben jedoch oftmals ebenfalls auf Höhe der gegnerischen Viererkette. Dadurch ergab sich im Spielaufbau teilweise ein 3-1-6-System – einer der beiden Sechser schiebt nach hinten, einer bleibt vor der Abwehr und alle anderen Spiele stehen auf einer Höhe. 

Da darüber hinaus wenig Bewegung in dieser „Sechserreihe“ herrschte, taten sich die Defensivspieler Barças extrem schwer und hatten meist nur die Möglichkeit, einen langen Ball hinter die Slavia-Abwehr zu spielen. Dieser landete insbesondere in Hälfte eins des Öfteren bei Nelson Semedo – und es wurde auch einige Male sehr gefährlich. 

Das große Problem an diesem System war die (nicht vorhandene) Tiefenstaffelung der Blaugrana. Neben dem Sechserraum war bei Barça insbesondere der Zehnerraum massiv unterbesetzt. Dies sorgte dafür, dass die Gäste nahezu jeden zweiten Ball gewannen und eigene Angriffe initiieren konnten. Durch die hohe Positionierung der Außenverteidiger hatten die Slavia-Flügelstürmer dann auch oftmals die notwendigen Räume, um in die gefährlichen Zonen zu gelangen. 

 

Valverdes fragwürdige Entscheidungen

Vidal als Sturmspitze aufzustellen und im 4-2-3-1 beziehungsweise 4-2-4-System zu agieren, waren im Nachhinhein nicht die besten Entscheidungen, die Valverde getroffen hat. Dennoch gab es weitere Entscheidungen des Übungsleiters, die im Nachhinein zumindest hinterfragt werden sollten. 

Eine davon betrifft (wie so oft in dieser Saison) Antoine Griezmann. Der Franzose zeigte abermals eine schlechte Leistung und wurde von Barçawelt mit nur drei von zehn möglichen Punkten bewertet. Es muss jedoch auch analysiert werden, wie hoch der Anteil Valverdes an der schwachen Griezmann-Performance war. Obwohl Luis Suaréz verletzt ausfiel, durfte der 120-Millionen-Neuzugang wieder nicht in einer zentralen Rolle auflaufen und musste sich mit dem linken Flügel anfreunden. Die Unzufriedenheit Griezmanns wurde im Verlaufe des Spiels immer deutlicher. Oftmals startete er in die Tiefe oder kam kurz und bekam den Ball nicht – was er gegen Ende der Partie das ein oder andere Mal mit einem kurzen Abwinken quittierte. 

Eine weitere kuriose Entscheidung traf Valverde in Bezug auf Semedo: Der Portugiese war insbesondere in Halbzeit eins der beste Akteur der Blaugrana und sorgte auch oftmals für Gefahr. Dennoch musste er nach Jordi Albas Verletzung auf die Linksverteidiger-Position rücken, von wo er deutlich weniger eingebunden war. Im Spiel selber hatte Valverde nur wenige Möglichkeiten, anders auf die Verletzung Albas zu reagieren. Umso verwunderlicher ist es, dass Neuzugang Junior Firpo erneut nicht in den Kader berufen worden war.

Für die Schlussphase gegen Slavia hätte Barça ein kreativer Mittelfeldakteur, der auch ins Dribbling gehen kann, gut getan. Da jedoch Arthur nicht im Kader stand, wechselte Valverde Ivan Rakitic ein. Auch hier muss sich der Coach die Frage gefallen lassen, ob er im Nachhinein nicht doch besser Carles Aleñá eingewechselt hätte. Der junge Spanier ist deutlich eher für seine Kreativität und seinen Offensivgeist bekannt als Rakitic, der eher für die Eigenschaften Kontrolle, Arbeitseifer und Stabilität steht, und eher weniger für Inspiration und Kreativität. 

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