Celtic Glasgow gegen FC Barcelona: Kurzer Taktikrückblick

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Die erste Niederlage von Neutrainer Vilanova außerhalb eines Clásico ist nun amtlich. Gegen engagiert und tapfer auftretende Schotten kam der FC Barcelona nicht über ein 1:2 hinaus und sah sich einmal mehr einem Abwehrbollwerk gegenüber, das bis zum Ende den Angriffen standhielt. Tormöglichkeiten waren für die Katalanen vorhanden, solche aus erstklassiger Gattung jedoch weniger. Vilanova hat anlässlich der Spielweise von Celtic einige Umstrukturierungen auf dem Spielfeld vorgenommen, die aber allesamt ihren Zweck verfehlten.

Anmerkung: Mangels Zeit erfolgt nachfolgend nur ein verhältnismäßig kurzer Taktikrückblick.


Barcelona mit (offensiven) Schwierigkeiten gegen tiefstehenden Gegner

Tito Vilanova schickte seine Mannschaft in gewohnter 4-3-3 Einkleidung auf das Feld, in der Javier Mascherano und Marc Bartra die Innenverteidigung besetzten. Der rotgesperrte Busquets wurde von Alex Song auf der Sechserposition vertreten. Cesc Fàbregas nahm zunächst nur auf der Bank Platz und musste im Mittelfeld Iniesta und Xavi, auf den Flügeln Pedro und Sánchez den Vorzug lassen.

Wer darauf gehofft hatte, dass Celtic vor heimischer Kulisse seine Spielweise aus dem Hinspiel verwerfen würde, sah sich enttäuscht. In einem 4-5-1 respektive 4-4-1-1 trat Celtic den Katalanen gegenüber und präsentierte sich einmal mehr äußerst restriktiv im Angriffsspiel. Das Ziel bestand darin, Tore zu verhindern und einen Moment der Überlegenheit – z.B. bei Standards – in Zählbares umzumünzen. Dementsprechend gestaltete sich das Spielbild: Barcelona versuchte, die Lücken im gegnerischen 4-5-Verbund auszuloten, während Celtic darum bestrebt war, Lochpässe zu unterbinden und gute Schussmöglichkeiten zu vereiteln.

Ein Konterspiel war bei dem Gastgeber nur rudimentär vorhanden. Meist standen sie dermaßen tief, dass an ein erfolgreiches Konterspiel kaum zu denken war. Nach dem Ballgewinn war der sofortige Ballverlust durch das Gegenpressing seitens der Katalanen die Regel. Ein hoher Ball auf die einzige Sturmspitze war angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit des FC Barcelona auch wenig erfolgversprechend. Hinzu kommt, dass bei den Konter(versuchen) lediglich drei Spieler aus dem Defensivverbund herausgerückt sind, während die anderen sechs Spieler darauf bedacht waren, im Fall des Obsiegens des katalanischen Gegenpressings sofort zur Stelle zu sein. Das aggressive Gegenpressing war nach der gelben Karte für Alex Song nicht risikoarm; Fouls werden in diesen Situationen als taktische Fouls ausgelegt.

Dass der FC Barcelona sich bei solchen Gegner naturgemäß schwer tut, ist allseits bekannt. Auch gestern waren Messi und Co. zwar bemüht, aber hochkarätige Torchancen konnte man sich nicht systematisch erspielen. Ein Latten- und Pfostentreffer stand nach Halbzeit eins zu Buche, trotz der Spielweise des Gegners. Hundertprozentige Torchancen gingen diesen Aluminium-Treffern jedoch nicht voraus. Im Ansatz gefährlich wurde es für die Gastgeber dann, wenn sie sich noch nicht allzu weit zurückgezogen haben. Zweimal startete ein Barcelona Spieler vertikal in die Schnittstelle der Abwehr durch und wurde bedient – Alves kam nicht mehr an den Ball und Albas Pass in den Rücken der Abwehr wurde abgefangen. Schnelle (unerwartete) vertikale Bewegungen einzelner Spieler waren also ein vielversprechendes Mittel, die Voraussetzungen hierfür waren jedoch nur selten gegeben. Zumeist stand Celtic zu tief für Schnittstellenpässe oder Bälle hinter den Abwehrverbund auf den durchstartenden Außenverteidiger.

Vilanova reagiert richtig

In der zweiten Halbzeit gab es zum Teil gravierende Veränderungen, selbstredend nicht auf Seiten der Gastgeber. Celtic blieb seiner Linie treu, trat aber in Phasen etwas mutiger und offensiver auf. Sogar die Außenverteidiger wagten sich ein bis zwei Mal in die gegnerische Hälfte. In weiten Teilen der zweiten Halbzeit hatte aber die Viererabwehrkette Bestand, auch bei eigenem Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte. Tito Vilanova hingegen hat die Formation seiner Mannschaft den Gegebenheiten angepasst. Lionel Messi wurde auf den rechten Flügel beordert und Pedro in das Sturmzentrum neben Sánchez, der in diesem Spiel zumeist im Sturmzentrum vorzufinden war anstatt auf dem linken Flügel; Alba sorgte für die notwendige Breite im Spiel, was mangels Beschäftigung vollkommen ausreichend war. Mit Sánchez und Pedro sollte die Durchschlagskraft im Zentrum erhöht und die Verwertungsvoraussetzungen für eingestreute Flankenbälle geschaffen werden. Weiterhin sollte Messi mehr Raum erhalten, um seine Qualitäten in Kooperation mit seinem ehemals kongenialen Partner Alves auszuspielen. Später wurden noch Fàbregas und Piqué eingewechselt, um das Spiel doch noch zu drehen. Fàbregas kam für den rotgefährdeten Song und sollte durch seine vertikalen Anlagen mehr Gefahr in den Strafraum des Gegners bringen. Der Einwechslung von Pique für Bartra lag das gleiche Motiv zugrunde, er sollte durch seine physische Präsenz mehr Gefahr bei Standards und bei Flankenbällen herausbeschwören.

Die Umstellungen von Vilanova sind demnach durchaus positiv zu werten. Dass es am Ende dennoch nicht gereicht hat, liegt schlicht an dem unglaublichen Aufwand, den Celtic betrieben hat. Sie sind mit einer legitimen Spielweise zum Erfolg gekommen, mag man dieser auch negativ gegenüberstehen. Aus taktischer Hinsicht war das Spiel dennoch sehr interessant und reichhaltig an Informationen für den Trainer, auf die er im Ernstfall(K.o.-Phase) zurückgreifen wird.

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