Der nächste Gegner im Fokus: AC Mailand

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Associazione Calcio Milan S.p.A., kurz AC Mailand. Dieser Verein hat sich seit seiner Gründung 1899 weltweit einen Namen gemacht und beachtlich viele Titel gewonnen. Doch wie läuft es momentan bei dem italienischen Vizemeister? Personell gibt es im Vergleich zur vergangenen Saison viele Änderungen. Die Hälfte der in der 1. Mannschaft gemeldeten Spieler war vor einem Jahr noch bei einem anderen Verein tätig. Gut getan hat es Milan bis jetzt noch nicht, aber nach einem verkorksten Saisonstart ist man jetzt zumindest auf dem 4. Platz in der Liga gelandet. Unser Rückblick soll heute aber nicht etwa einem Spiel der Serie A gelten, sondern dem Coppa Italia-Viertelfinal-Spiel von Anfang Januar. Dort wartete Juventus Turin, der wahrscheinlich schwierigste mögliche Gegner, um im direkten Duell für ein Weiterkommen zu kämpfen.

Spielverlauf Juventus Turin – AC Mailand

Die erste Chance des Spiels hatte der AC Mailand durch Massimo Ambrosini, dessen starken Distanzschuss der Keeper Marco Storari aber noch über die Latte lenken konnte (3′). Bei dem Tor durch Stephan El Shaarawy (6′) war er aber machtlos: Kevin-Prince Boateng gab eine flache Flanke von links, Giampaolo Pazzini ließ den Ball durch, so dass Shaarawy mit einem unhaltbaren Schuss ins linke untere Eck die Führung für die Gäste erzielen konnte. Das sollte es für das erste von Mailand gewesen sein, denn ab jetzt machte Juventus das Spiel. Erst kam Alessandro Matri nach Flanke aus dem Halbfeld frei zum Kopfball, verfehlte das Tor aber knapp (9′). Kurz darauf gab es Freistoß aus einer guten Position. Sebastian Giovinco lief an und setzte den Ball über die Mauer ins linke obere Eck (13). Marco Amelia hatte bei diesem Schuss kaum eine Chance und sich nicht einmal bewegt. Der nächste Turiner, Alessandro Matri, kam am Strafraumrand zu einem Volleyschuss, traf den Ball aber nicht richtig, so dass der Torwart halten konnte (19′).

Ein weiterer Freistoß wurde erneut von Giovinco getreten, flog erneut über die Mauer Richtung linkes oberes Eck, aber dieses Mal konnte Amelia verhindern, dass es erneut ein Tor gab und zur Ecke klären (31′). Doch Giovinco gab keine Ruhe. Nachdem Francesco Acerbi einen Ball unglücklich verlängerte, kam er frei vor den Torwart, schoss aber am Kasten vorbei. Ein schlechter Abschluss des 26-jährigen Turiners (36′). Bevor zur Pause gepfiffen wurde, gab es auf der anderen Seite dann auch mal wieder was zu sehen. Shaarawy eroberte den Ball nach einem laschen Abstoß, doch im letzten Moment warf sich noch ein Verteidiger in den Schuss des jungen Halb-Ägypters (40′). Nach einer turbulenten ersten Hälfte konnte Milan also mit dem Ergebnis zufrieden sein, musste sich aber unbedingt steigern, um die Chance auf den Halbfinaleinzug zu erhalten.

Die erste Möglichkeit im zweiten Durchgang hatte aber Juventus, wieder einmal durch Giovinco. Dieses Mal sprang der Ball abgeprallt frei in den 16er, aber der Stürmer konnte nicht genügend Tempo in den Schuss geben, um ein Tor zu erzielen (51′). Milans Boateng zeigte bei einem Solo auch noch einmal, was in ihm steckt. Sein abschließender Schuss vom Strafraumrand wurde allerdings gehalten (60′). Als nächstes stellte Shaarawy seine Qualitäten unter Beweis, allerdings waren es kurz danach keine Offensivkünste sondern vielmehr ein unglaubliches Tackle gegen den völlig freistehenden Lichtsteiner, der aus seiner Position sicher nicht gescheitert wäre (78′). Kurz vor Schluss hatte dann noch M’Baye Niang die Chance, Mailand in die nächste Runde zu schießen. De Sciglio flankte in den Strafraum, doch der eingewechselte französische Hoffnungsträger köpfte am Tor vorbei (87′). Nach einer 2. Hälfte, bei der die Mannschaften defensiv sehr geordnet standen und wenig zuließen, musste nun also noch eine halbe Stunde drangehangen werden.

Juventus’ Vucinic konnte mit seinem Schuss, der abgefälscht und dann gehalten wurde zwar noch nicht punkten (92′), aber nachdem bei einem Konter der Ball über mehrere Stationen bei ihm ankam, schob er zum 2:1 ein (96′). Nach dem Seitenwechsel warfen dann die Gäste alles nach vorn und zeigten eine wahnsinnige Offensivshow. Erst probierte es Montolivo aus der Distanz, aber sein Schuss wurde abgewehrt, worauf der abgeprallte Ball bald schon bei Shaarawy landete, dessen Distanzschuss dann aber sicher gefangen wurde (106′). Das Risiko in einen gefährlichen Konter zu geraten war immer vorhanden und der AC Mailand hatte mächtig Glück, dass Giaccherini bei einem solchen den Ball nach vorn verspringen ließ und der Keeper ihn so schnappen konnte (107′). Für Mailand wurde Niang noch einmal gefährlich, als er sich einen Steilpass ersprintete, aber einen schwachen Abschluss zeigte (110′). Ein Freistoß für Juventus in der eigenen Hälfte wurde schnell gespielt und gab so Isla die Riesenchance, alles klar zu machen, doch es gab nur Ecke (112′). Unglaubliches spielte sich dann im Turiner Strafraum ab, als gleich zwei Doppelchancen, an denen Niang, Shaarawy und zweimal Traore beteiligt waren, zu keinem Tor führten, was einzig und allein den Reflexen von Storari zu verdanken war (118′). Das war es dann in einem sehr ansehnlichen Spiel, in dem die Mailänder den Kürzeren zogen und somit natürlich auch ausgeschieden sind.

Ergebnis: 1(1) – 1(1) Anm.: 2:1 n.V.

Spielweise und Taktik

Wie zu erwarten war, startete Milan mit dem für sie üblichen 4-3-3, auch wenn es personell kleine Überraschungen gab: Pazzini spielte allein im Sturmzentrum, unterstützt durch Shaarawy auf dem linken und Emanuelson auf dem rechten Flügel. Letzterer spielte im Gegensatz zu Shaarawy, der kaum seinen Flügel verließ, etwas invasiver und lief auch ab und an in die Mitte. Die 3er-Kette im Mittelfeld war nur in der Defensive vorhanden, in der Offensive setzten sich Boeteng auf der linken Seite und Montolivo auf der rechten Seite von Ambrosini ab. Dabei stieß Boateng etwas zögerlicher mit nach vorn als Montolivo, welcher immer sehr aktiv und anspielbar war. Er brachte offensiv aber insgesamt trotzdem eine ordentliche Leitung, denn wenn er mit vorn war, gab er dem Spiel merklich zusätzlichen Schwung. In der Abwehrkette fiel auf, dass Rechtsverteidiger Abate einen etwas offensiveren Part annahm als Linksverteidiger De Sciglio. Das lag, neben der Tatsache, dass sich De Sciglio selbst auch eher auf der rechten Seite zu Hause fühlt, zum Teil auch daran, dass mehr Spielzüge über eben diese rechte Seite stattfanden als über die linke.

Das Konzept des AC Mailand war es, ein kontrolliertes Passspiel aufzuziehen und sich so dem Tor zu nähern. Durch ein fluides Agieren der Offensivkräfte und sich kreuzende Laufwege versuchte man den Gegner in Fehler hineinzudrängen. Allerdings suchte man parallel dazu auch ständig nach Wegen, das Spiel schnell zu machen. Beispielsweise ließen die Spieler keine Möglichkeit zum Kontern aus, waren aber meist so abgeklärt, den Angriff abzubrechen, wenn er zu scheitern drohte. Doch auch abgesehen davon versuchten die Angreifer mit ihren Laufwegen eine plötzliche Beschleunigung in das Spiel zu bringen.

Die Abwehrkette von Milan war ziemlich breitgezogen, wodurch man das Flügelspiel von Juventus gut unterbinden konnte. Gleichzeitig halfen die Mittelfeldspieler mit, eine starke Kompaktheit zu gewährleisten. Insgesamt verteidigte man also mit zwei engstehenden Ketten – eine 4er und eine 3er – die zusätzlich durch die zurückarbeitenden Flügelspieler unterstützt wurden. Der AC Mailand verzichtete oft auf ein zeitiges Pressing und ließ den Gegner in die Nähe des Strafraums kommen, den man dann aber sicher verteidigte. Andererseits setzten die Spieler nach Ballverlust zu einem Gegenpressing an, welches auch gut ausgeführt wurde und den Kontrahenten zumindest an einem schnellen Gegenangriff hinderte. Falls Juventus aber zu einem Konter kam, wirkte Milan oft überfordert und man geriet so nicht nur einmal in eine brenzlige Situation, obwohl mit Mexès, Acerbi und Ambrosini gleich drei Spieler bei Angriffen hinten blieben.

Zu Beginn der zweiten Hälfte wirkte das Angriffsspiel des AC Mailand stärker, was man auch auf ein paar kleinere Änderungen zurückführen kann. De Sciglio hatte seit Beginn des Spiels kontinuierlich zugelegt, wodurch Shaarawy nicht mehr so stark an den linken Flügel gebunden war. Am wichtigsten war wohl aber, dass Boateng immer öfter die Rolle des Taktgebers im Mittelfeld übernahm und auf eine mögliche Führung hinarbeitete. Allerdings verfiel man bald wieder in das alte Muster und verlor damit auch die neu gewonnene Spritzigkeit. Die Einwechslungen von Bojan und Niang für Pazzini und Emanuelson änderten nicht viel am System. Niang arbeitete als invasiver rechter Flügelspieler, Bojan spielte die Position als Mittelstürmer allerdings erkennbar hängender als sein Vorgänger, was dem Mittelfeld zu Gute kam.

Blicken wir noch auf den Umgang mit dem Rückstand in der Verlängerung. Schon kurz vor Abpfiff der regulären Spielzeit kam Traore für Ambrosini ins Spiel. Dabei übernahm Montolivo vorerst die Rolle im defensiven Mittelfeld und Traore begann im rechten Mittelfeld. Nach dem Gegentreffer stellte es sich aber so ein, dass Traore im Angriff auf den rechten Flügel vordrang und somit Niang zusammen mit Bojan im Sturmzentrum zu finden war. Montolivo war dementsprechend im Angriff wieder auf seiner alten Position. Alles in allem hat aber auch diese Offensivumstellung nichts mehr am Ergebnis ändern können, obwohl man mit ihr viel Gefahr ausstrahlen konnte.

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