FC Barcelona gegen Spartak Moskau – Taktikrückblick Teil 1

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Osteuropäische Mannschaften sind nicht zu unterschätzen, das hat der gestrige Abend auf teilweise schmerzliche Art und Weise an die Fans des FC Barcelona herangetragen. Trotz Führung musste der FC Barcelona eine gute halbe Stunde vor Abpfiff der Partie einem Rückstand hinterherlaufen, weil man sich ein Kontergegentor gefangen hat. Am Ende hat es dank eines Doppelpacks von Lionel Messi doch noch zu einem Sieg gereicht. Zum “Man of the match” wurde Cristian Tello gewählt. Die eigentliche Leitfigur im Spiel war aber eine Randfigur – Tito Vilanova. Ohne schuldhaftes Zögern brachte er Alexis Sanchez für Dani Alves und leitete damit die Wende ein. Das war ein mutiges und sehr entschlossenes Handeln des Neutrainers.

Spartak Moskau “parkt den Bus” vor dem Tor

Mit einem 3:2 setzte sich der FC Barcelona gegen den ersten Champions League Rivalen der diesjährigen Saison aus Russland durch. Unangenehm war die Aufgabe, doch keineswegs unlösbar. Das Ergebnis suggeriert einen Spielverlauf, der sich durch einen wilden Schlagabtausch und wütige Angriffe kennzeichnet. In Wahrheit aber spielte über die gesamten 90 Minuten nur eine Mannschaft, jenes Kollektiv, das über die größere Passsicherheit und die ausgeklügeltere Raumordnung verfügte. Das Kalkül von Spartak Trainer Unai Emery kam relativ zeitig zum Vorschein; seine Mannschaft parkte die Ketten vor dem Tor und spekulierte auf schnelle Gegenkonter. Herr Emery, ehemaliger Trainer des FC Valencia, ließ seine Mannschaft in einem 4-5-1 in die ehrwürdige Stätte Namens Camp Nou treten, einem sehr defensiven System, das den Schwerpunkt auf die Verhinderung von Gegentoren legte.

Varianz in den Kettenabständen

Charakteristisch für die Spielweise von Spartak war die Varianz in den Abständen zwischen den Ketten. Das Spektrum reichte von einen mittelgroßen Abstand zwischen den beiden Verteidigungslinien bis zur völligen Verschmelzung derselben, wenn der FC Barcelona Spartak Moskau durch das Passspiel immer weiter zurückgedrängt hat. Im Normalfall war der Gegner aber darum bemüht, sich nicht zu weit hineindrängen zu lassen und Angriffe vor dem Strafraum zu unterbinden. Beide Verteidigungsarten hatten ihre Vor- und Nachteile. Verschmelzen die Ketten, ist ein dynamisches Schließen von Lücken durch die geringen Wege zum Ball  möglich. Sind die Abstände groß, gibt es einen deutlichen Zwischenraum, in den der Gegner vorstoßen kann.

Die Mittelfeldspieler von Spartak Moskau zeigten eine starke Orientierung an ihren unmittelbaren Gegenspielern, sodass die Spieler des FC Barcelona gewissermaßen in der Lage waren, die Abstände zwischen den Ketten zu steuern. Verharrten sie auf der Höhe der Mittellinie und spielten den Ball in dieser Region umher, veranlassten sie die Spartak-Spieler damit zum Aufrücken. Spartak arbeitete demnach also – gemäßigt – gegen den Ball. Hierin ist der Grund für das erste Gegentor für Spartak zu erblicken. Der rechte moskauer Außenverteidiger wurde relativ häufig in eine Eins-zu-eins Situation mit Cristian Tello verwickelt, weil der äußerste Mittelfeldspieler auch gegen den Ball arbeitete und nicht zeitig aushelfen konnte. Zudem stand die Mittelfeldkette sehr eng beieinander, um Lochpässe zu vermeiden und die Zwischenräume zu verdecken, wodurch der Weg auf den Sturmflügel noch einmal beschwerlicher wurde.

Über links ging demnach einiges beim Barça. Aber auch wenn die Ketten von Spartak ineinander verschmolzen sind, ergaben sich Chancen und Möglichkeiten für den spanischen Tabellenführer. Das Verschmelzen konterkariert die klare Zuordnung einer Mannschaft und führt zu Missverständnissen, die der FC Barcelona fast zu seinem Vorteil nutzen konnte. Zudem können die tornähsten verteidigenden Spieler Pässe in den Strafraum hinein durch die hohe Spielerdichte und die Verdeckung des Balles nur schwer erkennen und unterbinden. Es handelt sich hierbei demnach um ein suboptimales Verteidigungsverhalten, weil der Gegner viel zu leicht in gefährliche Regionen vorstoßen kann.

Grundordnung stimmte

Die Gastgeber kamen in der ersten Halbzeit also zu Möglichkeiten, ohne ein zu hohes Risiko gehen zu müssen und Gefahr zu laufen, ausgekontert zu werden. Beim Verschmelzen der Ketten sorgte das Gegenpressing für einen schnellen Ballrückgewinn, zumal der Weg des Gegners zum katalanischen Tor ernsthaftes Kontern fast unmöglich machte. Kam der Gegner im zweiten Spielfelddrittel an den Ball, stimmte zumeist die Grundordnung. Auch beim ersten Gegentor war die Grundordnung intakt und es lässt sich im Ursprung der Entstehung kein Stellungsfehler feststellen, im Gegenteil. Die Katalanen waren in der Überzahl, Song und Alves konnten den zentralen Stürmer sogar doppeln. Insofern war der Ausgleich nicht dem Spielverlauf angemessen und zu diesem Zeitpunkt sehr überraschend.

In der zweiten Halbzeit änderte Tito Vilanova an der generellen Ausrichtung seiner Mannschaft zunächst grundsätzlich nichts. Der Gegner war aber im Gegenzug mehr darum bemüht, mehr Schlagkraft in seine Konter zu bringen. Beim Kontergegentor in der 57. Spielminute lauerten gleich drei Spartak-Spieler an der Mittellinie, um schneller umzuschalten. In dieser Situation offenbarte sich gleichwohl noch etwas anderes. Das Gegenpressing nach Messis erfolglosem Torversuch war nicht von Erfolg gekrönt und lief ins Leere. Dani Alves war in dieser Situation etwas zu hoch positioniert und hat damit ermöglicht, dass der linke Außenverteidiger von Spartak Moskau ausreichend Zeit hatte, um seine Möglichkeiten auszuloten und seinen Mitspieler zu bedienen. An diesem Gegentor war zu gleichen Teilen aber auch Songs Stellungsspiel verantwortlich, der seinem Gegenspieler bis nach der Mittellinie gefolgt und ihn sodann in seinem Rücken hat ziehen lassen.

Der zweite Teil folgt am Abend. Dann beleuchten wir die Wechsel von Tito Vilanova und die damit einhergehenden taktischen Veränderungen. Auch werden die theoretischen Erkenntnisse dann bildlich veranschaulicht.

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