Koloss ter Stegen: Aus der „Abwartestellung“ zum besten Torhüter der Welt

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Einmal mehr der Garant des Erfolges und die Lebensversicherung des FC Barcelona: Marc-André ter Stegen zeigte auch bei Slavia Prag eine herausragende Leistung. Gar nicht auszudenken, wo Barça ohne den deutschen Torhüter stehen würde. Ter Stegen hat sich längst einen Nimbus bei den Katalanen erarbeitet.

Aus Prag berichtet Alex Truica

Kaum betrat Marc-André ter Stegen beim Aufwärmen den Rasen in der Prager Eden Arena, da wurde er von den Fans des FC Barcelona auch schon frenetisch empfangen und mit Sprechgesängen bedacht. „Ter Stegen! Ter Stegen!“ hallte es also aus dem Auswärtsblock – ganz so, als hätten die mitgereisten Culés eine Vorahnung dafür gehabt, wie wichtig er in diesem Spiel bei Slavia Prag werden sollte.

Es stellte sich heraus, dass der deutsche Torhüter wieder einmal nicht nur wichtig, sondern abermals der Garant des Erfolges sein sollte – wie zuvor schon beim Gastspiel bei Borussia Dortmund am 1. Spieltag der Champions League, als er sich den Borussen entgegenstellte und einem schwachen Barça quasi im Alleingang zumindest einen Punkt rettete. Auch in Prag zeigte der Schlussmann der Blaugrana eine Weltklasse-Leistung, war die einzige Konstante in einem ansonsten erstaunlich fahrigen Team.

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Barça konnte sich also bei ter Stegen bedanken, das Auswärtsspiel in Tschechien mit 2:1 gewonnen zu haben, eigentlich hätten die mutigen und tapferen Hausherren mehr verdient gehabt, während Barça oft planlos und kopflos agierte und viel zu wenig Kontrolle über Ball und Gegner hatte. Doch ter Stegen vereitelte unter anderem mit einer starken Fußparade und einer famosen Flugeinlage in Durchgang eins Schlimmeres. „Ter Stegen ist eine Lebensversicherung für uns. Auf ihn ist immer Verlass“, sagte Sergio Busquets nach der Partie stellvertretend für seine Teamkameraden. 

Ter Stegen selbst wollte lieber über den Auftritt des Teams sprechen und gab sich mit Blick auf die Mannschaftsleistung selbstkritisch: „Wir haben nicht das Level gezeigt, auf dem wir sein wollen. Wir müssen über einige Dinge sprechen.“ Genaueres wollte der Deutsche nicht sagen, lediglich so viel: „Es gab einige Aktionen, in denen wir nicht gut positioniert waren.“

Umso besser war jedoch er positioniert, nicht nur von der Tribüne aus hatte man das Gefühl, dass der Schlussmann eigentlich unüberwindbar ist. Immerhin einmal schaffte es das wackere Slavia, den Ball an ter Stegen vorbeizubringen, beim 1:1 kurz nach der Pause war Barças Nummer 1 machtlos. Ansonsten agierte er mit einer Aura des besten Torhüters der Welt, die sicherlich auch auf die Gegenspieler ausstrahlte.

Mit stoischer Ruhe und mit dem Selbstvertrauen, das ein Schlussmann des FC Barcelona braucht, bewahrte ter Stegen auch in der hektischen Schlussphase, in der Barça regelrecht um den Ausgleich bettelte, immer kühlen Kopf. In den entscheidenden Situation war der 27-Jährige abermals zur Stelle. 

Das war nicht immer so, unvergessen ist die Zeit, in der der Deutsche hinter Claudio Bravo nur Ersatzmann war, auf seine Einsatzzeiten geduldig warten musste. Immer fokussiert bleiben, allzeit bereit sein, denn der entscheidende Moment kann jederzeit kommen – all das hat ter Stegen geprägt, wie er selbst zugibt. „Bestimmt hat es Effekte, wenn ein Keeper ständig in Abwartestellung ist und nicht nachlassen darf, um im entscheidenden Moment da zu sein“, gestand ter Stegen im Interview mit dem Fußballmagazin 11 Freunde ein.

Ter Stegen blickt auf Anfangszeit bei Barça zurück

Ter Stegen war in Prag auf jeden Fall in den entscheidenen Momenten da und wurde so wieder einmal zum Helden. Bis dato ist der Nationaltorhüter zweifelsohne Barças bester Spieler der laufenden Saison. Doch in seiner Anfangszeit bei Barça war sich der inzwischen 27-Jährige noch gar nicht sicher, ob er beim FC Barcelona bleiben würde. „Nach dem ersten Jahr habe ich klar kommuniziert, dass ich mit der Situation [nicht die Nummer 1 zu sein, Anm. d. Red.] nicht zufrieden bin“, erzählte ter Stegen gegenüber der 11 Freunde weiter. „Am Ende des zweiten Jahres habe ich gesagt, dass es so nicht weitergehen kann und ich auch einen Wechsel in Betracht ziehe.“

Glücklicherweise ist es dazu schlussendlich nie gekommen. Diese Aussage ist allerdings auch in anderer Hinsicht interessant, zeigt sie doch vor allem, dass der deutsche Schlussmann schon immer ein Freund offener Worte war, die er jedoch stets mit seinen Taten auf dem Platz unterstrich. Ähnlich verhielt es sich auch vor wenigen Wochen, als ter Stegen öffentlich äußerte, dass er mit seiner Rolle als Ersatzmann in der Nationalmannschaft unzufrieden sei. 

Ter Stegen: „Kann für mich nur darum gehen, Leistung zu zeigen“

Was er da nicht geahnt haben dürfte, war, dass er damit eine deutschlandweite Torhüterdiskussion um seine Person und um die Manuel Neuers auslöste, an der sich Fans, Medien und selbstverständlich auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß lautstark beteiligten.

Dabei hat ter Stegen nur das getan, was er schon immer getan hat: Offen seine Meinung bezüglich seiner Leistung und der damit einhergehenden Position im Manschaftsgefüge geäußert. „So wie ich bei Barça immer offen und ehrlich gesagt habe, wie sich die Situation darstellt und welche Ziele ich habe, so habe ich es auch bei der Nationalelf getan. Die [Trainer Jogi Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke, Anm. d. Red.] wissen genau, wie ich denke. Nun kann es für mich nur noch darum gehen, Leistung zu zeigen.“

Genau das tut der gebürtige Mönchengladbacher zurzeit, und zwar auf Weltklasse-Niveau. Ob es für den Platz zwischen den Pfosten bei der Europameisterschaft im kommenden Jahr reichen wird, wird die Zukunft zeigen. Ob er mit dem FC Barcelona bis dahin einen Titel gewinnen kann, ebenso. Denn klar ist: Wenngleich Marc-André ter Stegen gerade einer der besten Torhüter der Welt ist und dies Woche für Woche unter Beweis stellt, so kann er allein dem FC Barcelona weder die Liga noch die Champions League gewinnen. Dazu bedarf es einer deutlichen Leistungssteigerung der Akteure um ihn herum, wie das Gastspiel in Prag deutlich aufgezeigt hat.

Klar ist aber auch: Dass Barça derzeit in beiden Wettbewerben an der Tabellenspitze steht, hat es vor allem seiner Nummer 1 zu verdanken, die beim Auflaufen von den Fans zurecht frenetisch empfangen wird. 

 

Bastian Quednau hat zu diesem Artikel beigetragen

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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