Kommentar: Alexis Sánchez und Luis Suárez – auf große Verärgerung folgte Begeisterung über ‚el Pistolero‘

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Seit nunmehr eineinhalb Jahren schnürt Luis Suárez die Fußballschuhe für den FC Barcelona. Zur Saison 2014/2015 kam der Uruguayer zu der Mannschaft und ersetzte einen meiner absoluten Lieblingsspieler: Alexis Sánchez. Nicht nur menschlich war mir dieser Wechsel zunächst ein Dorn im Auge, auch unter dem Blickwinkel der Leistungsfähigkeit auf dem Platz hatte ich Bedenken und ärgerte mich noch lange über diesen Wechsel. Der Uruguayer jedoch belehrte alle Kritiker eines Besseren. Vor dem Spiel des FC Barcelona gegen Arsenal London möchte ich beleuchten, warum der Wechsel Alexis-Luis sinnvoll war, wie Suárez Barça bereicherte und wie sich meine Einstellung zu diesem Spieler mit der Zeit gewandelt hat.

Vorab möchte ich deutlich machen, dass ein direkter Vergleich zwischen Luis Suárez und Alexis Sánchez nicht vorbehaltlos möglich und deshalb auch eine Würdigung der Zeit beider Spieler beim FC Barcelona mit Einschränkungen verbunden ist. Dies ergibt sich insbesondere daher, dass Alexis Sánchez während seiner Zeit bei den Katalanen fast ausnahmslos die Flügelpositionen besetzte und ausgehend hiervon nur einen eingeschränkten Aktionsradius zur Verfügung hatte. Luis Suárez hingegen bekleidet in erster Linie die Position des Mittelstürmers und gestaltet sein Spiel von dieser Postion aus sehr mobil. Die Funktionen der Akteure in ihren jeweiligen Mannschaften unterschieden sich daher fundamental, weshalb beide Spieler nur bedingt einem Vergleich zugeführt werden können.

Zweifel am Anfang: War der Wechsel Sánchez-Suárez sinnvoll?

Gleichwohl hatte ich immer schon den Verdacht, dass die Trainer aus Alexis Sánchez nicht das Maximum herausholen und sein Talent etwas verkümmern lassen. In der Nationalmannschaft zeigte der Chilene regelmäßig deutlich mehr Präsenz und Spielwitz als beim FC Barcelona, und der Wechsel zu Arsenal London bestätigte abschließend, dass in dem Spieler weitaus mehr steckt, als er bei der Blaugrana zeigen konnte. Ich hätte sehr gerne gesehen, was Luis Enrique aus diesem Spieler mit seiner neuen strategischen Ausrichtung herausgeholt hätte; wie er ihn von den taktischen Fesseln befreit und somit ermöglicht, dass Alexis sein gesamtes Potenzial abrufen kann. Der Arsenal-Star ist mehr als nur ein Breitengeber, er kann Lasten im Spielaufbau auf sich nehmen und Tore mittelbar und unmittelbar vorbereiten. Seine vollständige Schlagkraft offenbart sich erst im Verbund mit anderen Spielern und nicht in der Isolation auf der Außenbahn.

Dementsprechend konnte ich mich dem Anflug von Verärgerung nicht erwehren, als ich erfuhr, dass das Kapitel Alexis Sánchez beim FC Barcelona beendet ist. Noch geringer war die Begeisterung nach der Verkündung des neuen Stürmers beim FC Barcelona. „Wie kann man nur Alexis gegen Suárez eintauschen?“, habe ich mir gesagt, ohne genau zu wissen, wie Suárez genau das Fußballspielen pflegt. Trotz meiner Verärgerung nahm ich mir vor, nicht vorschnell zu urteilen und ging unbefangen an die Beurteilung der Leistungen von Luis heran. Und das erste, was mir ins Auge fiel und das auch meine spätere Evaluation des Spielers prägte, waren seine Schwerfälligkeit, die Technik, die zu wünschen übrig ließ sowie die fehlende Präzision beim Spiel im Verbund. Ernüchterung schlug um sich und damit einhergehend erste Zweifel, ob der Stürmerwechsel angesichts des neuen Ansatzes von Luis Enrique tatsächlich eine sinnvolle Entscheidung war. 

Alexis Zeit beim FC Barcelona:

  Tore Assists
2011/2012    
  • Primera División
12 5
  • Champions League
2 0
2012/2013    
  • Primera División
8 9
  • Champions League
1 2
2013/2014    
  • Primera Divsión
19 10
  • Champions League
0 1

 

Luis Suárez: Ein Kämpfer, ein Stier, ein Beißer

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Sie war nicht nur sinnvoll, sondern ein absoluter Volltreffer. Luis Suárez ist mit Gewissheit nicht der versierteste Spieler im Fußballgeschäft. Die Umsetzung seiner Bewegungen benötigt Zeit, für die Verarbeitung der Bälle braucht er häufig zu lange, wenn es eng wird, ist er häufig auf verlorenem Posten und die Mitspieler können sich nie sicher sein, dass seine Zuspiele tatsächlich auch ankommen. Klingt nicht gerade nach dem <<besten Stürmer der Welt>>, als der er derzeit von den Barça-Fans gepriesen wird. Dieser Eindruck löst sich allerdings in Luft auf, wenn wir darauf schauen, was Luis Suárez gegenüber anderen Stürmern auszeichnet. Was ihm an filigranen Zügen fehlt, macht er doppelt und dreifach durch seinen unermüdlichen Einsatz auf dem Platz wieder gut. Ständig ist er in Bewegung, verschiebt auf die Seiten, übt ohne Unterlass auf den Gegner Druck aus und ist sich für die Arbeit, die kein Spieler gerne erledigt, nicht zu schade. Er verfügt über ein außerordentliches Durchsetzungsvermögen, einen hervorragenden Torriecher und stellt seine über jeden Zweifel erhabene taktische Intelligenz in den Dienst der Mannschaft. Wenn zuvor seine Behäbigkeit, seine technischen Möglichkeiten wie auch die Präzision kritisiert wurden, so gibt es hierzu eine Kehrseite. Suárez ist ein Mann der Extreme – entweder er stellt sich bei einer Aktion dermaßen umständlich an, dass man sich fast fremdschämen muss, oder aber er bringt die Aktion auf den Punkt, sodass man meinen könnte, man habe es hier mit einer Präzisionswaffe zu tun.

Luis‘ Zeit beim FC Barcelona

  Tore Assists
2014/2015    
  • Primera División
16 14
  • Champions League
7 3
2015/2016 (Stand: 22.2.2016)    
  • Primera División
25 10
  • Champions League
5 2

 

Die guten wie die schlechten Aktionen hielten sich lange Zeit die Waage, doch gerade dann, wenn ihn die Mannschaft am meisten nötig hat, versteht es der Uruguayer, ‚einen rauszuhauen‘. Das ist seine unbestrittene Qualität, und nicht nur deswegen stellt sich der Wechsel Suárez-Sánchez als goldrichtig dar. Seine Durchsetzungsfähigkeit wie auch sein Torinstinkt sind Attribute, die der Mannschaft des FC Barcelona in den letzten Jahren an allen Ecken und Enden gefehlt haben, wie auch seine vielen, durchdachten Laufwege, mit denen er Unruhe und Unordnung stiftet, Gegner herauslockt oder sie bearbeitet, um für andere Spieler der Mannschaft Platz zu schaffen. Doch nicht nur auf dem Platz fügt sich alles wie bei einem Puzzle, auch abseits des Fußballs hat Suárez eingeschlagen. Aus Messi, Suárez und Neymar wurde ‚MSN‘. Dabei steht das Kürzel nicht nur für Harmonie auf dem Platz, sondern gleichsam für freundschaftliche Verbundenheit. Die unglaublichen Fähigkeiten der drei Stürmer des FC Barcelona sind nicht zu übersehen, die wahre Stärke von ‚MSN‘ erschließt sich einem aber nur dann, wenn auch die privaten Beziehungen der Spieler zueinander in den Blick genommen werden.

Beide sind genial, aber: Der Wechsel war goldrichtig

Als Alexis Sánchez Spieler beim FC Barcelona war, gab es solch eine tiefe Harmonie zwischen den Stürmern nicht. Das gesamte Wirken der Mannschaft war auf Leo zugeschnitten, und es ist fraglich, ob Leo ohne die erheblichen personellen Veränderungen bereit gewesen wäre, das Sturmzentrum einem anderen zu überlassen. Das war womöglich der Schlüssel zum Erfolg der vergangenen Saison und dem guten Kurs in dieser Spielzeit. Hinzu kam, dass das Verhältnis zwischen Alexis, der Mannschaft und der Teamführung nicht mehr das Beste war. Der Chilene wollte mehr, bekam es aber nicht und mit der Zeit konnte er seine Enttäuschung nicht mehr verbergen. Alexis ist zweifellos ein grandioser Fußballer, seine Zukunft lag aber nicht mehr in Barcelona – dessen war er sich bewusst.

Die Verpflichtung von Suárez war sportlich wie auch psychologisch ein Meilenstein für die Blaugrana. Auch wenn man sich in Anbetracht der fehlenden Vergleichbarkeit nicht auf den Standpunkt stellen kann, dass Barça einen besseren Stürmer verpflichtet habe, kann man andererseits aber zumindest sagen, dass die Vereinsführung alles richtig gemacht hat. Suárez ist nicht der begnadetste Fußballer auf Erden, aber man muss zu ihm stehen, wie in guten, so in schlechten Zeiten. Dann wird er einem das Vertrauen zurückzahlen – garantiert!

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