Manchester City im Fokus: Wie bringt Barça die ‘Hellblauen’ zu Fall?

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Mit großer Enttäuschung musste die Fanschar des FC Barcelona die unglückliche Niederlage gegen Málaga CF hinnehmen. Doch die Andalusier sind Vergangenheit, die Zukunft ist der englische Meister Manchester City. In der Champions League geht es im Etihad Stadium für die Katalanen rund um Trainer Luis Enrique um eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel sowie eine aussagekräftige Antwort auf die Heimniederlage in der Liga. Grund genug für uns, um den kommenden Gegner aus Manchester einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Nyon, 15. Dezember 2014: Karl-Heinz Riedle ist dieses Mal die Losfee bei der Achtelfinal-Auslosung der UEFA Champions League 2014/15. Und der ehemalige deutsche Stürmer hat für den FC Barcelona ein ganz besonderes Los parat, namentlich Manchester City. Mit den Engländern treffen die Katalanen unter Trainer Luis Enrique auf einen alten Bekannten aus der letztjährigen Champions-League-Saison, den man schlussendlich mit einem Gesamtergebnis von 4:1 aus dem Turnier kicken konnte. Doch wie sind die Engländer aktuell drauf? Wo liegen ihre Stärken und Schwächen? Wir greifen einige Aspekte aus dem 5:0-Sieg gegen Newcastle am letzten Wochenende auf und zeigen, wie Messi und Co. diesen Gegner angehen könnten.

Punktuelle Schonung für Barça mit einem Rückkehrer und Linksfokus

Trainer Pellegrini nahm an der letztwöchigen Aufstellung punktuelle Veränderungen an seiner Mannschaft vor. Sein Sechser und ehemaliger Barça-Akteur Yaya Touré kam als Partner von Fernandinho zurück in die Startelf, wohingegen Stamm-Linksverteidiger Clichy für den Serben Kolarov weichen musste und Innenverteidiger-Talent Mangala wieder ran durfte. Hart als Torhüter sowie Rechtsverteidiger Zabaleta und Innenverteidiger-Kapitän Kompany komplettierten die Defensive der ‘Citizens’. Vorne gab es lediglich mit Džeko eine kleine taktische Überraschung vom argentinischen Teamchef. Ergänzt wurde der Bosnier durch Silva sowie Nasri und ganz vorne war wieder einmal Citys Torgarantie Sergio Agüero unterwegs.

Besonders im Aufbauspiel zeigte City einige interessante Mechanismen mit der Doppelsechs Fernandinho sowie Touré. Dabei war die Grundposition des Linksverteidigers Kolarov im Aufbauspiel prinzipiell unglaublich hoch, womit der Serbe kaum im ersten Drittel eingebunden wurde. Stattdessen driftete Touré in den linken Halbraum ab und baute dort aus einer etwas tieferen Position als Fernandinho auf. Der Brasilianer hingegen positionierte sich zentral im Sechserraum und agierte als Anspielstation bei möglichen asymmetrischen Pressingversuchen des Gegners. Als weitere Maßnahme im Spielaufbau war noch David Silva vertreten. Der Spanier bewegte sich im Aufbauspiel weitestgehend in seinem Halbraum und stand Touré als tiefe Anspielstation zur Verfügung. War aber Fernandinho als unterstützendes Glied zwischen die Innenverteidiger eingerückt und Touré somit zentral im Sechserraum anwesend, ließ sich sogar Silva fallen und baute das Spiel über diagonale Bälle oder Tiefenzuspiele auf.

City hatte somit einen enormen Linksfokus zu verzeichnen, der durch die zentrale Positionierung von Nasri sowie den ausweichenden Läufen von Agüero auf links noch verstärkt wurde. Lediglich Džeko war zusammen mit dem abwartenden Zabaleta rechts vertreten. Während Zabaleta hin und wieder (Diagonal-)Läufe in die Schnittstellen der Abwehr vollzog und seinen Mitspielern Raum öffnete, sah die Sache beim Bosnier schon anders aus. Džeko war zusammen mit seinem Partner Agüero unglaublich flexibel im Offensivbund und tauschte mehrere Male die Seiten mit dem Vizeweltmeister. Prinzipiell ging die Aufgabenverteilung aber tendenziell in die Richtung, dass Agüero links-orientierter war, während sich Džeko für Diagonalbälle anbot und tororientierter eingestellt war.

City hatte also durch die Überladungen einige Durchbrüche auf links zu verzeichnen und war mit Diagonalbällen auf Džeko auch immer wieder gefährlich. Außerdem war mit Touré wieder ein vorstoßender Sechser auf dem Feld vertreten, der Räume im Zwischenlinienraum anvisiert und anläuft, womit nicht nur eine unglaubliche Dynamik im Spiel erzeugt wurde, sondern auch die Ballzirkulation aufrechterhalten werden konnte. Doch wie sah es mit dem Pressing aus? Die ‘Citizens’ waren mit einem klassischen 4-4-2 auf dem Feld vertreten. Dabei sollte der ballferne Stürmer den horizontalen Passweg auf den anderen Innenverteidiger versperren, während der zweite Stürmer den Sechser Anita mannorientiert deckte. Mögliche Zuspiele auf die Achter wurden hauptsächlich mit Bewegungen von Touré und Silva auf links verhindert. Warum gerade links? Das war dem Matchplan der Manchester-Spieler geschuldet.

Newcastle verliert die (Mann-)Orientierung und den Spielaufbau

Die Herren aus Newcastle waren auf dem Blatt mit einem 4-3-3 ins Spiel gegen City gegangen. Im Aufbauspiel änderte sich dies wiederum in eine Art 3-4-1-2/3-4-3. Dabei war der ballferne Außenverteidiger sehr weit nach vorne an die Seitenlinie gestoßen, während der ballnahe Außenverteidiger zusammen mit den beiden Innenverteidigern aufbaute. Sechser Anita gab in der Nähe des zweiten Spielfelddrittels eine Anspielstation, während sich die flexibel agierenden Colback und Sissoko abkippen lassen konnten und zum Spielaufbau beitragen sollten.

MANC

Doch dieser eigentlich gut vorbereitete Matchplan wurde vom guten gegnerischen Pressing schnell zunichtegemacht. City presste zu Anfang des gegnerischen Spielaufbaus unglaublich aggressiv auf die rechte Seite von Haidara. Sah sich der Linksverteidiger gezwungen, den Ball zurück zum tiefen Aufbau-Innenverteidiger Coloccini zu spielen, so lief ihn ein Stürmer (meistens war dies Džeko) dynamisch an, womit der nächste Seitenwechsel auf den rechts positionierten Innenverteidiger Williamson vollzogen wurde. Doch an diesem Punkt hatten die Manchester-Spieler ihr Ziel erreicht. Der Stürmer, der bereits Coloccini angelaufen hatte, machte bei Williamson schlicht und ergreifend dasselbe und stellte den Italiener damit in seinen Deckungsschatten. Da Anita durch den anderen Stürmer gedeckt war, blieb den Gästen beziehungsweise Williamson nur mehr der Weg in die Tiefe, wo die abkippenden Bewegungen der beiden Achter, wie bereits besprochen, gut von Touré und Silva auf links abgefangen wurden.

Auch im Defensivkonzept hatte Newcastle einige Mängel und Defizite zu verzeichnen. Grundsätzlich war die Elf von John Carver in einem 4-4-2/4-1-4-1 unterwegs, das allerdings durch sehr viele Mannorientierungen geprägt war. Somit kam es öfter als gewollt zu 5-4-1- oder gar 6-3-1-Staffelungen, wenn die gegnerischen Außenverteidiger Kolarov und Zabaleta hoch standen und die Flügelzange Perez sowie Gouffran nach hinten zogen oder Sechser Anita in die Viererkette einrückte. Dadurch musste der Dreier-Mittelfeldbund enorm und kompakt verschieben und ließ den ballfernen Halbraum teilweise zur Gänze unbesetzt. Hätte City diesen Umstand mit mehr abkippenden beziehungsweise ausweichenden Bewegungen von Džeko und Nasri genutzt und die Situationen beziehungsweise Räume anschließend gut bespielt, hätte das Ergebnis durchaus noch deutlicher ausfallen können.

Newcastle bekam mit seinem Dreier-Mittelfeld nie wirMITTELFELD CITYklichen Zugriff auf die City-Akteure, war man doch erstens aufgrund der Links-Überladung in Gleich- oder gar in Unterzahl unterwegs und konnte zweitens nie Silvas effektive Bewegungen zwischen den Schnittstellen im Zwischenlinienraum kontrollieren. Zudem war man auch noch bei möglichen Pressingvorstößen äußerst instabil. Die beiden Achter Sissoko sowie Colback liefen zumeist immer den ballnahen Sechser an und versuchten den anderen Sechser zu decken. Doch zwei Umstände machten dieses Pressing ineffektiv. Zum einen waren die Flügelstürmer viel zu weit außen in der Nähe der Außenverteidiger positioniert und deckten selten den Halbraum, was der Kompaktheit sicherlich nicht geschadet hätte, zum anderen konnte Sechser Anita kaum für Balance hinter der ersten Pressingwelle sorgen und verließ zu oft seinen Aktionsradius (in der Grafik längst nicht so extrem wie im Spiel dargestellt). City erkannte dies und reagierte dementsprechend, indem sie den Ball teilweise im zweiten Drittel auf die rechte Seite zogen und Anita sowie einen Achter lockten. Der weitere Achter deckte die zweite Sechs, womit Silvas abkippende Läufe von niemandem bewacht wurden. Dadurch, dass Anita so weit nach außen gerückt ist, hatte der spanische Stürmerstar anschließend relativ viel Raum sowie Zeit für Zuspiele zur Verfügung.

Das Konzept gegen City: Präsenz im Zwischenlinienraum und ein kleiner Argentinier

Auch insgesamt gesehen wirkte Newcastles 4-1-4-1 sehr rudimentär in der Raumaufteilung und unbalanciert, was die Entfernung der beiden Ketten anbelangt. Anita konnte in Ballnähe keine balancierte Position für einen schnellen Zugriff auf den Gegner sowie die Absicherung des Raumes finden. Zumeist füllte der Niederländer eine Option zu dominant aus, was der Staffelung allerdings ganz und gar nicht gut tat und auch kein effektives Ergebnis brachte. Teamchef Carver brachte deshalb zur Pause seine ‘Nummer 30’ Abeid aufs Feld, der seine Sache deutlich ausgeglichener als Anita erfüllen konnte.

Auch zeigte man sich nun in puncto Aufbau und Ballzirkulation merklich verbessert. Torwart Krul wurde vermehrt eingebunden und abkippende Bewegungen von Cisse mit anschließenden Ablagen auf die Außen waren durchaus raumgewinnbringend für Newcastle. City hatte dem relativ wenig entgegenzusetzen beziehungsweise zeigte sich eine mehr oder weniger gewichtige Schwäche im Spiel des Manchester-Clubs gegen den Ball.

Die Doppelsechs Citys, bestehend aus Touré und Fernandinho, wobei der Ivorer gegen die Katalanen fehlen wird und somit Fernando seine Position ausfüllen wird, ist in ihrer Aufgabenverteilung oftmals zu ähnlich eingestellt. Beide orientieren sich stark ballorientiert und lassen sich zu leicht aus ihren Aktionsradien herauslocken. Dadurch werden große Räume im Zwischenlinienraum entblößt, die Newcastle, zum Bedauern ihrer Fans, im Verlauf des gesamten Spiels nicht oder zu selten bespielt hat. Des Weiteren agieren die ‘Hellblauen’ auch im Gegenpressing oftmals zu passiv, zumindest was die (Halb-)Stürmer Nasri und Silva anbelangt, die bei Weitem nicht die längsten Wege gehen, um den Ball zurückzuerobern. Gepaart mit dem durchaus trägen Bewegungsspielraum der Doppelsechs ist City unglaublich stark von einer passenden Gegenpressingstaffelung sowie einem großartigen Zweikampfverhalten ihrer Innenverteidigung angewiesen, sollte der Gegner den Ball im zweiten Drittel erobern können.

Und in diesem Punkt könnte sich eine große Chance für den FC Barcelona ergeben. Die Katalanen besitzen mit Lionel Messi einen immens agilen und das Tempo verschärfenden Dribbler, der mit Sololäufen leicht die Staffelungen Manchesters in Stücke reißen könnte. Neymar sowie ein auf rechts als inverser Stürmer agierender Messi, die die Doppelsechs herauslocken und die Räume im Zwischenlinienraum bespielen beziehungsweise Suárez als Blocker für Doppelpässe nutzen könnten, wären ein wirksames Mittel für dynamische Vorstöße in den gegnerischen Strafraum. Auch zeigte sich, dass City selten schnell auf die ballfernen Flügel zugreifen kann. Somit könnten die alten Bewegungsmuster auf den beiden Flügeln erneut zum Tragen kommen, indem verstärkt auf den anderen Flügel verlagert wird, damit dort Räume der verschiebenden City-Abwehr dynamisch bespielt und Tempo-Angriffe initiiert werden können.

Alles in allem lässt sich sagen, dass der kommende Gegner mit seiner qualitativ hochwertigen Offensive Mittel besitzt, um den Katalanen merkbaren Schaden zuzufügen. Im gleichen Atemzug muss aber erwähnt werden, dass diese Weltklasse-Offensive mit guten Staffelungen im zweiten Spielfelddrittel auch aus dem Spiel genommen werden kann. Des Weiteren zeigte sich, dass City in Sachen Kompaktheit und Raumverknappung bei Weitem nicht das Niveau des FC Málaga vom letzten Wochenende erreichen kann, dazu haben die Spieler nicht das nötige Profil. Und auch wenn dieses Duell von internationalen Medien in den letzten Tagen durchaus zurecht als Kracher in der Königsklasse betitelt wurde, so sollte dieser Gegner bei der zuletzt gezeigten Leistung des FC Barcelona keine unschlagbare Hürde für den Einzug ins Viertelfinale darstellen.

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