Noten | Überzeugender Mingueza, zielstrebiger Braithwaite, dirigierender Aleña

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Der FC Barcelona hatte gegen Dynamo Kiew Anlaufprobleme, fand mit der Zeit jedoch ins Spiel. Martin Braithwaite wusste vor dem gegnerischen Tor zu überzeugen, Oscar Minguezas Debüt verlief vielversprechend. Die Spielerkritik und Noten. 

Marc-André ter Stegen

Marc-André ter Stegen trug gegen Dynamo Kiew die Kapitänsbinde der Blaugrana und erlebte im Vergleich zum Hinspiel eine relativ ruhige erste Halbzeit. In der 19. Minute durfte der Deutsche einen dankbaren Schuss fangen, unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff vereitelte er eine Chance aus spitzem Winkel, nachdem Carlos de Pena Trincão entwischen konnte. Auch im zweiten Durchgang bekam der Schlussmann nicht viel zu tun, war bei einer Chance Kiews kurz nach Wiederanpfiff zur Stelle. Barçawelt-Punkte: 6

Sergiño Dest

Sergiño Dest war einer der Lichtblicke in Barças B-Team. Der US-Nationalspieler bemühte sich um die Teilnahme in Barças Flankenspiel, blieb im ersten Durchgang mit seinen Hereingaben jedoch meist erfolglos. Hatte gegen Gegenspieler de Pena in direkten Duellen seine Probleme. Da den Gastgebern in Halbzeit zwei kaum mehr Offensivaktionen gelangen, konnte der 20-Jährige seinen Offensivdrang nutzen, um den Katalanen im Angriff zu helfen. Sein Tor nach einem klasse Laufweg darf als Gamechanger angesehen werden. Barçawelt-Punkte: 8

Óscar Mingueza

Óscar Mingueza feierte gegen Kiew sein Profi-Debüt – dabei fiel überhaupt nicht auf, dass er nie zuvor bei den Profis mitmachte oder gar zum ersten Mal überhaupt in der Champions League auf dem Rasen stand. Mingueza spielte abgeklärt und routiniert – und hatte sogar drei herausragende Aktionen, zwei davon in der Defensive. Schon nach sieben Minuten blockte er einen Schuss von der Strafraumgrenze rigoros per Grätsche, im zweiten Durchgang verhinderte er in der 50. Minute eine Großchance Dynamos per super Tackling in höchster Not. Zudem bereitete der Barça-B-Verteidiger Braithwaites 2:0 per Kopfballverlängerung vor. Ein mehr als gelungendes Debüt. Barçawelt-Punkte: 8

Clément Lenglet

Lenglet ging die neue Aufgabe als Abwehrchef ruhig an und konnte Sicherheit ausstrahlen, was zur Folge hatte, dass es eine Weile gedauert hat, bis der Franzose im Spielaufbau nach vorne Akzente setzen konnte, so konzentrierte er sich zu Beginn des Spiels vor allem auf Pässe kürzerer Distanz. In der zweiten Halbzeit lies Lenglet einmal seinen Gegenspieler laufen, hatte ansonsten aber alles unter Kontrolle. Ronald Koeman wechselte ihn nach 65 Minuten aus – wohl um ihn für die anstehenden Spiele zu schonen. Barçawelt-Punkte: 7

Júnior Firpo 

Firpos Einsatz verschaffte Jordi Alba eine kleine Verschnaufpause, aber wirklich nutzen konnte der Ex-Betis-Akteur diese Gelegenheit abermals nicht. Machte zwar keine großen Fehler, doch entschlossen wirkte Júnior Firpo auch nicht. In der Offensive zögerte er manchmal in guten Positionen zu lange oder hielt die Breite des Feldes nicht ausreichend, um die dichte Defensive der Ukrainer auseinanderzuziehen. Auch seine Hereingaben fanden keinen Abnehmer. Rückte nach Jordi Albas Einwechslung (66. Min.) auf die Innenverteidiger-Position, hatte hier aber anschließend nicht wirklich was zu tun. Barçawelt-Punkte: 5

Carles Aleñá

Carles Aleñá feierte sein Startelfdebüt unter Ronald Koeman. Das La-Masia-Talent suchte anfänglich die Bindung zum Spiel, weshalb er sich immer wieder bei Ballbesitz in der eigenen Hälfte tief fallen ließ, um Bälle abzuholen. Aleñá traute sich mit der Zeit dann mehr eröffnende Bälle zu, auch die Zahl an selbstbewusst ausgeführten Steilpässen nahm mit fortschreitender Spielzeit zu. Sammelte zwei Pre-Assists per Ecke in der 57. Minute und per Pass auf Alba vor dem 4:0. Von seinen 107 gespielten Pässen kam lediglich einer nicht zum Mitspieler – Passquote 99 Prozent! Eine Leistung, die Aleña gut tun und Koeman gefallen haben wird. Barçawelt-Punkte: 8

Miralem Pjanic

Der Bosnier wirkte nicht immer auf der Höhe, leistete sich mehrere Nachlässigkeiten und brauchte wie Mittelfeldpartner Aleñá Zeit, um ins Spiel zu finden. Wirkte dann aktiver und suchte seine Mitspieler mit mehreren Steckpässen im letzten Drittel. Pjanic übernahm die Rolle als stiller Dirigent im Mittelfeld, seine Passquote von 92 Prozent spricht für diesen Part, insgesamt jedoch ein weiterer eher unauffälliger Auftritt des Sommer-Neuzugangs. Barçawelt-Punkte: 5

Francisco Trincão

Trincão erhielt in der Ukraine die Chance, sich von Beginn an zu zeigen. Auch der Portugiese musste erst einmal in die Partie hereinfinden, sammelte durch erfolgreiche Dribblings nach und nach Selbstvertrauen. Ein Distanzschuss in Durchgang eins war seine auffälligste Aktion. Die letzte Durchschlagskraft in der Gefahrenzone blieb dennoch auch an diesem Abend auf der Strecke, die Abstimmung mit Dest stimmte in der Offensive nicht immer, gerade in Hälfte eins standen sie sich manchmal auf den Füße oder stimmten ihre Läufe nicht richtig ab. Trincão muss sich weiterhin erst noch an die neue Mannschaft gewöhnen. Barçawelt-Punkte: 4

Philippe Coutinho

Der Brasilianer begann auf der Zehn, wechselte jedoch früh mit Pedri die Position, um auf der linken Außenbahn zu agieren. Dort galt er als Aktivposten in Durchgang eins. Überlegte, technisch anspruchsvolle Situationen machten seine Spielweise aus, so ging Coutinho ein ums andere Mal den Gang zum Dribbling an, ohne dabei das Tempo schlagartig aus der Partie zu holen und versuchte – gerade mit Pedri – des Öfteren kleine Passstafetten aufzuziehen. Auffällig zu sehen war außerdem sein ständiges Lauern auf einen Fehler bei der Ballannahme eines Ukrainers. War zwar bemüht, aber auch uneffektiv. In der 65. Spielminute wurde Barcelonas Nummer 14 nach leicht stagnierender Leistung ausgewechselt. Barçawelt-Punkte: 5

Pedri

Pedri spielte wenige Minuten auf Linksaußen, bevor er den Platz auf der Zehn einnahm. Dort blühte er vor allem zu Beginn des Spiels auf, indem er häufig mehrere Gegner auf sich zog, um dann überlegte Abspiele zu tätigen. Der 17-Jährige gestaltete in der Anfangsphase zusammen mit Coutinho das Spiel und versuchte sich wo es nur ging als Unterstützung anzubieten – auch wenn der Ertrag sich in Grenzen hielt. Nach der Pause spielte er zielstrebiger, so glückte ihm beim 1:0 der Pre-Assist. An seiner Torgefahr muss er aber weiter arbeiten, gab an diesem Abend keinen Torschuss ab und stieß auch nicht gefährlich in die Spitze vor, sondern beschränkte sich aufs Ballverteilen. Barçawelt-Punkte: 6

Martin Braithwaite

Durfte endlich mal von Beginn an ran, war in Halbzeit eins aber komplett unsichtbar und ohne Bindung zum Team. Das änderte sich in Durchgang zwei schlagartig. Die Vorlage zum 1:0 Dests war zwar glücklich und unfreiwillig, weil ihm der US-Amerikaner den Ball vom Fuß stibitze, doch beim 2:0 bewies der Däne am zweiten Pfosten seinen Torriecher. Das Tor gab ihm merklich Selbstbewusstsein, denn anschließend holte er nicht nur den Elfmeter raus, sondern schoss diesen auch entschlossen in die Maschen. Zwei Tore, ein (unfreiwilliger) Assist – Braithwaite war in Kiew der Spieler des Spiels. Barçawelt-Punkte: 8, MOTM

Jordi Alba

Kam in der 65. Minute überraschenderweise für Clément Lenglet in die Partie und sorgte mit seiner ersten nennenswerten Situation (einer Flanke auf Braithwaite, der den Schubser Popovs clever ausnutzen konnte) für einen Elfmeterpfiff. Der Linksverteidiger beackerte stets die Außenbahn und startete immer wieder Läufe in die Tiefe, so auch im Ansatz bei seiner Vorarbeit zum 4:0, als er zuvor den Doppelpass mit Aleñá ausführte. Barçawelt-Punkte: 7

Riqui Puig

Riqui Puig kam zu seinem ersten längeren Einsatz in dieser Saison, in dem er in der 65. Minute für Pjanic aufs Feld geschickt wurde. Das La-Masia-Talent konnte sofort Elan ausstrahlen und sah sich schnell in der Verpflichtung, die Rolle als Mittelfeldmotor einzunehmen. Dabei verwickelte er die Akteure in Weiß in Mittelfeldduelle, die in den meisten Fällen von Puig gewonnen wurden, um dann den Ball Richtung gegnerisches Gehäuse zu tragen. Vergab eine sehr gute Chance zentral vor dem Tor und leitete den Treffer zum 4:0 mit einem öffnenenden Außenristpass ein – eine erfreuliche Leistung des 21-Jährigen, die Einsatzminuten sollten auch Puig gut tun. Barçawelt-Punkte: 7

Antoine Griezmann

Griezmann stand für einige Culés überraschend nicht in der Startelf, sondern wurde nach 65 Spielminuten für Coutinho gebracht. Als Freigeist im offensiven Zentrum agierte der Franzose zunächst nicht besonders auffällig, zeigte jedoch tief in der eigenen Hälfte bei einem wichtigen Block seinen Ehrgeiz. Nach einer verpassten Chance in der 91. Minute gelang ihm im Anschluss in Minute 92 der Treffer zum Endstand von 4:0, ein trockener Schuss nach Ballannahme – so eiskalt sah man den Franzosen zuletzt nicht vor dem Tor. Den Treffer bejubelte er mit einem kleinen Tänzchen, so könnte die nötige Lockerheit allmählich zurückkehren. Barçawelt-Punkte: 7

Matheus Fernandes

Auch der 22-jährige Brasilianer durfte nach seiner Einwechslung in der 73. Minute für Pedri ins Spielgeschehen eingreifen. Auffällig wurde er kaum, spielte aber fehlerlos und brachte alle seine 14 Pässe an den Mann. Barçawelt-Punkte: keine Bewertung

Konrad de la Fuente

Der frisch gebackene US-Nationalspieler durfte nun auch für den FC Barcelona debütieren. Wirbelte auf der rechten Seite und suchte die direkten Duelle, doch in manchen Situationen fehlte ihm der genaue Überblick. Auch wenn er keinen Impact mehr aufs Spiel hatte, dürfte es sich bei seiner Personalie um einen aufregenden Mann für die Zukunft handeln. Barçawelt-Punkte: keine Bewertung

Trainer Ronald Koeman

Ronald Koeman ließ Lionel Messi und Frenkie de Jong in Barcelona, was Platz für Rotation machte. Diejenigen Spieler, die bisher zu keiner bis wenig Einsatzzeit gekommen sind – wie Óscar Mingueza, Carles Aleñá und Martin Braithwaite – wussten dabei nach Anlaufschwierigkeiten zu überzeugen. Dass das nicht eingespielte Team nicht von Beginn an Automatismen entwickeln konnte, war abzusehen, umso erfreulicher ist der Reifungsprozess, den die Mannschaft Koemans gemeinsam in 90 Minuten durchlebte. Vor allem Mingueza in der Innenverteidigung als Partner an der Seite von Lenglet erwies sich als richtiger Schachzug, ebenso wie die Wechsel des Niederländers. Die drei Spieler, die nach einer guten Stunde den Rasen betraten (Alba, Puig und Griezmann) brachten neue Dynamik ins Spiel und konnten Werbung für sich selbst machen – sofern nötig. Die Rotation Koemans gestaltete sich an diesem Abend als ein voller Erfolg. Barçawelt-Punkte: 9

Erklärung zur Punktevergabe

10 Punkte: Weltklasse
9 Punkte: sehr gute Leistung
8 Punkte: gute Leistung
7 Punkte: ansprechende Leistung
6 Punkte: durchschnittliche Leistung
5 Punkte:
unterdurchschnittliche Leistung
4 Punkte: unbefriedigende Leistung
3 Punkte: schwache Leistung
2 Punkte:
ungenügende Leistung
1 Punkt: Totalausfall

 

Benjamin König
Fútbol, Calcio, Fotball - in Spanien, Italien, Skandinavien. Redakteur bei Barçawelt, Podcaster bei Polarlichtspiel - dem skandinavischen Fußballpodcast
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