Spielerkritik | Neto wie eine Nummer 1, Todibo routiniert, Umtiti unsicher

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Da vorzeitig als Gruppensieger qualifiziert, setzte Ernesto Valverde bei Inter Mailand auf eine B-Elf –  doch der mächtig umgekrempelte FC Barcelona machte seine Sache im Giuseppe Meazza erstaunlich gut. Jean-Clear Todibo ließ sein Potential aufblitzen, genauso wie Moussa Wagué. Samuel Umtiti wackelte derweil gewaltig, auch Junior Firpo fehlt weiterhin das Selbstvertrauen. Die Spielerkritik und Noten zu Barças Sieg gegen Inter.

Neto

Marc-André ter Stegen wurde geschont, so durfte Neto im Giuseppe-Meazza-Stadion sein Pflichtspieldebüt für den FC Barcelona geben. Zeigte sich direkt aufmerksam und parierte gut gegen Biraghi sowie Martínez, nach der Pause vereitelte er dann Lukakus Großchance bärenstark. Beim Gegentor chancenlos, zeigte aber über das gesamte Spiel immer wieder, dass er eine absolut verlässliche Nummer zwei im Tor der Katalanen sein kann. Barçawelt-Punkte: 8, MOTM

Moussa Wagué

Von den beiden Außenverteidigern der Bessere. Wagué traute sich was zu, auch wenn er es in einer stark durchgewürftelten Mannschaft schwer hatte, da die Automatismen fehlten. Schalte sich vorne mit ein, gab sogar in Durchgang zwei einen Torschuss ab, auch wenn dieser das Ziel verfehlte. 93 Ballkontakte sind eine stattliche Zahl. Sein Auftritt macht Mut für die Zukunft. Barçawelt-Punkte: 6

Jean-Clair Todibo

Musste gegen die beiden Sturmbüffel Lautaro und Lukaku seinen Mann zu stehen. Verlor zwei körperbetonte Duelle, eins vor dem Ausgleichstor gegen Lautaro, das andere vor einer Großchance Inters gegen Lukaku. Agierte ansonsten aber abgeklärt und umsichtig und sogar erstaunlich routiniert, gerade wenn man bedenkt, dass Todibo noch keine zehn Pflichtspiele für Barça auf dem Buckel hat. Besonders die technische Stärke Todibos kam Barça gegen die teils hoch pressenden Gastgeber zugute. Barçawelt-Punkte: 7

Samuel Umtiti

Sollte in der Dreierkette eigentlich qua seines Standings und durch die Aufstellung als zentraler Innenverteidiger den Abwehrchef geben, war davon aber weit entfernt. Umtiti präsentierte sich im ersten Durchgang nicht sattelfest und war bei Inters ersten beiden Chancen im Mittelpunkt. Ließ sich erst von Lukakus Schussfinte vernaschen (Lenglet putzte gerade noch so aus), dann verlor er an der Seitenlinie das Duell gegen Lautaro, stellte sich da wie ein Schuljunge an. Auch nach der Pause gönnte er sich eine Unaufmerksamkeit und fast einen folgenschweren Ballverlust. In der Zentrale der Dreierkette eindeutig der Schwächste an diesem Abend. Barçawelt-Punkte: 4

Clément Lenglet

Wurde als linker Innenverteidiger in der Dreierkette eingesetzt. Blockte in der Anfangsphase in höchster Not einen Lukaku-Schuss, verlor den Belgier aber vor dem 1:1 aus den Augen und ließ ihn gedankenversunken ziehen, sodass der Sturmtank dann unbedrängt den Ausgleich erzielen konnte. Hier und da agierte Lenglet nicht immer mit der nötigen Konsequenz, zeigte sich dennoch sicherer als Weltmeister Umtiti. Barçawelt-Punkte: 6

Júnior Firpo

Wurde als linker Wingback aufgestellt, die Rolle, die er von Real Betis kennt. Knüpfte aber trotzdem an seine dürftigen Leistungen der letzten Wochen an. War in der Offensive weniger auffällig als sein Gegenüber Moussa Wagué (Firpo hatte nur 58 Ballkontakte), im Rückwärtsgang griff er zweimal zum taktischen Foul, sah dafür einmal Gelb. Wenn er mal offensiv auftauchte, fanden sich entweder keine Mitspieler in aussichtsreichen Positionen oder Firpo traf die falsche Entscheidung. Der Spanier konnte erneut keinen Schritt in die richtige Richtung machen. Barçawelt-Punkte: 5

Ivan Rakitić

Agierte vor der Abwehr auf der Sechs, kontrollierte und verwaltete in der Busquets-Rolle das Geschehen. War umsichtig und brachte Ruhe ins Spiel. Seine Formkurve zeigt klar nach oben. Machte nach 63 Minuten Platz für Frenkie de Jong, aus Gründen der Schonung. Barçawelt-Punkte: 7

Arturo Vidal

Vidal gab wie gewohnt den Irrwisch im Mittelfeld. Hatte auf dem holprigen Geläuf aber noch mehr Probleme als sonst, den Ball zu kontrollieren und sauber weiterzuspielen. Mühte sich wie immer nach Kräften, verpasste mit einem Weitschuss die erneute Führung nur um Zentimeter, seine auffälligste Aktion an diesem Abend. Konnte seine Einsatzchance nicht nutzen. Barçawelt-Punkte: 5

Carles Aleñá

Aleñá durfte endlich mal von Beginn an ran, agierte halblinks zentral im Mittelfeld. Der Youngster war omnipräsent und immer anspielbereit, konnte mit 110 Ballkontakten die meisten der Blaugrana verbuchen und spielte einige sehenswerte Pässe in die Tiefe. Die Torgefahr ging ihm jedoch ab. Auch sah man ihm an, dass er dringend mehr Spielpraxis benötigt. Barçawelt-Punkte: 6

Carles Pérez

Pérez gab sein CL-Debüt, der La-Masia-Schützling durfte neben Griezmann in vorderster Front ran und hatte auch die erste Schusschance der Katalanen, nach 23 Minuten erzielte er dann eiskalt das Führungstor. Spielte nach der Pause einmal Griezmann gut frei. Ansonsten fiel er durch seinen Zug zum Tor auf. Gefährlichster Angreifer an diesem Abend. Barçawelt-Punkte: 7

Antoine Griezmann

Gab so ein wenig den Messi. Nominell als Sturmspitze im Zweiersturm halbrechts aufgestellt, ließ sich Griezmann wie zu seinen Atlético-Zeiten gerne fallen, um den Ball weiterzuleiten und Angriffe zu initiieren. War mit seiner scharfen Hereingabe auf Vidal, die letztlich von Godin zu Torschütze Pérez abgefälscht wurde, maßgeblich am 1:0 beteiligt. Scheiterte nach dem Seitenwechsel per Flachschuss an Handanovic. Stieß aber nicht so in die Spitze, wie es ein Angreifer in diesem System tun müsste, kam zu oft dem Ball entgegen. Durfte nach 63 Minuten vorzeitig Feierabend machen. Barçawelt-Punkte: 5

Frenkie de Jong

Ersetzte Rakitic und ging nach seiner Einwechslung auf die Sechs. Sein Einfluss war sofort spürbar, da sich das Spiel der Katalanen gleich besser ordnete und er durch seine Antritte und Wendigkeit dem Pressing von Inter früh den Wind aus den Segeln nahm. Barçawelt-Punkte: 6

Luis Suárez

Kam für Griezmann nach etwa einer Stunde ins Spiel, hatte ebenfalls Probleme auf dem holprigen Geläuf. Hatte jedoch beim Siegtreffer seinen Fuß im Spiel, denn er ließ perfekt für Ansu Fati prallen, sodass dieser zum 2:1 einschießen konnte – fast so, als würde Suárez für seinen Kumpel Messi auflegen. Barçawelt-Punkte: 6

Ansu Fati

Kam nach 85 Minuten für Pérez. Keine Minute später spielte er in bester Messi-Manier einen Doppelpass mit Suárez und schloss trocken per Flachschuss ab – Ansu Fatis Debüt-Tor in der Champions League und zudem ein Rekord, denn mit 17 Jahren und 40 Tagen ist Fati nun Jüngster Torschütze in der Geschichte der Champions League. Barçawelt-Punkte: keine Benotung (eigentlich: 10)

Trainer Ernesto Valverde

Ernesto Valverde rotierte viel, vertraute der Jugend und einer neuen taktischen Aufstellung. Im Ballbesitz spielte Valverdes Barça an diesem Abend im 3-5-2, gegen den Ball situativ im 5-3-2. Valverde gab Aleñá endlich Einsatzzeit, genauso wie Todibo und Wagué – alle drei machten ihre Sache ordentlich, rechtfertigten die Aufstellung also. Eine mutige Aufstellung und ein interessantes System, welches Barça in der Zukunft sicher mal gut gebrauchen kann – beides ging durch den etwas überraschenden Sieg gut. Valverde hat also nicht viel falsch gemacht an diesem Abend. Barçawelt-Punkte: 8

Erklärung zur Punktevergabe

10 Punkte: Weltklasse
9 Punkte: sehr gute Leistung
8 Punkte: gute Leistung
7 Punkte: ansprechende Leistung
6 Punkte: durchschnittliche Leistung
5 Punkte:
unterdurchschnittliche Leistung
4 Punkte: schwache Leistung
3 Punkte: sehr schwache Leistung
2 Punkte:
ungenügende Leistung
1 Punkt: Totalausfall

 

Alex Truica
Freier Sportjournalist, Podcaster und Chefredakteur Barçawelt
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