Vorschau PSG vs. Barça | Der Glaube an ‚La Remontada 2.0‘

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1:4 gingen die Katalanen im Camp Nou gegen Paris Saint-Germain im Achtelfinal-Hinspiel unter, allen voran Kylian Mbappé sorgte mit seinen drei Toren für klare Verhältnisse. Will Barça noch weiterkommen, müssen sie am Mittwoch in Paris mindestens vier Tore erzielen – eine Mammutaufgabe. Die Vorschau zum Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale zwischen PSG und Barça.

Die vergangenen Tage wirkten befreiend. Erst zog der FC Barcelona durch eine beeindruckende Aufholjagd gegen den FC Sevilla doch noch nach 3:0-Sieg im Rückspiel ins Finale der Copa del Rey ein. Dann wurde Joan Laporta am Sonntag als neuer Präsident gewählt, eine Personalie, die dem ganzen Verein Hoffnung gibt, schließlich lähmte die Vakanz auf dieser Position den führungslosen katalanischen Spitzenklub seit Monaten.

Außerdem ist man wieder auf drei Punkte an der ersten Tabellenplatz in La Liga herangerückt, da sich Atlético und Real Madrid mit einem 1:1 am vergangenen Sonntag die Punkte teilten. Die Stimmung im Verein ist also aktuell mehr als positiv – dabei vergisst man beinahe, welch schwere Phasen der Klub in dieser Saison durchmachen musste, als man Barça aus allen Wettbewerben abschrieb und die Mannschaft bis ins kleinste Detail kritisierte – gerade nach dem niederschmetternden 1:4 im Achtelfinal-Hinspiel gegen PSG.

Die Frage nach dem System und dem Personal

Im Hinspiel gegen PSG versuchte es Ronald Koeman mit seinen Mannen noch im 4-3-3-System, davor und auch in den Spielen danach wie gegen den FC Sevilla und Osasuna probierte er ein 3-4-3 oder 3-5-2 aus. Die Dreierkette brachte endlich Stabilität – genau das, was bei der 1:4-Niederlage noch fehlte, als das Team völlig überfordert war mit der Situation und nicht auf den Umstand, dass Paris mitspielte und nicht auf Konter lauerte, reagieren konnte. In welchem System und mit welchem Personal (mit oder ohne Antoine Griezmann?) Koeman die Partie angehen wird, bleibt noch offen.

In Samuel Umtiti, Clement Lenglet und Oscar Mingueza stehen Koeman exakt drei fitte Innenverteidiger in Paris zur Verfügung. Ronald Araujo und Gerard Piqué traten die Reise in die französische Hauptstadt nicht mit an. Piqué laboriert weiter an seiner Bänderverletzung im Knie, bei Ronald Araujo, der erst am Dienstag ins Teamtraining eingestiegen ist, wollte der Niederländer verständlicherweise kein Risiko eingehen.

In der Zentrale agierten zuletzt Mingueza, Lenglet und Umtiti in der Dreierkette gegen Osasuna, doch schon zur Pause nahm Koeman Umtiti vom Feld und stellte wieder auf Viererkette um. Dass Ronald Koeman nicht der größte Fan von Umtiti und Lenglet ist, ist sicherlich kein Geheimnis mehr. Für sie ist es aufgrund Araujos Absenz die erneute Chance, sich zu beweisen – die Frage ist: Dürfen sie es auch gemeinsam in einer Dreierkette?

Einer, der sich zuletzt bewiesen hat, ist Ilaix Moriba, der am vergangenen Samstag gegen Osasuna sein erstes Tor im Dress der Katalanen erzielte. Der 18-Jährige wird sich wohl trotzdem weiterhin hintenanstellen müssen, jedoch nicht wegen seiner Leistungen. Er braucht noch Zeit, so sieht das auch Frenkie de Jong auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Partie: „Ich bin nicht wirklich überrascht, denn ich sehe ihn im Training und kann sehen, dass er  eine Menge Qualität hat. Er ist sehr jung, aber ich denke, wenn er weiter arbeitet und sich verbessert, hat er hier eine große Zukunft.“

Das Mittelfeld aus Sergio Busquets, Pedri und Frenkie de Jong ist gesetzt, dahinter könnte Moriba mehr und mehr zum ersten Anwärter auf eine Einwechslung avancieren.

 

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Remontada 2.0 und der Glaube an sich selbst

Trotz der schwerwiegenden Ausfälle von Araujo und Piqué wirkt Barcelona aktuell eingespielt, scheint sich gefunden zu haben, auch der Glaube an sich selbst ist wieder da. „Wir sind in guter Form“, erklärte Ronald Koeman auf der Pressekonferenz vor dem PSG-Spiel, aber „um eine Chance aufs Weiterkommen zu haben, müssen wir morgen sehr effektiv sein“. Das 1:4 im Hinspiel wiegt einfach zu schwer.

Es war ein kollektiver Ausfall aller Mannschaftsteile und eines der schlechtesten Saisonspiele der Mannschaft. Einige fühlten sich zurückerinnert an große verlorene Spiele in der Champions League wie gegen Bayern München vergangene Saison oder vor zwei Jahren gegen den FC Liverpool beim 0:4 in Anfield.

Andere mussten an das 0:4 von 2017 denken, als PSG Barça im Hinspiel ebenfalls abfertigte und danach doch noch die Wende gelang. Der Glaube an eine „Remontada 2.0“ ist da, auch aufgrund der vergangenen Spiele, die als Antwort auf die Pleite gegen PSG folgten. „Man muss immer daran glauben, dass man das Comeback schaffen kann, aber das muss man morgen auf dem Spielfeld beweisen“, sagte Frenkie de Jong auf seiner Pressekonferenz.

Damit die Aufholjagd gelingt und das 1:4 noch gedreht werden kann, muss das Team an sich selbst glauben und zusammenhalten. Für die Mammutaufgabe benötigt es aber vier Tore. Selbst mit einem 3:0 wäre Barça aufgrund der Auswärtstorregel ausgeschieden. „Ich denke, nichts ist unmöglich. Wir sind in guter Form, aber man kann einen 0:2-Rückstand nach einem Auswärtsspiel [gegen Sevilla im Pokal] nicht mit einem 1:4-Hinspielergebnis in einem Heimspiel vergleichen, das ist viel komplizierter“, ist Ronald Koeman um eine realistische Einschätzung der Chancen seiner Mannschaft bemüht. Die Remuntada gegen Sevilla in der Copa gibt Barça Kraft und Selbstvertrauen, doch das Gastspiel in PSG ist eine ganz andere Hausnummer.

PSG ohne Neymar und Kean

Es benötigt also (mindestens) vier Treffer. Doch die Abwehr der Pariser steht sehr stabil und wird schwer zu überwinden sein. Unter Pochettino kassierte PSG erst neun Gegentreffer in 15 Spielen. Pochettino rotierte im vergangenen Pokalspiel gegen Stade Brest viel und gab Marquinhos und Presnel Kimpembe eine Pause, beide werden gegen Barcelona wieder das Toreschießen verhindern. Wer auf der anderen Seite des Spielfeldes Tore erzielen möchte, ist Kylian Mbappé. Erzielte er gegen Barcelona schon drei Tore, konnte er in den Spielen danach in der Liga und im Pokal weitere vier Mal einnetzen. Er ist aktuell in absoluter Top-Form, da kann Barcelona nur von Glück sprechen, dass Neymar weiterhin ausfallen wird.

Der andere Stürmer, der in guter Form ist, ist der Italiener Moise Kean, der am Spiel aber nicht teilnehmen wird, da er positiv auf Covid-19 getestet wurde.

PSG empfängt Barcelona also mit viel Selbstvertrauen, das weiß auch Koeman: „PSG ist stark und strebt den Sieg der Champions League an. Aber Barcelona geht immer raus auf das Spielfeld, um zu gewinnen und ich hoffe, wir können ihnen das Leben schwer machen“, sagte Koeman auf der Pressekonferenz. „Wir glauben an uns und werden die Mentalität zeigen, die wir schon lange an den Tag legen.“

Am Mittwochabend wird nun die Entscheidung fallen: Gehen die Freudentage in Barcelona weiter und gelingt den Katalanen die ‚Remontada 2.0‘, oder werden sie von einer starken Pariser Mannschaft wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt? 

 

Luis Manzi
Freier Sportjournalist
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