Vorsicht, Barça: Umschaltspiel als Dortmunder Spezialität

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Es ist ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe: Der FC Barcelona bestreitet sein Auftaktspiel in der Champions League bei Borussia Dortmund – und sollte gewarnt sein. Denn die Borussia ist daheim eine Macht – und unberechenbar. Die Stärken des BVB könnten exakt die Schwächen Barças aufdecken. 

Eine Einschätzung von schwatzgelb.de-Autor Christopher Giogios

Der Saisonstart von Borussia Dortmund gestaltet sich bislang geprägt von ähnlichen Höhen und Tiefen wie der des FC Barcelona. Auf dem Papier hat man zwar mit dem Gewinn des Supercups gegen den FC Bayern München (2:0), einem recht ungefährdeten Weiterkommen im DFB-Pokal gegen den KFC Uerdingen (2:0) und drei von vier gewonnenen Bundesligaspielen und Platz 2 eine zufriedenstellende Bilanz vorzuweisen. Gleichwohl hat vor allem das Auswärtsspiel bei Union Berlin (1:3) Sorgenfalten bei der BVB-Fangemeinde hervorgerufen.

Denn hier offenbarten sich einmal mehr – ähnlich wie beim Gastspiel in Köln – die altbekannten Schwierigkeiten der Borussia gegen vermeintlich schwächere tief stehende Gegner, die klug und engagiert verteidigen. Was in Köln allerdings noch ein gutes Ende nahm, führte in Berlin zu einer absolut verdienten Niederlage. Auffällig hierbei: der BVB lief oft einem (frühen) gegnerischen Rückstand hinterher und kassierte überdies zwei der fünf Gegentore in der Liga nach Eckballsituationen.

Favres BVB ist für seine Konterstärke bekannt

Um aber auch zum Positiven zu kommen: Nach der Länderspielpause meldete sich die Borussia mit einem eindrucksvollen 4:0-Heimsieg gegen Bayer Leverkusen zurück. Interessante Statistik: der BVB überließ Leverkusen vor heimischem Publikum freiwillig viel Ballbesitz (Bayer hatte satte 66 Prozent) und konnte sich so ein ums andere Mal durch gute Balleroberungen und das gewohnt starke Umschaltspiel hochprozentige Abschlüsse erarbeiten. Mit einer solchen Leistung, die vor allem defensiv enorm verbessert daherkam, erscheinen nicht nur die vor der Saison ungewohnt lautstark verkündeten Meisterschaftsambitionen im Bereich des Möglichen, sondern auch eine Überraschung gegen den FC Barcelona. Daheim hui, auswärts (vor allem gegen kleine, hochmotivierte und bissige Gegner) pfui. So gesehen gibt es Parallelen zwischen dem BVB und Barça – es ist ein Duell auf Augenhöhe.

Was gegen Leverkusen so hervorragend geklappt hat, könnte auch zur Blaupause für das Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona werden. Nach Ballgewinnen blitzschnell umschalten und in die Tiefe gehen – unter Trainer Lucien Favre die Spezialität des BVB. Doch Kapitän Marco Reus warnt davor, nicht zu defensiv zu agieren: „Wir müssen mutig sein, es bringt nichts, sich hinten reinzustellen. Und wenn wir den Ball haben, müssen wir mutig nach vorne spielen.“

Auch im Ballbesitz ist Dortmund jedoch stark, Reus, Brandt, Sancho, Hazard, Alcácer, Witsel, Guerreiro sind allesamt hervorragende Fußballer, die auch auf engsten Räumen kombinieren können. Der deutsche Vizemeister kann also aus verschiedenen Stilen kombinieren, das macht ihn so gefährlich – und unberechenbar.

Für das Spiel am Dienstag (21 Uhr, live auf Sky) kann Favre dabei mehr oder weniger aus dem Vollen schöpfen, da lediglich Nico Schulz und Barcelona-Eigengewächs und BVB-Neuzugang Mateu Morey verletzungsbedingt nicht zur Verfügung stehen.

Entscheidende Frage wird daher vor allem sein, wie der BVB im altbekannten 4-2-3-1 auf den Außenverteidigerpositionen sowie auf der Doppelsechs antreten wird. Nachdem anfangs auf der rechten Seite Lukasz Piszczek den Vorzug bekam, startete im letzten Spiel wieder Achraf Hakimi (und bereitete einen sehenswerten Treffer von Paco Alcacer vor), welcher seine Rolle allerdings offensiver interpretiert als sein polnischer Mannschaftskollege. Vielleicht zu offensiv für den oft sehr vorsichtig agierenden Favre?

Alcácer in blendender Form

Im defensiven Mittelfeld hat im Spiel gegen Leverkusen vor allem Thomas Delaney eine starke Partie abgeliefert und dürfte wohl auch wegen seiner Zweikampfstärke den Vorzug vor Julian Weigl bekommen. Offensiv stellt sich die Mannschaft derzeit mehr oder weniger selbst auf, dabei zeigt sich das Angriffstrio bestehend aus Alcacer im Sturm, Sancho auf der rechten Außenbahn und Reus im Zentrum zuletzt in in blendender Verfassung. 

Die Frage wird lediglich sein, wer über die linke Angriffsseite wirbeln wird: Die doch recht durchwachsene Vorstellung Julian Brandts gegen Bayer Leverkusen gibt Anlass für Spekulationen, ob vielleicht doch Neuzugang Thorgan Hazard auf der linken Seite beginnen wird. Die BVB-Aufstellung könnte daher wie folgt aussehen: 

Bürki – Guerreiro, Hummels, Akanji, Hakimi (Piszczek) – Delaney, Witsel – Brandt, Reus, Sancho – Alcacer.

Die Vorfreude in der BVB-Fanszene ist seit der Auslosung ungebrochen groß. Endlich einmal den großen FC Barcelona rund um den hoffentlich wiedergenesenen Lionel Messi im Westfalenstadion begrüßen zu dürfen ist genau das, was man sich von der Champions League erhofft. „Ich würde mich freuen, wenn er spielen würde. Er ist der beste Spieler der Welt“, sagte sogar Kapitän Marco Reus über Messi, der im Kader für die Partie steht.

Natürlich möchten es die Dortmunder Anhänger und Spieler aber nicht nur beim begrüßen belassen, sondern vielmehr für eine Überraschung gegen einen spanischen Topklub sorgen. Gute Erinnerungen hat die Borussia gegen spanische Aushängeschilder im Westfalenstadion gesammelt – fragt mal bei Cristiano Ronaldo und Real Madrid nach. 

Ein Gastbeitrag von schwatzgelb.de-Autor Christopher Giogios

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