Brennpunkte | Ter Stegen am Limit, de Jong und Roberto plötzlich Stürmer

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Ein unglückliches 0:1 im San Mamés bedeutete für den FC Barcelona den K.o. in der Copa del Rey. Dabei war man lange Zeit gut dabei und profitierte vom taktischen Kniff, Frenkie de Jong höher zu positionieren. Ebenfalls bemerkenswert: Marc-André ter Stegens riskante, aber auch oft erfolgreiche Pässe im Spielaufbau und Sergi Robertos interessante Rolle als Außenstürmer. Die Brennpunkte zum Spiel.

Spiel mit dem Feuer – ter Stegen als Spieleröffner

Durch Athletic Bilbaos starkes Pressing kam es oft dazu, dass die Innenverteidiger Gerard Piqué und Clément Lenglet keine andere Anspielstation fanden als Marc-André ter Stegen. Das ist an und für sich keine Besonderheit, der deutsche Keeper sorgt regelmäßig dafür, dass die Katalanen tief in der eigenen Häfte eine Überzahlsituation haben – gegnerische Teams so herauslocken, um dann Räume zu finden.

Doch gegen Athletic passierte es nun häufig, dass ter Stegen selbst keine sichere Anspielstation mehr vorfand. Zum Vergleich: Normalerweise passt ter Stegen im Falle eines starken Pressings entweder zum jeweils anderen Innenverteidiger oder wählt einen hohen und präzisen Pass auf den Außenverteidiger. Auch ein kurzer Pass auf einen sich nach hinten fallenden Mittelfeldspieler, der den Ball prallen lässt, ist oft zu beobachten. Alle drei Optionen waren gegen Athletic nicht möglich, da all diese Spieler beinahe in Manndeckung waren und ein Anspiel somit sehr gefährlich schien.

Daher blieb ter Stegen nur die Wahl eines riskanteren Passes. So versuchte er, mit scharfen und halbhohen Pässen die Pressinglinie des Gegners zu überspielen und direkt einen der Stürmer zu bedienen. Dies klappte beispielsweise mit Messi einige Male sehr gut, der den Ball hüfthoch annehmen und daraufhin einen Angriff starten konnte. Zu diesem Zeitpunkt, etwa zur Mitte der ersten Halbzeit, schlug ter Stegen dabei einige überragende Bälle, die auf diese Art gefährliche Offensivaktionen der Blaugrana einleiteten. Doch mit Dauer des Spiels erkannten die Basken diese Gefahr und es schoben immer einen Innenverteidiger mit Messi nach vorne.

Somit zwang er den Argentinier in Kopfballduelle – ter Stegen musste den Ball etwas höher spielen, um die Pressinglinie zu überbrücken -, die dann oft und in Anbetracht Messis Körpergröße verständlicherweise zugunsten der Hausherren ausfielen. Diese Ballverluste waren extrem gefährlich, weil Athletic Club nur einen kurzen Weg zum Tor der Blaugrana und viele Mitspieler in der Nähe hatten.

Ein weiterer riskanter Punkt waren die kurzen Pässe ter Stegens auf sich fallen lassende Mittelfeldspieler. Das Team aus Bilbao antizipierte diese Pässe sehr gut und brachte die Katalanen so oft in Bedrängnis. Gerade Rakitic hatte oft Probleme, den Ball nicht direkt zu verlieren, was allerdings den äußerst optimistischen Bällen ter Stegens ebenso anzukreiden ist wie Rakitic selbst.

Missverständnisse in solchen Situationen, wie sie gegen die Basken zu sehen waren, dürfen dann natürlich nicht passieren. Insgesamt kann man also konstatieren, dass ter Stegens Bälle beinahe immer am Limit waren. Zwar sorgte er für einige tolle Anspiele, riskierte aber manchmal auch zu viel und brachte damit seine Mannschaft in Bedrängnis.

 

Plötzlich wie Vidal – de Jong als Stoßspitze

In vorangegangenen Partien konnte oftmals beobachtet werden, dass dem FC Barcelona nach der Verletzung Luis Suárez’ ein echter Mittelstürmer fehlt. Das Zentrum blieb verwaist und bei Flanken oder scharfen Hereinhaben in die Mitte war das Zentrum schwach bis gar nicht besetzt. In diesem Zusammenhang berichteten wir einmal von der Qualität Arturo Vidals, ebenjene Räume zu besetzen und damit die Innenverteidiger zu binden.

Im Pokalspiel gegen die Basken übernahm genau diese Rolle nun Frenkie de Jong. Seit der Amtsübernahme Quique Setiéns sah man bereits des Öfteren, dass er de Jong in einer offensiveren Rolle als unter Valverde spielen lassen möchte. Gegen Athletic Club folgte jetzt der mit Abstand offensivste Auftritt.

Aufgrund der Tatsache, dass die offensive Dreierreihe aus Messi, Fati und Roberto, einem Mittelfeld- oder Abwehrspieler, bestand, hätte grundsätzlich die Schlagkraft nach vorne gefehlt. Vor allem ist keiner der drei Genannten dafür bekannt, das Zentrum zu besetzen. Diese Aufgabe kam nun de Jong zu, der in eigenem Ballbesitz immer ganz nach vorne ging und situativ fast schon in der Manier einer falschen Neuen bei den gegnerischen Innenverteidigern lauterte.

Rückblickend erfüllte de Jong seine Aufgabe dabei gut. Er startete auch oft Läufe in die Spitze, wie man das von Mittelstürmern gewohnt ist. Mit einem Messi als möglichem Vorlagengeber ist dieses Rezept durchaus vielversprechend. Noch dazu schaffte es de Jong, bei Flanken und Hereinhaben den Strafraum zu besetzen und somit eine mögliche Anspielstation anzubieten. Auch seine Läufe auf den ersten oder zweiten Pfosten konnten sich sehen lassen.

Leider konnte de Jong aber keinen wirklichen Profit aus seiner Leistung schlagen – bei seiner besten Aktion in Durchgang zwei tauchte er frei vor Keeper Unai Simon auf, suchte jeden das Foul statt den Abschluss – und bekam Gelb. Dennoch merkte man sofort, wie gut ein solcher Spieler dem gesamten System tut. Die Ballzirkulation erfolgte schneller und die Pässe konnten öfter vertikal in die Spitze gespielt werden.

In diesem Sinne könnte diese taktische Ausrichtung de Jongs mit Sicherheit in den kommenden Partien eine gute Idee darstellen. Die technischen und takstischen Fähigkeiten dazu besitzt er jedenfalls.

 

Roberto als Stürmer wenig erfolgreich

Der personelle Engpass sorgte dafür, dass Setién ungewöhnliche Maßnahmen ergreifen musste – so kam Sergi Roberto als rechter Außenstürmer zum Einsatz. Diese Rolle versuchte er zwar offensiv auszulegen, konnte aber nie wirklich Gefahr erzeugen. Nachdem Roberto kein Eins-gegen-eins-Spieler ist, waren seine Aktionen leicht vorherzusehen. Noch dazu ist er nicht der schnellste Spieler und brachte daher die gegnerische Abwehr auch in diesem Aspekt nicht ins Schwitzen.

Dafür ist ihm zu Gute zu halten, dass er dem Passspiel des FC Barcelona gut tat. Er fiel nicht von seinen Mitspielern ab und schadete dem Spiel auch nicht. Er sorgte lediglich nicht für offensive Überraschungsmomente. Dafür ist er aber auch einfach nicht der richtige Spielertyp, weshalb ihm deswegen kaum ein Vorwurf gemacht werden kann. Er wirkte bemüht auf der für ihn ungewohnten Position und versuchte mit Semedo in Kombinationen zu kommen.

Defensiv leistete er wiederum gute Arbeit und hielt seine Seite gemeinsam mit Semedo dicht. Besonders in Situationen, in denen beide die Gegenspieler stellen konnen, sah man, dass sie zusammen kaum jemals einen Basken durchlassen würden. In dieser Hinsicht stellte Robertos Aufstellung eine eindeutige Aufwertung in Bezug auf die Defensivarbeit dar, was beim energischen Pressing der Basken durchaus auch von Vorteil war.

Insgesamt ist es jedoch fraglich, inwiefern Robertos derart hohe Positionierung auf Dauer vielversprechend ist. Setién sollte auf jeden Fall auch an anderen Lösungen arbeiten, um die verletzungsbedingten Ausfälle im Sturm zu kompensieren.

 

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