Brennpunkte zum Pokalfinale | Barcelonas Mentalität eines Champions

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Beim Pokalsieg des FC Barcelona gegen Athletic Bilbao zog das willensstarke Barça wunderschöne Passstafetten auf und bestrafte so die passive Herangehensweise der Basken. Einsatz, Tempo, Wille – Barça hatte im Copa-Finale die Mentalität eines Champions. Die Brennpunkte zum Pokalfinale. 

Athletics Defensivtaktik geht nicht auf

Der FC Barcelona holte am Samstagabend im Olympiastadion zu Sevilla den ersten Titel seit dem Gewinn der Meisterschaft 2018/19. Dabei stieß die Blaugrana von Anfang an auf einen äußerst defensiv eingestellten Athletic Club, dessen Spieler offensiv kaum zum Zuge kamen. Das Team von Trainer Marcelino zog sich bei Ballbesitz Barças komplett zurück, sobald die erste Abwehrlinie bestehend aus Iñaki Williams und Raul Garcia überspielt wurde. Dann bildeten Los Leones direkt zwei Viererketten vor dem eigenen Strafraum, um sich mit so vielen Spielern wie möglich zwischen die Blaugrana und das eigene Tor zu stellen. 

Dabei fokussierten sich die Basken ganz klar auf die Raumdeckung. Der Plan war es, die Katalanen regelrecht auflaufen zu lassen. In der ersten Halbzeit wurden Sergiño Dest und Jordi Alba auf der Außenbahn immerhin noch in direkte Duelle verwickelt, wodurch den beiden antrittsstarken Flügelläufern häufig nur der Lauf zur Grundlinie blieb, die Konsequenz im Verteidigungsspiel ließ mit der Zeit jedoch nach.  

Doch auch im Zentrum ließ die Konsequenz der Raumdeckung Athletics im zweiten Durchgang nach. In Halbzeit zwei merkte man der Hintermannschaft der Basken die Überforderung bei schnellen Umschaltmomenten der Katalanen an. Komplett unorganisiert ließ man Antoine Griezmann und Frenkie de Jong zur Führung respektive zum 2:0 Barças einschieben. Auch in der 68. Minute kam kein Akteur in Rot-Weiß in einen Zweikampf – das 3:0 und die endgültige Vorentscheidung waren das Resultat.

Insgesamt blieb das Team aus dem Baskenland viel zu sehr auf das Verteidigen konzentriert, konnte kaum eigene Torchancen kreieren oder erfolgreiche Konter fahren, da man von der ersten Minute des Spiels an – speziell für ein Pokalfinale – extrem passiv auflief und nur durch Standards für etwas Gefahr sorgen konnte. Diesem blassen Auftritt der Basken stand jedoch ein entschlossener der Blaugrana entgegen. 

Barças schnelle und präzise Passstafetten 

Obwohl Ronald Koeman wohl schon eine aufs Verteidigen bedachte Truppe aus Bilbao erwartete, dürfte er vermutlich dennoch überrascht gewesen sein, wie defensiv und passiv die Löwen letztendlich agierten. Barça drängte den Gegner aber auch in die Defensive, zog sofort ein vertikales Spiel mit der Suche nach Lücken in der Verteidigungsreihe des Athletic Clubs auf. Über die volle Distanz hinweg ließ der FC Barcelona den Ball in Bewegung, hielt das Tempo hoch und spielte entschlossen und zielstrebig.

Sobald Gerard Piqué als zentraler Innenverteidiger in der Dreierkette in Ballbesitz war, schwärmten Oscar Mingueza und Clément Lenglet sofort in die offensiven Halbräume aus, um dem 34-jährigen Abwehrchef einen variantenreichen, offensiven Spielaufbau zu ermöglichen. Gerade in der Anfangsphase kam dieses Muster immer wieder zur Geltung. 

Den Spielaufbau riss nach ein paar Minuten dann Sergio Busquets an sich, indem er sich gegen einen tiefstehenden Gegner immer wieder in die eigene Hälfte fallen ließ und von da aus das Spielfeld vor sich hatte. Dass der 32-Jährige als Schaltzentrale im Mittelfeld fungiert, ist gerade in dieser Saison nichts Neues, am Samstagabend im La Cartuja war Barças Nummer 5 aber quasi alleine für das Transportieren des Balles zwischen Defensive und Offensive verantwortlich gewesen. Dies erlaubte es Pedri und de Jong, sich im letzten Drittel zu positionieren, wo es – sofern die Außenverteidiger am Ball waren – auch Busquets des Öfteren hinzog, um für Überzahlsituationen zu sorgen. 

In dieser gefährlichen Zone setzten die Akteure Barças immer wieder zu unwiderstehlichen Passstafetten an und überforderten den Gegner so vor allem in der zweiten Hälfte, der seinerseits kaum Druck erzeugen konnten. Sobald das Team von Trainer Marcelino in der Hälfte Barcelonas auftauchte, griff in der Regel Barças Herangehensweise in den Zweikämpfen, wo die Katalanen nahezu immer ihre Gegenspieler doppelten oder in wenig aussichtsreiche Zonen des Spielfelds drängten.

Vor den Augen von Spaniens König folgte jeder Treffer und nahezu jeder Offensivvorstoß des Teams aus Katalonien dem gleichen Muster: schnelle und präzises Pässe im letzten Drittel. Dabei unterschieden sich die Szenen jedoch am Ende meist leicht, was für das variantenreiche Spiel der Blaugrana spricht. Beim 1:0 wurde in den jeweils nächsten freien Raum herein gespielt. Das zweite und vierte Tor erfolgte nach einem Seitenwechsel, dem Los Leones nicht schnell genug folgen konnten und der dritte Treffer hätte die Barça-DNA sowie Lionel Messi als Einzelspieler nicht besser beschreiben können: Ein technisch hochwertiges Passspiel inmitten eines Antritts Messis, der wohl einige Culés vor den Bildschirmen an seinen Treffer im Pokalfinale 2015 gegen den gleichen Gegner erinnert haben dürfte. Der FC Barcelona zeigte sich spielerisch mal wieder von seiner allerschönsten Seite. 

 

Barça mit der Einstellung eines Pokalsiegers 

Um die Copa del Rey zu gewinnen, bedarf es in der Regel einer kämpferischer Leistung eines jeden Spielers. Genau das scheint Ronald Koeman seiner Mannschaft vor der Partie mitgegeben zu haben. Das Team trat auch in diesem Spiel als geschlossene Einheit auf, in der jeder für den anderen ackerte. Von Beginn an legten die Katalanen eine Körpersprache an den Tag, die klar ausdrückte, wer nach 90 Minuten den Pokal in die Höhe stemmen würde.

Auch in hart geführten Zweikämpfen blieben die Spieler Barças meist standhaft und bestritten diese mit voller Entschlossenheit; sowieso waren es meist sie, die aktiv in die Duelle gingen, während die Akteure des Athletic Clubs meist überhaupt nicht in die Zweikämpfe kamen – und falls doch, waren sie meistens einen Schritt zu spät oder stellten sich zu ungestüm an. Die Blaugrana wiederum war an diesem Abend stets einen Schritt voraus, ging bei Ballverlust sofort ins Gegenpressing und kämpfte um die zweiten Bälle.

Die Katalanen agierten insgesamt einfach spritziger als Athletic, lauerten auf die Fehler des Gegners und blieben das ganze Spiel über wachsam. Der vom Athletic Club erwartete Kampfgeist wurde am Samstagabend vor allem durch den FC Barcelona gezeigt. Mit Vereinstitel Nummer 92 ist man nun mit Real Madrid gleichgezogen. Ob sich einer der beiden Vereine in diesem Jahr noch den 93. Titel holt, werden die nächsten Wochen zeigen. Mit dem Gewinn der Copa del Rey belohnte sich der FC Barcelona jedenfalls für die grandiose Entwicklung der letzten Monate schonmal vorzeitig. 

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