Clásico – Wer gesellt sich zu Piqué?

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Das Jahr 2013 wird gerade einmal 30 Tage alt sein, wenn zwei Fußballgroßmächte den Boden zum Beben bringen und die Emotionen hochkochen lassen. Es steht viel mehr auf dem Spiel als nur der sportliche Erfolg, namentlich die Ehre schlechthin, die von den Spielern als Stellvertreter mit unnachgiebigem Einsatz verteidigt werden soll. Und das nicht etwa auf einer umgrenzten Rasenfläche, sondern in einem Teufelskessel, bei dem es kein Entrinnen gibt und nur der unbedingte Glaube an die eigenen Stärken den Sieg bringt. Wer emotional nicht betroffen ist, schaut ungläubig drein ob dem Treiben der Protagonisten und ihrer Gefolgsleute. “Ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende siegen die Deutschen”, lautet ein allseits bekanntes Sprichwort. Ein Clásico hingegen dauert zwei Wochen und bringt zwei Sieger hervor – den FC Barcelona und in der postmedialen Berichterstattung Real Madrid. Eine Lösung, mit der alle Seiten – bei aller Rivalität – leben können. Damit dies weiterhin so bleibt, müssen die Verfechter des Totaalvoetbol an ihrer Verteidigungsstrategie feilen. Wer kann das katalanische Tor besser behüten: Das Kämpferherz Mascherano oder Capitano Puyol?

Puyol und Mascherano überzeugen gegen Osasuna

Obschon die Defensive des FC Barcelona unter Berücksichtigung der taktischen Elemente im Spiel im Vergleich zu anderen Mannschaften keine beneidenswerte Aufgabe innehat, neigt sie doch in dieser Saison zu leichten und ärgerlichen Fehlern. Wenn Víctor Valdés – alternativ Pinto – hinter sich greifen muss, dann geht diesem unschönen Ereignis für gewöhnlich eine Spielsituation voraus, die man den Kuriositäten zuordnen kann. Häufig aber verfehlen einzelne Spieler ihre Leistungsgrenze und begünstigen das zumeist unverhoffte Tor für den Gegner. Gegen Real Madrid, das lehrt uns die Vergangenheit, werden individuelle Unzulänglichkeiten, natürlich auch taktische Fauxpas, hart bestraft. Der Aufstellung und der taktischen Ausrichtung kommt deshalb eine überragende Bedeutung zu, während beim normalen Spielbetrieb bestimmte Missstände durch die Klasse einzelner Spieler kaschiert werden können. Die Luft zum Atmen wird enger, der Spielraum für Fehler kleiner. 

Die Frage nach dem von Vilanova präferierten Kollektiv stellt sich nach den vergangenen Wochen kaum mehr. Das zeitgleiche Aufgebot von Fàbregas und Iniesta im Halbfinalhinspiel der Copa del Rey ist ein offenes Geheimnis, und auch ansonsten gibt es an der Besetzung der Kreativposten kaum Zweifel. Nur die letzte Absicherung vor dem eigenen Tor vermag noch etwas Spannung zu vermitteln. Nach den zuletzt überzeugenden Vorstellungen steht Dani Alves in der Gunst von Vilanova zurzeit weit oben, was die Position des rechten Verteidigers anbetrifft. Auf der Gegenseite wird der quirlige Jordi Alba, welcher im Spiel gegen Osasuna eine Schaffenspause bekam, sein Können darbieten. Alles andere als gewiss ist jedoch das Duo in der Innenverteidigung. Die Formkurve von Gerard Piqué nähert sich gerade ihrem Zenit, was ihn für den Trainer in solch einem wichtigen Spiel unentbehrlich macht. Die rote Karte gegen Sociedad gab dem Spieler zudem die notwendige Zeit, um seinen Fokus auf Mittwochabend zu richten. Damit verbleibt im Team noch eine vakante Position, die Vilanova entweder mit Carles Puyol oder Javier Mascherano ausfüllen kann. Keine leichte Entscheidung, beide Spieler konnten gegen Osasuna überzeugen und ihre Berücksichtigung im Clásico bewerben. 

Mascherano – Guter Überblick und enge Ballführung

Welchem Spieler der für seinen analytischen Sachverstand bekannte Vilanova das Vertrauen ausspricht, hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem auch der erwarteten Vorgehensweise des Gegners. Sollte Mascherano für seine Leistung gegen Osasuna mit einem Einsatz belohnt werden, wäre mit dem Argentinier ein Spieler auf dem Feld, der für den Fall einer hohen Verteidigung von Real Madrid Möglichkeiten besitzt, diese auszuhebeln. Dank seiner geringen Körpergröße besitzt Mascherano eine gute Beschleunigung, wodurch er sich dem Zugriff der Gegner entziehen und den Ball nach vorne tragen kann. In Spielen gegen die Königlichen hat der Spieler schon oft diese Option gewählt, wenn zu viele Anspielstationen zugestellt waren oder ein Weiterleiten des Balles mit einem unverhältnismäßigen Risiko verbunden war. Auch seine Endgeschwindigkeit ist solide, seine Ballführung im vollen Lauf nicht zu bestandanden. Nicht weniger wertvoll ist Mascheranos Verständnis für freie Räume im Offensivspiel. Exemplarisch für seine Offensivqualitäten ist sein akkurates Zuspiel in den Lauf von Pedro im letztjährigen Supercopa-Clásico. Der Stürmer verarbeitete den Ball weltklasse und egalisierte die Führung der Madrilenen. Das Auge des Argentiniers überblickt stets das gesamte Feld und sieht sofort, wenn die Abwehr des Gegners zu hoch positioniert ist. Ein Attribut, das ihn für das Clásico qualifizieren könnte wie auch seine Fähigkeit, präzise Bälle zu spielen. Schließlich ist für Mascherano seine Verbissenheit im Zweikampf anzuführen, wenngleich ihm seine kompromisslose Art der vergangenen Saison etwas abhandengekommen ist. 

Wille, Entschlossenheit und ein unverblümtes Spielerdasein charakterisieren auch das Wesen von Carles Puyol und befähigen ihn damit ebenso zu einer Hauptrolle im kommenden Action-Thriller. Kaum ein Spieler bei den Katalanen kann allein durch seine Anwesenheit den Gegenpart einschüchtern. Wenn Carles Puyol sich vor das Tor postiert, dann erwartet die gegnerischen Speerspitzen heftige Gegenwehr – meist auch seelischer und körperlicher Schmerz. C. Ronaldo ist hierfür der beste Zeitzeuge, bereits bei dem kleinsten Gedanken an den Innenverteidiger dürften die Tränen fließen. Mit Puyol hält mehr als nur irgendein Spieler Einzug auf dem Rasen, er ist eine katalanische Institution, die der Mannschaft Halt und Kraft verleiht. Im Verhältnis zu Mascherano werden aber auch gewisse Defizite im spielerischen Segment offenkundig. Nur selten sieht man ihn bei Vorstößen ins Mittelfeld, um dem gegnerischen Druck zu entgehen. Seine technischen Möglichkeiten sind limitiert, damit einhergehend die Fähigkeit, den Ball im vollen Lauf nah am Fuß zu führen. Die Madrilenen könnten diese Schwächen für ihre Zwecke ausnutzen, indem sie sich beim Pressing sehr breit aufstellen und darauf hinwirken, dass Puyol an den Ball kommt. Sofern es den Mannen von Mourinho dann noch gelingt, alle Passoptionen zu versperren, wäre Puyol starkem Druck ausgesetzt, dem er sich aufgrund seiner Spielernatur nur schwer entziehen könnte. 

Puyol – Eine Führungsfigur

Kein Spieler ist perfekt, auch Puyol nicht. Er hat andere Vorzüge, die ihn neben den bereits genannten privilegieren. Das Kapitänsamt ist im heutigen Fußball trotz der akribischen Vorbereitung der Spieler auf eine Partie immer noch von großer Bedeutung. Der Kapitän gilt als der verlängerte Arm des Trainers, der auch komplexe taktische Anweisungen an die Spieler heranträgt und den “Kern im Inneren zusammenhält”. Eine Vertrauens- und Respektperson für die Spieler, an die sie sich jederzeit halten können. Die Art und Weise, wie Xavi seines Amtes waltet, wenn Puyol auf der Bank oder Tribüne Platz nimmt, ist nicht zu beanstanden. Dennoch ist Puyol der erste Kapitän des FC Barcelona, der durch seine Nähe zu den anderen Verteidigern dem Abwehrverbund noch zusätzliche Stabilität geben kann, indem er Nachlässigkeiten im Defensivverhalten mit Nachdruck unterbindet. Javier Mascherano kann in den Bereichen der Erfahrung und der Führungsqualität nicht annähernd an den Kapitän heranreichen. Auch seine unter Beachtung der vergangenen Saison suboptimalen Vorstellungen in dieser Spielzeit lassen Zweifel an seiner Konstanz. 

Aus der Sicht von Tito Vilanova besteht auch kein unbedingtes Bedürfnis für einen zusätzlichen spielmachenden Abwehrspieler neben Gerard Piqué. Dass Letzterer ebenfalls mit Pressingsituationen hervorragend umgehen kann – insbesondere in der derzeitigen Verfassung -, ist allgemein bekannt. Der Gefahr, dass Puyol zur Zielscheibe des Pressings der Madrilenen wird, kann der Trainer durch leichte taktische Veränderungen entgegensteuern. Letztlich sollte man sich stets vor Augen halten, dass Duelle gegen Real Madrid immer sehr fordernd sind und ein Rückstand aus dem Nichts Realität werden kann. Mit seiner Kopfballstärke kann der Kapitän der Mannschaft zu unkonventionellen Toren verhelfen, was in der Vergangenheit bereits einige Male deutlich geworden ist. Zudem entschärft er mit seinem guten Kopfballspiel das Ungleichgewicht im eigenen Strafraum, das von der körperlichen Unterlegenheit der Katalanen herrührt. Alles in allem dürfte Puyol in der Gunst des Trainers vorne liegen und gegen Real Madrid zum Zug kommen. Zusammen mit Piqué und den Flankenspielern Alves und Alba wäre die Defensive des FC Barcelona gut aufgestellt, um das Spiel relativ schadlos zu überstehen.

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