Brennpunkte | Mit dem 4-3-3 zum Erfolg: Setién konservativ und erfolgreich

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Mit einem souveränen 5:0 fertigte Barça den CD Leganés ab und zog damit verdient ins Viertelfinale der Copa del Rey ein. Der Schlüssel zum Erfolg war die Rückkehr zum altbekannten 4-3-3 sowie eine vermehrte Präsenz im gegnerischen Strafraum. Während das Offensivspiel gefiel, wackelte jedoch die Defensive. Die Brennpunkte zum Spiel.

Erstmals 4-3-3 unter Setién

Nach dem schmerzhaften 0:2 gegen Valencia stellte Quique Setién sein System um und setzte dabei zum ersten Mal in seiner kurzen Amtszeit beim FC Barcelona auf eine klassische Viererkette. Vor allem die noch fehlende Eingespieltheit und die zu großen Lücken beim Spiel mit einer Dreierkette traten in den ersten drei Partien deutlich zu Tage. Daher entschied sich Setién vermutlich, gegen Leganés wieder ein für die Spieler vertrautes System anzuwenden – das barçatypische 4-3-3.

Die Aufstellung ähnelte dabei derjenigen, die schon unter Valverde öfter in dieser Saison zu sehen gewesen war. Vor ter Stegen spielten Gerard Piqué und Clément Lenglet als Innenverteidiger. Der Franzose spielte an Stelle Samuel Umtitis, der zuletzt bei Setién die Nase vorn zu haben schien – und zeigte eine gute Partie.

Die Rückkehr zu dieser etablierten Formation hatte auch sofort einige positive Auswirkungen auf den Spielfluss. Zwar konnte (spielerisch) beileibe nicht von einem Spektakel die Rede sein – dafür war der Gegner auch zu schwach und Barcelona zu überlegen – doch fanden sich die Spieler wesentlich besser auf dem Platz zurecht, als das noch gegen Valencia der Fall gewesen war. Gerade in Bezug auf das Positionsspiel und die Abstimmung wirkte vieles harmonischer.

Nachdem das 4-3-3 von Valverde immer genutzt worden ist, scheint das auch wenig verwunderlich. Interessant wird jedoch zu beobachten sein, ob Setién nun nach diesem überzeugenden Sieg in den nächsten Spielen wieder ein 4-3-3 präferiert oder doch zur Dreierkette zurückkehrt.

 

De Jong und Vidal attackieren

Gegen Leganés konnte eine eindeutige Leistungssteigerung in der Offensive ausgemacht werden. Griezmann stand nominell als Neuner eher im Zentrum, während Ansu Fati links das Spielfeld breit machte. Messi genoss natürlich alle Freiheiten und trieb sich vor allem halbrechts herum. Dadurch, dass auch Vidal von Beginn an auf dem Platz stand, hatte man aber noch ein weiteres Element in der Offensive, das sich in der Nähe der gegnerischen Innenverteidiger aufhielt. 

Die Vorteile dessen haben wir schon im Spiel gegen Valencia beleuchtet. So herrschte generell mehr Betrieb und Griezmann war nicht derart auf sich allein gestellt.

Neben Vidal fand sich aber eben auch de Jong überraschend oft nahe der gegnerischen Viererkette wieder. Er hielt sich logischerweise eher rechts auf und stellte eine Anspielstation für Messi und Semedo dar, die diese Seite primär beackerten. Auch de Jong stieß oft weit nach vorne, agierte zuweilen immer wieder im Zehnerraum.

Ermöglicht wurde diese offensive Positionierung der beiden Mittelfeldspieler durch Leganés‘ sehr passives Verhalten und die kluge Verteilung der Bälle durch Piqué, Lenglet und vor allem Busquets. Diese drei schafften es meist, ohne weitere Hilfe von Mittelfeldspielern direkt den Ball ins letzte Drittel zu passen. Bei einem aktiveren Pressing des Gegners wäre das natürlich nicht so einfach möglich gewesen. Außerdem stand Leganés teilweise extrem tief, was es Barça erleichterte, schon nahe am Strafraum zu kombinieren.

Gerade de Jongs Position schien Setién angepasst zu haben, der Niederländer bekam den Auftrag, diesmal offensiver zu agieren, in Räume weiter vorne vorzustoßen. Das offenbarte der Trainer nach dem Spiel: “De Jong hat [bis dato] quasi als defensiver Mittelfeldspieler agiert und nun verlangen wir von ihm, in Zonen weiter vorne zu spielen. Er wird Dinge sicherlich immer besser verstehen”, so Setién. Gegen Leganés ging diese taktische Anpassung auf, Barças Mittelfeldspiel war viel flüssiger als zuletzt.

Defensive dennoch anfällig – schwaches Nachrücken

Trotz des guten Ergebnisses und des Sieges ohne Gegentor ist nicht alles Gold, was glänzt. Gerade in der Rückwärtsbewegung wurde wieder einmal offensichtlich, dass zu große Lücken für den Gegner bestehen. Leganés ist nicht für seine Offensivstärke bekannt und dennoch schafften sie es, zu elf Torschüssen zu kommen. Die mangelnde Qualität im Abschluss sorgte zwar nie für wirkliche Gefahr bei ter Stegen, doch die Existenz dieser Räume und Chancen kann nicht gutgeheißen werden.

Dass die Blaugrana bei Kontern Probleme hat, ist kein neues Problem mehr. Allerdings sucht man bisher vergebens nach einer Besserung beziehungsweise Behebung dieser Baustelle. Manchmal ließ das Mittelfeld die eigene Viererkette allein verteidigen, lief nicht schnell genug mit nach hinten und ermöglichte dem Gegner somit Gleich- oder sogar Überzahl. Dazu kommen noch individuelle Fehler in der Defensive oder beim Spielaufbau, die in dieser Form einfach nicht passieren dürfen.

Bei den anstehenden wichtigeren Partien der Saison könnte diese teils leichtfertige Verteidigung dann konsequent ausgenutzt werden. Nicht nur die kleinen Teams haben mittlerweile gesehen, wie man Barça wehtun kann. Infolgedessen wird eine der Hauptaufgaben Setiéns darin bestehen, neben dem Offensivspiel auch das Defensivverhalten anzukurbeln.

Mit Griezmann hätte man sogar einen Stürmer zur Verfügung, der sich für die Arbeit nach hinten nicht zu schade ist. Dementsprechend besteht auch Anlass zur Hoffnung, die Konterschwäche könnte sich im Laufe der Saison noch legen. Derlei Prozesse benötigen aber mit Sicherheit mehr Zeit und werden erst im Laufe der Monate ersichtlich werden. Dennoch lohnt es sich, diese Entwicklung im Kopf zu behalten.

 

 

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