Koemans taktische Kniffe, fehlender Mut im Abschluss und die zwei Gesichter der Innenverteidiger

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Ronald Koeman ist auch gegen Valencia von seinem bevorzugten 4-2-3-1 abgekehrt und hat auf eine Art 4-3-3 gesetzt, doch diesmal ohne Durchschlagskraft, obwohl er einen offensiven Ansatz wählte. Derweil hatte das junge Innenverteidiger-Duo Óscar Mingueza und Ronald Araújo einige Probleme. Die Brennpunkte.

4-3-3: Koemans taktische Kniffe

Während in den vergangenen Wochen Ronald Koeman immer wieder für das starre Festhalten an seinem favorisierten 4-2-3-1-System trotz der schwankenden Leistungen der Blaugrana kritisiert wurde, fällt der Cheftrainer zunehmend dadurch auf, neue Lösungsansätze zu präsentieren. Auch im Spiel gegen die Fledermäuse aus Valencia war das so, auch wenn es trotz hoher Ballbesitzanteile nicht mehr als zu einem Punktgewinn gereicht hat.

Koeman wählte wieder eine Art 4-3-3, das in der Vergangenheit des Klubs bekanntermaßen für viel Erfolg sorgte, von dem Niederländer aber anders interpretiert wird. Barça war stets auf der Suche nach einer Lücke in den dichten Defensivreihen der Gäste. Koeman hoffte auf Durchschlagskraft, indem so viele Spieler wie möglich am Offensivspiel teilnahmen.

Wurden vor ein paar Wochen noch fehlende Breite und Tiefe im Spiel Barças bemängelt, erzeugten die Außenverteidiger Jordi Alba und Sergiño Dest wie zuletzt gegen Levante und Real Sociedad auch mit Läufen an die Grundlinie diese. Insbesondere Alba hatte einen aktiven Tag, vieles ging über seine Seite – auch wenn dem Dauerläufer in diesem Spiel die Müdigkeit anzusehen war, denn die Präzision und Durchschlagskraft ging ihm in seinen Aktionen diesmal ab (Barçawelt-Punkte: 5). Natürlich mit einer großen Ausnahme: Der 31-Jährige legte mit einer abgefälschten Hereingabe das 2:1 für Lionel Messi auf.

In der vordersten Reihe standen derweil nicht selten gleich fünf Spieler auf einer Linie. Die Außenverteidiger ummantelten das Offensivtrio Martin Braithwaite, Antoine Griezmann und Messi. Dahinter bespielten die Achter Philippe Coutinho und Pedri den Raum rund um den Sechzehner, Sergi Busquets leistete derweil mit den Innenverteidigern Absicherung.

Die Rolle Braithwaites stach erneut heraus, schließlich agierte der gelernte Stürmer wieder auf dem linken Flügel und sollte von dort aus in den Strafraum starten und für Unruhe sorgen. Das gelang dem Dänen jedoch nur bedingt. Braithwaite ist zwar sichtlich bemüht, endlich eine ernsthafte Rolle im System zu spielen, aber gerade das technische Niveau und Gespür für Situationen geht ihm merklich ab. Im Schlussspurt der Partie zog es den Angreifer immer mehr ins Zentrum, ohne jedoch für wirklich Gefahr zu sorgen.

 

Fehlender Mut im Abschluss

In den vergangenen Partien war die schwache Chancenverwertung oft ein Kritikpunkt für die schwankenden Leistungen der Blaugrana. Leichtfertig gingen die Akteure diesmal zwar nicht mit Großchancen um, dafür aber machten sie zu wenig aus eigentlich guten Schusspositionen. Oft waren die Koeman-Schützlinge rund um den gegnerischen Strafraum aktiv, hielten das Spielgerät auch auf engstem Raum, doch die Zentrumsspieler fassten sich nur selten wirklich ein Herz und stellten Gäste-Schlussmann Jaume Domenech damit nicht besonders häufig vor ernsthafte Herausforderungen – mit Ausnahme der Schlussphase, als Mingueza und Coutinho es zielstrebig versuchten.

Bis dahin war aber sehr auffällig: Immer wieder wurde der Ball quer gespielt, insbesondere Pedri, der sehr aktiv war und im Herzen des Spiels die Fäden zog (Barçawelt-Punkte: 6) traute sich nicht, auch mal einen Versuch aus der zweiten Reihe abzugeben.

Coutinho zeigte in einer Situation im zweiten Durchgang aber, wie es hätte laufen können: Der Brasilianer gab vom linken Flügel nach innen ziehend einen Warnschuss ab, der das Tor am langen Pfosten nur unweit verfehlte und beinahe für die späte Führung gesorgt hätte (78.), das Glück war in dem Fall nicht auf seiner Seite. Aktionen wie diese suchte man ansonsten in der Partie aber vergeblich, gerade von den Außenpositionen oder zentral vor dem Sechzehner.

Mingueza und Araújo mit unterschiedlichen Gesichtern

Zum zweiten Mal in Folge durften Óscar Mingueza auf der linken sowie Ronald Araújo auf der rechten Seite in der Innenverteidigung starten. In der Partie gegen die Fledermäuse zeigten die Eigengewächse unterschiedliche Gesichter.

Mingueza, der erst sein siebtes Pflichtspiel überhaupt mit den Profis absolvierte, kämpfte erneut mit der Umstellung in die höhere Klasse – weshalb sich der eine oder andere Fehler in das Spiel des 21-Jährigen eingeschlichen hat. Zu Beginn wirkte der Verteidiger noch sicher, mit fortlaufender Spieldauer wurde es fahriger. 

Schon bei der großen Kopfballchance durch Maxi Gomez vor der Pause tauchte der Barça-B-Verteidiger unter der Flanke hindurch, beim 2:2-Ausgleichstreffer kam der 21-Jährige bei der flachen Hereingabe einen Schritt zu spät gegen den abgezockten Gómez, den späteren Endstand markierte (69.) – zu diesem Zeitpunkt total aus dem Nichts.

Araújo dagegen zeigte erneut einen durchweg soliden Auftritt, rechtfertigte mit seiner Leistung nicht nur seinen Startelfeinsatz, sondern empfahl sich auch für die kommenden Aufgaben. Dabei wäre es in der ersten Halbzeit beinahe zu einem frühen Wechsel gekommen, als der Uruguayer behandelt werden musste und für einen Augenblick nicht mitwirken konnte (28.).

Der Rechtsfuß verteidigte das eigene Gehäuse, glänzte darüber hinaus sogar auch als Torschütze. Mit seiner Vorstellung verdiente sich die Nummer 4 nicht nur die Barçawelt-Note 8, sondern wurde von der Redaktion auch zum „Man of the Match“ gewählt.

Am kommenden Dienstag schon (22 Uhr) gastiert die Blaugrana bei Real Valladolid, dort wird Araújo sicherlich erneut gesetzt sein – möglicherweise kehrt Clément Lenglet in die Anfangsformation zurück. Denn Mingueza zeigt zwar vielversprechende Ansätze, aber auch viel Licht und Schatten.

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