Kommentar | Der größte Sieg der Culés seit langer Zeit: Bartomeu ist Geschichte

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Die Schreckensherrschaft des Josep Maria Bartomeu ist beendet. Nach langen Diskussionen um seine Person tritt der Mann ab, der die Werte des FC Barcelona in den letzten Jahren mit Füßen getreten hat. Die Hoffnung auf Besserung kehrt zurück, der größte Sieg der Culés ist geschafft. Ein Kommentar.

Nicht nur Monate, sondern Jahre: Lange Zeit stand er im Mittelpunkt der Kritik vieler Culés. Am Abend des 26. Oktobers 2020 stellte sich ein sichtlich angeschlagener Josep Maria Bartomeu vor die Presse und gab eine Erklärung ab, die wohl kaum jemanden zufrieden stellte, dem das Wohl und die Werte des Vereins am Herzen liegen.

Es wurde spekuliert, Bartomeu und sein Vorstand könnten aufgrund des anstehenden Misstrauensvotums am Montagabend zurücktreten, doch nachdem der zu dem Zeitpunkt Noch-Präsident des FC Barcelona ein gehaltloses Statement auf der eigens anberaumten Pressekonferenz verlas, in dem er lediglich das örtliche Gesundheitsministerium angriff, machte sich Resignation im Fanlager der Katalanen breit.

Natürlich trat Bartomeu am Montagabend nicht zurück. Er verlangte eine Entscheidung der Behörden, aufgrund der Corona-Situation die Abstimmung über seinen Amtsverbleib zu verschieben. Der Mann, der nach den größten sportlichen und wirtschaftlichen Misserfolgen der Vereinsgeschichte weiter auf seinem Posten beharrte, würde doch nicht wegen so einer Lappalie abtreten; dachten sich zumindest die Anhänger Barças.

Bartomeus Rücktritt überrascht

Doch das Gesundheitsamt antwortete zügig, wollte nicht in die Entscheidungsprozesse eines mitgliedergeführten Vereins eingreifen und gab grünes Licht für die Durchführung der Misstrauens-Abstimmung unter den von Barça ausgearbeiteten Bedingungen.

Der Aufschub des Votums, Bartomeus letzter Strohhalm, war vom Tisch. Fast exakt 24 Stunden nach der Erklärung vom Montagabend trat Bartomeu am Dienstagabend erneut vor die Medien und sprach zur Überraschung der meisten nun doch die Worte aus, auf die die Culés so sehnsüchtig gewartet hatten: “Hiermit gebe ich meinen Rücktritt und den der Vorstandsmitglieder bekannt!”

Der Tag war tatsächlich doch noch gekommen, auf Social Media zeigten sich wahre Jubelstürme, diverse Memes wurden ausgepackt. Für Barçafans fiel eine derartige Last ab, dass sich manch einer wie Frodo gefühlt haben muss, als dieser den einen Ring der Macht zerstört hatte – “it’s done”, Josep Maria Bartomeu, der Sauron in Barcelonas Mittelerde, war besiegt.

Der Druck wurde zu groß, der Ex-Präsident sah keinen Ausweg mehr, schob fadenscheinige Bedenken ob der Gesundheit der Abstimmenden oder die mangelnde Vorbereitungszeit als Ausreden vor, dabei hatte er noch einen Tag zuvor bekundet, zu keinem Zeitpunkt Rücktrittsgedanken gehegt zu haben.

 

Dass Bartomeu seine Niederlegung des Amtes nun als “wohl überlegte Entscheidung” präsentierte, passt ins Bild des Mannes, den Mannschaftskapitän Lionel Messi in diesem einen Interview des Wortbruchs bezichtigte und so die ganze Debatte über dessen Position neu aufgerollt hatte, sie sogar auf die Spitze trieb – und sich als der Tropfen herausstellte, der das Fass letztendlich zum Überlaufen brachte.

Vereinslegenden stellten sich gegen Bartomeu

Ein sportliches Projekt fehlte dem Club seit Jahren. Bartomeu setzte zu lange auf ausgediente Spieler und konnte weder auf der Position des Trainers noch der des Sportdirektors einen starken Mann mit eigenen Ideen integrieren – oder wollte es nicht.

Zudem jagte ein Skandal den nächsten. Es begann mit dem ominösen Neymar-Deal, der bereits seinen Vorgänger und engsten Vertrauten Sandro Rosell das Amt kostete, breitete sich über Beziehungen zu Katar aus und endete im Disput mit aktuellen Spielern und ehemaligen Vereinslegenden.

Josep Guardiola verließ den Verein aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Vorstand, Xavi Hernández und Carles Puyol lehnten die Positionen des Trainers und Sportdirektors ab. Die Werte des FC Barcelona, unter dem Motto “més que und club”, trat Bartomeu mit Füßen – Schmähkampagnen, beispielsweise gegen Gerard Piqué, in den sozialen Netzwerken inklusive.

Junge Talente aus La Masia bekamen ebenfalls kaum noch eine Chance oder wanderten reihenweise zur Konkurrenz ab, stattdessen wurden lieber Spieler anderer Vereine für viel Geld abgeworben, was den Club zusätzlich zu den ohnehin schon absurden Gehaltskosten weiter in den finanziellen Ruin trieb. Die sportlichen Blamagen in Rom, Liverpool und Lissabon gingen spurlos und ohne Konsequenzen an Bartomeu vorbei, der Vorstand hatte kein Konzept, um diese dunklen Zeiten zu überstehen.

Die Hoffnung kehrt zurück

Doch dieser Dienstag, der 27. Oktober 2020, könnte als ein wegweisender Tag in die Geschichte des FC Barcelona eingehen. Es besteht erstmals seit zehn Jahren wieder die Hoffnung, dass der Verein zu seinen Werten und Traditionen zurückkehren kann.

Nicht jedes Jahr muss das Triple geholt werden, wenn man dafür die Philosophie und Vorstellungen beispielsweise eines Johan Cruyff wieder klar im Club und der Mannschaft erkennen kann, wenn ein vernünftiges sportliches Konzept vorliegt, das auf den Grundwerten der Blaugrana aufbaut und nicht von Marketing und Umsatzerlösen geprägt wird.

Auf den zukünftigen Präsidenten des FC Barcelona kommt aufgrund des Chaos, das Bartomeu hinterlässt, natürlich eine Herkulesaufgabe zu, doch der größte Sieg Barças der letzten Jahre ist geschafft: Josep Maria Bartomeu ist Geschichte!

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