Barças Leihabgaben im Blickpunkt: Alen Halilović, Cristian Tello oder Martín Montoya eine Überlegung wert?

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In den vergangenen Tagen hat sich mit dem Weggang von Dani Alves und Marc Bartra so etwas wie ein inoffizieller Umbruch in den Reihen des FC Barcelona angekündigt. Dieser könnte fundamentalere Auswüchse nach sich ziehen, als zunächst erwartet: Schnell war im Gerüchterummel die Rede von Transferzielen wie Héctor Bellerín, Mauricio Lemos oder Aaron Ramsey. Sogar an Mittelfeldmotor und Standard-Ass Miralem Pjanić sollen die Katalanen mittlerweile Interesse geäußert haben. Für uns Culés Grund genug, um die Leistungen der Spieler, die man selbst zur Leihe abgegeben hat – Alen Halilović, Cristian Tello, Martín Montoya und Alex Song – als potentielle „Neuzugänge“ genau unter die Lupe zu nehmen.

Am Samstag hat Barça noch einmal auf die zurückliegenden Saisons seiner vier Leihabgaben hingewiesen. Während das kroatische Top-Talent Halilović zum Liga-Rivalen Sporting Gijón abgegeben wurde, fand Barça-Eigengewächs Tello seinen neuen Arbeitgeber zunächst in Portugal, dann in Italien. Montoya, der ebenfalls aus der klubeigenen Ausbildungsstätte stammt, spielt aktuell in Spanien. Derweil kickt der ehemalige Arsenal-Spieler Song mehr oder minder auf der Insel. Wir haben die Saison-Leistungen der Spieler zusammengefasst, kommentiert und eingeschätzt. Nachfolgend erfahrt ihr außerdem über ihre Stärken und Schwächen. Dass der eine oder andere verlorene Sohn den Weg zurück auf die Trainingsanlagen im Herzen Kataloniens finden könnte, halten wir nicht für ausgeschlossen.

Alen Halilović: Messi-Prototyp 2.0

Der Spieler, der von seiner Leihe bislang am meisten profitierte, ist zweifelsfrei Halilović, der die vergangene Saison unter der Regie vom ehemaligen Barça-Verteidiger Abelardo Fernández Antuña bei dem asturischen Fußballverein Sporting Gijón verbrachte. Der Youngstar bestritt 36 von 38 Liga-Spielen, von welchen er in 24 Matches in der Startformation auftauchte. In 12 Auftritten musste der 19-Jährige Kroate seinen Mannschaftskollegen zunächst von der Einwechselbank zusehen, eher er selbst Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen durfte. Insgesamt schaffte es Halilović auf 2347 Spielminuten und bewies gerade im Endspurt der Saison ein hohes Maß an Kreativität, als er Sporting erfolgreich durch die Relegation schießen konnte.

In der Saison 2014/15 verpflichtete Barça den 1,70 Meter kleinen Offensiv-Spieler von seinem Heimatverein Dinamo Zagreb. Doch es ist nicht nur seine Körperstatur, die jeher einen Vergleich zwischen dem bubenhaften Fußballer und einer lebenden Barcelona-Legende provoziert. Halilovićs größte Bürde war vor zwei Jahren vielleicht, dass ihn der mediale Presse-Tenor schnell mit dem Titel des „Next-Messi“ belegte. Das monatlich hunderte Messi-Sprösslinge aus dem Boden internationaler Trainingsplätze sprießen, ist nicht neu. Dass sich bislang keiner dieser Ebenbilder als ein solches bestätigen konnte, ebenfalls nicht. Selbst ernstzunehmende Anwärter auf die Rücknummer 10 wie Bojan Krkic gingen im blauroten Starensemble unter.

Es steht außer Frage, dass der Landsmann von Ivan Rakitić durchaus das Zeug dazu hat, sich als einer von vielen Feingeister im Star-Ensemble der Blaugrana durchzusetzen. Halilović kommt von allen „Next-Messis“ seinem Vorbild am nächsten in Bezug auf seine Spielanlage, Körperstatur und Technik. Seine größte Stärke ist es, mit Tempo auf die Gegner-Reihen zu stürmen, sie zu umdribbeln und aus dem Zentrum heraus zu beschleunigen. Dabei versucht er immer, Freiräume für seine Mitspieler zu kreieren. Wenn er seine Kollegen mal nicht mit Pässen in die Schnittstellen versorgt, scheut sich der Kroate auch nicht davor, das gegnerische Tor aus der Distanz unter Bedrängnis zu bringen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass er in seinem jungen Alter hin und wieder die falsche Entscheidung darüber trifft, wann er schießen bzw. den Ball abgeben muss. Wenn er zu Barça zurückstoßen würde, könnte er von den Besten lernen. Aktuell scheint ein Transfer zum FC Valencia für Halilović aber am wahrscheinlichsten. Der offensive Mittelfeldspieler wird mehr Erfahrung sammeln und bestenfalls in 1-2 Jahren zur ersten Mannschaft hinzustoßen. Barça umgeht derweil das Risiko, den Jungspund bereits jetzt vor zu schwere Aufgaben in Liga, Pokal und CL zu stellen. Sicher hat man Messi im Alter von 19 Jahren bei Barça mehr zugetraut. Allerdings hat der Argentinier seinerzeit auch einen Hattrick gegen Real Madrid erzielt. Halilović steckt im Vergleich dazu noch in den Kinderschuhen. Es gibt eben nur einen Messi.

Halilović stellt seine Messi-Qualitäten im Video unter Beweis:

https://www.youtube.com/watch?v=3I5IyG0JWu4

Martín Montoya: Außenverteidiger mit Konstanz und Balance

Montoya wurde zunächst nach Italien an Inter Mailand abgeben, fand alsbald aber wieder den Weg zurück nach Spanien und läuft seitdem für Real Betis auf. Der Außenverteidiger bekam in Mailand kaum eine Chance, sich gegen die interne Konkurrenz durchzusetzen. Bei Betis kam er sowohl auf der linken als auch auf der rechten Verteidigerseite zu 13 Starteinsätzen.

Lange Zeit wurde Martín Montoya als Nachfolger von Dani Alves gehandelt. Nach einigen guten Vorstellungen konnte er sich zwar in die Herzen der Fans, aber nicht in den Kern der Stammelf spielen. Doch die Dinge haben sich geändert: Mittlerweile steht Dani Alves kurz vor der Vertrags-Unterschrift bei Juventus Turin und mittlerweile ist Montoya 25 Jahre alt. Für den 1,74 großen Abwehrspieler spricht seine stattliche Dynamik und Grundgeschwindigkeit. Durch seine Ausbildung in den Jungend-Mannschaften Barças wurden ihm zudem Fähigkeiten im Bereich des Kombinationsspieles und der Ballbehandlung in die Wiege gelegt. Sein großer Vorteil ist wohl seine taktische Balance. Montoya versteht es, den Ball an der Außenlinie über zwei oder drei Passstation nach vorne zu treiben und somit im letzten Drittel eine Gefahrensituation einzuleiten. Auf der anderen Seite vernachlässigt er aber keineswegs seine Defensiv-Aufgaben, überzeugt durch ein konstantes Stellungsspiel und klug getimte Tacklings. Sein Spielstil ist nicht spektakulär, aber das ist der von Alba oder Vidal ebenso nicht. Ob Montoya für Barça dennoch eine ernsthafte Option sein könnte, bleibt abzuwarten. Mit Aleix Vidal und Sergi Roberto ist ein Dreikampf auf Augenhöge zumindest vorstellbar. Zudem wäre eine Rückholaktion Montoyas finanziell deutlich verkraftbarer als eine Verpflichtung von Héktor Bellerin.

Das Video ruft noch einmal Montoyas Qualitäten sowohl in der Offensive als auch in der Rückwärtsbewegung in Erinnerung:

https://www.youtube.com/watch?v=MNJE5rM4Om8

Cristian Tello: Explosiver Flügelstürmer mit Ambitionen

Tello hat seit seinem Weggang von Barça ebenfalls zwei Stationen abgeklappert. Im Vergleich zu seiner ersten Saison kam der Flügelspieler in seiner zweiten Spielzeit bei Porto nicht zu der erhofften Menge an Einsätzen. So kam es, dass der beidfüßige Angreifer nach nur zehn Vorstellungen zum AC Florenz transferiert wurde. Unter dem portugiesischen Trainer Paulo Sousa wurde Tello zu einem der wichtigsten Akteure. In 13 Einsätzen stand er 12 Mal von Beginn an auf dem Spielfeld und steuerte der Kampagne zwei Tore und drei Assists bei.

Tellos großes Plus sind seine explosive Beschleunigung aus dem Stand und sein Antizipationsvermögen. Er könnte der ideale Ersatz für Neymar werden. Im Gegensatz zum Brasilaner ist der Spanier trotz einiger technischen Finessen weniger verspielt und sucht schneller den Abschluss oder den direkten Pass in den Strafraum. Das sind Eigenschaften, die im modernen Fußball beispielsweise bei Bayern-Flügelspieler Douglas Costa zu erkennen sind. Wie alle La-Masia-Absolventen ist er überdies mit einer mehr als passablen Ballbehandlung ausgestattet. Tello ist jedoch weniger Kreativ-Spieler als vielmehr ein „Stürmer“ für Kontersituationen, der den Ball nach vorne peitscht. Der größte Vorteil Tellos ist wohl, dass er sowohl auf der linken als auch auf der rechten Außenbahn eingesetzt werden kann. Dass sich der Zögling im zarten Alter von 24 Jahren aber nicht erneut mit einer Reservisten-Rolle begnügen will, wäre ihm nicht zu verübeln. Mit ‚MSN‘, der Ankunft von Denis Suárez und der unklaren Rolle Arda Turans würde der Spanier sich einem harten Konkurrenzkampf aussetzen.

Tellos Explosivität, Handlungsvermögen und Uneigennützigkeit im Video:

https://www.youtube.com/watch?v=hBtCVWYDeZM

Alex Song: Mittelfeld-Hüne ohne Barça-DNA

Von allen Leih-Spielern Barças hat Song die wenigsten Möglichkeiten in seinem neuen Verein erhalten. Der Kameruner, der bereits zur Saison 2014/15 an West Ham verliehen wurde, hat in der zurückliegenden Periode die ersten beiden Monate aufgrund einer Verletzung verpasst. Durch seine Abwesenheit fehlte ihm die wichtige Zeit, um sich in der Stammelf zu etablieren. Summa Summarum stand der Vizemeister der „Afrikameisterschaft 2008“ insgesamt 12 Mal auf dem englischen Grün.

Auf die Wunschlisten so mancher europäischer Topclubs spielte sich Song in einem Champion- League-Spiel, als er sich durch drei oder vier Dortmunder auf der linken Spielfeldhälfte durchsetzte und dann eine maßgeschneiderte Flanke mit dem Außenrist auf das Haupt von Robin van Persie servierte. Er wirkte groß gewachsen, dynamisch und zweikampfstark – vielleicht erhoffte sich Barça mit ihm, einen neuen Yaya Touré zu verpflichten, der als echte Alternative hinter Busquets agieren könnte. Leider war es nach dem Transfer 2012 am Ende weder Fisch noch Fleisch, was der sympathische Zentralafrikaner auf dem Feld anzubieten hatte. Vermehrt fiel er durch Nachlässigkeiten im Stellungsspiel, technische Fehler, Sicherheitspässe und seinen Mangel an Geschwindigkeit auf. Song verschleppte das Tempo eher, als dass er es bewusst anzutreiben, kontrollieren oder gar zu diktieren wusste, und konnte somit die maßgeblichen Anforderungen eines Barça-Spielers nicht im Ansatz erfüllen. Die Chance, dass er in Zukunft eine relevante Rolle im Mittelfeld der Mannschaft spielen könnte, tendiert gegen Null. Da Barça in der Schaltzentrale mit Busquets, Raktitic, Iniesta, Rafinha, Turan, Denis Suárez und gegebenenfalls Mascherano bereits jetzt vor der Qual der Wahl steht, wird der Vorstand einen Spieler, der wenig Spielzeit bei seinem aktuellen Klub genießt und aus seiner Nationalmannschaft ausgetreten ist, wohl kaum mit offenen Armen empfangen.

Dass Song allerdings nicht nur Sicherheitspässe spielen kann, beweist folgendes Video:

https://www.youtube.com/watch?v=AcDzV4ZI9yw

Resümee und Ausblick

Die Hoffnung lastet nach wie vor auf dem Nachwuchs. Das gilt zu mindestens für die Akte Halilović. Dieser wird in der Saison 2016/17 vermutlich in der drittgrößten Stadt Spaniens seine Spielmacher-Qualitäten und Physis ausbauen und gleichwohl lernen müssen, die richtigen Entscheidungen im Spiel zu treffen. Während es für Alex Song wohl keine Rückkehr in die mediterrane Metropole geben wird, bleibt es weiter mit Spannung abzuwarten, wie der FC Barcelona mit seinen beiden versatilen Schützlingen Christian Tello und Martín Montoya verfahren wird. Letzterer könnte in diesem Jahr nach dem Abgang von Alves vielleicht die einmalige Chance auf einen Stammplatz bei seinem Jugendverein nutzen.

Unabhängig davon, welches Loch es im Kader der Katalanen zu stopfen gilt, wir halten euch auch in naher Zukunft über Barças Transfergeschäfte und die Eigengewächse und Leihspieler auf dem Laufenden.

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