Lionel Messi: Ein taktischer Pluspunkt?

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Auf Barcawelt haben wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt, wie man Messi vor allem gegen große Teams wie Real Madrid strategisch einsetzen kann. In diesem Zusammenhang wurden insbesondere zwei alternative Möglichkeiten eines strategischen Einsatzes von “La Pulga” diskutiert. Sowohl auf der Position der “Falschen 9” wie auch auf dem Flügel kann Messi viel Schaden anrichten und setzt den Trainer vor die Qual der Wahl: Flügel oder “Falsche 9”? Wo ist der kleine Argentinier besser aufgehoben? Wo liegen die relativen Vorteile der einen wie auch der anderen Position?

Falsche 9

Messi wird bekanntlich in nahezu jedem Spiel als “Falsche 9” eingesetzt. Dort hat er den nötigen Freiraum, kann sich überall hinbewegen. Er lässt sich nach hinten fallen und holt sich die Bälle oft aus der eigenen Hälfte. Er ist ein Freigeist, er darf alles. Man sieht Messi nie konstant im letzten Spielfelddrittel. Er beteiligt sich oft am Spielaufbau im Mittelfeld, was den Vorteil hat, dass er das gesamte Spiel vor sich hat. Wenn er das Spiel vor sich sieht, ist er am stärksten, denn so hat er den direkten Zug zum Tor. Er mag es nicht, wenn er mit dem Rücken zum Tor angespielt wird und den Ball zurückprallen lassen muss; er ist kein Stürmer, der den Ball einfach zu einem Mitspieler abprallen lässt. Durch sein ständiges Zurückfallenlassen ins Mittelfeld bringt er die gegnerische Defensive durcheinander. Wenn Messi von den beiden Innenverteidigern gedeckt wird und sich sodann ins Mittelfeld zurückzieht, wissen die Innenverteidiger meist nicht, wie sie sich verhalten müssen. Entweder gehen sie mit Messi und lassen eine große Lücke im Abwehrverbund zurück oder sie bleiben in der Innenverteidigung und lassen Messi gewähren mit der Folge, dass im Mittelfeld eine Überzahlsituationen für den FC Barcelona entsteht. Ein weiterer Vorteil dieser Positionierung ist, dass er seine tödlichen Pässe spielen kann, was freilich nur geht, wenn er das Spiel vor sich hat.  Das beste Beispiel ist das Liga-Spiel gegen Real Sociedad am 19.8.2012, als Messi einen perfekten Pass durch die Schnittstelle der Abwehr spielte:

 

Da ihm die Aufgabe als “Falsche 9” erlaubt sich frei auf dem Spielfeld zu bewegen, verwundert es kaum, dass er für Barça in den letzten beiden Jahren die meisten Vorlagen gespielt und gleichzeitig auch die meisten Tore geschossen hat.

Was passiert, wenn man Messi nicht als “Falsche 9” einsetzt?

In der argentinischen Nationalmannschaft wurde Messi nur selten als “Falsche 9” eingesetzt. Unter dem derzeitigen Trainer Sabella fühlt er sich allerdings sichtlich wohler als unter Maradona oder Batista. Unter den Vorgängern von Sabella klebte Messi zumeist an einer Position. Er hatte nicht den nötigen Freiraum und konnte nicht so aufspielen wie er es beim FC Barcelona tut. Allein unter Sabella erzielte er in den letzten fünf Spielen neun Tore, so viele hat er nicht unter Maradona und Batista erzielt. Im letzten Testländerspiel gegen Deutschland schien es allerdings so, als ob Sabella etwas ausprobieren wollte. Ihm wurde die Aufgabe zuteil, nur als Stürmer zu agieren. Er sollte als hängende Spitze direkt hinter Higuain stürmen. Damit hatte er weniger Freiraum und konnte sich dementsprechend nicht frei bewegen. Messi war in der ersten Halbzeit der Partie total isoliert zwischen den Viererketten der deutschen Nationalmannschaft, die Messi geschickt aus dem Spiel genommen haben. Wenn er an den Ball kam, war es ein Leichtes für die deutsche Nationalmannschaft ihm den Ball sogleich wieder wegzunehmen, indem er von drei oder vier Mann attackiert wurde. Das Spiel von Messi war damit zu berechenbar. Was gegen Brasilien noch gut funktionierte, scheiterte gegen die taktisch sehr disziplinierten Deutschen. Die folgende Grafik verdeutlicht dies:

 

Bildquelle: spielverlagerung.de

Das änderte sich aber in Hälfte zwei: Mit der Einwechslung von Aguero konnte Messi wieder frei aufspielen. Mit Higuain,Messi und Aguero hatte man drei stürmende Spieler, wie beim FC Barcelona. Messi wurde als “Falsche 9” eingesetzt und war um einiges öfter am Ball als in Halbzeit eins. Er ließ sich sehr oft nach hinten fallen und erschwerte somit der gegnerischen Defensive die Verteidigung. In Halbzeit zwei erzielte Messi folgerichtig das 2-0 und hatte noch zwei weitere hochkarätige Chancen, um zu erhöhen. Außerdem leitete er, wie bei Barça, viele Angriffe selbst ein.

Unter Maradona und Batista war dies nicht der Fall: Dies lag vor allem daran, dass diese Trainer Messi selten als “Falsche 9” eingesetzt haben. Außerdem gab es viele Systemwechsel: Mal spielte man ein 4-3-3 mit Messi auf den Außen, ein 4-2-3-1 mit Messi als zentralen offensiven Mittelfeldspieler oder ein 4-4-2 mit Messi als “Falsche 9”. Diese Systemwechsel taten Messi nicht gut und er konnte dementsprechend auch nicht an die Leistungen beim FC Barcelona anknüpfen. Auch muss man erwähnen, dass Messi unter Batista und Maradona eher der Spielmacher als der Torjäger war.

Messi auf dem rechten Flügel

Man kann Messi gegen Teams wie Real Madrid auch auf dem Flügel einsetzen und Fabregas oder David Villa als “Falsche 9” agieren lassen. Im Liga-Clasico am 10. Dezember 2011 wurde dann tatsächlich so gespielt. Messi wich auf den Flügel aus, Fabregas spielte als “Falsche 9” und ließ sich immer sehr weit nach hinten fallen. Messi zog immer zwei oder gar drei Spieler, meist zwei Verteidiger und einen Mittelfeldspieler auf sich. Er überragte zwar nicht in dieser Partie, legte aber trotzdem den Ausgleichstreffer durch Sanchez auf. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten konnte man sehen, wie schwer sich Real Madrid in der Defensive getan hat. Im Zentrum stand meist nur ein Innenverteidiger, während Ramos und Marcelo, zwischendurch auch Lassana Diarra versuchten, Messi aus dem Spiel zu nehmen. Das hatte den Vorteil, dass im Zentrum mehr Räume entstanden und Alves aufgrund des Gefahrenmoments, das von Messi ausging, in der Defensive wenig Arbeit hatte. Das lag daran, dass nahezu die komplette linke Abwehrseite von Real Madrid sich nicht am Offensiv-Spiel beteiligen und man somit C.Ronaldo nicht einsetzen konnte, sodass er auf den rechten Flügel auswich. Dani Alves nutzte das zu seinem Vorteil und überlief ständig die linke Abwehrseite. Es war nur eine Frage der Zeit bis ein weiterer Treffer für Barça fallen würde. Das Spiel endete 3-1 und Dani Alves spielte – nach eingeleitetem Angriff von Messi – die Vorlage auf Fabregas, der mit dem Kopf das Siegtor erzielte.

Fazit

Messi als Außenstürmer oder als “Falsche 9” einzusetzen, beides kann dem Gegner große Probleme bereiten. Dennoch muss man sagen, dass Messi als “Falsche 9” um einiges gefährlicher ist als auf den Außen. Auf den Außen hat er einen weiteren Weg zum Tor zurückzulegen und ist nur auf einer Position verwurzelt. Er ist in seinem Spiel eingeschränkt, vor allem auch deshalb, weil er von Xavi und Iniesta im Spiel isoliert ist und er sich nicht zu ihnen hin bewegen kann. Wenn Messi allerdings auf den Außen eingesetzt wird, kann er gleich zwei oder drei Spieler auf sich ziehen, wodurch mehr Freiraum für andere Spieler verfügbar ist. Vor allem die gegnerische Innenverteidigung würde darunter leiden, da sich dann immer ein Innenverteidiger rausziehen lassen und somit mehr Raum im Zentrum geschaffen würde, wo Barça bekanntlich am liebsten den Ball zirkulieren lässt. Die Flügelvariante ist somit eine interessante Option, die zur Steigerung der Unberechenbarkeit oder zur Umsetzung bestimmter taktischer Überlegungen beitragen kann. Grundsätzlich aber ist Messi als “Falsche 9” besser aufgehoben. Er kann sich freier bewegen, hat das Spiel vor sich und den direkten Zug zum Tor. Des Weiteren besitzt er im Zentrum eine bessere Spielübersicht im Vergleich zu den Außen und kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Nicht umsonst erzielte Messi in der letzten Saison, im Verlauf derer er in den meisten Spielen als “Falsche 9” eingesetzt wurde, 82 Tore (73 Tore bei Barça, 9 Tore in der argentinischen Nationalmannschaft) und legte weitere 28 Tore vor.

Eure Meinung: Wie würdet ihr Lionel Messi in großen Spielen einsetzen?

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