Lionel Messi und die Wechselgerüchte: Ein Pfad der Irreführung, Spekulationen, Lügen

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Lionel Messi ist laut der Sport einer von fünf Akteuren der hundert wertvollsten Spieler, dessen Vertrag 2018 ausläuft. Dementsprechend brodelt die Gerüchteküche um das Barça-Juwel unerlässlich auf und ab. Bei diversen Klubs, Geschäftsmännern und anderen Interessenten klingeln seit einigen Wochen die Alarmglocken. Dabei ist der Transfer-Hype um Messi eigentlich nicht neu und für die Anhänger des FC Barcelona keinesfalls Grund zur Besorgnis hinsichtlich des Verbleibs des kleinen Argentiniers bei den Katalanen.

Wie die Sport berichtet, haben sich auch Alexis Sánchez (FC Arsenal), Mesut Özil (FC Arsenal), Isco (Real Madrid) und Emre Can (FC Liverpool) noch nicht dazu hinreißen lassen, das jeweilige Arbeitsverhältnis mit ihren Vereinen zu verlängern. Im Fall von Leo Messi gewinnen die Wechselgerüchte aber jedes Jahr zusätzlich Brisanz. Immerhin wäre ein Wechsel nach seinen Jugendtransfers – vom Grandoli FC zu den Newell’s Old Boys und dann zum FC Barcelona – der vielleicht größte Schnitt in der Karriere des fünffachen Weltfußballers.

Im Zuge horrender Geldbeträge und irrwitziger Behauptungen im luftleeren Raum nahm Messi dem Presserummel sogar persönlich den Wind aus den Segeln. Doch die ganze Story scheint nun eine erneute dubiose Wendung zu nehmen.

Lionel Messi: Dieselbe Prozedur wie jedes Jahr

Messi und das fast schon lästige Prozedere mit seiner Vertragsverlängerung ist nicht neu. In den letzten Saisons gab es eine Fülle an Versuchen internationaler Anwärter, den spielmachenden Flügelspieler aus seiner vertrauten Umgebung zu locken – vielleicht sogar aus dessen Komfortzone? Manch einer munkelt, Messi könne andernorts gar nicht so gut kicken, wie er es im Beisammensein mit seinen südamerikanischen Sturmfreunden Neymar und Suárez oder den beiden Tiki-Taka-Königen Iniesta und Busquets wöchentlich zelebriert. Es wird behauptet, der kleingewachsene Akteur würde in einer physisch geprägten Umgebung wie der Premier League gnadenlos untergehen. Dass Messi englische Mannschaften jedes Jahr reihenweise aus der Königsklasse ballert und sehr wohl mit den unterschiedlichsten Spielertypen in Barcelona und seiner Nationalmannschaft erfolgreiche Partien bestreiten konnte, wird in der Hektik des Boulevardjournalismus gerne übersehen.

Jedes Jahr werden also im Rahmen der Messi-Debatte dieselben Fragen gestellt: Ist Messi noch glücklich beim amtierenden spanischen Meister? Kann der FC Barcelona sich eine Verlängerung der Arbeitspapiere des Offensivstars aus finanzieller Perspektive überhaupt leisten? Was wird aus Barça ohne diesen Talisman? Auslöser für die panische Fragerei sind wohl die überhöhten Geldbeträge aus Europa: So zählen Man City, PSG und Chelsea seit wenigen Spielzeiten zu den üblichen Verdächtigen, die von der Presse als potenzielle Messi-Käufer ausfindig gemacht wurden. Doch dem nicht genug – zu den milliardenschweren Sportunternehmen gesellt sich diesmal noch ein weitaus mächtigerer Akteur. So winkt man in Asien mit den Geldscheinen wie es andernorts nicht möglich wäre. Sage und schreibe eine Million Euro könnte Messi der Sun zufolge in China pro Woche einsacken. Das Gehalt des beliebten Fußballers würde sich auf summa summarum 47 Millionen innerhalb eines Kalenderjahrs aufstocken. In Manchester könnte man wohl umgerechnet 114 Millionen Euro für eine Verpflichtung Messis vor Ablauf seines derzeitigen Vertrags locker machen. Ob die englische Liga allein aus sportlicher Sicht einen Anreiz für Messi darstellen könnte, ist hingegen fraglich. Die ‚Citizens‘ würden sich primär auf den Magnetismus der Geldsummen und auf den Charme des Messi-Fans der ersten Stunde, namentlich Pep Guardiola, verlassen. Während auch die Brüderlichkeit zu Sergio Agüero eine Rolle für Messis Entscheidung spielen könnte, ist es vor allem der ehemalige Trainer des FCB, der die gemeinsame Arbeit mit seinem früheren Zögling zu vermissen scheint.

Trotz all dieser schwindelerregenden Offerten ist es nicht unwahrscheinlich, dass der FC Barcelona mit Messi und seinem Management eine Vereinbarung in naher Zukunft treffen wird. Derzeit hat Barça dem Fußballer und seinem Vater noch kein formales Angebot unterbreitet, auch ein Treffen zwischen Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu und den Messis blieb bislang aus. Die einzige Kommunikation zwischen den beiden Parteien fand bisher über ein Telefonat von Bartomeu und Jorge Messi statt. In dem Gespräch drückten beide Seiten ihren Willen für eine Vereinbarung aus. Die Verlängerung mit Messi hängt, abgesehen von den finanziellen Mitteln, von Barças sportlichem Projekt für die kommenden Spielperioden ab. Es ist ein Schlüssel für den Verbleib von Messi. Er will mehr verdienen, sich gleichzeitig aber glücklich auf dem Platz fühlen und Titel gewinnen. Die Sport vermutet, dass ein verbindlicheres Treffen Mitte Februar zu Zeiten des Champions-League-Spiels gegen Paris Saint Germain stattfinden könnte.  

Xavi Hernández über Messi und Barça

Kaum jemand kennt Lionel Messi so gut wie Xavi. Nach jahrelanger Partnerarbeit auf dem grünen Rasen pflegen die beiden Ballkünstler auch ein freundschaftliches Verhältnis. Auch 2017 hat es sich der einstige Mittelfeldmotor des FCB nicht nehmen lassen, dem Gerede einen Riegel vor den Mund zu schieben:

„Da gibt es immer eine Menge Lärm in den Medien, wenn es um Messi geht. Er ist der beste Spieler der Welt und die Leute möchten immer über ihn schreiben, jedoch ist der Lärm oft falsch, er ist nicht wahr und ich bin mir sicher, dass das auch jetzt der Fall ist. Ich habe keine Zweifel daran, dass Messi mit Barcelona verlängern wird, keine Zweifel.“

Ich habe keine Zweifel daran, dass Messi mit Barcelona verlängern wird.

Xavi Hernández

„Über die Jahre – daran gibt es keinen Zweifel – hatte er zahlreiche Chancen, mehr Geld zu verdienen, mit riesigen Angeboten von Klubs reicher Besitzer, aber sein Herz schlägt für Barça. Seine Beziehung mit Barça ist idyllisch und ich denke, sie wird noch für viele weitere Jahre Bestand haben.“  

Wie recht Xavi behalten sollte, stellte sich dann unter der Woche heraus.

Das letzte Wort hat das Objekt der Begierde selbst – von wegen!

Auch Messi äußerte sich gegenüber dem Coach Magazine, einem britischen Nachrichtenportal, äußerst positiv über seine Zukunft in Barcelona:

„Ich habe immer gesagt, dass Barcelona mir alles gegeben hat und dass ich hier solange weitermachen werde, solange sie mich wollen.“

„Titel mit dem Verein und meinem Land zu gewinnen, motiviert mich am meisten.“

Für die Culés und Messi-Fans waren es beruhigende Worte, die sie am frühen Mittwochmorgen von ihrem Idol zu lesen bekamen. Gewiss war der Inhalt dieser Aussagen vorherzusehen und gewiss ist es nicht ungewöhnlich, dass auch ein oft als wortkarg abgestempelter Lionel Messi irgendwann mal mit der Sprache herausrückt – doch das alles änderte nichts an der Tatsache, dass die veröffentlichten Informationen über Messis Verbleib falsch waren. Bei dem angeblichen Interview, welches das ominöse Coach Magazine mit Messi geführt haben soll, handelt es sich um eine klassische Falschnachricht, der aber nicht nur die Sport, sondern zahlreiche weitere journalistische Portale auf den Leim gegangen sind. Es kam, wie es kommen musste, und der Schwindel flog am frühen Mittwochnachmittag auf und eine neue Wahrheit rückte ans Licht. Laut der Sport habe es das Interview zwischen Lionel Messi und der Coach nie gegeben. Dies bestätigten sowohl Leo selbst als auch sein Vater. Der uruguayische Journalist Diego Jokas hatte zudem bereits vor einer Woche per Twitter signalisiert, dass er als Autor niemals mit dem Coach magazine in Kontakt gekommen wäre:

„Ich möchte klarstellen, dass ich nicht für das Coach Magazine arbeite und dass ich nicht an einem Interview mit Messi teilgenommen habe, welches mit mir in Verbindung gebracht wird.“

Im Anschluss wurde die Publikation direkt von der Webseite heruntergenommen. Wie die Coachmitteilte,  würde man die Geschehnisse nun untersuchen. Im Gegensatz zur Sport haben außerdem die Bild und Goal die zunächst geteilte Falschinformation wieder heruntergenommen. Mittlerweile hat sich sogar Messis Management LMM eingeschaltet und ein Statement dazu veröffentlicht: „Nachdem ein angebliches Interview mit Leo Messi im Coach Magazine erschien, möchte LMM [Anm.: Leo Messi Management] bestätigen und klarstellen, dass der Spieler der angegebenen Quelle nie ein Interview gegeben hat und der Inhalt vollkommen falsch ist.“

„LMM behält das Recht vor, gesetzliche Schritte gegen diese und andere Medienunternehmen einzuleiten, die falsche oder frei erfundene Informationen über Leo Messi produzieren.“

Wie viel Wahrheitsgehalt steckt in den News zu Messi?

So richtig schlau wird man aus dem ganzen Geschrei, der Aufregung, den Lügen und der Provokation des Medienzirkus‘ nicht. Fast stündlich erscheinen und verschwinden in der Newsspalte von Google zig neue Eilmeldungen über den Fortschritt der Vertragsverhandlungen. Einen wirklichen Mehrwert hat die redundante Überschrift, dass die Verhandlungen stagnieren würden, für den Fan aber nicht. So ist es in Zeiten von Clickbait und dem allmählichen Verschwinden reflektierter journalistischer Arbeit ein Leichtes, effekthaschende Lügen in die Nachrichtenportale und Social-Media-Kanäle einzupflanzen. Natürlich schwingt in allen sportlichen Beiträgen, wie auch in diesem Text, die subjektive Meinung des jeweiligen Autors mit, unterscheiden müssten sich plakative Schlagwörter von sachlicher Berichterstattung und Emotionalität dann aber doch.

Fakt ist, ehe der FC Barcelona oder Lionel Messi sich nicht selbst offiziell geeinigt und dazu geäußert haben, bleiben alle Gerüchte das was sie sind, nämlich wilde und teils abenteuerliche Spekulationen. Dennoch sprechen Messis persönliche Verbundenheit zu Barcelona als Klub, Stadt und Heimat sowie seine Ambitionen, weitere Titel zu gewinnen, für einen Verbleib in Katalonien. In Barcelona hat Messi derzeit alles, was er braucht: Familie, Freunde und eben den Fußball, den er so sehr liebt. Klar, wenn es am Schönsten ist, sollte man ja bekanntlich aufhören, doch ‚La Pulga‘ hat gewiss noch genug Sprit im Tank, um das Publikum im Camp Nou auch noch für die nächsten Jahre mit seinem elektrisierenden Spiel in Ekstase zu versetzen.

Wer sich in Sachen Messi und Transfergerüchte ein nicht objektives, aber zu mindestens allumfassendes Bild machen möchte, sollte sich nicht nur von den Schlagzeilen der großen Nachrichtenblätter hypnotisieren lassen, sondern diverse Medienformate durchforsten, filtern und deren Inhalte in Beziehung zu einander setzen. Eine zweite Möglichkeit, mit dem Thema umzugehen, gibt es allerdings auch noch: Einfach mal die Füße stillhalten, Tee trinken und Messis Fußballkunst auf dem Platz genießen. Denn auch ein Lionel Messi ist dafür bekannt, seine Entscheidung gerne mal hinauszuzögern. Es ist sein gutes Recht, auch wenn das der eine oder andere ungeduldige Fan oder sensationsgeile Reporter nur ungern verkraften mag. 

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