Luis Suárez im Talk mit Gerard Piqué über Euphorie, Schuld und Heiligkeit (Teil 3/3)

StartFC BarcelonaKaderLuis Suárez im Talk mit Gerard Piqué über Euphorie, Schuld und Heiligkeit...
- Anzeige -
- Anzeige -

Nachdem ihr im zweiten Interviewpart nachlesen konntet, wie Luis Suárez sich mit Fleiß, Ecken und Kanten auf Weltklasseniveau gekickt hat, kitzelt Gerard Piqué im letzten Teil überraschende Emotionen aus seinem Kumpel heraus. Zum Schluss gibt die ‚Nummer 9‘ zudem eine persönliche Prognose über die Qualität der diesjährigen Weltmeisterschaft in Russland ab.

Chiellini und die Folgen

Piqué

Gegen Italien hast du gewonnen und dennoch gab es auch dort einen Vorfall, in den du verwickelt warst. Du hast Giorgio Chiellini gebissen. Von dem Moment an, in dem es passiert ist, bis zum Ende des Spiels, warst du dir bereits darüber im Klaren, was dir blüht…

Suárez

Ja.

P

… vor allem aufgrund der früheren Vorfälle. Oder passiert das erst nach dem Abpfiff, dass du dir dachtest, ‚Oh, ich glaube, ich habe Mist gebaut‘. 

S

Nachdem ich das getan habe, wusste ich sofort Bescheid. Wir schossen unser Tor ein paar Minuten danach. Nachdem Godin getroffen hat… Ich feierte das Tor nicht so sehr wie die anderen, weil mir klar war, was nach dem Spiel auf mich zukommen würde.

Wir kommen weiter und bedanken uns bei den uruguayischen Fans. Alle schreien und feiern, immerhin hatten wir gegen die zwei europäischen Schwergewichte gewonnen. Ich komme in die Umkleide und das Erste, was ich tue, ist mit meiner Frau zu sprechen, die mit den Kindern zugeschaut hatte. Sie fragt mich direkt, was ich getan hatte. Ich wollte die Realität intuitiv nicht wahrhaben, stritt es ab und weinte. Natürlich war die Stimmung in der Kabine auch freudig, aber alle begannen irgendwann auf ihren Smartphones zu checken, was auf mich und uns zukommen würde. Es war ein sehr bitterer Moment für mich und das Team. Was passiert ist, hat mich geprägt. So etwas hinterlässt Schmerz.

P

Wann begannen die ersten Gespräche mit Barcelona? Im Sommer vor der WM?

S

Nein, es passierte alles vor Ort während des Turniers.

P

Hast du irgendwann darüber nachgedacht, dass aufgrund des Vorfalls…

S

Ja, Ja.

P

… der Deal mit Barça hätte platzen können?

S

Ja. Alles, auch mein Traum hierherzukommen hätte ins Wasser fallen können. Einen Tag, bevor sie mich aus der WM gekickt haben, sprach ich mit Zubizarreta und dem Präsidenten. Sie beruhigten mich und teilten mir mit, dass sie weiterhin Interesse an mir hätten. Ich habe kein Problem damit, zuzugeben, dass ich in diesem Moment angefangen habe zu weinen. Obwohl ich diesen Blödsinn gemacht habe, haben sie mir vertraut. Barça war so gut zu mir, dafür werde ich immer dankbar sein.

P

Ich kenne nur wenige Teamkollegen, die so großzügige und gute Menschen sind wie du. Ich sage dir, und das meine ich ernst – du kennst die Beziehung, die wir beide führen –, wenn man auf dem Spielfeld steht, vergessen die Leute oft, dass unsere Herzen mit tausend Schlägen pro Minute pumpen. Solche Dinge passieren nun mal und ich glaube, dass dein Verhalten, seitdem du in Barcelona bist, in der Umkleide und auf dem Feld bewundernswert ist. Deshalb, Gordo, ist es eine Ehre für mich, dich hier zu haben.

S

Das ist das erste Mal, dass ich wegen dir Gänsehaut bekomme… Hahaha! Man sollte immer auf dem Boden bleiben und wissen, woher man kommt. Es war sehr schwierig für mich, zu Barça dazuzustoßen und mit den Sympathiepunkten und den Fähigkeiten von Ney und Leo auf und abseits des Platzes mithalten zu können. 

WM 2018: ein Ausblick

P

Ich werfe dir jetzt mal eine Statistik zu, die ich analysiert habe. Seitdem du dein Debüt bei der WM gegeben hast, gab es für Uruguay nie eine Niederlage, wenn du auf dem Feld standest. Die drei Male, in denen du nicht gespielt hast, habt ihr verloren, siehe die WM 2010 gegen Costa Rica und dann eben das Spiel gegen Kolumbien. Also, verletz dich nicht, lass dich nicht sperren und vielleicht gewinnst du die WM 2018! Was erwartest du dir von der WM?

S

Es gibt heutzutage eine Menge guter Teams, deshalb wird es sehr schwierig für uns. Das Turnier ist sehr ausgeglichen und es wird wie immer eine Überraschungsmannschaft geben, vor der man sich in Acht nehmen sollte. Ich weiß nicht, wer das sein wird, aber ich erwarte ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

P

Hast du einen Favoriten? Gibt es eine Mannschaft, die besser ist als alle anderen oder kann diesmal jeder den Titel gewinnen?

S

Mein Favorit ist… Uruguay! Hahaha!

P

Verdammt, du magst es, ein wenig Druck im Voraus zu machen, oder? Hahaha!

S

Im Ernst, da gibt es viele, vor allem bei den europäischen Teams: Deutschland, weil sie der amtierende Champion sind. Spanien spielt auch auf einem beeindruckenden Level. Frankeich mag ich sehr – obwohl die Spieler, die sie haben, noch sehr jung sind, bleibt Frankreich eben Frankreich. Nicht zu vergessen sind natürlich Argentinien, Brasilien und Uruguay.

P

Du hast in 95 Spielen schon 49 Tore erzielt und hattest dabei immer den gleichen Trainer, den du El Maestro nennst. Erklär mir, wie das läuft, denn es ist schon mal schwierig als Trainer überhaupt so viele Jahre auf der Bank zu sitzen.

S

Respekt für seine Leistung. Im heutigen Zeitalter ist er eine Identifikationsfigur und eine Ikone in Uruguay. Sein Wort ist heilig, weil er unzählige Dinge verändert hat. Er hat sich den größtmöglichen Respekt verdient. Er wird nie kritisiert oder für schlechte Resultate verantwortlich gemacht. Für mich ist er der beste Coach, den ich jemals in meinem Leben hatte. Ich bewundere ihn als ehemaligen Spieler und als Menschen, denn durch ihn bin ich gereift. Er hat für mich auf den Titel, FIFA Trainer des Jahres, verzichtet, aufgrund der Art und Weise, wie die FIFA 2014 mit mir umgegangen war. Ich werde ihm auf ewig dankbar sein.

P

Wir sind ja in derselben Generation. Auch Edison Cavani ist 87 geboren. Ich nehme an, dass du mit ihm alle Jugendstationen gemeinsam durchlaufen hast. Welches Verhältnis pflegt ihr zueinander? Und glaubst du, es ist die letzte Chance für euch beide, die WM zu gewinnen? Ich weiß, das sind große Fragen, aber beim nächsten Mal werdet ihr beide schon 35 Jahre alt sein.

S

Wir spielen seit 2007 zusammen, als wir unsere Debüts für die U-20 gemacht haben. Er hat öfter für die erste Elf gespielt als ich. Wir beide stammen aus Salto, derselben Stadt in Uruguay. Dort sind die Menschen sehr euphorisch darüber, wie wir beide uns in Europa schlagen. Wir sind quasi die Referenz für den Fußball in unserer Heimat. Edi und ich werden versuchen, so weit es geht mit Uruguay während der WM zu kommen…

P

Eine Frage zum Schluss: Werden wir mit Barça dieses Jahr alles gewinnen?

S

Ja, ja, da bin ich mir sicher!

P

Wirklich? Leo hat mir dasselbe gesagt, jetzt bin ich extrem aufgeregt. Hahaha! Ich danke dir vielmals von ganzem Herzen.

Das ganze Interview im Video

- Anzeige -

AKTUELLE USER-KOMMENTARE