Joan Laporta oder Josep Maria Bartomeu: Wer wäre der bessere Präsident für den FC Barcelona?

StartFC BarcelonaKommentareJoan Laporta oder Josep Maria Bartomeu: Wer wäre der bessere Präsident für...
- Anzeige -
- Anzeige -

Beim FC Barcelona geht auch an spielfreien Tagen die Post ab, so viel steht fest. Derzeit in aller Munde: Wer macht bei den Präsidentschaftswahlen das Rennen? Die Wahl steht ganz im Zeichen von Joan Laporta und Josep Maria Bartomeu. Ein Politiker gegen einen Unternehmer. Wer behält am Ende die Nase vorn? Und vor allem: Wer wäre für den FC Barcelona der bessere Präsident? Ich habe mich dieser Frage gestellt.

Joan Laporta und das politische Kalkül: Das Benutzen von Katar für die eigenen Zwecke und die Wahrung der Tradition

Auffällig in Joan Laportas Wahlkampf ist der ständige Fingerzeig auf die seiner Meinung nach äußerst unmoralische Zusammenarbeit der letzten Klubführung um Bartomeu herum mit dem WM-Gastgeberland Katar. Diese Zusammenarbeit sei ihm zufolge nicht mit den Klubwerten und vor allem nicht mit dem Motto des FC Barcelona vereinbar. „Més que un club” – mehr als ein Verein sollte der FC Barcelona sein. Unicef entsprach diesem Motto und wurde von einem Schriftzug verdrängt, der Sinnbild von Menschenrechtsverletzungen sei. Nicht nur Laporta geht das gewaltig gegen den Strich, sondern auch den meisten Culés, denen er mit solchen Sätzen förmlich aus der Seele spricht. Unicef vertritt die Werte, für die der FC Barcelona normalerweise steht: Für die Menschlichkeit. Da ist es kein Wunder, dass Joan Laporta das Unicef-Logo wieder auf die Vorderseite des Trikots haben möchte: „Wenn wir gewinnen, dann wäre es gut, wenn Unicef wieder auf der Vorderseite des Trikots stünde”, sagte er. Eine Aussage, die für Hoffnung sät auf die Rückkehr zu den Wurzeln.

Das Klubmotto lässt sich aber nicht nur hinsichtlich des Einstehens für die Menschlichkeit deuten, sondern insbesondere auch im Zusammenhang mit der Unabhängigkeitsbewegung der Katalanen verstehen. Demnach soll der FC Barcelona unter Laportas Führung Teil dieser Bewegung sein und politisch mehr partizipieren.

Ein weiterer Grund, warum die Culés Laporta seiner Meinung nach wählen sollten, ist der, dass unter ihm die weltweit bekannte Talentschmiede La Masia zu alter Stärke wiederfinden würde. In den letzten Jahren sei speziell in der Jugendarbeit schlechte Arbeit geleistet worden und diesen Umstand kritisiert er. Sein Plan ist demnach, die Barça B aus der Krise zu befreien und zurück in die zweite spanische Liga zu bringen. Außerdem sollen in Zukunft mehr Spieler aus der eigenen Akademie in die erste Mannschaft eingebunden werden.

Joan Laporta versucht also speziell durch die Wahrung der Tradition die Gunst der Wähler auf sich zu ziehen. Dabei wird keine Möglichkeit ausgelassen, Bartomeu und Co. bloßzustellen. Denn: „Wir sind Unicef. Sie sind Katar.”

Joan Laporta schießt scharf: Die Führung um Bartomeu ist unfähig, Abidal und Pep Guardiola sollen zurückkehren

Um der vergangenen Klubführung den Rest zu geben und sie endgültig in ein schlechtes Licht zu rücken, unterstellt er dieser Führung Unprofessionalität. Zur Transfersperre ist es erst aufgrund ihrer Amateurhaftigkeit gekommen und die ‚Causa Neymar‘ ist ein Ausdruck ihrer unprofessionellen Arbeit. Man habe es nämlich geschafft, den FC Barcelona endgültig in ein schlechtes Licht zu rücken. Es häuften sich die Skandale, die es unter ihm nicht geben würde. Joan Laporta würde nämlich eine völlig transparente Führung bevorzugen und dementsprechend auch handeln.

Ein weiterer Punkt, der angesprochen werden muss, ist die Beziehung zu den Spielern. Es ist kein Geheimnis, dass die Führung unter Sandro Rosell und Josep Maria Bartomeu eine recht kühle Beziehung zu den Spielern gepflegt hat. Da wurde beispielsweise der Vertrag von Abidal nicht verlängert, es gab Komplikationen in den Vertragsverhandlungen mit Andrés Iniesta als auch menschliche Differenzen zwischen Dani Alves und Bartomeu und vor allem zwischen Lionel Messi und diversen Führungsmitgliedern. Seinen Aussagen zufolge würde er weitaus weniger Probleme damit haben, mit den Spielern einen guten Umgang zu unterhalten. Speziell zu Messi pflege er eine tolle Beziehung. Außerdem sollen eben jene Personen zurückkehren, die unter Rosell beziehungsweise Bartomeu vergrault oder auch verscheucht wurden: Pep Guardiola und Éric Abidal. Diese Protagonisten gelten als Aushängeschilder für den Erfolg, den Ehrgeiz und den Kampf. Zumindest gilt Pep Guardiola als extrem traditionsorientiert und genießt bei den meisten Culés aufgrund des Erfolges als Trainer des FC Barcelona ein enorm hohes Ansehen.

Josep Maria Bartomeu setzt auf viel Ruhe und… stabile Finanzlage!

Josep Maria Bartomeu war noch nie ein Mann großer Worte. So verhält es sich auch in diesem Wahlkampf. „Die, die mich gut kennen, wissen, dass ich nicht schnell verärgert bin, wenn die Dinge schlecht laufen und nicht prahle, wenn es gut läuft.”, hat er nach seinem Rücktritt gesagt und tatsächlich: Generell hört und liest man recht wenig von ihm, zumindest weniger als von Joan Laporta. Anders als Sandro Rosell scheint er den besseren Durchblick zu haben, auch wenn die Beziehung zu den Spielern auch unter seiner Führung weiterhin recht kühl war. Trotz der Zurückhaltung konnte sich Josep Maria Bartomeu einen kleinen Seitenhieb in Richtung Joan Laporta nicht verkneifen, der behauptete, dass er zu Leo Messi eine telepathische Beziehung pflege: „Ich habe keine telepathische Beziehung zu Messi, aber wenn ich mit ihm sprechen möchte, dann rufe ich ich ihn und das war’s. Wir schließen ein Gewinnzyklus und öffnen einen anderen – aber in Stille.”

Es ist kein Geheimnis, dass Bartomeus Geheimwaffe vor allem die stabile Finanzlage des Klubs ist. Seit dem Amtsantritt im Jahr 2010 wurden die Schulden Stück für Stück abgebaut und dabei erzielte man einen Rekordumsatz nach dem anderen. Nach Ablauf dieser Saison und nach dem wahlbedingten Rücktritt gab Bartomeu schließlich bekannt: Der FC Barcelona habe einen Rekordumsatz von 600 Millionen Euro verbucht. Obwohl man dabei beispielsweise kein Eigentum verkauft oder gar die Ticketpreise erhöht hat. Hierbei konnte sich Bartomeu allerdings wieder einen Seitenhieb in Richtung des Lagers von Joan Laporta nicht verkneifen: „Wir haben einen nicht nachhaltigen Verein übernommen, ohne Zukunft. Ohne die Chance, Gehälter zu zahlen. In fünf Jahren haben wir die Ticketpreise nicht erhöht. Als wir (Anm.: Barça) übernahmen, hatten wir Schulden in Höhe von 450 Millionen Euro (Anm.: Nettoverbindlichkeiten) – nun sind es 250 Millionen Euro.”

Auch unter Bartomeu: Die Culés haben das letzte Wort

Dass die aktuelle finanzielle Stabilität ohne den Sponsor aus Katar wohl gar nicht gegeben wäre, ist kein Geheimnis, genauso wenig es ein Geheimnis ist, dass man sich wohl auf eine Zusammenarbeit über fünf weitere Jahre geeinigt hat. Immerhin sei dieses Angebot das einzig seriöse, welches man derzeit erhalten habe. Eine Entscheidung sei trotzdem nicht gefallen, sodass dieses Angebot von Qatar Airways warmgehalten werde – für den Fall des Triumphs und für andere mögliche Sieger des Wahlkampfes. Dennoch verrät Rosells Marionette, wie Laporta ihn liebevoll nennt, dass „immer mehr Unternehmen interessiert sind.” Die Exekutive versuche demnach bis Oktober die bestmöglichen Angebote herauszufiltern. Allerdings werde „nicht das Board über den Shirt-Sponsor entscheiden, sondern die Culés in der Hauptversammlung.”

Verschiedene Charaktere treffen aufeinander

Joan Laporta als auch Josep Maria Bartomeu unterscheiden sich charakterlich wohl von Grund auf. Die einzige Gemeinsamkeit, die beide haben, ist die, das Beste für den FC Barcelona herausholen zu wollen, wenn auch auf völlig verschiedenen Wegen. Joan Laporta ist eine Person, die zu polarisieren weiß. Der Politiker weiß sich – zum Nachteil der Opposition – gut in Szene zu setzen und sie daher in ein schlechtes Licht zu rücken. Durch die Rückkehr zu den Wurzeln versucht er außerdem, intelligent einen Punkt für sich einzusetzen, den wohl viele Culés sofort unterschreiben würden.

Bartomeu zeigt sich dagegen seltener in der Öffentlichkeit. Vor allem greift er weitaus seltener ähnliche Themen an wie sein Gegenüber. Im Gegensatz zu Joan Laporta ist er eher der Unternehmer, der sich mehr mit Finanzen auskennt und auch versucht, diese Karte zum eigenen Vorteil auszuspielen. Josep Maria Bartomeu agiert weitaus pragmatischer und ist sich auch nicht zu schade, Entscheidungen zu treffen, die nicht mit den ursprünglichen Werten des Vereins zu vereinbaren sind.

Meine persönliche Meinung zu Joan Laporta und Josep Maria Bartomeu: Bartomeu ist der bessere Präsident!

Joan Laportas Transfer-Fauxpas überwiegen, sein paradoxes Wahlprogramm und die Transfersperre

Wenn man sich nun zurückerinnert und überlegt, in welchem Zeitraum es zu den meisten Verpflichtungen kam, die man heute als „Flop” bezeichnet, dann würde man direkt an die Amtszeit von Joan Laporta zurückdenken: Martín Cáceres, Chygrynskiy, Aleksandr Hleb, Henrique und Keirrison. Würde man noch weiter zurückgehen, so sollte auch der Quaresma-Transfer einbezogen werden. Insgesamt gab der FC Barcelona für diese Spieler immerhin 86,85 Millionen Euro aus – ohne den Ibrahimovic-Transfer. Dieser war wohl am kuriosesten. Im Tauschgeschäft mit Inter Mailand gab man Samuel Eto’o ab und weitere rund 50 Millionen Euro für den schwedischen Nationalspieler aus. Nach nur einer Saison, Differenzen mit dem Trainer inbegriffen und weitere Komplikationen, ihn in Pep Guardiolas Spielidee mit einzubinden, sorgten dafür, dass er verliehen und ein Jahr darauf auch verkauft wurde – für 24 Millionen Euro.

Auf der anderen Seite kann man der letzten Klubführung nur einen Transfer vorwerfen, der nicht das gebracht hat, was er bringen sollte: Für 19 Millionen Euro verpflichtete man nämlich Alex Song von Arsenal London. In den Jahren beim FC Barcelona fand sich dieser Spieler allerdings öfter auf der Bank wieder als auf dem Spielfeld. Ist man mit dieser Klubführung strenger, so würde man auch die misslungenen Transfers aufzählen: allen voran der Thiago-Silva-Transfer, bei dem die Katalanen schlichtweg zu langsam agierten und nicht dem Wunsch von ‚Tito‘ Vilanova nachkamen, einen Innenverteidiger dieses Profils zu verpflichten. Ärgerlich, denn Silva war eigenen Aussagen zufolge durchaus willig, zu Barça zu wechseln.

Um wieder zu Laporta zurückzukehren: Auffällig ist ebenfalls seine äußerst paradoxe Wahlkampagne. Er kritisiert zwar die Zusammenarbeit mit Katar, will Pep Guardiola allerdings zurück zu Barça holen. Pep Guardiola, der selbst mit Katar zusammenarbeitet und auch WM-Botschafter dieses Landes ist. Aber nicht nur das. Er versucht insbesondere, mit extravaganten Transfers zu überzeugen. Nebenbei will man den Culés und allen voran der Jugendakademie weiß machen, dass sie unter Joan Laporta eine erhöhte Chance hätten, es irgendwann in den ersten Kader zu schaffen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass ein La-Masia-Talent unter diesen Gegebenheiten die Chance hätte, auf Dauer einen jungen Pogba aus der ersten Mannschaft zu verdrängen, vor allem dann, wenn Mino Raiola sein Agent ist und Pogba selbst wohl nicht für unter 80 Millionen Euro zu verpflichten wäre.

Als letztes gehe ich auf die Transfersperre ein, die Laportas Aussagen zufolge die Schuld von Rosell, Bartomeu und Co. sei. Es stimmt zwar, dass man unter anderem wegen Transfers minderjähriger Spieler aus der Amtszeit dieser Führung die Transfersperre auferlegt bekam. Auf der anderen Seite trifft es aber auch zu, dass die Transfers unter Joan Laporta zu eben jener Sperre beitrugen. So wurde der FC Barcelona wegen der Verpflichtung von minderjährigen Spielern aus dem Zeitraum zwischen 2009 – 2013 bestraft und nicht ausschließlich ab dem Jahr 2010.

Josep Maria Bartomeus einzige Stolpersteine: Der Umgang mit den Spielern und die ‚Causa Neymar‘

Bartomeu scheint generell eine recht komplizierte Beziehung zu den Akteuren des FC Barcelona zu pflegen. Nicht zuletzt wegen der recht beschämenden Behandlung von dem derzeit wohl besten Rechtsverteidiger der Welt: Dani Alves. Die Führung um ihn herum hat es in der Vergangenheit geschafft, Messi und Co. zu verärgern. Es kam sogar soweit, dass Lionel Messi der Klubführung Ahnungslosigkeit in Bezug zum Fußball vorgeworfen hat und noch mehr. Der nicht verlängerte Vertrag von Éric Abidal wurde außerdem auch von den Culés als Bruch mit dem Klubmotto „Més que un club” aufgefasst und ist bis heute nicht verziehen. Aber nicht nur die Spieler wurden auf die Palme gebracht, sondern auch Pep Guardiola, der mehreren Meinungen zufolge eine weitere Zusammenarbeit ablehnte und so schnell wie möglich das Weite gesucht hat. Generell hatten es die Verantwortlichen schwer, die eigenen Spieler und Trainer zu beschützen. So wurde Lionel Messi nach mehreren Hetzkampagnen gegen seine Person nicht wirklich in Schutz genommen, und auch der Vorgänger von Luis Enrique, ‚Tata‘ Martino, hatte es schwer, alleine gegen die mediale Aufmerksamkeit in Bezug auf die Veränderung des Spielstils anzukämpfen.

Was im Hinblick auf eine Amtsfortsetzung auch problematisch sein könnte, ist die ‚Causa Neymar‘. Im Raum steht eine rund zweijährige Haftstrafe Bartomeus, der allerdings seine Unschuld beteuert und wiederholt erklärt, dass alles rechtmäßig abgelaufen sei.

Finanzstabilität sticht Politik als auch die Wahrung der Tradition aus!

Schön und gut: Joan Laporta ist ein Mensch, der sich sehr mit dem FC Barcelona und seiner Geschichte identifiziert. Er versucht, den FC Barcelona durch die Wahrung der Traditionen aufzubauen, doch verspricht eben das keine Stabilität. Auch nicht die politische Partizipation von Barça, um Teil der Unabhängigkeitsbewegung der Katalanen zu sein. Schlussendlich schaffte es Joan Laporta mit seiner Arbeitsweise während seiner Amtszeit trotz all der Erfolge, einen nicht unerheblichen Schuldenberg zu hinterlassen, der den Klub beispielsweise dazu zwang, auf farbloses Drucken umzusteigen. Noch bedenklicher war aber die Bilanzfälschung, die von Laporta ausgegangen war: Dieser gab bekannt, dass in der abgelaufenen Saison 2009/2010 ein Nettogewinn von 11,1 Millionen Euro erzielt worden sei. Tatsächlich mussten die Katalanen einen Verlust von rund 77 Millionen Euro hinnehmen. Dazu kamen 442 Mio. Euro Nettoschulden und Bruttoschulden in Höhe von 552 Millionen.

Weiterhin muss sich der FC Barcelona meiner Meinung nach aus politischen Diskussionen und Kampagnen raushalten. Vor allem dann, wenn es um ein solch emotionales Thema wie die katalanische Unabhängigkeitsbewegung geht. Es ist kein Geheimnis, dass solche Partizipationen schlussendlich eine erhöhte mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen und man dadurch eventuellen Unruhen freien Einlass gewährt. Die Politik hat im Fußball nichts zu suchen und würde eher Probleme bereiten als Probleme lösen! Vor allem verspricht die Politik keinen sportlichen Erfolg. Josep Maria Bartomeu und Co. haben es innerhalb von fünf Jahren geschafft, genauso viel Erfolg zu haben,wie Laporta nach sieben Jahren Amtszeit und man hat die Möglichkeit, noch erfolgreicher zu sein.

Schlussendlich müsste man wohl sagen, dass der perfekte Präsident wohl eine Mischung von beidem wäre. Das ist allerdings heutzutage nicht möglich beziehungsweise nur sehr schwer zu bekommen – und Traditionen versprechen nunmal keine Stabilität. Daher muss ich sagen, dass Josep Maria Bartomeu wohl der geeignetere Präsident wäre.

- Anzeige -

AKTUELLE USER-KOMMENTARE