Kommentar: Barça kann sich an Sánchez‘ Chilenen ein Beispiel nehmen

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Ich bereue zutiefst, dass ich das Spiel der Deutschen gegen die Chilenen von Alexis Sánchez nicht in voller Länge verfolgt habe. In den wenigen Minuten meiner ungeteilten Aufmerksamkeit war ich schwer beeindruckt von dem Auftritt der Südamerikaner, inspiriert von ihrer offensiven Spielweise, die schön und effektiv zugleich war. Was haben die Chilenen, das Barça derzeit nicht hat?

Mit 0-1 musste sich die Nationalmannschaft von Alexis Sánchez

den Deutschen geschlagen geben. Das Ergebnis spottet dem Spielverlauf, die Chilenen waren ihrem Kontrahenten in den meisten Belangen überlegen. Nur vor dem Tor stellte sich der WM-Teilnehmer aus Südamerika ausgesprochen umständlich an und konnte keine einzige seiner Torchancen in etwas Zählbares ummünzen. So viel Unvermögen und auch Pech an einem Tag verdient gewiss einen Eintrag in den Kalender.

Wie dem auch sei. Ich habe nur die Schlussphase der ersten und zweiten Hälfte gesehen und beziehe mich in meiner Stellungnahme vor allem auf diese Abschnitte des Spiels. Als Barça-Fan ist man stets geneigt, das Offensivspiel der eigenen Mannschaft mit demjenigen anderer erfolgreichen Mannschaften zu vergleichen. Und die Chilenen waren gestern erfolgreich, auch wenn ihnen ein Tor nicht vergönnt war. Alexis Sánchez und Co. haben ihre Angriffe regelmäßig so weit zu Ende gespielt, dass ein Torerfolg im Bereich des Wahrscheinlichen lag. Das ist mein Verständnis von Effektivität.

Nun ist die deutsche Nationalmannschaft sicher kein Gegner, den man im Schongang an die Wand spielt. Die Chilenen hatten Oberwasser, weil sie offensiv an den richtigen Schrauben gedreht haben und eine hohe individuelle Klasse besitzen. Auch wenn ich mangels Vorbereitung und bedingt durch andere Tätigkeiten einer Analyse schuldig bleiben muss, möchte ich dennoch meine kurzen Eindrücke nicht vorenthalten.

  • Bewegung im Offensivspiel: Was unterscheidet ein ansehnliches Offensivspiel von einem lethargischen Auftreten? Meiner Meinung nach vor allem die Bewegung. Die Chilenen waren gegen die Deutschen stetig in Bewegung und sorgten für Verwirrung im gegnerischen Lager. Sie loteten die Taktik des Gegners aus und verwendeten sie gegen ihn, indem die Chilenen die Elemente der Manndeckung aufseiten von Deutschland für ihre Zwecke fruchtbar machten. Im Vergleich dazu erscheint das gegenwärtige Spiel der Katalanen wie Standfußball. Auch beim Champions-League-Auswärtserfolg gegen Manchester City war praktisch keine Bewegung im zweiten und letzten Spielfelddrittel vorhanden. Auf diese Weise fällt es schwer, stabile defensive Ordnungen auseinander zu pflücken. Warum so wenig Bewegung vorhanden ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Eine unzureichende physische Verfassung erscheint genauso als eine plausible Erklärung wie die Annahme, dass die Mannschaft das Risiko beim Angriff auf ein Minimum zurückfährt.
  • Vertikalität und Risiko: Die Mannschaft von Alexis Sánchez drängte die deutsche Auswahl durch ein sehr vertikal ausgerichtetes Offensivspiel schnell hinten hinein. Es war schlicht beeindruckend, mit welcher Genauigkeit und Perfektion zum Teil 15 Meter lange Pässe gespielt und verarbeitet wurden. Solch eine Spielweise ist nur möglich, wenn Bewegung im Offensivspiel vorhanden ist, d.h. Spieler sich vertikal anbieten und andere Spieler die Gasse öffnen. Desgleichen müssen die ballführenden Spieler gewillt und in der Lage sein, diese riskanteren Zuspiele auch zu wagen. Während es in der Hinrunde noch den Anschein hatte, als wolle Tata Martino eine vertikalere Spielweise forcieren, scheint Barça derzeit in alte Muster zurückzufallen. Der Ball wird zuweilen ewig hin und hergeschoben, und wenn sich mal eine Gelegenheit ergibt, wird immer die sichere Variante vorgezogen. Die öffnenden Pässe in die Spitze sucht der interessierte Zuseher vergeblich. Eine Frage in diesem Zusammenhang ist, ob bestimmte Spieler auf der Höhe sind und das akkurate Spiel noch beherrschen. Bei Chile besteht diesbezüglich jedenfalls kein Fragezeichen.

Wenn jemand das ganze Spiel gesehen und noch mehr Eindrücke gesammelt hat, würden wir uns freuen, wenn ihr sie mit uns in den Kommentaren teilt.

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