Kommentar | Piqués Schiedsrichterkritik: Tatsache oder subjektiv?

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Gerard Piqué sorgt wieder einmal mit einem Post auf Twitter für Aufsehen. Der spanische Innenverteidiger „zwitscherte“ je zwei Bilder von Artikeln über Fehlentscheidungen gegen Barça und für Real Madrid in den Partien gegen den FC Málaga und den Villarreal CF. Laut Piqué haben diese Spiele acht Punkte ausgemacht. Piqué fiel schon des Öfteren mit solchen Äußerungen auf und es stellt sich die Frage, ob Piqués Frustration auf Tatsachen oder auf rein subjektiver Wahrnehmung beruht. Sollte er solche Dinge auf diese Weise öffentlich kommentieren? Ein Kommentar.

Benachteiligung Barças?

Oftmals sehen sich Fans und Verantwortliche von Schiedsrichtern benachteiligt. Es liegt in der Natur des Menschen, dass man in gewissen Situationen nur das sieht, was man sehen will und was zu dem eigenen Weltbild passt, was dazu führt, dass die Meinungen über Schiedsrichterentscheidungen immer wieder weit auseinandergehen.

Im Falle von Piqué und Barça kann man in dieser Saison jedoch festhalten, dass die Mannschaft relativ oft entscheidend benachteiligt wurde. Dabei geht es nicht um zu Unrecht gegebene Ecken oder Einwürfe, sondern um klar spielentscheidende Situationen, wie Platzverweise, Elfmeter, Tore und damit auch inbegriffen Abseitsentscheidungen.

Im Heimspiel gegen den Málaga CF wurden den Katalanen ein klarer Elfmeter in der Schlussphase verwehrt und zudem noch ein absolut reguläres Tor wegen angeblichem Abseits zurückgepfiffen. Das Spiel endete 0:0. Beim 1:1 auswärts gegen den Villarreal CF gab es zwei absolut unzweifelhafte Handspiele im Strafraum der Hausherren und beide wurden nicht geahndet. Zu guter Letzt erzielte Barça bei Real Betis Balompié den Ausgleich und obwohl der Ball über 50 Zentimeter hinter der Linie war, wurde das Tor nicht gegeben. Am Ende sorgte ein Tor in der 90. Minute dann doch noch für das 1:1. Umgekehrt soll aber auch erwähnt werden, dass die Mannen von Luis Enrique im Anoeta gegen die Real Sociedad nur wegen einer Fehlentscheidung überhaupt einen Punkt mitnehmen konnten. Den Gastgebern wurde ein völlig korrektes Tor zum 2:0 wegen Abseits aberkannt, am Ende stand es 1:1.

Nun ist es schwer diese Fehlentscheidungen in verlorene Punkte umzurechnen. Gegen Málaga hat das nicht gegebene Tor ziemlich sicher den Sieg gekostet. Gegen Villarreal hingegen, wäre ein mögliches Elfmetertor das 1-1 gewesen. Wer weiß, wie sich das Spiel dann entwickelt hätte und ob es die zweite Elfmeter-Szene oder Messis Freistoßtor überhaupt gegeben hätte. Solche Entscheidungen beeinflussen ein Spiel sehr stark und erzeugen neue Spielsituationen, weshalb es so nicht absehbar ist, was im weiteren Verlauf geschehen wäre.

Daher kann man dies durchaus als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnen, doch wenn man so will, wurden Barça durch Fehlentscheidungen fünf Punkte genommen, oder um es korrekter auszudrücken, die Chance auf fünf Punkte, die da gewesen wäre, wenn es die richtigen Pfiffe zur richtigen Zeit gegeben hätte.

Bevorteilung Madrids?

Noch häufiger als über die eigene Benachteiligung regen sich viele Culés über die Bevorteilung Real Madrids auf. Es sei vorweggenommen: Diese Saison gab es sehr viele zweifelhafte und gleichzeitig entscheidende Pfiffe für den Hauptstadt-Klub.

Im Heimspiel gegen den RC Celta de Vigo erzielte Real Madrid den 2:1-Siegtreffer aus einer ganz klaren Abseitsposition heraus. Beim 2:0-Auswärtssieg gegen den RCD Espanyol hätte Sergio Ramos in der ersten Halbzeit für ein absichtliches Handspiel mit gelb-rot vom Platz gemusst und zudem hätte es Elfmeter gegen seine Mannschaft geben müssen. Zu Hause gegen Real Sporting de Gijón sorgte eine Schwalbe von Lucas Vázquez für den Elfmeter, der das frühe 1:0 bedeutete. Das Spiel gewann Madrid mit 2:1. Gegen den Málaga CF gewann Madrid ebenfalls mit 2:1, wobei eines der beiden Tore von Sergio Ramos aus einer Abseitsposition heraus fiel. Und nun gab es gegen Villarreal beim Stand von 1:2 einen mehr als zweifelhaften Elfmeter zugunsten der Merengues, der zum 2:2 führte.

Auch hier kann man natürlich nicht einfach für jedes zu Unrecht gegebene Tor ein Tor vom Endergebnis abziehen. Fällt das 1:0 gegen Sporting beispielsweise nicht so früh, wäre es vielleicht später noch gefallen und das Spiel wäre ebenfalls 2:1 ausgegangen. Das ist unmöglich zu sagen, allerdings profitierte Real Madrid diese Saison einfach extrem oft von Fehlentscheidungen. Hier wurden jetzt nur Fehlentscheidungen aufgezählt, die eindeutig, oder sehr wahrscheinlich etwas am Ausgang des Spiels geändert haben.

Muss Piqué das öffentlich machen?

Klare Antwort: Nein. Allerdings sollte sich jemand aus dem Verein zu diesen Dingen äußern, da es einfach zu viele gravierende Fehlentscheidungen gibt, die den Titelkampf stark mitgestalten. Normalerweise wäre es Josep Maria Bartomeus Aufgabe, sich öffentlich vor den Verein zu stellen und solche Dinge anzuprangern und sei es nur, um die Leute dafür zu sensibilisieren und dafür zu sorgen, dass genauer hingeschaut wird.

Gerard Piqué ist ein Fußballer und sollte einfach seinen Aufgaben auf dem Platz nachkommen. Doch da sich von den Vereins-Oberen niemand öffentlich vor das Team stellt, ist es absolut verständlich, menschlich und auch gut, dass wenigstens einer den Mund aufmacht und dafür sorgt, dass über dieses Thema diskutiert wird.

Fazit

Ich ging an dieses Thema natürlich mit einer gewissen Portion Subjektivität heran, wie schon eingangs erwähnt, neigen wir dazu das zu sehen, was zu unserem Weltbild passt. Nichtsdestotrotz sind all die von mir aufgezählten Szenen online abrufbar, jeder kann sie sehen und für sich selbst bewerten. Und mit aller mir möglichen Objektivität kann ich da nur sagen, dass es diese Saison deutlich zu viele Fehlentscheidungen gegen Barça und für Real Madrid gab.

Ich erhebe hier keinen Anspruch darauf, dass ich wirklich alle entscheidenden Fehlentscheidungen in den Spielen beider Teams aufgezählt habe. Es sind jene, an die ich mich erinnere und über die nach dem jeweiligen Spiel öffentlich diskutiert wurde. Wie man an dem Twitter-Post von Gerard Piqué sehen kann, sind in einigen dieser Fälle selbst die Medien aus Madrid (AS und Marca) derselben Meinung und stimmen zu, dass es spielentscheidende Fehlentscheidungen für Madrid und gegen Barça gab.

Piqués Post entstand sicherlich aus Frust, aber aus einem, der verständlich ist, weil er auf Tatsachen beruht, zumindest in dieser Saison. Das Niveau der Schiedsrichter in Spanien ist sehr niedrig, nicht nur in den Spielen der Blaugrana und der Merengues. Es soll hier also nicht darum gehen, eine Verschwörungstheorie aufzustellen, sondern einfach darum, zu erwähnen, dass die Schiedsrichterleistungen deutlich zu schlecht sind und in vielen Situationen eine klare Linie fehlt, sodass man als Spieler nicht immer weiß, woran man ist. Das beste Beispiel hierfür sind die Handspiele in den Spielen von Barça und Madrid bei Villarreal.

Bei all diesen Fehlentscheidungen soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass die Katalanen eigentlich souverän durch diese Spielzeit spazieren. Sie spielen nicht konstant genug und haben zu oft nicht die von ihnen erwartete Leistung abgerufen. Es gibt systematische Probleme im Mittelfeld und viel zu verbessern. Doch all das ändert nichts an der Tatsache, dass der Mannschaft zu oft vom Schiedsrichter in engen Spielen noch ein Bein gestellt wurde, während dem Erzrivalen und Hauptkonkurrenten in engen Spielen zu oft unter die Arme gegriffen wurde.

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