Kommentar: Warum Barças Transferpolitik inakzeptabel ist

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Als Culé hat man es diesen Sommer echt nicht witzig, wenn man täglich diverse Sportzeitschriften verfolgt. Jeden Tag wird ein anderer Spieler als erklärtes Transferziel Nummer eins beschrieben und jeden Tag erwischt man sich, also ich mich zumindest, dabei, sich wieder zu ärgern, da keines der Transferziele, außer die, die Barça weiterbringen könnten, realistisch erscheinen. Paradox, aber es ist so. Ich habe mir das Ganze ein wenig genauer angesehen und meine Gedanken dazu niedergeschrieben. Ein Kommentar.

Zunächst möchte ich festhalten, dass ich hier selbstverständlich nur meine eigene Meinung wiedergebe. In der Barçawelt-Redaktion haben wir unter uns Autoren oft hitzige Debatten darüber, wer Barça denn weiterhelfen könnte. Im Forum teilen sich die Meinungen ebenso. Weiter möchte ich klarstellen, dass die Transferperiode erst am 1. September erstmals wirklich analysiert werden kann. Insofern relativiert sich dieser Kommentar vorerst auch noch ein wenig. Die Gedanken möchte ich trotzdem mit den Barçawelt-Leserinnen und -Lesern teilen.

Paulinho: Aber wieso?

Diese Frage versuche ich mir seit Tagen selbst zu beantworten. Ich komme aber nicht auf die Antwort. Klar, man denkt an: „Vielleicht braucht Neymar einen neuen Kumpel für die Erkundung von Barcelonas Nachtklubs?“ oder „Eventuell braucht Neymar Sr. eine neue Provision. Vielleicht ist das Handgeld vom Transfer des Sohnemanns bereits verbraucht und die Provision von Douglas auch schon?“ Beide Theorien sind sehr vage und ich kann sie jetzt auch gar nicht auf Fakten stützen, aber der Frust macht sich innerlich schon breit (ich will mit diesen zynischen Fragen natürlich keineswegs jemandem etwas unterstellen). Dennoch macht es den Eindruck, als würden die Kontakte nach Brasilien, die noch aus der Rosell-Ära zu stammen scheinen, weiter im Verein mitmischen. Vitinho wird für das B-Team geholt, Lee muss dafür wohl weichen. Wieso? Ich weiß es nicht. Lucas Lima wurde mit Barça in Verbindung gebracht – hoffentlich nur eine Ente und die Paulinho-Gerüchte halten sich jetzt eben immer hartnäckiger. Der Transfer von Douglas hat viele Culés, darunter auch mich, abgeschreckt. Doch ich habe noch immer die Antwort auf meine ursprüngliche Frage nicht gefunden, ich probiere es erneut. 29 – so alt ist der gute Herr bald. Ist man in Barcelona auf Erfahrung aus? Erfahrung in Europa hat Paulinho jedenfalls nicht sehr viel, ganze 45 Premier League Spiele bei Tottenham, um genau zu sein. Eventuell will man auch den chinesischen Markt weiter erschließen, nur ob das funktioniert, wenn man einen Spieler aus der Liga loseist? Die Rechnung geht nicht auf. Ich komme einfach nicht auf die Lösung, egal – vielleicht offenbart sie sich mir ja noch, wenn die Saison erstmal beginnt (oder wenn der Transfer gar nicht passiert, was ich aber mittlerweile kaum noch hoffe). Eventuell hat Barcelona das Glück und Guangzhou Evergrande hängt so an seinem Spieler, wie Paris an Verratti. Blöd nur, dass Paulinho eine Ausstiegsklausel hat.

Song, Douglas, Vermaelen, Mathieu, Turan

Ich habe aufgehört zu zählen. Während Mathieu und Turan zumindest phasenweise ihre Leistungen geliefert haben und gerade ersterer in der Triple-Saison einen durchaus beachtlichen Beitrag leistete, sind die anderen Namen als komplette Missverständnisse abzustempeln. Alex Song wurde als Hybrid für das defensive Mittelfeld und die Innenverteidigung geholt. Das hat so gut funktioniert, dass Adriano auf beiden Positionen aushalf. Douglas ja, ähm… und Vermaelen scheint ja eh ein cooler Typ zu sein, nur ist er leider die längste Zeit pro Jahr verletzt, was für ihn in erster Linie einmal richtig bitter ist und zweitens die Einsatzzeit für Barça doch erheblich reduziert. Arda wurde für das Mittelfeld geholt, hat aber nur am linken Flügel funktioniert und im Mittelfeld eher keine gute Figur gemacht. Das ist nun auch nicht so verwunderlich, wenn seine angestammte Position in Barças System nicht wirklich existiert. Um es etwas besser auf den Punkt zu bringen: Casemiro, Ceballos, Kroos, Isco, Asensio, Kovačić und Modrić haben Real Madrid in etwa so viel gekostet wie Song, Arda, Gomes, Digne, Mathieu, Vermaelen und Douglas – nämlich über 150 Millionen Euro. Das tut schon weh.

Gomes, Digne, Paco

Im vorherigen Absatz schon angesprochen, sind Gomes und Digne ebenfalls in die Rechnung eingeflossen. Klar, die beiden möchte man noch nicht als Fehlkäufe abstempeln, da sie jung sind und hoffentlich noch eine Perspektive haben – selbiges gilt für Paco. Doch es stellt sich schon die Frage, warum diese Spieler geholt wurden. Was macht einen Digne jetzt um so viel besser als einen Grimaldo? Ich weiß es nicht. Aber vor allem stellt sich die Frage, wieso für André Gomes gut 40 Millionen Euro ausgegeben werden mussten. Man hat heuer gesehen, dass bei Barça ein absolutes Überangebot im Mittelfeld herrscht. Rafinha und Denis können sich ein paar wenige Minuten teilen und dementsprechend nicht performen. Arda setzt man aus Verlegenheit auch noch ab und zu im Mittelfeld ein, dafür wurde er ja eigentlich geholt. Der Transfer von Gomes muss auch noch irgendwie gerechtfertigt werden und Rakitić ist ebenfalls noch da. Insgesamt war die einzige Konstante in dieser Saison ein phasenweise völlig überforderter Sergio Busquets und ein sehr verletzungsanfälliger Andrés Iniesta. Was haben die beiden gemeinsam? Richtig, sie wurden nicht von außen geholt. Insgesamt war Barças Mittelfeld total ausgehungert und das, obwohl sich fast eine ganze Mannschaft alleine mit Mittelfeldspielern hätte aufstellen lassen können – großartig.

Gibt es Hoffnung?

Bei diesem Präsidium muss ich um ehrlich zu sein sagen: Ich glaube nicht. Meine bescheidene Prognose ist, und ich muss zugeben, ich bin ein absoluter Pessimist in dieser Hinsicht: Paulinho und Bellerín werden geholt und als die fehlenden Säulen gefeiert. Guangzhou Evergrande wird den Braten gerochen haben und Barça einfach die Ausstiegsklausel zahlen lassen. Nach zwei Jahren wird man darauf kommen, dass der Transfer ein „Missverständnis“ war und Paulinho wird ablösefrei, eventuell mit Abfindung, den Verein verlassen. Versteht mich nicht falsch: Es ist nicht so, dass ich Paulinho nicht auch eine faire Chance geben will und ihm nicht in jedem Spiel, in dem er unser Trikot trägt, die Daumen drücken will. Aber der Frust sitzt bei mir, wie bei vielen anderen auch, einfach sehr tief. Der Vertrag des besten Spielers aller Zeiten läuft dann aus, wenn offiziell die Amtszeit dieses Präsidiums endet. Das macht mich ziemlich traurig.

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