Barça überwiegend einfallslos

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Wer hätte es für möglich gehalten, dass das Spiel gegen Lechia Gdansk so schwer werden würde. Die Begegnung war wieder ein Beleg für die Werthaltigkeit einer großen physischen Aufopferung und einer außerordentlichen taktischen Disziplin. Sie war aber auch ein weiteres Mosaik in der Beweisführung gegen den FC Barcelona. Der Mannschaft ist es nicht gelungen, sich in dem erforderlichen Umfang auf den Gegner einzustellen.

Dieser stemmte sich mit einem hohen Laufaufwand gegen den katalanischen Widersacher, aber durchaus auch mit taktischer Raffinesse. Das Defensivsystem, das den Katalanen viele Probleme beim Spielaufbau bereitete, war weitestgehend ein 4-4-2 bzw. 4-4-1-1. In diesem wurde den Stürmern die Aufgabe zuteil, Anspiele auf Alexandre Song zu unterbinden, indem man ihn in Deckungsschatten nahm oder in Manndeckung, sofern er sich in ihrem Aktionsradius bewegte. Damit war Song als Ballverteiler im Zentrum praktisch lahmgelegt. Wenn er gefahrlos an den Ball kommen wollte, musste er sich tief zurückfallen lassen, meist zwischen die beiden Innenverteidiger. Dies hatte allerdings nicht zum Zweck, die Innenverteidiger in die Spieleröffnung einzubeziehen, die sich diesbezüglich deutlich zurückhielten. 

Um Anspielstationen für die Innenverteidiger zu generieren, ließen sich zuweilen dos Santos und Sergi Roberto bis auf Höhe der Mittellinie zurückfallen. Zuspiele auf die beiden Akteure waren aber ebenfalls mit einem gewissen Risiko behaftet, da sowohl Santos als auch Roberto von den beiden Sechsern, alternativ auch von den äußeren Mittelfeldspielern, in Manndeckung genommen worden sind und sich ihrem Zugriff erst jenseits der Mittellinie in der eigenen Hälfte entziehen konnten. Die alternative Übernahme durch die äußeren Mittelfeldspieler belegt die Tatsache, wie eng der Kettenverbund der polnischen Mannschaft beieinanderstand. Sobald sich Lionel Messi nach hinten begab, wurde er von einem der beiden Sechser übernommen, während der äußere Mittelfeldspieler sich um Sergi Roberto oder dos Santos kümmerte.

In Verbindung mit den sehr engen Abständen der Spieler zueinander wurde der FC Barcelona vielfach zu riskanten Zuspielen genötigt, die nicht selten in einem vorzeitigen Ballverlust mündeten. Erschwerend kam das Verhalten des polnischen Halbstürmers hinzu, der die Mittelfeldspieler bei der Balleroberung unterstützte und zusätzlichen Druck aufbaute, indem er den Gegner direkt anging oder aber Anspielstationen zustellte. Dirigiert wurde das ganze Vorgehen von Lechias lautstarkem Trainer, der permanent Anweisungen aufs Feld brüllte und die Handlungen seiner Spieler gut koordinierte. Das Zentrum war also dicht, sodass der FC Barcelona häufig die Spieleröffnung über die Außenbahnen wählte – untypisch für die Katalanen, die das Spiel allzu gerne erst im letzten Spielfelddrittel öffnen wollen. Auf den Außenbahnen kann der Gegner aufgrund der räumlichen Beschränkungen gut Druck aufbauen.

Diese Vorgehensweise gepaart mit dem erstaunlichen Aufwand, den die Spieler Lechias betrieben haben, war keine leichte Nuss für den FC Barcelona. Dass sie sich mit dieser Spielweise, die praktisch von jeder La Liga-Mannschaft durchgeführt werden könnte, derart schwer taten, war etwas überraschend. Enttäuscht muss man sein von den nicht existenten Anpassungen an die Spielweise des Gegners. Die extreme Positionstreue des Barcelona-Mittelfelds machte es dem Gegner relativ leicht, einen guten Überblick und Ordnung beizubehalten. Intelligente Laufwege und kollektivtaktische Maßnahmen suchte man bei den Spielern des FC Barcelona vergebens. Es wird Zeit, dass ‚Tata‘ Martino einige seiner Ideen implementiert.

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