Diskussion: Wer sollte der nächste Präsident bei Barça werden und warum?

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Die Frage nach dem nächsten Präsidenten des FC Barcelona mag nicht ganz so spannend wie ein Finale der Champions League im Juni sein. Gleichwohl überragt die Wichtigkeit des Amtes und die Diskussionen vor der Wahl werden mit entsprechend harten Bandagen geführt. Neben dem Barçawelt-Team fiebern auch die zahlreichen Leser unserer Seite der anstehenden Wahl entgegen. Aus aktuellem Anlass haben wir daher einmal mehr ihnen die Möglichkeit gegeben, ihre Meinung zu folgendem Thema preiszugeben: Wer sollte der nächste Präsident werden und warum?

Cule80: Für La Masia, Unicef und den Fußball

Wir freuen uns, dass sich unser Mitglied Cule80 erstmals in unserer Roundtable-Runde eingefunden und den Mumm hat, für seine Meinung einzustehen. Er hat eine ganz bestimmte Vorstellung vom Verein und sieht nur einen Kandidaten, der sie in die Tat umsetzen kann:

„Més que un club – Mehr als ein Verein, das ist auch mehr als eine leere Worthülse, in mehrfacher Hinsicht zeigt sich Barça als gesellschaftliche Institution, als vielseitiger, kompetenter, offensiver Spielmacher – im Sturm auf innovative Nachwuchsarbeit ebenso wie als Verteidiger von Demokratie und Freiheit und am Anstoßpunkt für soziales Engagement. Genau diese Werte müssen verteidigt werden. Es sind diese Bestandteile, welche den FC Barcelona so berühmt und in der Welt auch anerkannt gemacht haben. La Masia, Unicef und die Idee vom Fußball à la Johan Cruyff sind die Eckpfeiler von Barça und sollten so auch in Zukunft zu finden sein. Es wird die Frage sein: Wohin wollen wir? Wollen wir, wie in den letzten Jahren, in Prozesse verwickelt sein? Nur noch eine Geldmaschine sein? La Masia immer mehr vernachlässigen? Was unterscheidet uns denn dann noch von anderen Vereinen wie Real Madrid? Wenn diese Werte verteidigt werden sollen, dann kann es am 18.07.2015 nur eine Option geben: Pro Joan Laporta!”

Austrokatalane: Auf der Suche nach neuem, alten Vertrauen

In zahlreichen Diskussionsrunden innerhalb des Barçawelt-Autorenteams hat unser Mitglied Austrokatalane hinsichtlich der Präsidentschaftswahl einen klaren Standpunkt bezogen. Seine Argumente haben eine größere Bühne verdient:

„’Sie sind Qatar, wir sind Unicef’, lautet sinngemäß der Wahlspruch Laportas. Der Wahlkampf ist eng, Bartomeu ist laut Umfragewerten aktuell vorne, wenn auch nur knapp. Benedito und Freixa scheinen chancenlos.

Ich für meinen Teil spreche mich auch klar für Laporta aus. Gründe hierfür scheinen schnell gefunden. Der wohl wichtigste für mich persönlich ist der, dass ich mich als Culé von Laporta schlichtweg besser repräsentiert fühle. Joan Laporta verkörpert, wie ich finde, schlichtweg besser, was den FC Barcelona zu einem solch speziellen Verein macht. La Masia, Umgang mit Legenden, Verbundenheit gegenüber Katalonien. Auch wenn ich als Österreicher mit katalanischem Nationalstolz kaum in Berührung komme, finde ich, dass ebendiese Werte, die Barça eben zu mehr als einem Klub machen, auch weiterhin von der Vereinsführung mitgetragen werden sollten.

Ein weiterer wichtiger Grund ist Vertrauen. Ich persönlich vertraue Laporta und seinen Idealen mehr als jenen von Bartomeu. Bartomeu und sein Team haben sich meiner Meinung nach zu weit von ‘més que un club’ distanziert, und das gefällt mir nicht. La Masia liegt mir, wie auch vielen anderen, sehr am Herzen, und nach den jüngsten Transfers, so wohlklingend die Namen auch sein wollen, sehe ich hier schlichtweg keine Weiterführung dieses unfassbaren Gutes. Im Finale der FIFA Klubweltmeisterschaft 2011 standen neun La-Masia-Absolventen auf dem Platz. Wenn es so weiter geht, dann sind es bald nur noch vier.

Von Pro-Bartomeu-Seite aus hört man oft das finanzielle Argument. In vielen Aspekten agiert man hierbei aber auch äußerst fragwürdig. Dubiose Vorverträge mit Talenten aus Brasilien, hohe Ablösesummen für Spieler jenseits der 30er, der absolut intransparente Neymar-Transfer und das damit in Verbindung stehende Gerichtsverfahren sowie undurchschaubare Sponsorenverträge mit Katar haben mein Vertrauen in dieser Hinsicht jedenfalls zerstört.

Ich für meinen Teil spreche mich also für Laporta aus und hoffe, dass Barça mit ihm zu alten Werten und Tugenden zurückfindet.”

Roland: Nicht mehr auf Kosten der künftigen Konkurrenzfähigkeit leben

Mit Roland hat schließlich ein sehr gern gesehenes und fachlich äußerst kompetentes Forenmitglied Stellung bezogen. Er schätzt die Sachlage aber ein wenig anders ein als seine Vorredner und setzt andere Schwerpunkte:

„Ganz entscheidend für die Frage, welcher Kandidat für mich geeigneter ist, ist die Identifikation der anstehenden Herausforderungen. Ich sehe sowohl im wirtschaftlichen als auch im sportlichen Bereich Punkte, die es zu meistern gilt. Ökonomisch gesehen muss der Verein früher oder später plausible Konzepte vorlegen, wie er auf die zentrale Vermarktung reagieren wird. Außerdem gilt es, den digitalen Auftritt Barcelonas international salonfähig zu machen und neue Märkte zu erschließen. Auf der anderen Seite muss Barcelona weiterhin konsequent auf die Passivseite schauen. Konsolidierung der Bücher ist zwar unpopulär, aber wichtig. Gerade vor dem Hintergrund einer Renovierung des Stadions oder dem unbeliebten Espai Barça.
Auch sportlich darf man jetzt nichts schleifen lassen. Man ist zwar jetzt an der Weltspitze, dieses Niveau zu halten ist aber sogar noch schwerer als dorthin zu kommen.

Ich glaube, dass Bartomeu insgesamt der geeignetere Kandidat für diesen Job ist. Im Gegenteil zu seinem Rivalen Laporta stellt Bartomeu Konzepte und Ideen vor, die die Ökonomie des Vereins stärken. Sie sind ganz sicher nicht optimal, wie beispielsweise die Refinanzierung durch Jugendspieler oder die angestrebte Vertragsverlängerung mit Katar aufzeigen, doch meilenweit besser als der Zustand, den Laporta hinterlassen hat. Darüber hinaus rechne ich ihm hoch an, dass er durchaus bereit ist, obsolete Traditionen zu brechen. Eine eher seltene Eigenschaft in Katalonien. Positiv empfinde ich auch den konsequenten Weg der Konsolidierung. Barcelona lebte lange Zeit auf Kosten ihrer künftigen Konkurrenzfähigkeit. Diese Tendenz konnte man stoppen und das rechne ich auch ihm an.
Auch aus sportlicher Sicht bin ich zufrieden. Unter ihm gelang der lange geforderte Umbruch und ein wichtiger Baustein war Bartomeu, der sich bei den Transfers nicht in den Vordergrund stellte, sondern in erster Linie vom Trainer geforderte Spieler einkaufte. Ich habe auch keine Zweifel, dass er Lucho den benötigten Handlungsspielraum gewährt, um die Mannschaft entsprechend weiterzuentwickeln.

Es gibt zwar so einige Punkte, die mir an Bartomeu nicht gefallen, aber mangels Alternative ist er der Mann, dem ich meine Stimme gegen würde.”

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