Mina-Tor brachte nichts: Kolumbien im Elfmeterschießen ausgeschieden

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Es ist die bitterste Art, um ein Match zu verlieren. Noch dazu in einem WM-Achtelfinale, im Elfmeterschießen. Dieses Schicksal ereilte tapfere Kolumbianer rund um Barcelona-Verteidiger Yerry Mina gegen insgesamt enttäuschende Engländer, die wiederum ihr eigenes Trauma überwinden konnten. Nach einem 1:1 n.V. siegte England schließlich mit 4:3 im Elferschießen, wobei Jordan Pickford der umjubelte Held war.

Hitzige Diskussionen als Höhepunkte

Die Partie startete abwartend. In Minute 5 dann die erste gute Freistoßposition für England, nachdem Yerry Mina den Ball vorher im Rutschen mit der Hand spielte. Doch die Hereingabe wurde geklärt. England wollte früh den Weg ins Viertelfinale ebnen und machte weiter Druck, wobei die Torgefahr eher ausblieb. Stürmerstar und Kapitän Harry Kane setzte einen Kopfball nach 16 Minuten auf das Netzdach. Wenige Minuten später wurde auf der Gegenseite Radamel Falcao von Cuadrado angespielt, fand aber nicht den Abschluss. Letztgenannter war dann in der 34. Minute in einem Laufduell gegen Harry Maguire verwickelt, dem ein Schubser folgte. Eine weitere unnötige Aktion, nachdem Falcao Momente vorher mit Kieran Trippier eine unschöne Diskussion führen wollte. Yerry Mina spielte bis dahin recht solide und hatte mit seinen Abwehrkollegen die Angriffsbemühungen der Engländer im Griff. Selber konnte Kolumbianer aber keine Torgefahr ausstrahlen, ein Schuss vom agilen Quintero ging meterweit neben den Kasten. In Minute 40 dann der nächste Aufreger: Freistoß für England, die Mauer wird gerichtet. Dabei leistete sich Michael Barrios gegen Jordan Henderson eine Unsportlichkeit: die Andeutung eines Kopfstoßes im Brustbereich, nach wilden Protesten der Engländer gibt es aber nur Gelb. Der anschließende Schuss von Trippier segelte knapp neben die Stange. In den letzten Augenblicken des ersten Durchgangs versuchte es Quintero nochmal, doch der Schuss fiel zu zentral aus, kein Problem für Pickford.

Halbzeitstand 0:0, die Gemüter beruhigten sich. Die Partie war mehr von Vorsicht und Stabilität geprägt, die Engländer wollten mehr für das Spiel machen, es fehlte aber die Genauigkeit und der Mut vorne. Außerdem leisteten sich beide Seiten unnötige Rudelbildungen auf dem Rasen. Hinten standen beide Mannschaften sicher, damit auch Yerry Mina. Bei Eckbällen des Gegners war der Innenverteidiger meist zur Stelle und putzte aus. Auch bei Angriffen des Gegners wirkte der Barça-Mann sattelfest.

Mina macht es wieder, Ausgleich nach England-Führung!

Die zweite Halbzeit startete mit einer gelben Karte für Santiago Arias, Grund war ein Ellbogencheck gegen Harry Kane. Kurz darauf dann der Elferpfiff von Schiedsrichter Geiger. Diesmal unstrittig, kein Videobeweis notwendig. Carlos Sánchez reißt Harry Kane zu Boden, dummes Foul. Kane tritt selbst an und verwertet eiskalt in die Mitte. Ein Tor, das dem Spiel nur gut tun konnte. Nun mussten die Südamerikaner kommen. Die nächste Aktion war wieder eine unschöne: John Stones streifte den am Boden liegenden Falcao mit dem Fuß am Kopf, Gelb gab es diesmal nicht. Nach einer guten Stunde kam mit Carlos Bacca noch ein Stürmer, um die Offensive zu verstärken, Lerma machte Platz. Bacca sah kurz darauf ebenfalls Gelb, Jones wurde gefoult. Die nächste Minuten waren nur von Hektik geprägt, Szenen im Angriff waren Fehlanzeige! Jesse Lingard in Minute 69 mit dem nächsten Eintrag in den Notizblock, klares Zupfen gegen Sánchez. Referee Geiger hatte wahrlich keinen ruhigen Abend in Moskau. Wenige Minuten später hatte Lingard in sportlicher Hinsicht die Chance, sich als Assistgeber zu beweisen, sein Pass zu Kane kam jedoch nicht an.

Die Schlussviertelstunde brach an und die hatte es in sich. Kolumbien machte nun mehr Druck und brachte mit Uribe einen weiteren Spieler. Eric Dier ersetzte Dele Alli, um das knappe 1:0 über die Zeit zu bringen. Diese Führung wurde fast egalisiert, fast, weil Cuadrado aus aussichtsreicher Position stümperhaft verzog, die Kugel segelte klar über die Latte. Fünf Minuten später fand Johan Mojica auf der linken Seite Platz für eine Flanke, Falcao konnte diese aber nicht verwerten. Mit Muriel und Vardy kamen auf beiden Seiten noch Stürmer ins Spiel, doch es war ein Innenverteidiger, der in der Nachspielzeit nach einem Corner auf sich aufmerksam machte. Kein Geringerer als Yerry Mina schraubte seine 1,95 m in die Höhe und köpfte mit voller Wucht den Ball via Latte ins Netz. 1:1! Trippier konnte dabei nicht mehr retten. Es hätte aber schon vorher klingeln können, der Strahl von Uribe wurde von Pickford aber gerade noch pariert. Die darauf folgende Aktion nutzte dann der junge Verteidiger vom FC Barcelona eiskalt zum Ausgleich. Sein drittes Tor im Turnier.

Nach dem 1:0 waren die Engländer nur darauf aus, das Spiel zu verwalten. Offensiv kam kaum mehr was, Harry Kane mit einer unauffälligen Leistung. Bis Minute 93 ging das Verwalten auch gut, bis Yerry Mina den späten, aber zu diesem Zeitpunkt hochverdienten Ausgleich für sein Land erzielte. Damit konnte er seine gute Leistung auch mit einem Tor krönen.

Kolumbien in Verlängerung besser – England mogelte sich durch

Was ein Tor alles bewirken kann, zeigte im Anschluss die Verlängerung. England war völlig von der Rolle, Kolumbien witterte nun seine Chance und übernahm die Kontrolle über das Spiel. In Minute 102 schlug der erneut starke Juan Cuadrado eine Flanke zu Carlos Sánchez, der Kopfball ging aber daneben. Zwei Minuten bediente Mojica Falcao, auch sein Kopfball fand nicht das Tor. England wackelte gehörig. Im zweiten Abschnitt der Verlängerung fanden aber auch die Engländer eine gute Chance vor. Der für Ashley Young eingewechselte Danny Rose wagte einen Vorstoß, verschoss aber knapp. Das Leder rollte neben das lange Eck.

Das Elfmeterschießen und England, zwei Dinge, die in der Historie nie zusammengepasst haben. Doch die Engländer wollten diesen Fluch brechen. Und das taten sie. Einen verschossenen Elfmeter von Liverpool-Mann Henderson konnte Uribe nicht für einen Vorsprung nutzen und knallte den Ball an die Latte, nachdem zuvor alle Schützen getroffen haben. Nach Trippiers Treffer wurde dann Carlos Bacca zum tragischen Helden, Pickford hielt den schwach geschossenen Elfmeter. Englands letzter Schütze, Eric Dier, behielt die Nerven und versenkte den Ball ins linke untere Eck, Ospina konnte das Aus nicht mehr verhindern. Schwach in der Verlängerung, bessere Nerven im Elfmeterschießen. England somit weiter, Yerry Mina nach hartem Kampf mit Kolumbien raus!

Drei Tore als Innenverteidiger erzielt

Im Achtelfinale zwar gescheitert, aber dennoch eine tolle WM gespielt: Yerry Mina. Im ersten Gruppenspiel gegen Japan nicht eingesetzt, wurde der 23-jährige für die restlichen drei Partien von José Pékerman in die Startformation gestellt, wo der Hüne gute Leistungen an den Tag legte. Gegen Polen erzielte er das wichtige Führungstor per Kopf, als man am Ende souverän 3:0 siegte. Im abschließenden Spiel gegen den Senegal wurde der zweite Sieg gefeiert, wobei Mina beim 1:0-Erfolg zum Matchwinner wurde und Kolumbien so den Gruppensieg bescherte. Mit zwei Treffern war Yerry Mina Toptorjäger seines Landes, da Falcao, Quintero und Cuadrado je 1x das Netz fanden. Im Achtelfinale stellte er seine Gefährlichkeit nach Eckbällen erneut unter Beweis und schockte die Engländer mit seinem späten Kopfballtreffer zum Ausgleich. Im Elfmeterschießen wurde er als Schütze von Trainer José Pékerman nicht nominiert.

Neben seinen Toren konnte Yerry Mina vor allem mit seiner Robustheit und Abgeklärtheit punkten. Topstürmer wie Robert Lewandowski und Harry Kane fanden großteils kein Durchkommen am großen Verteidiger, wobei der Mann vom FC Barcelona vor allem im Achtelfinale eine starke Zweikampfquote aufweisen konnte. Bei hohen Bällen war der junge Mann ebenfalls immer zur Stelle und konnte die Situation schnell bereinigen. Zusammengefasst war diese Weltmeisterschaft sicherlich eine gelungene für Yerry Mina, der nach sämtlichen Nichtnominierungen beim FC Barcelona nun seine Qualitäten im Dress der Nationalmannschaft demonstrieren konnte. Dabei gewinnt seine Nützlichkeit für den Kader von Ernesto Valverde an neuen Wert, was dieser in der Kaderplanung wohl mit berücksichtigen wird müssen. Tolles Turnier, Yerry!

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