Spielanalyse Atlético Madrid gegen FC Barcelona

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Im Vicente Calderon fand das Hinspiel des spanischen Supercups zwischen dem Pokalsieger Atlético Madrid und dem Meister aus Barcelona statt. Es war eine wie gewohnt sehr intensive Partie, wenngleich es diesmal kein Festival der Chancen war, dafür aber der Zweikämpfe und der taktischen Besonderheiten.

Tata Martino vertraute folgenden elf Spielern:

Einwechslungen:

45. Fàbregas für Messi
58. Neymar für Pedro
88. Song für Xavi

Atlético – Defensiver Fokus

Lange Zeit kannte man Atlético Madrid dafür, dass sie schönen Offensivfußball spielen, dafür aber defensiv oft wie ein wilder Hühnerhaufen agierten. Das ist spätestens seit der letzten Saison nicht mehr der Fall. Diego Simeone hat es geschafft, die ganze Mannschaft zu stabilisieren und insgesamt in der Rückwärtsbewegung deutlich zu verbessern. Er führte ein taktisch klug gespieltes Pressing ein, an dem sich jeder Spieler beteiligt und womit man es dem Gegner schon vom Moment des Ballverlustes an sehr schwer macht. Dies – kombiniert mit der Konterstärke von Atlético – führt dazu, dass sie eine Mannschaft sind, die sich vor keinem verstecken muss, was neben dem heutigen Spiel auch der Final-Sieg im Pokal gegen Real Madrid und der klare Sieg im Europäischen Supercup gegen Chelsea beweisen.

In der Regel spielt Atlético wie gesagt ein relativ offensives und hohes Pressing, nicht aber im Supercup-Hinspiel gegen Barcelona. Atlético Madrid zog sich sehr weit zurück und ließ selbst Barças Innenverteidiger weit in die eigene Hälfte marschieren. Circa in der Mitte der eigenen Hälfte attackierten die beiden Stürmer David Villa und Diego Costa die Katalanen, während dahinter quasi zwei Viererketten verteidigten. So gelang es den Madrilenen, Barcelona den Platz im Zentrum zu nehmen und sie dazu zu animieren, den Ball nach außen zu spielen. Dort fand Barça aber auch keinen Platz, da die beiden Flügelspieler der Gastgeber, Koke und Arda Turan, ebenfalls sehr gut mit nach hinten arbeiteten. Es gelang Atlético also, den Gästen quasi überall in Tornähe den Platz zu nehmen, sowohl im Zentrum, als auch auf den Außen. So kam Barcelona im ersten Durchgang auch nur zu zwei relativ gefährlichen Aktionen, während die Madrider in Führung gehen konnten.

Schnelle Konter gegen hoch stehendes Barcelona

Offensiv hatte Atlético auch einen Plan. Sobald man den Ball eroberte, rückten neben dem Balleroberer auch die Stürmer sowie die Flügelspieler mit nach vorne; in speziellen Fällen auch weitere Spieler, dies war situationsabhängig. Da die Madrider auch viele technisch starke Spieler haben, gelang es ihnen einige Male, sich sehr gefällig nach vorne zu kombinieren und sich Víctor Valdés zu nähern. Der erste wirklich ausgespielte Konter führte auch schon zum Tor. Nach einem Doppelpass mit David Villa flankt Arda Turan den Ball in den Rückraum, von wo aus Villa sehenswert zur Führung der Gastgeber trifft.
Aber auch darüber hinaus hatte Atlético einige gute Konterchancen, die sie teils auch gefährlich werden ließ. Allerdings kamen sie zu keiner zwingenden Torchance mehr, lediglich zu zwei Abschlüssen, die Víctor Valdés aber vor keine wirklichen Probleme stellten.
Atlético Madrid hat viel Offensivpotenzial und dies gegen Barcelona in Ansätzen auch gezeigt, jedoch fehlte auf den letzten Metern die Präzision, um sich mehrere wirklich gute Chancen zu erspielen.

Barcelonas Pressing – zunächst wirkungsloser Einsatz

Das Pressing ist unter Tata Martino wieder ein sehr wichtiges Element im Spiel von Barcelona und daher wird auch sehr viel über eben jenes Pressing berichtet. In der Vorbereitung und gegen Levante war es sehr effektiv und auch sehr ansehnlich, gegen Atlético Madrid funktionierte es in der ersten Halbzeit nicht so, wie man sich das eigentlich vorstellte –  aber wieso? Zunächst einmal muss man sagen, dass es den Spielern nicht an Einsatz mangelte, die Laufbereitschaft war vorhanden, aber es fehlte etwas anderes: die Organisation. Barcelona rannte prinzipiell genug, um ein gutes Pressing zu spielen, jedoch war das Team nicht organisiert genug und zudem war die Positionierung der Spieler teils einfach ungenügend. Es ist schwierig eine wirkliche Erklärung für dieses teils „verwirrt“ wirkende Pressing von Barcelona zu finden. Eventuell liegt es einfach daran, dass man sich immer noch in der Findungsphase befindet und es noch eine gewisse Zeit brauchen wird, bis die Mannschaft alle Ideen von Martino verinnerlicht hat und bis das Pressing fast automatisch so funktioniert, wie sich der neue Trainer das vorstellt.
Im zweiten Durchgang bekam Barcelona mehr Zugriff auf das Spiel. Martino scheint in der Pause die richtigen Worte gefunden und die Mannschaft taktisch neu justiert zu haben, sodass sie sich besser positionierte und sowohl besser als auch effektiver gegen den Ball arbeitete.

Ohne Messi kommen die Chancen

Kurioserweise kamen die Chancen für Barcelona erst in der zweiten Halbzeit, also ab dem Zeitpunkt, in dem Lionel Messi – aufgrund einer Verletzung – schon nicht mehr auf dem Platz stand. Neben den schon im ersten Durchgang überzeugenden Busquets und Mascherano traten nun auch Alexis Sánchez, aber auch Fàbregas und Xavi mehr in den Vordergrund und rissen das Spiel an sich. Xavi fand mehr Lücken, hatte mehr Ideen und schaffte es, Pässe durch Lücken nach vorne zu spielen, etwas, das man in der ersten Halbzeit nicht sah. Sánchez war beweglich, konnte sich seinen Bewachern entziehen, die Bälle halten und selbst gefährlich werden. Den Katalanen gelang es jetzt, Atlético vor Probleme zu stellen. Man schaffte es wieder Überzahl in Ballnähe zu kreieren und dadurch den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten. Barcelona spielte geduldig und kam so zu der einen oder anderen Chance. Dem eingewechselten Neymar – der auch ansonsten relativ gut spielte – war es dann vorbehalten, nach Flanke von Alves per Kopf zum wichtigen Ausgleich zu treffen.

Nach diesem Tor ging Atlético Madrid merklich die Luft aus. Es spielten fast nur noch die katalanischen Gäste, die dem Sieg letztlich deutlich näher waren. Das Remis geht unterm Strich in Ordnung. Den Gastgebern gehörte, auch ohne große Chancen, die erste Halbzeit, Barcelona mit Abstrichen die zweite. Die Katalanen haben durch das Auswärtstor einen kleinen Vorteil, aber ob dieser ihnen für das Rückspiel etwas bringen wird, werden wir erst beim Match nächste Woche im Camp Nou sehen.

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