Tito Vilanova – Ein Genius in der Fußballwelt

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Nun ist bereits ein ganzer Tag vergangen, doch der Tod des ehemaligen Barça-Trainers, Tito Vilanova, wirkt weiterhin irreal. Wie ein Schlag traf es die gesamte Barça-Welt, am schwersten die Familie. Dieser Artikel soll den Genius von Tito Vilanova herausstellen. Ohne ihn gäbe es das beste Barça aller Zeiten nicht. Mit seinen Ideen hat er einen wesentlichen Beitrag zu einer wundervollen Zeit geleistet. Einer Zeit, die zu Unrecht nur mit Pep Guardiola in Verbindung gebracht wird.

Tito Vilanova und die ‚Falsche Neun‘

Erstmals beim FC Barcelona kam sie während der Saison 2008/09 zur Anwendung. Eine taktische Maßnahme, die dem FC Barcelona am Ende das erste Tripple in Spanien und den ersten Gewinn von sechs Titeln in einem einzigen Jahr und daraufhin auch noch viele weitere Trophäen ermöglichte – die ‚Falsche Neun‘. Real Madrid war eine der ersten Mannschaften, die die Wucht der ‚Falschen Neun‘ zu spüren bekam – und wie! Mit 6:2 fertigten die Katalanen die sichtlich überforderten Madrilenen im Bernabéu ab. Wie kam es dazu? Messi agierte diesmal nicht wie gewohnt auf dem Flügel. Diesmal wurde er im Zentrum aufgestellt, Eto’o wich auf den Flügel aus. Der Hammer kommt aber erst jetzt: Lionel Messi agierte in dieser Partie nicht als ‚Echte Neun‘. Er war Freigeist, überall auf dem Spielfeld vorzufinden. Die Taktik von Real Madrid? Mit einem Geniestreich über Bord geworfen! Der FC Barcelona war nicht zu stoppen und deklassierte die Hauptstädter. Es war ein Geniestreich, welcher in der Welt nur Pep Guardiola gutgeschrieben wird. Natürlich hatte er Anteil daran, dass diese taktischen Maßnahmen vollzogen werden, doch stammte die Idee der ‚Falschen Neun‘ nicht von ihm, so berichtete die Mundo Deportivo. Sie entstammte der Gedankenwelt von Tito Vilanova und Carles Rexach. Tito Vilanova analysierte die Vorteile der ‚Falschen Neun‘ und überzeugte schlussendlich Pep Guardiola, es mit ihr zu versuchen. Die Erfolge geben dem Trio Recht. Schade ist nur, dass diese Leistung nur einer Person zugutegehalten wird.

Titos Bedeutung wird offenbar

Die Bedeutung von Vilanova im Trainerstab kam allerdings erst während Peps letzter Saison so richtig zum Vorschein. Um genauer zu sein in der Rückrunden-Partie gegen Villarreal. Es war eine hartnäckige Partie. Villarreal verteidigte mit der ganzen Mannschaft und fokussierte sich ausschließlich auf das Kontern. Pep Guardiola wusste nicht mehr weiter, und so griff er während der Partie zum Hörer. An der anderen Leitung war Tito Vilanova, der aufgrund der Weiterbehandlung seiner Erkrankung nicht gemeinsam mit Guardiola an der Seitenlinie stand. Was geschah danach? Ab der 60. Spielminute wechselte Barça drei Mal, in der 76. Spielminute doppelt. Ausgewechselt wurden Piqué, Xavi und Adriano. Hinein in die Partie kamen Sánchez, Tello und Thiago. Von nun an waren vier Stürmer, drei Mittelfeld- und auch drei Abwehrspieler auf dem Spielfeld. Was Tito zu Pep gesagt hat, ist klar: Man muss auf ein 3-3-4 setzen, um diese Mauer zu durchbrechen. Und tatsächlich kam Barça speziell in den letzten zehn Minuten zu mehreren hochkarätigen Tormöglichkeiten. Einzig und allein dem eigenen Unvermögen war es geschuldet, dass die Partie 0:0 endete. Übrigens: die 3-3-4-Formation sah man in der Saison 2011/12 öfter. So z.B. auch gegen Getafe. Die Partie konnte Barça 4:0 für sich entscheiden.

Die Pläne A, B, C und D

Dass Tito Vilanova, der nach Guardiolas Rücktritt zum Trainer des FC Barcelona ernannt wurde, nicht auf seine Ideen und die Spielphilosophie verzichtete, kam nicht überraschend. Schon während der ersten Saisonhälfte sah man, mit welcher Konstanz sein Team spielt. Immerhin absolvierte sein Barça die beste Hinrunde, die je ein spanisches Team gespielt hat. In der Hinrunde gewann Barça 17 von 18 Spielen, eines endete remis (El Clásico). Im El Clásico musste der FC Barcelona experimentieren: Wer soll in die Innenverteidigung? Piqué und Puyol waren verletzt. Viele erwarteten Song in der Innenverteidigung neben Mascherano, doch Tito setzte völlig überraschend auf Adriano. Aber warum? Es ist bekannt, dass Real Madrid unter José Mourinho zur konterstärksten Mannschaft herangereift war. Durch Adrianos gute Physis und Schnelligkeit konnte Barça diese Konter unterbinden. Tatsächlich spielte Adriano auf dieser Position eine überragende Partie, und das obwohl er kein gelernter Innenverteidiger ist. Hieran erkennt man den Mut, der Tito und sein Gespann auszeichnete.

Widmen wir uns den Partien gegen Sevilla. Um genauer zu sein, das Hinspiel. Barça war die bessere Mannschaft, die kaltschnäuzigere war allerdings der FC Sevilla. Kurz nach Wiederanpfiff erhöhter Sevilla nochmals auf 2:0. Es schien so, als ob Barça verlieren wird, trotz des Anschlusstreffers durch Fàbregas in der 53. Spielminute. Barça agierte ideenlos. Nicht ideenlos war allerdings Tito Vilanova. Die 70. Spielminute bricht an, und schon wechselt Barça innerhalb von nur neun Minuten gleich drei Mal. Sánchez, Alves und Busquets wurden ausgewechselt. David Villa, Thiago und Tello kamen in die Partie. Die Marschroute war klar: Von nun an agiert Barça in einem 3-3-4. Pedro spielt auf dem rechten Flügel, Tello auf dem linken. Villa agierte als Neuner, Messi dahinter. Durch Villas Positionierung wurden beide Innenverteidiger gebunden, Messi hatte somit mehr Freiraum. Diese taktische Maßnahme machte sich aber sowas von bezahlt! In den Schlussminuten erzielten Fàbregas (89.‘) und Villa (90.‘) die Treffer für die Katalanen und drehten die Partien. Übrigens: Messi breitete die beiden Tore vor. Eine eindrucksvolle Rückmeldung war das, eine taktische Meisterleistung!

Weiter zu den Plänen A, B, C und D, die beim Rückspiel gegen Sevilla im Camp Nou zu sehen waren. Barça lag wieder zurück, doch drehte die Mannschaft die Partie innerhalb von 15 Minuten. Barça-Taktiker allasFCB erkannte die zugrundeliegenden taktischen Pläne. Barçawelt hatte übrigens einmal das Vergnügen, ihn interviewen zu können.

Plan A – Typisches Barça

Barça agierte in dieser Partie im traditionellen 4-3-3. Valdés, Alves, Piqué, Mascherano, Montoya, Song, Thiago, Iniesta, Villa, Messi und Alexis fanden sich in der Startaufstellung. Unterschiede zum Spiel vergangener Jahre waren nicht zu erkennen. Messi agierte wie gewohnt als ‚Falsche Neun‘, Villa und Alexis machten das Spiel breit.

Plan B – Barça wird offensiver

Barça lag mit 1:0 zurück und musste reagieren. Für den angeschlagenen Alexis kam Tello in die Partie. Tello bearbeitete den linken Flügel, Villa spielte von nun an als Neuner. Messi agierte hinter David Villa und Alves beackerte die komplette rechte Außenbahn. Die fehlende defensive Präsenz von Alves wurde durch die Dreierabwehrkette und das Mittelfeld aufgefangen. In der Folge erzielte Barça innerhalb von 15 Minuten zwei Tore und drehte die Partie. Den Ausgleichstreffer erzielte David Villa nach einer Flanke von Dani Alves.

Plan C – Barças Defensivplan

Nachdem die Partie gedreht war, musste Sevilla reagieren. Tito Vilanova reagierte auch und beorderte Villa auf den rechten Flügel und Alves wieder zurück in die Abwehr. Durch Tello und Villa auf den Flügeln konnten viele Angriffe seitens Sevilla früh ausgebremst werden. Lionel Messi spielte wieder im Zentrum, aber nicht nur als ‚Falsche Neun‘. Er positionierte sich so, dass Rückpässe zu den beiden Innenverteidigern unmöglich waren.

Plan D – Erstmals Busquets und Song

Der ‚Plan D‘ sollte nun endgültig für die defensive Stabilität sorgen und das Spiel über die Zeit gebracht werden. In der 79. Spielminute wechselte Tito Busquets für Villa ein, Thiago wechselte dafür auf die Außenbahn. Dennoch agierte er äußerst invers, um das Mittelfeld zu stabilisieren und als eine weitere Anspielstation zu fungieren. Sergio Busquets und Song bildeten tatsächlich keine Doppelsechs. In Wirklichkeit sollte Sergio Busquets die Offensivausflüge von Dani Alves auffangen. So agierte er äußerst rechtslastig. Durch ein Mittelfeld bestehend aus Thiago, Busquets, Song und Xavi (für Iniesta seit Minute 69 drin) konnte die Partie nun endgültig kontrolliert werden. Barça gewann die Partie mit 2:1.

Es ist schade, dass die Mannschaft kurz vor Beginn der Rückrunde für mehrere Monate auf Tito Vilanova verzichten musste. Es kommt nicht von ungefähr, dass Barça daraufhin schlechtere Ergebnisse eingefahren hat als noch während der Hinrunde. Das Team verfiel in alte Muster und das Spiel der Rückrunde war nicht mehr mit dem Spiel in der Hinrunde zu vergleichen. Tito Vilanova wird dem FC Barcelona und der Barça-Welt nicht nur durch seine klugen taktischen Beiträge zu den Erfolgen der stärksten Barça-Mannschaft aller Zeiten in Erinnerung bleiben, sondern auch als der erste Barça-Trainer – gemeinsam mit Roura -, der die 100-Punktemarke in der Liga gebrochen und damit die beste Hinrunde aller Zeiten in Spanien hingelegt hat. Vor allem aber als Mensch, der mit einem unbändigen Willen ausgestattet war, den nur die größten Kämpfer haben. 

Ruhe in Frieden, Tito. Die Fußballwelt wird dich vermissen! 

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