Martín Montoya mit Luft nach oben

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Bildquelle: fcbarcelona.com

Für viele ist Martín Montoya die Zukunft Barças auf der Position des rechten Verteidigers. Wenn es nach der überwiegenden Zahl der Fans ginge, sollte Montoya Dani Alves besser gestern als heute als Stammkraft beerbt haben. Seine Leistungen in der abgelaufenen Saison waren solide und auch die Auftritte bei der U21-EM über jeden Zweifel erhaben. Die Vorbereitungsspiele sollten als Sprungbrett für Montoya dienen, den Druck auf Dani Alves zu erhöhen und seinen Anspruch auf einen Platz in der Stammformation zu bekräftigen. Stattdessen suggerierten sie dem Trainer ein Bild, das Montoya kaum behagen dürfte.

Die Partien gegen den FC Bayern München und gegen Lechia Gdansk waren für Montoya nämlich nicht gerade Werbung in eigener Sache. Offensiv konnte sich Montoya zwar gut in Szene setzen, leistete sich dafür aber defensiv einige Fehler, welche die Mannschaft teuer zu stehen kamen. Gegen Ribery hatte der 22-jährige Spieler einen schweren Stand und wurde nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Fast alle Angriffe liefen über seine rechte Seite, vorgetragen von einem glänzend aufgelegten und hochmotivierten Ribery, der gegen Montoya keine Gnade kannte. Gegen Lechia Gdansk ließ sich der Mann aus Gavá übertölpeln, was letztlich in einem Gegentor resultierte. 

Ist Montoya noch nicht bereit für einen Platz unter den ersten Elf beim FC Barcelona? Bevor man diese These vertritt, sollte man sich die genauen Umstände anschauen und eine relativierende Betrachtung vornehmen. Die Partie gegen den FC Bayern München war das erste Vorbereitungsspiel der Saison nach einer zwei Wochen dauernden Trainingsphase, während die Münchener zu diesem Zeitpunkt bereits Trainingslager und sieben Vorbereitungsspiele hinter sich gebracht haben. Montoyas unmittelbare Gegenspieler besaßen damit einen nicht zu verachtenden Vorteil, der sich auf dem Platz ausgewirkt hat. Darüber hinaus muss man sehen, dass Ribery zum erlesenen Kreis der besten Fußballer der Welt gehört und es nie einfach ist, gegen ihn zu spielen. Dies gilt insbesondere dann, wenn er sich in Spiellaune befindet wie gegen den FC Barcelona, als er offenkundig besondere Spielfreude versprühte. 

Nichtsdestotrotz hinterließ die Leistung von Montoya einen faden Beigeschmack. Auch das primär von ihm verschuldete Gegentor gegen Lechia Gdansk war nicht gerade der lichteste Moment in Montoyas Fußballerkarriere. Diese Leistungen sind nicht hinreichend, um Dani Alves einen Kampf auf Augenhöhe zu liefern, dessen Leistungen entgegen der häufig anzutreffenden Ansicht in die Kategorie “grundsolide” einzuordnen sind. Abgesehen von den Schwächen im Offensivspiel kann Alves mit guten Leistungen aufwarten. Fehler, die aus anderen Bereichen herrührten, wurden in der Vergangenheit zumeist Dani Alves zugeordnet – oftmals weil er weit eingerückt ist. Dass er es in den konkreten Situationen auch tun musste, wurde allzu leicht übersehen. Alles in allem ist Alves ein solider Spieler, der es dem Gegner sehr schwer machen kann. Im Champions League-Halbfinale sah Ribery gegen Alves kaum einen Stich, so paradox das auch klingen mag. Die Bayern haben den FC Barcelona nicht aufgrund einer überragenden linken Angriffsseite geschlagen und damit dank eines Ribery, der schalten und walten konnte wie es ihm beliebte. Hier spielten andere Faktoren eine Rolle. 

Wenn die relativen Vorzüge von Montoya gegenüber Alves ins Gespräch kommen, folgt häufig der Verweis auf sein zurückhaltendes Offensivspiel und die damit verbundene Stabilisierung der Defensive. Zum Teil wird sogar eine Asymmetrie des Systems in dem Sinne gefordert, dass Montoya defensiver agieren könnte als sein linkes Pendant. Seine Auftritte bei der U21-EM sowie die bisherigen Darbietungen in den Vorbereitungsspielen zeigen aber, dass Montoya über herausragende Qualitäten im Offensivspiel verfügt. Er ist schnell, dynamisch und besitzt die Angewohnheit, bis kurz vor die Grundlinie vorzudringen und einen präzisen Pass in die Mitte zu spielen. Das sind Attribute, die er Alves auf jeden Fall voraus hat, einem Alves mit seinen Flanken aus dem Halbfeld, die nur allzu gern ins Nirwana gehen. Es wäre schade, wenn man Montoya das Ausspielen dieser Trümpfe vorenthalten würde. 

Wenn es Montoya gelingt, diese relativen Vorzüge auszuspielen und er darüber hinaus auch seine Leistung in der Defensive verbessert, dann könnte Alves’ Platz in Gefahr geraten. Nur sollte sich Montoya darüber im Klaren sein, dass es für einen jungen Spieler beim FC Barcelona wenige Chancen gibt, sich zu beweisen. Diese sollte Montoya unbedingt nutzen, am besten schon heute im Spiel zu Ehren von Joan Gamper.

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